Zum Inhalt springen

Afghanit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Afghanit
Datei:Afghanite, pyrite, calcite 4.JPG
Afghanit (blau) mit Pyrit (goldfarbig) auf Calcit aus der Typlokalität Sar-e-Sang, Afghanistan
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1967-041<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Afg<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • (Na,K)22Ca10(Si24Al24)O96(SO4)6Cl6<ref name="IMA-Liste" />
  • (Na,Ca,K)8[(Cl,SO4)3|Al6Si6O24]·½H2O<ref name="Lapis" />
  • (Na,K,Ca)6Ca2[(SO4,CO3)2|(Cl,OH)2|(Al,SiO4)6]·nH2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/F.05
VIII/J.09-050<ref name="Lapis" />

9.FB.05
76.02.05.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-skalenoedrisch; 32/m
Raumgruppe P31c (Nr. 163)Vorlage:Raumgruppe/163<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 12,77 Å; c = 21,35 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 bis 6<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,55; berechnet: 2,65<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {1010}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe hellblau bis dunkelblau, grauweiß;<ref name="Lapis" /> in dünnen Schichten farblos<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Glasglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 1,523<ref name="Mindat" />
nε 1,529<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,006<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig positiv

Afghanit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (Na,K)22Ca10(Si24Al24)O96(SO4)6Cl6.<ref name="IMA-Liste" /> Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Natrium und Kalium können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Chemisch gesehen ist Afghanit damit ein Natrium-Kalium-Calcium-Alumosilikat mit zusätzlichen Chlor- und Sulfat- ([SO4]2−) Anionen. Strukturell gehört er zu den Gerüstsilikaten.

Afghanit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt meist durchsichtige, dick- bis dünntafelige oder leistenförmige Kristalle mit glasähnlichem Glanz. Er findet sich aber auch in Form abgerundeter Körner. Seine Farbe variiert zwischen Hell- und Dunkelblau, in dünnen Schichten ist er allerdings farblos.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Datei:Afghanistan. 1-68. LOC 73691921.jpg
Afghanistan 1968

Erstmals entdeckt wurde Afghanit in der bereits seit der Antike bekannten Lapislazuli-Lagerstätte Ladjuar Medam nahe Sar-e-Sang in Afghanistan. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Pierre Bariand (* 1933<ref name="Bariandit" />), Fabien Cesbron und Roger Giraud<ref name="Nickelaustinit" />, die das Mineral nach dessen Fundland Afghanistan benannten.<ref name="Bariand-et-al" />

Bariand, Cesbron und Giraud sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1967 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1967-041<ref name="IMA-Liste" />), die den Afghanit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im darauf folgenden Jahr im französischen Fachmagazin Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie publiziert.

Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Afghanit lautet „Afg“.<ref name="Warr" />

Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogisch-Kristallographischen Labor der Universität Pierre und Marie Curie<ref name="Handbookofmineralogy" /> und der Mines ParisTech (auch École nationale supérieure des mines, ENSM) in Paris (Katalog-Nummer 50649) sowie im Natural History Museum in London (Katalog-Nummer BM 1969,72) aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Afghanit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er gemeinsam mit Cancrinit, Davyn, Mikrosommit, Vishnevit und Wenkit in der „Cancrinit-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/F.05 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.09-050. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Afghanit zusammen mit Alloriit, Balliranoit, Biachellait, Bystrit, Cancrinit, Cancrisilit, Carbobystrit, Davyn, Depmeierit, Fantappièit, Farneseit, Franzinit, Giuseppettit, Hydroxycancrinit, Kircherit, Kyanoxalith, Liottit, Marinellit, Mikrosommit, Pitiglianoit, Quadridavyn, Sacrofanit, Tounkit, Vishnevit und Wenkit die „Cancrinitgruppe“ mit der Systemnummer VIII/J.09 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Afghanit in die bereits feiner unterteilte Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zusätzlichen Anionen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Alloriit, Balliranoit, Biachellait, Bystrit, Cancrinit, Cancrisilit, Davyn, Fantappièit, Farneseit, Franzinit, Giuseppettit, Hydroxycancrinit, Kyanoxalith, Liottit, Marinellit, Mikrosommit, Pitiglianoit, Quadridavyn, Sacrofanit, Tounkit und Vishnevit die „Cancrinitgruppe“ mit der Systemnummer 9.FB.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Afghanit die System- und Mineralnummer 76.02.05.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter, Feldspatvertreter und verwandte Arten“ in der „Cancrinitgruppe“, in der auch Bystrit, Cancrinit, Cancrisilit, Davyn, Franzinit, Giuseppettit, Hydroxycancrinit, Liottit, Mikrosommit, Pitiglianoit, Quadridavyn, Sacrofanit, Tounkit, Vishnevit, Wenkit, Marinellit, Farneseit, Alloriit, Biachellait, Fantappièit, Kyanoxalith und Balliranoit eingeordnet sind.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Für eine abweichende Zusammensetzung von Afghanit mit der Formel (Na,K,Ca)6Ca2[(SO4,CO3)2|(Cl,OH)2|(Al,SiO4)6]·nH2O wurde eine trigonale Kristallstruktur in der Raumgruppe P31c (Raumgruppen-Nr. 163)Vorlage:Raumgruppe/163 mit den Gitterparametern a = 12,77 Å und c = 21,35 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle ermittelt.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Datei:Afghanite, pyrite, calcite 2.jpeg
Afghanitkristall auf Calcit aus Sar-e-Sang, Afghanistan (Größe: 35 mm)

An seiner Typlokalität Sar-e-Sang fand sich Afghanit in Form dünner Äderchen innerhalb der dort ebenfalls entdeckten Lasurit-Kristalle. Neben Lasurit treten unter anderem noch Calcit, Diopsid, Nephelin, Olivin, Phlogopit, Pyrit, Sodalith und Vesuvianit auf.<ref name="Handbookofmineralogy" /> Außer in Sar-e-Sang trat das Mineral in Afghanistan bisher nur noch bei Robate Payan im Distrikt Kuran va Munjan, in dem auch Sar-e-Sang liegt.

Als seltene Mineralbildung konnte Afghanit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen dokumentiert sind.<ref name="MindatAnzahl" />

Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist der Ettringer Bellerberg bei Ettringen in der Eifel in Rheinland-Pfalz.

Weitere Fundorte sind unter anderem der Monte Somma, Pitigliano sowie mehrere Fundpunkte in den Provinzen Rom und Viterbo in Italien; Kimmirut in Kanada; das Malaya-Bystraya-Flusstal im Rajon Sljudjanka nahe dem Baikalsee in Russland; die Lasuritlagerstätte am Fluss Lyadzhvardara im Pamirgebirge in Tadschikistan und die „Edwards Mine“ bei „Edwards“ im St. Lawrence County (New York) in den USA.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Afghanite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Bariand-et-al"> </ref> <ref name="Bariandit"> </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Afghanit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 26. Mai 2024. </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 26. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – A. (PDF 357 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 26. Mai 2024. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Afghanite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 26. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Afghanite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 26. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Nickelaustinit"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>