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Cryptococcus neoformans

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Cryptococcus neoformans
Datei:Cryptococcus neoformans using a light India ink staining preparation PHIL 3771 lores.jpg

Cryptococcus neoformans

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Tremellomycetes
Ordnung: Filobasidiales
Familie: Filobasidiaceae
Gattung: Cryptococcus
Art: Cryptococcus neoformans
Wissenschaftlicher Name
Cryptococcus neoformans
(San Felice) Vuill.

Cryptococcus neoformans ist ein hefeähnlicher, bekapselter Pilz mit weltweiter Verbreitung. Die Art ist 1 bis 5 µm groß, rundlich und weist einen haploiden Chromosomensatz auf. Das geschlechtliche bzw. teleomorphe Stadium von Cryptococcus neoformans heißt Filobasidiella neoformans und wurde 1976 durch Kwon-Chung beschrieben.

Cryptococcus neoformans ist der wichtigste Erreger der Kryptokokkose, einer opportunistischen Infektion, die fast ausschließlich bei Patienten mit massiver Immunschwäche auftritt. So gehört die Kryptokokkose zu den wichtigsten AIDS-definierenden Erkrankungen. Zudem ist Cryptococcus neoformans der häufigste Erreger einer Pilz-Meningitis weltweit.<ref>Matthew G. Gartland, Samuel C.D. Cartmell, John S. Albin, Daniel Restrepo, Anthony R. Russo: Case 13-2025: A 70-Year-Old Man with Weight Loss, Weakness, and Anorexia New England Journal of Medicine 2025, Band 392, Ausgabe 18 vom 8. Mai 2025, Seiten 1847-1856, DOI: 10.1056/NEJMcpc2412518</ref>

Vorkommen[Bearbeiten]

Cryptococcus neoformans kommt weltweit vor. Er wächst in der Erde und auf verschiedenen Gräsern und Getreidearten. Der Pilz ist häufig im Kot verschiedener Vogelarten nachzuweisen. Daraus resultierende Stäube stellen eine Infektionsquelle für den Menschen dar.<ref>Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie, 3. Auflage, Stuttgart, 2005, S. 479.</ref> Unter gesunden Menschen ist der serologische Nachweis von Kontakt mit Cryptococcus neoformans häufig. Dabei erfolgt die Infektion meist im Kindesalter und geht entweder in eine Eliminierung des Erregers oder ein asymptomatisches Latenzstadium über. Als Krankheitserreger beim Menschen kommt Cryptococcus neoformans fast ausschließlich bei Menschen mit reduzierter Leistung des Immunsystems vor. Dies trifft für AIDS-Kranke und Patienten unter immunsuppressiver Therapie zu. Hochrechnungen kommen zu dem Schluss, dass rund 1 Million Menschen jährlich an einer Kryptokokkose erkranken, und rund 600.000 versterben. Die Mehrheit der Fälle steht in Zusammenhang mit der seit Anfang der 1990er Jahre herrschenden HIV-Epidemie.<ref name=Harrisons18ed16481651>Arturo Casadevall: Cryptococcosis, in Dan L. Longo, Anthony A. Fauci, Dennis Kasper, Stephen L. Hauser, J. Larry Jameson, Joseph Localzo : Harrison's Principles of Internal Medicine, 18. Auflage, New York, 2012, S. 1648–1651.</ref>

Krankheitsentstehung[Bearbeiten]

Der Pilz dringt über die Atemwege in den menschlichen Körper ein. Bei immunkompetenten Menschen erfolgt bei Cryptococcus neoformans die Elimination des Erregers oder der Erreger wird vom Immunsystem in einem Granulom abgekapselt. Über Folgen einer latenten Infektion ist beim Menschen nichts bekannt. Im Tiermodell konnte jedoch ein Zusammenhang mit allergischen Atemwegserkrankungen dargestellt werden. Bei Menschen mit Immunschwäche kann der Erreger ins Blut eindringen und überwindet die Blut-Hirn-Schranke.<ref name="Harrisons18ed16481651" /> Die Mehrheit der Erkrankungen wird als Reaktivierung einer latenten Infektion gesehen. Rund 20 % werden von mehreren Stämmen befallen und werden als Neuinfektionen aus der Umwelt gewertet.<ref name="PMID_20689742">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Als mögliche Mechanismen hierzu werden eine direkte Überwindung der Barriere durch Pilzzellen sowie das Einschleppen durch mit Cryptococcus neoformans infizierten Makrophagen diskutiert. Sobald der Erreger in das zentrale Nervensystem eingedrungen ist, induziert er durch seine Vermehrung eine Hirnhautentzündung. Dabei schützt den Erreger seine Polysaccharidkapsel gegen Phagocytose. Ebenso werden große Mengen an Kapselpolysacchariden, welche die Immunantwort stören, in das Gewebe abgegeben. Der Pilz produziert auch Enzyme (unter anderem eine Phospholipase), um das Gewebe des Wirts aufzulösen.<ref name="Harrisons18ed16481651" />

Siehe zur gefährlicheren Form den mutierten Pilz Cryptococcus neoformans var. gattii auch Cryptococcus gattii.

Behandlung[Bearbeiten]

Zur Therapie der Erkrankung stehen die Antimykotika Amphotericin B und Flucytosin sowie die Gruppe der Azole (Fluconazol, Voriconazol, Posaconazol, Itraconazol und andere) zur Verfügung. Diese werden je nach Schwere der Erkrankung in Kombinationen verabreicht. Nach Ausheilung ist meist eine mehrjährige oder lebenslange Erhaltungstherapie notwendig.<ref>IDSA Guideline: John R. Perfect et al. : Clinical Practice Guidelines for the Management of Cryptococcal Disease: 2010 Update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. (2010) 50 (3): 291-322 doi:10.1086/649858</ref>

Die WHO hat Cryptococcus neoformans auf ihrer im Oktober 2022 erstmals veröffentlichten Liste der gesundheitsgefährdenden Pilzspezies (FPPL – Fungal Priority Pathogens List) in die höchste Kategorie 'kritisch' eingeordnet.<ref>https://www.who.int/news/item/25-10-2022-who-releases-first-ever-list-of-health-threatening-fungi</ref>

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Cryptococcus neoformans wurde erstmals 1890 beschrieben.<ref name="Harrisons18ed16481651" />

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Cryptococcus neoformans – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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