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Benzydamin

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Strukturformel
Strukturformel von Benzydamin
Allgemeines
Name Benzydamin
Andere Namen
  • 1-Benzyl-3-[3-(dimethylamino)propoxy]-1H-indazol
  • N,N-Dimethyl-3-{[1-(phenylmethyl)-1H-indazol-3-yl]oxy}-1-propanamin
Summenformel
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff (Hydrochlorid)<ref name="TCI">Eintrag zu Benzydamin bei TCI EuropeVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 211-388-8
ECHA-InfoCard 100.010.354
PubChem 12555
ChemSpider 12036
DrugBank DB09084
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Arzneistoffangaben
ATC-Code
Wirkstoffklasse

NSAR (Nichtsteriodiales Antirheumatikum)

Eigenschaften
Molare Masse
  • 309,41 g·mol−1
  • 345,87 g·mol−1 (Hydrochlorid)
Aggregatzustand

fest<ref name="Sigma" />

Schmelzpunkt

160 °C (Hydrochlorid)<ref name="TCI" />

Löslichkeit

löslich in Wasser (Hydrochlorid)<ref name="TCI" />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Benzydamine hydrochloride, analytical standard bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>

Hydrochlorid

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​319
P: 264​‐​270​‐​280​‐​301+312​‐​305+351+338​‐​337+313<ref name="Sigma" />
Toxikologische Daten
  • 25 mg·kg−1 (LD50, Maus, i.v.)<ref name="Kleemann">A. Kleemann, J. Engel, B. Kutscher, D. Reichert: Pharmaceutical Substances – Synthesis, Patents, Applications. 4. Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 1-58890-031-2.</ref>
  • 460 mg·kg−1 (LD50, Maus, oral)<ref name="Kleemann" />
  • 950 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)<ref name="Kleemann" />
  • 33 mg·kg−1 (LD50, Maus, i.v., Hydrochlorid)<ref name="Kleemann" />
  • 440 mg·kg−1 (LD50, Maus, oral, Hydrochlorid)<ref name="Kleemann" />
  • 43,5 mg·kg−1 (LD50, Ratte, i.v., Hydrochlorid)<ref name="Kleemann" />
  • 740 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral, Hydrochlorid)<ref name="Kleemann" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Benzydamin (Handelsnamen: neo-angin, Tantum (-Verde, -Rosa), Pretuval oder Difflam) ist ein entzündungshemmender, schmerzlindernder und antibakterieller Wirkstoff, der lokal in Form einer Gurgellösung, als Spray oder Lutschpastillen zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Reizungen im Mund- und Rachenraum angewandt wird, zum Beispiel bei Halsschmerzen. Die Mittel werden mehrmals täglich verabreicht.<ref>R. S. Turnbull: Benzydamine Hydrochloride (Tantum) in the management of oral inflammatory conditions. In: Journal (Canadian Dental Association). Band 61, Nummer 2, Februar 1995, S. 127–134. PMID 7600413 (Review).</ref> 2013 ist Benzydamin in einer Konzentration bis 0,15 % als Lösung (Spray) und 3 mg pro Lutschtablette in Deutschland aus der Verschreibungspflicht entlassen worden.<ref>Warum unterliegt hochdosiertes Benzydamin-Spray der Verschreibungspflicht. In: Deutsche Apotheker Zeitung. 29. Dezember 2013, abgerufen am 8. März 2025.</ref>

Präparate für die systemische Anwendung (Dragees, Kapseln, Injektionslösung) sind in Deutschland nicht (mehr) erhältlich.

Darstellung und Gewinnung[Bearbeiten]

Die Herstellung von Benzydamin erfolgt in einer dreistufigen Synthese. Im ersten Schritt wird durch eine N-Alkylierung von Methylanthranilat mittels Benzylchlorid der 2-Benzylaminobenzoesäuremethylester erhalten. Der nachfolgende Ringschluss wird durch eine Umsetzung mit Natriumnitrit in salzsaurem Medium zum Nitrosamin und anschließender Reduktion mit Natriumhydrogensulfit zum Hydrazin-Derivat (im Formelschema nicht gezeigt) realisiert. Die Zielverbindung ergibt sich dann durch eine Veretherung mit 3-Dimethylaminopropylchlorid in Gegenwart von Natriummethylat.<ref name="Kleemann" />

Synthese von Benzydamin

Struktur und Eigenschaften[Bearbeiten]

Benzydamin liegt in Arzneimitteln als Benzydaminhydrochlorid vor. Es ist ein benzyliertes Indazol-Derivat. Benzydamin ist lipophil bei pH 7,2.<ref name="Eigenschaften">A. Burger, H. Wachter (Hrsg.): Hunnius. Pharmazeutisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin / New York 1998, ISBN 3-11-015792-6.</ref>

Wirkungen[Bearbeiten]

Benzydamin (A01AD02) hat entzündungshemmende, lokalanästhetische, leicht bakterizide und fungizide Eigenschaften in der lokalen Therapie als Gurgellösung, Lutschtablette/Pastille oder als Spray. Peroral eingenommen ist es zusätzlich fiebersenkend und schmerzlindernd, aber Präparate für die systemische Anwendung (Dragees, Kapseln, Injektionslösung) sind in Deutschland nicht (mehr) erhältlich.

Indikationen[Bearbeiten]

Zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Reizungen im Mund- und Rachenraum, zum Beispiel bei Halsschmerzen.

Dosierung[Bearbeiten]

Gemäß der Fachinformation. Die Arzneimittel werden mehrmals täglich angewendet. Essen, Trinken oder die Mundhygiene können die Wirksamkeit reduzieren.

Mögliche unerwünschte Wirkungen[Bearbeiten]

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Photosensibilität (Lichtempfindlichkeit, erhöhtes Sonnenbrandrisiko), Überempfindlichkeitsreaktionen wie Juckreiz, Brennen, Mundtrockenheit, Stimmritzenkrampf und Angioödeme (Haut-, Schleimhautschwellungen).

Pharmakokinetische Eigenschaften[Bearbeiten]

Resorption[Bearbeiten]

Bei lokaler Anwendung findet eine sehr gute Penetration des Wirkstoffes durch die Haut- und Schleimhautoberflächen und eine Anreicherung im darunterliegenden entzündlich veränderten Gewebe statt. Die Resorption über die Mund- und Rachenschleimhaut wird durch eine messbare Menge Benzydamin im menschlichen Blutserum belegt. Zirka zwei Stunden nach der Anwendung einer Lutschtablette zu 3 mg beträgt die maximale Plasmakonzentration von Benzydamin 37,8 ng/ml, die AUC erreicht einen Wert von 367 ng/ml*h. Diese Werte reichen allerdings nicht aus, um systemische pharmakologische Wirkungen zu erreichen.

Verteilung[Bearbeiten]

Bei oraler Applikation wird Benzydamin umfassend und langsam in die Gewebe verteilt (Verteilungsvolumen = 100 l). Die Bindung an Plasmaproteine beträgt lediglich 10 bis 15 %.

Biotransformation[Bearbeiten]

In 24 Stunden werden rund 40 % einer Einzeldosis in Form polarer Metaboliten (hauptsächlich Benzydamin-N-oxid und 5-Hydroxybenzydamin-glucuronid) und 5 % als unverändertes Benzydamin mit dem Urin ausgeschieden. 70 % der verabreichten Dosis werden über die Nieren ausgeschieden.<ref name=":1">Klaus Müller, Heige Prinz, Matthias Lehr: Pharmazeutische/Medizinische Chemie. 1. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-8047-3925-3.</ref>

Elimination[Bearbeiten]

Die Plasmahalbwertszeit beläuft sich auf zirka 13 Stunden.<ref name=":1" />

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />