Andimba Toivo ya Toivo
Andimba Herman Toivo ya Toivo<ref name="Angula 2014">Nahas A. Angula: Andimba Herman Toivo ya Toivo. Portrait of a Revolutionary Legend. Newsprint Namibia, Windhoek 2014, online auf Namibia Digital Repository (englisch)</ref> (* 22. August 1924 in Omangundu, Südwestafrika; † 9. Juni 2017 in Windhoek<ref>The Namibian: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Namibian hero Toivo is no more ( des Vorlage:IconExternal vom 26. Dezember 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Meldung vom 9. Juni 2017 auf www.namibian.com.na (englisch)</ref>) war ein namibischer Menschen- und Bürgerrechtler.
Er war Mitbegründer und Parteivorsitzender der SWAPO. Durch seine unbeugsame Protesthaltung gegenüber der Apartheidspolitik Südafrikas auf dem Territorium Südwestafrikas wurde er zu einem Symbol der Freiheitskämpfer für das spätere unabhängige Namibia.
Leben[Bearbeiten]
Andimba Toivo ya Toivos Vater arbeitete bei der evangelischen Kirche in seiner Heimatregion. Für drei Jahre besuchte er die Ongwediva Industrial School, damals eine Bildungsstätte für berufliche Ausbildungen.<ref name="Mac Maharaj">Kagiso Pat Mautloa: Andimba Toivo ya Toivo. In: Mac Maharaj: Reflections in Prison. Cape Town 2001, S. 223 (englisch)</ref> Im Zweiten Weltkrieg diente Toivo ya Toivo von 1942 bis 1943 im Native Military Corps der Union Defence Force. Danach erwarb er die Qualifikation eines Lehrers an der anglikanischen St. Mary’s Mission School in Odibo. Seit seiner Lehrbefähigung im Jahr 1950 war Toivo ya Toivo im Norden Namibias als Lehrer tätig.<ref name="Omalley Toivo">Nelson Mandela Centre of Memory: Andimba Toiva Ya Toivo. auf www.nelsonmandela.org (englisch)</ref>
1951 verließ er sein Land und wandte sich nach Kapstadt, wo er eine Beschäftigung bei der Eisenbahnpolizei fand. Während der 1950er Jahre lebte Toivo ya Toivo in Kapstadt und engagierte sich zunehmend gegen die Apartheid-Politik. In diesem Sinne übernahm er Aufgaben in der Modern Youth Society (MYS), einer politisch-kulturelle Gruppierung aus Hochschulstudenten und Gewerkschaftsmitgliedern, wo er ab 1954 Mitglied war, die Lesungen, Festivals, Diskussionsrunden und Abendschulkurse für Aktivisten organisierte. Später wurde er der Vizevorsitzende dieser Organisation, in der sich auch andere Antiapartheidsaktivisten, wie Denis Goldberg, Albie Sachs oder Esme Bodenstein, beteiligten. Diese Aktivitäten wurden dem südafrikanischen Apartheidsystem unbequem, weshalb er 1957 in seine Heimat zurückverwiesen wurde.<ref name="Angula 2014" /><ref name="SAHO Toivo">South African History Online: Andimba Herman Toivo Ya Toivo. auf www.sahistory.org.za (englisch)</ref><ref>South African History Online: Esme Bodenstein. auf www.sahistory.org.za (englisch)</ref><ref>Denis Goldberg: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Denis Goldberg. ANC, ex-underground, former political prisoner. Work for the Minister of Water Affairs and Forestry ( des Vorlage:IconExternal vom 4. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. (Interview von Denis Goldberg durch Madi Gray). auf www.liberationafrica.se (englisch)</ref> Im Jahre 1957 trat Toivo ya Toivo der Regionalgruppe des ANC im Township Langa bei, wo er zu dieser Zeit seinen Wohnsitz hatte. Zur selben Zeit besuchte er politische Fortbildungsveranstaltungen bei Jack Simons, der als Professor an der Universität Kapstadt lehrte. In der Folge entwickelte sich zwischen beiden eine freundschaftliche Verbindung, ebenso mit dessen Ehefrau und Gewerkschaftsaktivistin Ray Alexander. Die unter diesen Einflüssen gesammelten Erfahrungen prägten bei ihm organisatorische Fähigkeiten aus und förderten frühe Überlegungen zu politischen Konzepten. Toivo ya Toivo begann nun zu anderen Arbeitsmigranten aus Südwestafrika Kontakte aufzubauen. Dazu dienten abendliche Treffpunkte in einem Friseursalon in der Somerset Street 35 von Kapstadt, der zwei solchen Arbeitsmigranten gehörte.<ref name="Angula 2014" /><ref>Albie Sachs: Obituaries: Professor Jack Simons. Meldung vom 2. August 1995 auf www.independent.co.uk (englisch)</ref>
Am 2. August 1957 gründete er in Kapstadt die erste namibische Oppositionspartei: der Ovamboland People’s Congress (OPC), aus welcher zunächst die Ovamboland People’s Organisation (OPO) und in der Folge am 19. April 1960 in Windhoek (zusammen mit seinem Parteifreund Sam Nujoma) die SWAPO entstand. Der OPC war eine Organisation südwestafrikanischer Studenten und Gastarbeiter in Südafrika, dessen Anliegen es war, sich für die Rechte von Arbeitsmigranten und gegen die Einverleibung Südwestafrikas in die Republik Südafrika einzusetzen. Die Gründungsversammlung fand in einem Friseursalon eines südwestafrikanischen Einwanderers im Kapstädter Stadtteil Green Point statt.<ref name="SAHO Toivo" /><ref>South African History Online: South West African People's Organisation (SWAPO) is founded to oppose South African rule. auf www.sahistory.org.za (englisch)</ref>
Wegen der menschenunwürdigen Behandlung von schwarz-afrikanischen Minen-Arbeitern beteiligte sich Toivo ya Toivo 1958 an der Menschenrechts-Petition von Mburumba Kerina und Rev. Michael Scott vor den Vereinten Nationen.<ref name="SAHO Toivo" /> Auf politischen Druck verließ Nujoma Südwestafrika und führte eine Exilregierung.
Andimba Toivo ya Toivo wurde 1968, gemeinsam mit anderen Aktivisten, in einem international beachteten und unter einflussreichen Beobachtern ablaufenden Prozess vor der Transvaal Provincial Division des Supreme Court of South Africa in Pretoria in Anwendung des südafrikanischen Terrorism Act No 83 of 1967 zu 20 Jahren Haft und Zwangsarbeit auf Robben Island verurteilt. Sein Verteidiger war Joel Carlson, der sich auch an der Mobilisierung der internationalen Öffentlichkeit betätigte. Zu den anwesenden Beobachtern gehörten neben führenden Zeitungen des Auslands Völkerrechtler, wie Richard Falk von Princeton und Arthur Larson von der Duke University, letzterer hier als Vertreter des Lutherischen Weltbundes. Die Haft verbrachte er in einer Einzelzelle von Sektion B, wo auch Nelson Mandela und Walter Sisulu lebten.<ref>Joel Carlson: No Neutral Ground. New York 1973, S. 211–216.</ref><ref name="SAHO Toivo" /><ref>André du Pisani: SWA/Namibia: The Politics of Continuity and Change. Johannesburg 1986, S. 183.</ref> Im März 1984 erfolgte seine Haftentlassung (nach Petition durch Dirk Mudge).
In seiner Verteidigungsrede warf er dem vorsitzenden Richter Bruno Ludorf fehlende Zuständigkeit vor:<ref>Joel Carlson: No Neutral Ground. New York 1973, S. 213.</ref><ref>SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1968. Johannesburg 1969, S. 60.</ref><ref>Toivo Herman ja Toivo: Freedom for Namibia. auf blackpast.org (englisch), kompletter Redetext</ref>
“... We find ourselves tried by a judge who is not our countryman and who has not shared our background. ... We are Namibians and not South Africans. ...”
„... Wir finden uns vor einem Richter, der nicht unser Landsmann ist und nicht unsere gemeinsame Vergangenheit teilt. ... Wir sind Namibier und nicht Südafrikaner. ...“
Beim Prozessauftakt kam es vor dem Gerichtsgebäude in Pretoria zu öffentlichen Schmähreden gegen die Angeklagten, wie „Hang the Kaffirs“ oder „Kill the terrorists“. Rechtsanwalt Carlson wurde in der regierungstreuen Presse mit Aussagen wie „The Terrorists Lawyer“ (deutsch etwa: „Der Terroristenanwalt“) oder „Who is paying the defense lawyer for the defense of the terrorists?“ (deutsch etwa: „Wer bezahlt den Verteidiger für die Verteidigung von diesen Terroristen?“) diffamiert. Es wurden ihm kommunistisch orientierte Motive und ein Einfluss von Moskau auf seine Person unterstellt. Daraufhin sah sich Verteidiger Carlson veranlasst, über seinen Solicitor in London die Honorarquelle zu erfragen und bekannt zu geben. Das Geld stammte von Lord Campbell of Eskan, einem namhaften Mitglied des House of Lords.<ref>Joel Carlson: No Neutral Ground. New York 1973, S. 179–181.</ref>
Die UN-Vollversammlung verurteilte diesen über mehrere Monate verlaufenden Gerichtsprozess gegen 37 Namibier (The state v. Tuhadeleni and 36 Others, deutsch: „Der Staat gegen Tuhadeleni und 36 Andere“<ref>Center for Research Libraries: Die Staat teen Eliaser Tuhadeleni and 36 ander. Onlinekatalogeintrag auf www.catalog.crl.edu (englisch, afrikaans)</ref>) und bezeichnete ihn als eine „ungeheuerliche Verletzung ihrer Rechte“, da Südafrika unrechtmäßig sein Rechtssystem auf das UN-Mandatsterritorium South West Africa ausweitete. Der Beschluss wurde mit 110 Ja-Stimmen und 2 Nein-Stimmen (Südafrika, Portugal) sowie mit Enthaltung durch Malawi gefasst.<ref>Joel Carlson: No Neutral Ground. New York 1973, S. 207.</ref><ref>SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1968. Johannesburg 1969, S. 303.</ref><ref name="SAHO Toivo" />
Nach seiner Haftentlassung kehrte Toivo ya Toivo für eine kurze Zeit nach South West Africa/Namibia zurück und wurde noch 1984 Generalsekretär der SWAPO. Kurz darauf ging er ins Auslandsexil und übte diese Parteifunktion bis 1991 aus.<ref name="SAHO Toivo" />
Nach dem Wahlsieg der SWAPO und der Unabhängigkeit Namibias wurde Toivo ya Toivo 1990 Minister of Mines and Energy (Bergbau und Energie), seit 1999 Minister Labour and Social Welfare (Arbeit und Sozialfürsorge<ref name="Omalley Toivo" />) und schließlich bis 2006 Minister of Prisons and Correctional Services (Gefängnisse und Justizvollzug).<ref name="SAHO Toivo" />
2005 zog sich Toivo ya Toivo aus dem politischen Leben in Namibia zurück und war danach in der Privatwirtschaft tätig.
Familie[Bearbeiten]
Er war seit dem 29. März 1990 mit der US-amerikanischen Rechtsanwältin Vicki Erenstein verheiratet (dann von Erenstein ya Toivo). Sie hatten sich 1984 nach seiner Freilassung kennengelernt, als Toivo ya Toivo, nun SWAPO-Generalsekretär, bei den Vereinten Nationen in New York weilte. Erenstein war zu dieser Zeit als Arbeitsrechtsanwältin und bereits längere Zeit als politische Aktivistin in einem Unterstützerkreis für den ANC und die SWAPO tätig. Das Ehepaar hatte vier Kinder, darunter zwei angenommene Neffen – Isak und Philemon – und die 1993 geborenen Zwillingstöchter Nashikoto und Mutaleni.<ref>Prime Focus Magazine: Being Ms. Ya Toivo. auf www.primefocusmag.com (englisch)</ref><ref>Kayele M. Kambombo: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ya Toivo celebrates 90th birthday ( des Vorlage:IconExternal vom 29. August 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. auf www.swapoparty.org (englisch)</ref>
Sein Bruder war der Freiheitskämpfer Nestor ya Toivo.
Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]
Er hat posthum am 13. Juni 2017 den Status eines Helden durch Staatspräsident Hage Geingob erhalten. Er wurde am 24. Juni 2017 auf dem Heldenacker bei Windhoek beerdigt.<ref>Ndanki Kahiurika: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ya Toivo buried today ( des Vorlage:IconExternal vom 2. September 2017 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Meldung vom 24. Juni 2017 auf www.namibian.com.na (englisch)</ref><ref>Republic of Namibia, Office of the President: Confernment of National Hero’s Status on Late Andimba Toivo Ya Toivo. Pressemitteilung vom 13. Juni 2017 auf www.gov.na (englisch)</ref>
Am 22. August 2019 wurde der Flughafen Ondangwa nach Andimba Toivo ya Toivo umbenannt.<ref>Ondangwa Airport renamed ya Toivo Airport. Namibia Airports Company, 22. August 2019, abgerufen am 23. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In Windhoek ist eine Straße nach ihm benannt.
Literatur[Bearbeiten]
- Nahas Angula: Andimba Herman Toivo ya Toivo. Portrait of a Revolutionary Legend. Namibian Sun, Windhoek 2014, ISBN 978-99945-78-95-5.
Weblinks[Bearbeiten]
- Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Eintrag über Andimba Toivo ya Toivo in der Personendatenbank des Namibia Institute for Democracy ( vom 11. Juni 2011 im Internet Archive)
- The Namibian: In honour of a legend. 90 Years Andimba Toivo ya Toivo. Sonderdruck vom 22. August 2014 (PDF 5 MB)
- Alistair Boddy-Evans: Biography: Herman Animba Toivo ja Toivo. auf africanhistory.about.com (englisch)
- Online Voice of The African National Congress: Tribute to Tata Herman Andimba Toivo ya Toivo. auf www.anctoday.org.za (englisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Toivo ya Toivo, Andimba |
| ALTERNATIVNAMEN | Toivo ya Toivo, Herman Andimba |
| KURZBESCHREIBUNG | namibischer Menschen- und Bürgerrechtler |
| GEBURTSDATUM | 22. August 1924 |
| GEBURTSORT | Omangundu, Südwestafrika |
| STERBEDATUM | 9. Juni 2017 |
| STERBEORT | Windhoek |
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