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Zentralsymmetrische Matrix

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Datei:Matrix symmetry qtl4.svg
Symmetriemuster einer zentralsymmetrischen (5×5)-Matrix

Eine zentralsymmetrische Matrix ist in der Mathematik eine quadratische Matrix, die punktsymmetrisch bezüglich ihres Mittelpunkts ist. Zentralsymmetrische Matrizen treten unter anderem bei der numerischen Lösung bestimmter Differentialgleichungen und bei der Untersuchung von Markow-Prozessen auf.

Definition[Bearbeiten]

Eine quadratische Matrix <math>A \in K^{n \times n}</math> über einem Körper <math>K</math> heißt zentralsymmetrisch, wenn für ihre Einträge

<math>a_{i,j} = a_{n-i+1,n-j+1}</math>

für <math>i,j = 1, \ldots, n</math> gilt.<ref>Thomas Muir: A Treatise on the Theory of Determinants. Dover, New York 1960, S. 19.</ref> Die Einträge einer zentralsymmetrischen Matrix verändern sich demnach nicht, wenn sie am Mittelpunkt der Matrix gespiegelt werden.

Beispiele[Bearbeiten]

Zentralsymmetrische Matrizen der Größe <math>3 \times 3</math> haben die allgemeine Form

<math>A = \begin{pmatrix} a & b & c \\ d & e & d \\ c & b & a \end{pmatrix}</math>

und diejenigen der Größe <math>4 \times 4</math> die Form

<math>A = \begin{pmatrix} a & b & c & d \\ e & f & g & h \\ h & g & f & e \\ d & c & b & a \end{pmatrix}</math>

mit <math>a,b,c,d,e,f,g,h \in K</math>.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Symmetrien[Bearbeiten]

Mit der Permutationsmatrix <math>J \in K^{n \times n}</math> definiert durch

<math>J = (\delta_{i,n-j+1})_{ij} = \begin{pmatrix} 0 & & 1 \\ & \cdot^{\,\cdot^{\,\cdot}} & \\ 1 & & 0 \end{pmatrix}</math>

lassen sich zentralsymmetrische Matrizen auch kompakt durch die Bedingung

<math>J A = A J</math>

charakterisieren. Eine zentralsymmetrische Matrix, die zudem symmetrisch oder persymmetrisch ist, wird bisymmetrische Matrix genannt. Bisymmetrische Matrizen sind sowohl bezüglich ihrer Hauptdiagonale, als auch bezüglich ihrer Gegendiagonale symmetrisch.

Blockstruktur[Bearbeiten]

Zentralsymmetrische Matrizen mit gerader Anzahl von Zeilen und Spalten besitzen eine spezielle Blockstruktur der Form

<math>A = \begin{bmatrix} B & J C J \\ C & J B J \end{bmatrix} \in K^{2n \times 2n}</math>,

wobei <math>B,C \in K^{n \times n}</math> sind. Zentralsymmetrische Matrizen mit ungerader Anzahl von Zeilen und Spalten haben die Struktur

<math>A = \begin{bmatrix} B & y & J C J \\ x & z & x J \\ C & J y & J B J \end{bmatrix} \in K^{(2n+1) \times (2n+1)}</math>,

wobei <math>B,C \in K^{n \times n}</math>, <math>x \in K^{1 \times n}</math>, <math>y \in K^{n \times 1}</math> und <math>z \in K</math> sind.<ref name="horn">Roger A. Horn, Charles Johnson: Matrix analysis. Cambridge University Press, 2013, S. 36.</ref>

Eigenwerte[Bearbeiten]

Die Eigenwerte einer zentralsymmetrischen Matrix mit einer geraden Anzahl von Zeilen und Spalten sind dann gegeben als die Eigenwerte der Matrizen

<math>F = B - JC</math>   und   <math>G = B + JC</math>.

Die jeweils zugehörigen Eigenvektoren haben dann die Form

<math>\begin{pmatrix} u \\ -J u \end{pmatrix}</math>   und   <math>\begin{pmatrix} v \\ J v \end{pmatrix}</math>,

wobei <math>u</math> ein Eigenvektor von <math>F</math> und <math>v</math> ein Eigenvektor von <math>G</math> ist. Bei zentralsymmetrischen Matrizen mit einer ungeraden Anzahl von Zeilen und Spalten sind die Eigenwerte gegeben als die Eigenwerte der Matrizen

<math>F = B - JC</math>   und   <math>\bar G = \begin{bmatrix} z & \sqrt{2} x \\ \sqrt{2} y & B + J C \end{bmatrix}</math>.

Die jeweils zugehörigen Eigenvektoren haben dann die Form

<math>\begin{pmatrix} u \\ 0 \\ -J u \end{pmatrix}</math>   und   <math>\begin{pmatrix} \bar v \\ \sqrt{2} \alpha \\ J \bar v \end{pmatrix}</math>,

wobei <math>u</math> ein Eigenvektor von <math>F</math> und <math>(\alpha, \bar v^T)^T</math> ein Eigenvektor von <math>\bar G</math> ist.<ref>Iyad T. Abu-Jeib: Centrosymmetric Matrices: Properties and an Alternative Approach. In: Canadian Applied Mathematics Quarterly. Band 10, Nr. 4, 2002, S. 431.</ref>

Summe und Produkt[Bearbeiten]

Die Summe <math>A+B</math> zweier zentralsymmetrischer Matrizen <math>A</math> und <math>B</math> ergibt wieder eine zentralsymmetrische Matrix, ebenso sind auch skalare Vielfache <math>cA</math> mit <math>c \in K</math>. Nachdem die Nullmatrix trivialerweise zentralsymmetrisch ist, bilden die zentralsymmetrischen Matrizen einen Untervektorraum im Matrizenraum <math>K^{n \times n}</math>.

Das Produkt <math>A \cdot B</math> zweier zentralsymmetrischer Matrizen ergibt ebenfalls wieder eine zentralsymmetrische Matrix, denn es gilt

<math>J A B = A J B = A B J</math>.

Nachdem die Einheitsmatrix ebenfalls zentralsymmetrisch ist, bilden die zentralsymmetrischen Matrizen eine Unteralgebra der assoziativen Algebra der quadratischen Matrizen.

Inverse[Bearbeiten]

Die Inverse <math>A^{-1}</math> einer regulären zentralsymmetrischen Matrix ist wiederum zentralsymmetrisch, denn es gilt

<math>J A^{-1} = (A J)^{-1} = (J A)^{-1} = A^{-1} J</math>.

Die regulären zentralsymmetrischen Matrizen bilden somit eine Untergruppe der allgemeinen linearen Gruppe <math>\mathrm {GL}(n,K)</math>.<ref name="horn" />

Anwendungen[Bearbeiten]

Zentralsymmetrische Matrizen treten beispielsweise bei der numerischen Lösung bestimmter Differentialgleichungen und Eigenwertprobleme,<ref>Alan L. Andrew: Eigenvectors of certain matrices. In: Linear Algebra and Applications. Nr. 7, 1973, S. 157–162.</ref> bei der Untersuchung von Markow-Prozessen<ref>James R. Weaver: Centrosymmetric (cross-symmetric) matrices, their basic properties, eigenvalues, and eigenvectors. In: American Mathematical Monthly. Nr. 92, 1985, S. 711–717.</ref> und in einer Reihe physikalischer Problemstellungen<ref>Lokesh Datta, Salvatore D. Morgera: On the reducibility of centrosymmetric matrices—applications in engineering problems. In: Circuits Systems and Signal Processing. Nr. 8, 1989, S. 71–96.</ref> auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Roger A. Horn, Charles R. Johnson: Matrix Analysis. Cambridge University Press, 2012, ISBN 978-0-521-83940-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Weblinks[Bearbeiten]