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Arutz Sheva

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Vorlage:Infobox Rundfunksender

Arutz Sheva ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) „Kanal Sieben“; im Englischen auch Israel National News), ist ein israelisches Medienunternehmen mit nationalistisch-religiöser Ausrichtung. Es ist organisatorisch eng mit der Jeschiwa der illegalen Siedlung Bet El im Westjordanland verbunden.

Gegründet wurde Arutz Sheva 1988 als Piratensender, der offiziell von einem Schiff aus internationalen Gewässern sendete, tatsächlich aber großenteils von Bet El aus betrieben wurde. Der Sender vertrat die Positionen der rechts-zionistischen Bewegung Gusch Emunim, griff die israelische Regierung während der Osloer Friedensverhandlungen von rechts an und war vor seiner Abschaltung zeitweise einer der meistgehörten Sender Israels. 2003 wurden seine Gründer verurteilt und der Sendebetrieb eingestellt. Arutz Sheva verlagerte seine Aktivitäten daraufhin auf eine Nachrichtenwebsite (unter dem Namen Israel National News) und die Wochenzeitung BeSheva; außerdem ging 2010 mit Beteiligung einiger Mitarbeiter der Nachfolgesender Galei Israel an den Start.

Medienforscher charakterisieren Arutz Sheva als ultrarechtes Medium; der US-Außenministeriumsbericht 2010 warf ihm vor, Araber als Untermenschen darzustellen und zur Vertreibung der Palästinenser aus dem Westjordanland aufzurufen. Die Website wird überwiegend von einem US-amerikanischen Publikum genutzt. Ihr wichtigster Geldgeber ist die US-Organisation American Friends of Bet El Yeshiva Center, deren langjähriger Präsident David M. Friedman von 2017 bis 2021 als Botschafter der Vereinigten Staaten in Israel amtierte.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung und anfängliche Struktur[Bearbeiten]

Arutz Sheva („Kanal 7“) wurde 1988 in der israelischen Siedlung Bet El als Piratensender gegründet.<ref name="FAZ">Jochen Stahnke: Jüdische Siedlung Beit El: Unser Land, unser Trump. In: faz.net. 17. Januar 2017, abgerufen am 9. März 2023.</ref> Historischer Kontext war die Geltung des Bezek-Gesetzes, laut dem allein der israelische Staat Sendelizenzen erteilen konnte.<ref name="Tarr" details="S. 687–722, hier 688.">Maya Tarr: Regulating the Airwaves in Israel’s Burgeoning Democracy: Why the Israeli High Court of Justice Should Have Acknowledged Free Speech in the Case of Arutz Seven. In: Cardozo Journal of International and Comparative Law. Band 18, Nr. 3, 2010 (heinonline.org).</ref> Dies und die 1991 erstmals gegebene Erlaubnis ultraorthodoxer Rabbiner, Radio hören zu dürfen,<ref name="Moshe" details="S. 67–83, hier 72 f.">Mira Moshe: Right-Wing Pirate Radio Broadcasting in Israel: The Political Discourse About Channel 7, 1993–2003. In: Journal of Radio Studies. Band 14, Nr. 1, 2007, doi:10.1080/10955040701301870.</ref> führte zu einer Welle an Gründungen ultranationalistischer oder religiöser Piratensender, deren Zahl zwischen 1985 und 1997 von 35 auf 117 anstieg<ref>Keith Somerville: Radio Propaganda and the Broadcasting of Hatred. Historical Development and Definitions. Palgrave Macmillan, Houndmills, New York 2012, ISBN 978-1-349-32609-9, S. 64 (archive.org).
Vergleiche auch Amit M. Schejter: Muting Israeli Democracy. How Media and Cultural Policy Undermine Free Expression. University of Illinois Press, Urbana, Chicago 2009, ISBN 978-0-252-03458-9, S. 30 (archive.org).</ref> und unter denen der radikale Sender die Gründung einiger noch radikalerer Stationen inspirierte.<ref name="BBC">Morand Fachot: Israel legalises religious pirate radios. In: BBC News. 24. Februar 1999, abgerufen am 29. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In der Regel gingen israelische Behörden gegen Piratensender nicht vor.<ref name="Tarr" details="S. 687–722, hier 705." />

Die Gründer waren<ref name="About">About. In: Israel National News. Abgerufen am 28. Mai 2026.</ref> Yaʿakov Katz, langjähriger Jeschiwa-Student, Gründer der Jeschiwa von Bet El und später Assistent Ariel Scharons für Siedlungsfragen,<ref>Yaakov Katz (Ketzele)- Chairman of the Ichud Leumi Party‚ in an Exclusive Interview to Eretz Yisroel Shelanu. In: Our Land of Israel. 1. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. März 2011; abgerufen am 28. Mai 2026.
Naomi Zeveloff: Inside the West Bank Settlement That Trump’s Envoy David Friedman Loves Best. In: Forward. 15. Januar 2017, abgerufen am 28. Mai 2026.
Sivan Hirsch-Hoefler, Cas Mudde: The Israeli Settler Movement. Assessing and Explaining Social Mouvement Success. Cambridge University Press, Cambridge 2020, ISBN 978-1-107-13864-3, S. 49.</ref> Shulamit und ihr Mann Zalman Melamed, Leiter der Jeschiwa und später Mitgründer der ultrarechten Partei Tkuma,<ref>Jochen Stahnke: Jüdische Siedlung Beit El: Unser Land, unser Trump. In: faz.net. 17. Januar 2017, abgerufen am 9. März 2023.
Judy Maltz: David Friedman Raised Millions for Radical West Bank Jewish Settlers. In: Haaretz / Forward. 16. Dezember 2016, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> sowie Yoel Tzur, CEO der Jeschiwa.<ref>Chaim Levinson: The Organization Behind Illegal West Bank Outpost Construction. In: Haaretz. 13. Mai 2013, abgerufen am 29. Mai 2026.
Serge Schmemann: Imperturbably Awaiting Delivery Of Remaining Land God Promised. In: New York Times. 6. April 1998, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> Alle gehörten zu den Gründungsfamilien dieser auch nach israelischem Recht illegalen Siedlung.

Vorbild<ref>Oren Soffer: „The noble pirate“: The Voice of Peace offshore radio station. In: Journal of Israeli History. Band 29, Nr. 2, 2010, S. 159–174, hier 173 FN 80, doi:10.1080/13531042.2010.508941 (academia.edu).</ref> und zugleich ideologisches Gegenstück<ref name="Regev" details="S. 30.">Amit M. Schejter: Muting Israeli Democracy. How Media and Cultural Policy Undermine Free Expression. University of Illinois Press, Urbana, Chicago 2009, ISBN 978-0-252-03458-9.</ref> war der Piratensender Voice of Peace, der zwischen 1973 und 1993<ref>Motti Regev, Edwin Seroussi: Popular Music and National Culture in Israel. University of California Press, Berkeley, Los Angeles, London 2004, ISBN 0-520-23652-1, S. 34 (archive.org).</ref> von einem Schiff aus westliche Musik ausstrahlte und für Frieden mit Palästinensern warb.<ref>Amit M. Schejter: Muting Israeli Democracy. How Media and Cultural Policy Undermine Free Expression. University of Illinois Press, Urbana, Chicago 2009, ISBN 978-0-252-03458-9, S. 29 f. (archive.org).</ref>

Arutz Sheva strahlte offiziell ebenfalls von einem Schiff (namens Eretz HaTzvi, „Land der Gazelle“, und anfangs unter dem Namen „Stimme der Gazelle“) aus internationalen Gewässern aus.<ref name="Ruling">Joel Greenberg: Voice of the Settlers Vs. „the Ruling Clique“. In: New York Times. 22. Juli 1995, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref><ref name="BBC" /> Tatsächlich – so urteilte 2003 ein Gericht – lag das Schiff die meiste Zeit in israelischen Gewässern vor Anker und wurde mindestens ein Teil des Programms von Bet El aus gesendet.<ref name="Shragai">Naadav Shragai, Moshe Reinfeld: Arutz Sheva Goes Off Air After Court Conficts Employees of Radio Piracy. In: Haaretz. 21. Oktober 2003, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> Betrieben wurde der Sender über ein komplexes Netzwerk israelischer und ausländischer Firmen, deren Kontrolle bei zwei mit der Jeschiwa von Bet El verbundenen Verbänden lag.<ref group="Anm.">Genauer: Für den operativen Betrieb waren drei israelische Firmen zuständig: Eretz HaTzvi für die Studios, Beit-El Shipping für den Betrieb des Sendeschiffs und Shefa Advertising für den Anzeigenverkauf. Die Kontrolle über diese Firmenstruktur lag bei Sukkat Ovadia Learning Center (Beit El B) zum einen, Beit El and Beit El B Yeshiva Compound Development Corporation zum anderen.<ref name="Shragai" /></ref> An der Spitze dieses Konstrukts stand eine Firma namens Blue Waves Shipping Ltd., die auf den Bahamas registriert war.<ref name="7Eye12">Itamar Benzaquen: HolyLand Holdings. In: The Seventh Eye. 29. Oktober 2012, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> Außerdem wurde 1993 die Nonprofit-Organisation Friends of Arutz Sheva gegründet<ref name="7Eye12" /> – offiziell, um den Sender zu unterstützen, nach einem späteren Untersuchungsbericht dagegen tatsächlich, um diesem gewinnorientierten Unternehmen auf nach israelischem Recht illegale Weise im Laufe der Jahre umgerechnet knapp 13 Mio. € zufließen zu lassen.<ref name="7Eye18">Itamar Benzaquen: נתיב הכסף של "ערוץ 7" ייחקר. In: The Seventh Eye. 19. Februar 2018, abgerufen am 29. Mai 2025.</ref><ref name="7Eye21">Itamar Benzaquen: בעקבות נתיב הכסף הבלתי חוקי של "ערוץ 7". In: The Seventh Eye. 3. Februar 2021, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref>

Programm und politische Ausrichtung[Bearbeiten]

Anders als Voice of Peace spielte der Sender eine Mischung von israelischer Volksmusik bis chassidischem Pop<ref name="Regev" details="S. 238." /> unter Vermeidung sexuell aufgeladener oder politisch linker Songtexte,<ref name="Ruling" /> und – mit Rücksicht auf ultraorthodoxe Juden – ausschließlich von männlichen Musikern.<ref name="Religious" details="S. 4.">Yoel Cohen: Religious Media in Israel. In: P.R. Kumaraswamy (Hrsg.): The Palgrave International Handbook of Israel. Palgrave Macmillan, Singapur 2023, doi:10.1007/978-981-16-2717-0_91-1.</ref>

Politisch vertrat der Sender eine entschieden nationalistische Ideologie<ref name="PoratRosen-Zvi" details="S. 79–96, hier 79.">Iddo Porat, Issachar Rosen-Zvi: Who’s Afraid of Channel 7?: Ideological Radio and Freedom of Speech in Israel. In: Stanford Journal of International Law. Band 79, 2002 (heinonline.org).</ref> und repräsentierte die Positionen der rechten, zionistischen und ein Großisrael anstrebenden Bewegung Gusch Emunim.<ref name="Tarr" details="S. 687–722, hier 705." /> Das Motiv der Gründer war Verärgerung über die Berichterstattung israelischer Mainstream-Sender über die palästinensische Erste Intifada. Nachrichtenredakteur war in den 90ern Haggai Segal, der in den 1980er Jahren wegen seiner Beteiligung an einer Untergrundgruppe, die Palästinenser ermordete und verstümmelte, inhaftiert worden war. Ein weiterer Mitarbeiter pries 1994 wenige Stunden vor dem Massaker an 29 Palästinensern in Hebron das Töten von Arabern (was ohne rechtliche Konsequenzen blieb).<ref name="Ruling" />

Auch die Regierung, die in den frühen 90ern Friedensverhandlungen mit palästinensischen Politikern führte, wurde vom Sender wiederholt von rechts angegriffen und als „herrschende Clique“ oder „verräterisches Regime“ bezeichnet.<ref>Joel Greenberg: Voice of the Settlers Vs. „the Ruling Clique“. In: New York Times. 22. Juli 1995, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> Jitzchak Rabin galt als „Verräter“. Wenige Wochen nachdem ein Moderator eine Tötung Rabins angedeutet hatte, wurde dieser tatsächlich ermordet.<ref name="Balint" details="S. 113 f.">Anat Balint: Piracy Goes Kosher: With the launch of a radio station in the West Bank, settlers are winning legitimacy as well as influence. In: Index on Censorship. Band 39, Nr. 2, 2010, S. 112–116, hier 113 f., doi:10.1177/0306422010371890.</ref>

Behördliche Verfolgung und Gegenstrategien[Bearbeiten]

Einstellung des Sendebetriebs[Bearbeiten]

1995 wurde das Bezek-Gesetz ein erstes Mal novelliert, was die Lizenzierung privater Radiosender eingeschränkt ermöglichte.<ref name="PoratRosen-Zvi" details="S. 79–96, hier 79, 82." /> Da Arutz Sheva aber nicht zugunsten des staatlichen Nachrichtenfeeds auf seine eigene Nachrichtensendung verzichten wollte, blieb der Sender auch während der späten 90er illegal.<ref name="Cohen">Yoel Cohen: God, Jews and the media. Religion and Israel’s media. Routledge, London, New York 2012, ISBN 978-0-415-47503-7, S. 100 f. (archive.org).</ref> Ab diesem Zeitpunkt wurde der Sender doch Ziel behördlicher Verfolgung<ref name="PoratRosen-Zvi" details="S. 79–96, hier 82 f." /> (ebenso andere, von denen laut Polizeistatistik bis 2002 insgesamt 700 abgeschaltet wurden. Die meisten nahmen daraufhin jedoch ihren Sendebetrieb wieder auf).<ref name="Moshe" details="S. 67–83, hier 73." />

Nach Rabins Ermordung Ende 1995 intensivierte sich diese Verfolgung;<ref name="Balint" details="S. 114." /> es wurde Anklage erhoben und die Polizei startete eine Ermittlung.<ref name="Shragai" /> Beinahe hätte diese zur Abschaltung des Senders geführt; aus Sorge vor Aufruhr unter Siedlern sah man jedoch von davon ab.<ref name="PoratRosen-Zvi" details="S. 79–96, hier 84." /> Die 1996 neugewählte, rechtsgerichtete Regierung unter Benjamin Netanjahus bemühte sich unterdessen darum, den Sender rückwirkend legalisieren zu lassen, und erließ Ende der 90er eine Gesetzesänderung, die später als das „Arutz-Sheva-Gesetz“ bekannt sein würde: Sender, die mehr als fünf Jahre lang kontinuierlich ausgestrahlt hatten und in Israel überregional empfangen worden waren, sollten damit automatisch als legal gelten.<ref name="Balint" details="S. 114." /><ref name="Reinfeld">Moshe Reinfeld: Court Rules Arutz 7 Broadcasting Is Illegal. In: Haaretz. 27. März 2002, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> Abgezielt wurde damit primär auf Arutz Sheva,<ref name="BBC" /><ref name="Tarr" details="S. 687–722, hier 689." /> den prominentesten der betroffenen Sender,<ref name="Regev" details="S. 34." /> daneben löste Netanjahu mit dieser Änderung ein Koalitionsversprechen gegenüber der regierungsbeteiligten Partei Schas ein, die selbst sechs religiöse Radiosender betrieb.<ref name="Tarr" details="S. 687–722, hier 708 f." /><ref name="Somerville" /> Die Gesetzesnovellierung wurde unmittelbar darauf juristisch angefochten, in der Folge ausgesetzt<ref name="PoratRosen-Zvi" details="S. 79–96, hier 84." /> und 2002 durch das israelische oberste Gericht einstimmig für rechtswidrig erklärt.<ref name="Reinfeld" /> 2003 wurden Katz, Tzur, Shulamit Melamed und außerdem der technische Leiter Yair Meir jeweils zu einer mehrmonatigen Haft- und einer vierstelligen Geldstrafe verurteilt,<ref>Israel jails settler radio bosses. In: BBC. 29. Dezember 2003, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> zudem fasste das Kabinett einen Beschluss, wonach Werbung auf dem Sender fortan strafbewehrt war. Der Sendebetrieb wurde daraufhin eingestellt.<ref name="Shragai" />

Bereits vor Verkündung dieses Urteils hatten rechte Politiker diverse weitere Gesetzesinitiativen unternommen, um Piratenstationen legalisieren zu lassen.<ref name="Tarr" details="S. 687–722, hier 720." /> Nach der Einstellung des Sendebetriebs und mehreren Dutzend erfolglosen Initiativen<ref name="Tarr" details="S. 687–722, hier 720." /> wurde ein neues Gesetz erlassen, gemäß dem die Regierung drei Sendern, die sich an Special-Interest-Gruppen richteten, Sendelizenzen zur Verfügung stellen solle. Damit auch aus den besetzten palästinensischen Gebieten gesendet werden konnte, richtete der militärische Gouverneur des Westjordanlands eigens eine Fernseh- und Radioeinheit ein;<ref name="Balint" details="S. 115." /> Staatspräsident Mosche Katzav und Justizminister Chaim Ramon begnadigten 2006 die vier Verurteilten, damit sie an der Ausschreibung teilnehmen könnten.<ref>Dan Izenberg: Katsav and Ramon defend Arutz 7 pardons. In: Jerusalem Post. 31. Mai 2006, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> In der Folge wurde am 23. Februar 2010 mit Beteiligung einiger Arutz Sheva-Mitarbeiter der speziell an Siedler gerichtete Sender Galei Israel („Wellen Israels“) gestartet.<ref name="Balint" details="S. 112, 115." />

Fortführung als Website und Zeitung unter HolyLand Holdings[Bearbeiten]

Parallel wurde der Betrieb der Arutz Sheva zugehörigen Nachrichtenwebsite – später umbenannt zu Israel National News – fortgeführt<ref>About. In: Israel National News. Abgerufen am 28. Mai 2026.
David Singer, Lawrence Grossman (Hrsg.): American Jewish Year Book 2004. The American Jewish Committee, New York 2004, S. 213 (archive.org).</ref> und dort auch für noch einige Jahre ein Internetsender betrieben.<ref>Tal Laor: Social pluralism on the air: Internet radio in Israel. In: Israel Affairs. Band 24, Nr. 5, 2018, S. 830–847, hier 842, 836, doi:10.1080/13537121.2018.1505701.
Archivierte Website: Arutz Sheva 7 | Radio. In: Israel National News. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. Februar 2015; abgerufen am 30. Mai 2026.</ref> Ebenfalls fortgeführt wurde die Nonprofit-Organisation Friends of Arutz Sheva, bis 2017 wegen ihrer illegalen Aktivitäten gerichtlich ihre Auflösung angeordnet wurde.<ref name="7Eye18" /> Nach Einstellung des Sendebetriebs neu gestartet wurde außerdem die Wochenzeitung BeSheva.<ref name="About" />

Um beide Medien entwickelte sich eine neue organisationelle Infrastruktur: Die Website und die Wochenzeitung wurden von je eigenen Betreibergesellschaften geführt,<ref group="Anm.">Genauer: Die Website wurde betrieben von der Firma Israel National News.com Ltd,<ref name="7Eye12" /><ref name="7Eye14">Itamar Benzaquen: המרשלים יוצאים לאור. In: The Seventh Eye. 19. Januar 2014, abgerufen am 29. Mai 2025.</ref><ref name="7Eye21" /> die Verlagsgesellschaft der Wochenzeitung wurden gehalten von den beiden Firmen S.P.H. Advertising Ltd und Em Yehudit Exhibition Ltd.<ref name="7Eye12" /></ref> denen mit der Holdinggesellschaft Holyland Holdings eine neue Briefkastenfirma übergeordnet wurde – nun statt auf den Bahamas registriert auf den Marshallinseln, was mehrere Jahre die Anonymität der Betreiber ermöglichte<ref name="7Eye12" /><ref name="7Eye21" /> und wirklich zum Beispiel einen Haʾaretz-Journalisten irreführte,<ref>Chaim Lewinson: זמביש העביר כספים לעמותה שמנהליה הם דירקטורים שבעיתון "בשבע". In: Haaretz. 20. Januar 2014, abgerufen am 29. Mai 2026.
Vergleiche Itamar Benzaquen: המרשלים יוצאים לאור. In: The Seventh Eye. 19. Januar 2014, abgerufen am 29. Mai 2025.</ref> der glaubte, zwei US-Bürger seien die neuen Eigentümer.<ref name="7Eye21" /> Als 2016 die Ermittlungen des Justizministeriums weit vorangeschritten waren, wurden die Anteile dieser Holdinggesellschaft noch einmal auf eine neugegründete israelische Holdinggesellschaft übertragen, deren verwaltender Anwalt ebenfalls keine Auskunft über die Identität der Eigentümer gab.<ref>Itamar Benzaquen: הידיד. In: The Seventh Eye. 18. Dezember 2016, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref><ref name="7Eye18" /><ref name="7Eye21" /> Erst 2021 gab Yoel Tzur zu, dass weiterhin er und das Ehepaar Melamed die Eigentümer waren.<ref name="7Eye21" />

Zur HolyLand Holdings-Gruppe gehörten außerdem die ebenfalls von Tzur und ursprünglich auch Katz geführte Firma Kiryat HaYeshiva Beit El & Beit El B Development Corporation Ltd., die gleichzeitig illegal mit Immobilien auf palästinensischem Land handelte und als Lebensmittellieferant für die Jeschiwa fungierte.<ref name="7Eye12" /><ref name="7Eye14" /><ref>Zu den Immobiliengeschäften vergleiche auch Chaim Levinson: The Organization Behind Illegal West Bank Outpost Construction. In: Haaretz. 13. Mai 2013, abgerufen am 29. Mai 2026.
Chaim Levinson: Israel Drops Probe Into Illegal Construction at Beit El Settlement. In: Haaretz. 7. Mai 2014, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref>

Eng mit diesem Netzwerk verflochten ist schließlich als zentrale Geldquelle die Organisation American Friends of Bet El Yeshiva Center, der US-amerikanische Spendenarm sowohl der Jeschiwa als auch der Website. Sie trat öffentlich als Herausgeber sowohl von Arutz Sheva / Israel National News als auch von BeSheva auf. Ihr langjähriger Präsident war David M. Friedman, der Berater von US-Präsident Donald Trump in Israel-Fragen, bis er 2017 zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Israel ernannt wurde.<ref>Itamar Benzaquen: הידיד. In: The Seventh Eye. 18. Dezember 2016, abgerufen am 29. Mai 2026.
Judy Maltz: David Friedman Raised Millions for Radical West Bank Jewish Settlers. In: Haaretz / Forward. 16. Dezember 2016, abgerufen am 29. Mai 2026.
Alon Bernstein: In Beit El, Trump’s Israel envoy pick a well-known figure. In: The Times of Israel. 17. Februar 2017, abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> Stand 2026 ist die Organisation weiterhin als steuerbegünstigte Nonprofit (mit Einnahmen von zuletzt 4 Mio. USD) registriert,<ref name="Nonprofit">American Friends Of Bet El Yeshiva Center. In: Nonprofit Explorer. Abgerufen am 29. Mai 2026.</ref> obwohl 2021 mehrere US-Politiker gefordert hatten, ihr diesen Status wegen Involviertheit in illegale Siedleraktivitäten abzuerkennen.<ref>Your Daily Phil: Seven House Democrats target nonprofit status of several Israel-related chaarities + The future of the Maccabi Games. In: eJewish Philanthropy. 2. August 2021, abgerufen am 29. Mai 2026.
Offener Brief: Reps. Tlaib, Ocasio-Cortez, Carson, Betty McCollum, Pocan, Pressley and Bush seek Treasury Dept examination into charities supporting illegal settlements in Palestine. In: Center for Constitutional Rights. 22. Juli 2021, abgerufen am 30. Mai 2026.</ref> Stand 2024 ist außerdem vor Gericht ein von Bassem Tamimi, Susan Abulhawa und weiteren Palästinensern angestrengter Prozess unter anderem gegen diese Organisation anhängig, ebenfalls aufgrund ihrer Rolle im Westjordanland.<ref>Matthew Petti: A Fanatical Israeli Settlement Is Funded by New York Suburbanites. In: New Lines Magazine. 12. Februar 2024, abgerufen am 29. Mai 2026.
Klageschrift: Bassem Al-Tamimi [… u. a.]; Plaintiffs, v. Sheldon Adelson […]; American Friends of Bet El Yeshiva [… u. a.], Defendants. (PDF) In: martinmcmahonlaw.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2020; abgerufen am 29. Mai 2026.</ref>

Politische Ausrichtung[Bearbeiten]

Der Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums urteilte 2010, Arutz Sheva stelle „Araber als Untermenschen dar und rief zur Vertreibung aller Palästinenser aus dem Westjordanland auf“.<ref name="Somerville" /> Der Medienforscher Keith Somerville charakterisierte das Medium 2012 als „stark pro-Siedler eingestellt und militant anti-palästinensisch und anti-arabisch“.<ref name="Somerville">Keith Somerville: Radio Propaganda and the Broadcasting of Hatred. Historical Development and Definitions. Palgrave Macmillan, Houndmills, New York 2012, ISBN 978-1-349-32609-9, S. 64 (archive.org).</ref> Der Politikwissenschaftler Cas Mudde bezeichnete Arutz Sheva 2019 als „ultrarechts“ und gruppierte es zusammen mit Medien wie Breitbart News, dem Daily Stormer oder der Jungen Freiheit.<ref>Cas Mudde: La ultraderecha hoy. Planeta, Barcelona 2021, ISBN 978-84-493-3800-7, Kap. 3: „La ultraderecha estadounidense es muy activa en el ciberespacio; ahí están los ejemplos de sitios web como Breitbart News (de la derecha radical), Daily Stormer (neonazi) [… u. a.]. También en Europa […]. Entre los más destacados, podemos mencionar el checo Parlamentní Listy (‚Lista Parlamentaria‘), el alemán Junge Freiheit (‚Libertad Juvenil‘) [… u. a.]. Algunos de los medios de ultraderecha más importantes de fuera de Europa y América del Norte son el israelí Arutz Sheva (‚Información Nacional de Israel‘), el indio OPEN Magazine y el portal web en línea R7, en Brasil.“</ref> In einer Analyse zur Darstellung von Verbrechen an Palästinensern in israelischen Medien beobachtete der Soziologe Nitzan Becker, dass Arutz Sheva solche Taten seltener rechtfertigte als andere untersuchte Medien; dies erklärte er mit der extrem rechten redaktionellen Linie des Mediums, in der die Legitimität militärischer Maßnahmen gegen Palästinenser als selbstverständlich vorausgesetzt werde.<ref>Nitzan Perelman Becker: The Enemy as Victim: Israeli Media Coverage of Mass Crimes Against Palestinians in Gaza. In: PArtecipazione e COnflitto. Band 18, Nr. 3, 2025, S. 633–649, hier 642 f., 647., doi:10.1285/i20356609v18i3p633.</ref>

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Radiosender war vor seiner Abschaltung ein integraler Bestandteil der Kultur israelischer Siedler;<ref>Sivan Hirsch-Hoefler, Cas Mudde: The Israeli Settler Movement. Assessing and Explaining Social Mouvement Success. Cambridge University Press, Cambridge 2020, ISBN 978-1-107-13864-3, S. 154.</ref> in der Regel war es der einzige Radiosender, der in dieser Bevölkerungsgruppe gehört wurde<ref>Hirsh Goodman: The Anatomy of Israel’s Survival. PublicAffairs, New York 2011, ISBN 978-1-58648-529-0, S. 100 (archive.org).</ref> und erzeugte so ein Gefühl von Solidarität und Gruppenidentität.<ref name="Cohen" /><ref name="Religious" details="S. 9." /> Bezogen auf alle Israelis war der Sender zu Beginn zeitweise der meistgehörte Sender,<ref name="Tarr" details="S. 687–722, hier 688." /> in den 90ern der am dritthäufigsten gehörte.<ref>Yalon Katz: The „other media“ – alternative communications in Israel. In: International Journal of Cultural Studies. Band 10, Nr. 3, 2007, S. 383–400, hier 389, doi:10.1177/1367877907080150.</ref> Nach selbstberichteter Nutzung unter Israelis lag sein Anteil in den 90ern bei über 5 %;<ref name="SchejterYemeni">Amit M. Schejter, Moran Yemeni: Media Ownership and Concentration in Israel. In: Eli M. Noam (Hrsg.): Who Owns the World’s Media? Media Concentration and Ownership around the World. Oxford University Press, Oxford, New York 2016, ISBN 978-0-19-998723-8, S. 958 (academia.edu).</ref> bei Ultraorthodoxen zeitweise bei über 50 %.<ref name="Cohen" /> Nach der schrittweisen Lizenzierung legaler privater Radiosender ließ seine Nutzung nach.<ref name="SchejterYemeni" />

Die Zeitung war 2023 mit einer medialen Reichweite von 5,5 % die viertgrößte Wochenendzeitung Israels, knapp hinter Maariw mit 5,6 % und knapp vor Haʾaretz mit 5,3 %.<ref>Arnit M. Schejter: Israel. In: Aljosha K. Schapals, Christian Pentzold (Hrsg.): Media Compass. A Companion to International Media Landscapes. Wiley & Sons, Hoboken 2025, ISBN 978-1-394-19627-2, S. 339.</ref>

Die Internetseite israelnationalnews.com wird laut similarweb Stand April 2026 überwiegend – zu 46,6 % – in den USA genutzt; Israel folgt mit 7,9 % auf Rang 2. Im Vergleich mit den vier verbreitetsten englischsprachigen Nachrichtenportalen aus Israel (The Times of Israel, The Jerusalem Post, Haʾaretz, Ynet) spielt sie im Medienmix dieser beiden Länder eine sehr unterschiedliche Rolle: In den USA hat sie einen Anteil von 6,6 % an diesem Medienmix, in Israel dagegen einen von 19,8 %, noch vor der Jerusalem Post mit 19,7 %.<ref>Website Performance | Israelnationalnews.com. In: similarweb. Abgerufen am 30. Mai 2026.</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Iddo Porat, Issachar Rosen-Zvi: Who’s Afraid of Channel 7?: Ideological Radio and Freedom of Speech in Israel. In: Stanford Journal of International Law. Band 79, 2002, S. 79–96 (heinonline.org).
  • Anat Balint: Piracy Goes Kosher: With the launch of a radio station in the West Bank, settlers are winning legitimacy as well as influence. In: Index on Censorship. Band 39, Nr. 2, 2010, S. 112–116, doi:10.1177/0306422010371890.
  • Maya Tarr: Regulating the Airwaves in Israel’s Burgeoning Democracy: Why the Israeli High Court of Justice Should Have Acknowledged Free Speech in the Case of Arutz Seven. In: Cardozo Journal of International and Comparative Law. Band 18, Nr. 3, 2010, S. 687–722 (heinonline.org).
  • Itamar Benzaquen: HolyLand Holdings. In: The Seventh Eye. 29. Oktober 2012;.
  • Itamar Benzaquen: בעקבות נתיב הכסף הבלתי חוקי של "ערוץ 7". In: The Seventh Eye. 3. Februar 2021;.

Anmerkungen[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

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