Meningitis
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| G00 | Bakterielle Meningitis |
| G01 | Meningitis bei anderenorts klassifizierten bakteriellen Krankheiten |
| G02 | Meningitis bei sonstigen anderenorts klassifizierten infektiösen und parasitären Krankheiten |
| G03 | Meningitis durch sonstige und nicht näher bezeichnete Ursachen |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11
Eine Meningitis (Plural Meningitiden; {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, also der Hüllen des zentralen Nervensystems (ZNS). Sie kann durch Viren, Bakterien oder andere Mikroorganismen verursacht werden, aber auch aufgrund nichtinfektiöser Reize auftreten.<ref name="Ginsberg">L. Ginsberg: Difficult and recurrent meningitis. In: Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry. 75 Suppl 1, März 2004, S. i16–i21, doi:10.1136/jnnp.2003.034272, PMID 14978146, PMC 1765649 (freier Volltext) – (bmj.com).</ref> Da eine bakterielle Meningitis aufgrund der unmittelbaren Nähe der Entzündung zu Gehirn und Rückenmark grundsätzlich lebensbedrohlich ist, stellt eine Meningitis bis zum sicheren Ausschluss einer bakteriellen Ursache immer einen medizinischen Notfall dar.<ref name="Lancet">X. Sáez-Llorens, George H. McCracken: Bacterial meningitis in children. In: The Lancet. Band 361, Nr. 9375, Juni 2003, S. 2139–2148, doi:10.1016/S0140-6736(03)13693-8, PMID 12826449.</ref><ref name="IDSA">A. R. Tunkel, B. J. Hartman, S. L. Kaplan et al.: Practice guidelines for the management of bacterial meningitis. In: Clinical Infectious Diseases. Band 39, Nr. 9, November 2004, S. 1267–1284, doi:10.1086/425368, PMID 15494903.</ref>
Die häufigsten Symptome einer Meningitis sind Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit, verbunden mit Fieber, Verwirrtheit oder Bewusstseinsminderung, Übelkeit und einer Überempfindlichkeit gegen Licht und laute Geräusche. Vor allem Kinder können, insbesondere in der Anfangsphase, auch unspezifische Symptome wie Reizbarkeit und Benommenheit zeigen. Ein charakteristischer Hautausschlag gilt als Hinweis auf das Vorliegen einer durch Meningokokken hervorgerufenen Meningitis.<ref name="Lancet" /><ref name="NEJM">D. van de Beek, J. de Gans, A. R. Tunkel, E. F. Wijdicks: Community-acquired bacterial meningitis in adults. In: The New England Journal of Medicine. Band 354, Nr. 1, Januar 2006, S. 44–53, doi:10.1056/NEJMra052116, PMID 16394301.</ref>
Üblicherweise wird das Vorliegen der Krankheit durch die Analyse von Hirn-Rückenmarksflüssigkeit, welche durch eine Lumbalpunktion entnommen wird, bestätigt oder ausgeschlossen. Eine Meningitis wird durch die rechtzeitige Gabe von Antibiotika und falls nötig mit antiviralen Substanzen behandelt. Corticosteroide können zur Verhütung von Komplikationen hilfreich sein. Eine Meningitis kann, vor allem wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, tödlich enden oder zu schwerwiegenden Folgeschäden wie Taubheit, Epilepsie, einem Hydrozephalus oder kognitiven Beeinträchtigungen führen. Zum Schutz vor bestimmten Erregern der Meningitis existieren Impfungen – beispielsweise gegen die Meningokokken Serogruppen A, C, W, Y und B.<ref name="Lancet" /><ref name="IDSA" /><ref name="NEJM" /> Meningitiden mit bestimmten Erregern wie Haemophilus influenzae Typ b oder die Meningokokkenmeningitis sind meldepflichtige Erkrankungen.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Gesundheitsberichterstattung des Bundes zu meldepflichtigen Krankheiten. ( des Vorlage:IconExternal vom 4. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Ursachen[Bearbeiten]
Eine Meningitis ist, als Meningitis epidemica, gewöhnlich erregerbedingt, also eine Infektionskrankheit. In den meisten Fällen können Infektionen mit Viren,<ref name="Attia" /> Bakterien, Pilzen oder Parasiten festgestellt werden.<ref name="Ginsberg" /> Eine Meningitis kann auch durch verschiedene nicht-infektiöse Mechanismen verursacht werden.<ref name="Ginsberg" /> Alle Formen, bei denen kein bakterieller bzw. lichtmikroskopisch sichtbarer Erreger nachgewiesen werden kann, werden allgemein als aseptische Meningitis bezeichnet. Das ist der Fall bei nicht-infektiöser oder viraler Ursache (vgl. Lymphozytäre Choriomeningitis, Frühsommer-Meningoenzephalitis), aber auch bei anbehandelten bakteriellen Meningitiden, bei denen sich keine Bakterien mehr in der Hirnhaut finden, oder aber auch bei hirnhautnahen Infektionen (beispielsweise einer Sinusitis). Eine Endokarditis (Infektion der Herzklappe mit Aussaat von Bakterien in den Blutstrom) kann ebenfalls die Ursache einer aseptischen Meningitis sein. Die aseptische Meningitis wird zudem von Erregern aus der Familie der Spirochäten ausgelöst, zu denen auch die von Syphilis (Treponema pallidum) und der Lyme-Borreliose (Borrelia burgdorferi) gehören. Auch Malariaerreger, Pilze (beispielsweise Cryptococcus neoformans bei Immundefizitsyndromen wie AIDS oder Candida-Spezies als Erreger der „Hefemeningitis“<ref>Immo von Hattingberg: Entzündungen des Gehirns. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 1298–1303, hier: S. 1312.</ref>) und Amöben (beispielsweise Naegleria fowleri aus damit verseuchtem Trinkwasser) sind als Auslöser bekannt.<ref name="Ginsberg" />
Bakterien[Bearbeiten]
Abhängigkeit der Art der Meningitis vom Lebensalter[Bearbeiten]
Generell gilt, dass es vom Alter der Patienten abhängt, welche Krankheitserreger bevorzugt eine Meningitis verursachen.<ref>Bakterielle Meningitis – Symptome, Ursachen und Therapie</ref>
Bei Frühgeborenen und Säuglingen bis zu einem Alter von 3 Monaten wird häufig Streptococcus agalactiae gefunden. Vor allem der Subtyp III der Lancefield-Gruppe B (Gruppe-B-Streptokokken, GBS) ist es, der besonders innerhalb der ersten Lebenswochen als Meningitisverursacher im Rahmen einer Neugeborenensepsis infrage kommt. Diese Erreger haben ihr natürliches Reservoir im Magen-Darm-Trakt. Allerdings kann auch die Vagina (der Mutter) intermittierend, chronisch oder vorübergehend mit GBS besiedelt sein.<ref name="AWMF-GBS">S1-Leitlinie Prophylaxe der Neugeborensepsis – frühe Form – durch Streptokokken der Gruppe B der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI), Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), und Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM). In: AWMF online (Stand 7/2008)</ref> Außerdem findet man in dieser Altersgruppe Escherichia coli, die ebenfalls den Magen-Darm-Trakt besiedeln. Neugeborene und immunsupprimierte<ref>Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 61.</ref> Patienten können auch durch Listeria monocytogenes (vor allem Serotyp IVb), einen Erreger, der auch epidemisch auftritt, erkranken.
Ältere Kinder erkranken eher durch Neisseria meningitidis (Meningokokken), Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken, Serotypen 6, 9, 14, 18 und 23) und Kinder unter fünf Jahren an Haemophilus influenzae Typ b (Haemophilus influenzae b-Infektion).<ref name="Lancet" /><ref name="IDSA" />
Bei Erwachsenen verursachen N. meningitidis und S. pneumoniae zusammen etwa 80 Prozent aller Fälle einer Meningitis. Mit steigendem Alter (nach dem 50. Lebensjahr) finden sich vermehrt L. monocytogenes.<ref name="IDSA" /><ref name="NEJM" />
Sonderfälle: Schädel-Hirn-Trauma, Cerebralshunt, Cochlea-Implantat, anatomische Defekte, Störungen des Immunsystems[Bearbeiten]
Nach kürzlich erlittenem Schädel-Hirn-Trauma können Bakterien aus der Nasenhöhle in den meningealen Raum übertreten.
Ein ähnlich erhöhtes Infektionsrisiko haben Patienten mit einem Cerebralshunt. In diesen Fällen finden sich gehäuft Infektionen mit Staphylokokken, Pseudomonaden und gramnegativen Erregern.<ref name="IDSA" /> Diese Keime findet man auch bei Patienten mit einem Immundefekt.<ref name="Lancet" />
Manchmal können das Einsetzen eines Cochleaimplantats oder Infektionen im Bereich von Kopf und Hals wie eine akute Mittelohrentzündung oder Mastoiditis zu einer Meningitis führen.<ref name="IDSA" /> Bei Cochleaimplantaten ist das Risiko für eine Pneumokokken-Meningitis deutlich erhöht.<ref>B. P. Wei, R. M. Robins-Browne, R. K. Shepherd, G. M. Clark, S. J. O’Leary: Can we prevent cochlear implant recipients from developing pneumococcal meningitis? In: Clin Infect Dis. Band 46, Nr. 1, Januar 2008, S. e1–e7, doi:10.1086/524083, PMID 18171202.</ref>
Eine rezidivierende bakterielle Meningitis kann auch durch anatomische Defekte (kongenital oder erworben) oder auch durch Störungen des Immunsystems verursacht werden. Anatomische Defekte können eine Verbindung zwischen der äußeren Umgebung und dem Nervensystem herstellen. Daher ist die häufigste Ursache einer rezidivierenden Meningitis eine Schädelfraktur, insbesondere Frakturen der Schädelbasis und solche, die die Nasennebenhöhlen oder das Felsenbein mit einbeziehen. Eine Literaturübersicht von 363 Fällen von rezidivierenden Meningitiden ergab, dass 59 Prozent der Fälle durch anatomische Anomalien verursacht sind, 36 Prozent im Rahmen einer Immunschwäche auftreten (z. B. Gerinnungsstörungen, die vor allem zu rezidivierenden Meningokokken-Meningitiden führen) und 5 Prozent auf das Konto persistierender Infekte in den Hirnhäuten benachbarten Gebieten gehen.<ref name="Tebruegge">M. Tebruegge, N. Curtis: Epidemiology, etiology, pathogenesis, and diagnosis of recurrent bacterial meningitis. In: Clinical Microbiology Reviews. Band 21, Nr. 3, Juli 2008, S. 519–537, doi:10.1128/CMR.00009-08, PMID 18625686, PMC 2493086 (freier Volltext).</ref>
Tuberkulöse Meningitis[Bearbeiten]
Als tuberkulöse Meningitis (Meningitis tuberculosa<ref>Hilmar Prange, Ralf-Peter Vonberg, M. Miksits: Bakterielle Meningitis. In: Helmut Hahn, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz, Sebastian Suerbaum (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 6. Auflage. Springer, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-46359-7, S. 792–799.</ref>) wird eine Meningitis bezeichnet, die durch eine Infektion mit dem Erreger Mycobacterium tuberculosis verursacht wird. Sie tritt gehäuft in Ländern auf, in denen die Tuberkulose verbreitet ist. Sie wird aber auch bei Menschen beobachtet, die eine Immunschwäche, z. B. durch eine HIV-Infektion aufweisen, oder bei denen eine Immunsuppression besteht, z. B. durch eine Chemotherapie.<ref name="Tuberc">G. Thwaites, T. T. Chau, N. T. Mai, F. Drobniewski, K. McAdam, J. Farrar: Tuberculous meningitis. In: Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry. Band 68, Nr. 3, März 2000, S. 289–299, doi:10.1136/jnnp.68.3.289, PMID 10675209, PMC 1736815 (freier Volltext) – (bmj.com).</ref>
Eitrige Meningitis[Bearbeiten]
Bakterien wie beispielsweise Meningokokken oder Haemophilus influenzae führen bevorzugt zu einer eitrigen Meningitis (Meningitis purulenta<ref>Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. 1961, S. 181 f.</ref>). Abhängig von der Hauptlokalisation der Ausbreitung unterscheidet man dabei die Hauben- oder Konvexitätsmeningitis von der basalen Meningitis. Bei Ersterer findet sich das eitrige Infiltrat über den Großhirnhemisphären (insbesondere frontoparietal), bei Letzterer bevorzugt im Bereich der Hirnbasis.<ref>W. Böcker et al.: Pathologie. Urban & Fischer Verlag, 2008, ISBN 978-3-437-42382-6, S. 286, books.google.de
Bankl H et al.: Arbeitsbuch Pathologie, Bände 2–3. Facultas Verlag, 2000, ISBN 3-85076-536-9, S. 375 ff. + 501, books.google.de</ref>
Viren[Bearbeiten]
Obwohl neurotrope Viren überwiegend eine Enzephalitis hervorrufen, können manche Virusspezies auch Ursache einer Meningoenzephalitis, Enzephalomyelitis und Meningitis sein. Als Abgrenzung zur klassischen bakteriellen Meningitis werden die viralen Meningitiden auch als lymphozytäre Meningitis bezeichnet. Nur wenige Viren verursachen ausschließlich eine Meningitis wie das durch Nagetiere übertragene Virus der Lymphozytären Choriomeningitis (LCMV). Eine Meningitis als Mischform oder als fortgeschrittener Infektionsverlauf wird bei immunkompetenten Erwachsenen am häufigsten durch Enteroviren wie dem Coxsackie-Virus und den ECHO-Viren verursacht. Als Meningitis können sich auch Infektionen oder Reaktivierungen verschiedener Herpesviren manifestieren, so das Herpes-simplex-Virus 1, seltener das Herpes-simplex-Virus 2, Humane Herpesvirus 6 und Humane Herpesvirus 7. Die Herpes-simplex-Viren vermögen als einzige virale Erreger auch eine chronisch verlaufende Meningitis hervorzurufen. Bei schwerer zellulärer Immundefizienz (beispielsweise nach Knochenmarktransplantation oder bei AIDS im Stadium C3) vermögen auch das Cytomegalievirus und das Epstein-Barr-Virus eine Meningoenzephalitis oder Meningitis auszulösen. Als typische Komplikationen treten diese auch bei Infektionen mit dem Masernvirus, dem Mumpsvirus und dem Rötelnvirus auf. Bei Hantaviren und dem Parvovirus B19<ref>M. Douvoyiannis, N. Litman, D. L. Goldman: Neurologic manifestations associated with parvovirus B19 infection. In: Clin. Infect. Dis. (2009) 48(12), S. 1713–1723 PMID 19441978.</ref> ist eine meningitische Mitbeteiligung beschrieben. Im Rahmen einer frischen Infektion kann das Humane Immundefizienz-Virus neben einer Enzephalitis auch eine Meningitis hervorrufen (Akutes retrovirales Syndrom). Verschiedene durch Gliederfüßer wie Stechmücken und Zecken übertragene Viren (Arboviren) können neben einer Enzephalitis auch eine Meningitis verursachen. Zu ihnen gehören das FSME-Virus, Japanische-Enzephalitis-Virus (→ Japanische Enzephalitis), West-Nil-Virus, Rifttal-Fieber-Virus (→ Rifttalfieber), Dengue-Virus und verschiedene Subtypen des Sandmückenfiebervirus (→ Phlebotomusfieber) wie das Toskana-Virus.<ref>H. W. Doerr, W. H. Gerlich (Hrsg.): Medizinische Virologie. 2. Auflage. Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-113962-7, S. 206ff.</ref>
Parasitäre Ursachen[Bearbeiten]
Eine parasitäre Ursache wird oft angenommen, wenn sich eine Eosinophilie im Liquor cerebrospinalis findet. Von einer Eosinophilen Meningitis wird gesprochen, wenn mindestens zehn Eosinophile pro Mikroliter Liquor vorliegen, oder die Eosinophilen mindestens zehn Prozent aller Leukozyten im Liquor ausmachen.<ref name="zunt">Joseph Zunt, Amy K. Barczak, Daniel Y. Chang: Case 5-2025: A 30-year-old woman with headache and dysesthesia. New England Journal of Medicine 2025, Band 392, Ausgabe 7 vom 13. Februar 2025, Seiten 699–709, doi:10.1056/NEJMcpc2412514</ref>
Es gibt eine sehr große Anzahl von Parasiten, die eine eosinophile Meningitis auslösen können, vor allem in tropischen und subtropischen Ländern, mit großen regionalen Unterschieden in der Häufigkeit des Auftretens. Besonders der Konsum von (Nackt-)Schnecken und deren Schleim, teilweise auf Gemüse oder Salat kann zur Übertragung führen, ebenso kann eine Infektion über die Haut erfolgen, etwa beim Baden in Brack- oder Süßwasser.
Bei einem kutanen Eintritt kommt es häufig zu einer wandernden Hautschwellung mit erheblichen Schmerzen, die Parasiten wandern dann weiter entlang der peripheren Nerven ins Gehirn. Dies kann zu erheblichen peripheren Nervenschmerzen, Gefühlsstörungen, später zu Kopfschmerzen und Anfällen führen. Bei oraler Infektion treten anfangs gastrointestinale Symptome und später zentralnervöse Beschwerden auf.
Der häufigste Erreger einer eosinophilen Meningitis ist der Ratten-Lungenwurm (Angiostrongylus cantonensis), der vor allem in Südostasien und im Pazifischen Raum verbreitet ist, mit zunehmender Ausbreitung und ersten Fällen in Europa, Australien und den U.S.A. Eine Behandlung der Angiostrongyliasis mit Albendazol ist von fraglicher Wirksamkeit.<ref>V. Chotmongkol: Comparison of prednisolone plus albendazole with prednisolone alone for treatment of patients with eosinophilic meningitis. In: Am J Trop Med Hyg. 2009/81/3, S. 443ff. PMID 19706911</ref>
Andere Parasiten bzw. Parasiten-Infektionen sind u. a.:<ref name="zunt" /><ref>C. Panackel et al.: Eosinophilic meningitis due to Angiostrongylus cantonensis. In: Ind J Med Microbio. 2006/24/3, S., 220ff. PMID 16912445.</ref><ref>P. F. Weller et al.: Eosinophilic meningitis. In: Semin Neurol. 1993/13/2, S. 161–168, PMID 8356350</ref><ref>M. J. Schermoly et al.: Eosinophilia in coccidioidomycosis. In: Arch. Intern. Med. 1988/148/4, S. 895–896, PMID 3355309</ref>
- Gnathostomiasis durch den Fadenwurm Gnathostoma spinigerum, der in Südost- und Ostasien endemisch ist.
- Paragonimiasis vor allem in Afrika und Asien
- Strongyloidiasis durch Strongyloides stercoralis
- Sparganose durch Larven der Spirometra-Spezies in Asien (S. mansoni), ganz Amerika (S. mansonoides) und Korea und Japan (S. proliferum)
- Toxocariasis durch Toxocara cabis, weltweit, mit Hunden als Wirt, Aufnahme in der Regel durch infizierte Erde, bes. bei Kindern
- Schistosomiasis oder "Bilharziose"" durch die Larven von Saugwürmern der Gattung Pärchenegel (Schistosoma), in tropischen und subtropischen Länder, zu 85 Prozent aber in Afrika
- Baylisascariasis durch Baylisascaris procyanis, der v. a. Waschbären als Wirt hat
- Kryptokokkose weltweit durch Cryptococcus neoformans, im pazischen Raum und in den U.S.A. bei zunehmender regionaler Ausbreitung durch C. gattii:
- Kokzidioidomykose durch Coccidioides immitis v. a. im Westen der U.S.A. und in Mittel- und Südamerika, v. a. bei HIV-Patienten als opportunistische Infektion auftretend
- Zystizerkose
Diese Liste ist nicht vollständig und unsortiert. Als seltene Ausschlussdiagnosen gelten Tuberkulose und Syphilis. Eine eosinophile Meningitis kann außerdem nicht-infektiös sein, selten durch Ibuprofen ausgelöst werden, bei autoimmunen Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen), besonders bei Lupus erythematodes, oder bei Krebs auftreten.<ref name="zunt" /><ref>Heinz-Walter Delank: Neurologie. 5., neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Enke, Stuttgart 1988, ISBN 3-432-89915-7, S. 141 (Chronisch-lymphozytäre Meningitiden)</ref>
Nichtinfektiöse Formen der Meningitis[Bearbeiten]
Eine nichtinfektiöse Meningitis kann als das Ergebnis von verschiedenen Prozessen auftreten: durch die Ausbreitung von Krebszellen auf die Hirnhäute im Sinne einer „Meningeosis neoplastica“<ref name="Chamberlain">M. C. Chamberlain: Neoplastic meningitis. In: Journal of Clinical Oncology. Band 23, Nr. 15, Mai 2005, S. 3605–3613, doi:10.1200/JCO.2005.01.131, PMID 15908671.</ref> und als Nebenwirkung bestimmter Medikamente, vor allem durch nicht-steroidale Antirheumatika, Antibiotika und intravenös gegebene Immunglobuline.<ref name="ArchInternMed"></ref> Eine nichtinfektiöse Meningitis kann auch durch entzündliche Erkrankungen wie die Sarkoidose (Neurosarkoidose) verursacht werden oder durch Bindegewebserkrankungen wie den systemischen Lupus erythematodes oder infolge bestimmter Formen von entzündlichen Erkrankungen der Gefäßwand wie dem Morbus Behçet auftreten.<ref name="Ginsberg" /> Eine Epidermoidzyste oder eine Dermoidzyste kann eine Meningitis dadurch verursachen, dass sie entzündungsfördernde Stoffe in den Subarachnoidalraum entlässt.<ref name="Ginsberg" /><ref name="Tebruegge" /> Eine Mollaret-Meningitis ist ein Syndrom von wiederkehrenden Episoden aseptischer Meningitiden. Es wird möglicherweise durch Herpes-simplex-Viren vom Typ 2 verursacht. In seltenen Fällen kann eine Migräne eine Meningitis verursachen, diese Diagnose ist allerdings nur zulässig, wenn alle anderen möglichen Ursachen im Vorfeld ausgeschlossen wurden.<ref name="Ginsberg" />
Krankheitsentstehung[Bearbeiten]
Die Meningitis betrifft alle drei Schichten der Hirnhaut, die zusammen mit Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) Gehirn und Rückenmark umschließen und schützen. Die innerste Schicht der Hirnhaut, die Pia mater, ist eine zarte, undurchlässige Schicht, die fest mit der Oberfläche von Gehirn und Rückenmark verbunden ist und auch bis in alle Furchen hinein umschließt. Die mittlere Schicht, die Arachnoidea oder Spinnwebenhaut, sitzt der Pia mater locker auf und „überspringt“ dabei die Furchen des Gehirns. Der Spalt zwischen den beiden Schichten wird als Subarachnoidalraum bezeichnet. Er ist mit Liquor cerebrospinalis gefüllt und heißt, weil er außerhalb des zentralen Nervensystems liegt, auch äußerer Liquorraum. Die äußerste Schicht der Hirnhaut liegt sowohl der Arachnoidea als auch dem Schädelknochen eng an. Sie wird als Dura mater bezeichnet.
Bei der bakteriellen Meningitis können die Erreger über das Blut (hämotogen) zu den Hirnhäuten gelangen oder direkt von den Schleimhäuten des Nasenraumes oder der Haut aus dorthin wandern. Meist geht dem eine virale Infektion voraus, die die normalerweise vorhandene Schutzfunktion der Schleimhäute schädigt. Sind die Bakterien einmal im Blut, können sie über Bereiche, in denen die Blut-Hirn- bzw. die Blut-Liquor-Schranke schwächer ausgeprägt ist (wie den Plexus choroideus) in den Subarachnoidalraum gelangen. Meningitiden bei Neugeborenen sind in 25 Prozent der Fälle durch hämatogene Streuung von Streptokokken der Gruppe B bedingt. Bei Erwachsenen kommt dies seltener vor.<ref name="Lancet" /> Ursache für eine unmittelbare Verschleppung von Keimen in den Liquor können eingebrachte medizinische Geräte sein, aber auch ein Schädelbruch oder eine Infektion des Nasenrachenraums (Nasopharynx) oder der Nasennebenhöhlen, die eine Fistel mit dem Subarachnoidalraum gebildet haben. Gelegentlich kann auch ein angeborener Defekt der Dura mater verantwortlich sein.<ref name="Lancet" />
Mit dem Begriff aseptische Meningitis wird ein Syndrom bezeichnet, das durch ein akutes Auftreten meningealer Reizzustände, Fieber und eine Liquorpleozytose gekennzeichnet ist.<ref>S. A. Logan, E. MacMahon: Viral meningitis. In: BMJ. 2008 Jan 5;336(7634), S. 36–40. PMID 18174598.</ref> Typischerweise findet man dabei kein Wachstum eines Erregers in einer Bakterienkultur.<ref>D. N. Irani: Aseptic meningitis and viral myelitis. In: Neurol Clin. 2008 Aug;26(3), S. 635–655, vii-viii. PMID 18657719</ref> Bei den meisten aseptischen Meningitiden wird die Entzündung der Hirnhäute durch Enteroviren und Herpes-Simplex-Typ-2-Viren verursacht.<ref>L. Kupila, T. Vuorinen, R. Vainionpää, V. Hukkanen, R. J. Marttila, P. Kotilainen: Etiology of aseptic meningitis and encephalitis in an adult population. In: Neurology. 2006 Jan 10;66(1), S. 75–80. PMID 16401850.</ref> Untersucht man die viral verursachten Meningitiden, findet man in bis über 90 Prozent der Fälle Enteroviren als die Verursacher.<ref>H. A. Rotbart: Viral meningitis. In: Semin Neurol. 2000;20(3), S. 277–292. PMID 11051293.</ref> Bei Kindern machen Enteroviren etwa die Hälfte der identifizierten Erreger aus.<ref>A. G. Michos, V. P. Syriopoulou, C. Hadjichristodoulou, G. L. Daikos, E. Lagona, P. Douridas, G. Mostrou, M. Theodoridou: Aseptic meningitis in children: analysis of 506 cases. In: PLOS ONE. 2007 Aug 1;2(7), S. e674. PMID 17668054.</ref> Daher wird eine virale Meningitis vielfach kurzerhand als aseptische Meningitis bezeichnet.<ref>cdc.gov</ref> Andere Autoren erklären vereinfachend, dass eine aseptische Meningitis immer dann vorliegt, wenn die Entzündung der Meningen nicht durch einen eiterverursachenden Erreger bedingt ist.<ref>R. Kumar: Aseptic meningitis: diagnosis and management. In: Indian J Pediatr. 2005 Jan;72(1), S. 57–63. PMID 15684450</ref> Üblicherweise wird der Begriff für eine Form der Meningitis verwendet, bei der man einen gutartigen Verlauf ohne Übergreifen der Entzündung auf das Hirnparenchym beobachtet.<ref>D. N. Irani: Aseptic meningitis and viral myelitis. In: Neurol Clin. 2008 Aug;26(3), S. 635–655, vii-viii. PMID 18657719.</ref> Allerdings wird unter dem Begriff auch die sog. „drug-induced aseptic meningitis“ (DIAM) subsumiert. Medikamente, die das Bild einer Meningitis erzeugen können, sind vor allem nichtsteroidale Antirheumatika, Antibiotika<ref>R. Shahien, V. Vieksler, A. Bowirrat: Amoxicillin-induced aseptic meningoencephalitis. In: Int J Gen Med. 2010 Jul 21;3, S. 157–162. PMID 20689687.</ref> und intravenös gegebene Antikörper.<ref>G. Moris, J. C. Garcia-Monco: The challenge of drug-induced aseptic meningitis. In: Arch Intern Med. 1999 Jun 14;159(11), S. 1185–1194. Review. PMID 10371226.</ref> Kürzlich wurden im Rahmen einer Mumps-Epidemie in den USA und Kanada aseptische Meningitiden als Folge der Impfung beobachtet.<ref>H. Peltola, P. S. Kulkarni, S. V. Kapre, M. Paunio, S. S. Jadhav, R. M. Dhere: Mumps outbreaks in Canada and the United States: time for new thinking on mumps vaccines. In: Clin Infect Dis. 2007 Aug 15;45(4), S. 459–466. Epub 2007 Jul 10.PMID 17638194.</ref> Eine zunehmend häufiger auftretende Ursache aseptischer Meningitiden sind Tumoren. In diesem Zusammenhang spricht man im angelsächsischen Sprachraum von einer „neoplastic meningitis“. Entscheidend für die Benennung der Erkrankung als Meningitis ist die Beobachtung, dass die in den Subarachnoidalraum einwandernden Tumorzellen zu einer Irritation der Meningen führen, die das klinische Bild einer mild verlaufenden Meningitis erzeugt.<ref>M. C. Chamberlain: Neoplastic meningitis. In: Oncologist. 2008 Sep;13(9), S. 967–977. Epub 2008 Sep 5. Review. PMID 18776058</ref> In seltenen Fällen kann eine rheumatoide Arthritis<ref>R. L. Zheng, H. Lv, W. Zhang, M. X. Yu, Y. Yuan: Rheumatoid leptomeningitis: a case report and literature review. In: Beijing Da Xue Xue Bao. 2006 Jun 18;38(3), S. 324–325. PMID 16778982.</ref> oder eine Neuroborreliose mit einer aseptischen Meningitis einhergehen.<ref>R. A. Avery, G. Frank, J. J. Glutting, S. C. Eppes: Prediction of Lyme meningitis in children from a Lyme disease-endemic region: a logistic-regression model using history, physical, and laboratory findings. In: Pediatrics. 2006 Jan;117(1), S. e1–e7. PMID 16396843.</ref> Gelegentlich gibt es Epidemien aseptischer Meningitiden. Kürzlich wurde in Lettland eine solche Epidemie beobachtet. Sie war verursacht durch Coxsackieviren.<ref>J. Perevoscikovs, A. Brila, L. Firstova, T. Komarova, I. Lucenko, J. Osmjana, L. Savrasova, I. Singarjova, J. Storozenko, N. Voloscuka, N. Zamjatina: Ongoing outbreak of aseptic meningitis in South-Eastern Latvia, June – August 2010. In: Eurosurveillance. 2010 Aug 12;15(32). pii, S. 19639. PMID 20738995.</ref>
Die generalisierte Entzündung, die bei einer Meningitis im Subarachnoidalraum auftritt, ist keineswegs die direkte Folge der Keimvermehrung, sondern vielmehr das Resultat der komplexen Immunantwort infolge der Keimbesiedelung. Diese Immunantwort besteht vor allem in der Produktion von Zytokinen durch Astrozyten und Mikroglia. Daraus folgt eine Stimulation weiterer Komponenten des Immunsystems. In der Folge tritt eine Störung der Blut-Hirn-Schranke auf, die von einer Hirnschwellung (vasogenes Hirnödem) begleitet werden kann. Die veränderte Durchlässigkeit der Hirngefäße verursacht nicht nur einen Flüssigkeitsübertritt ins Hirngewebe, sondern auch ein Eindringen von Leukozyten in den Liquorraum. Diese tragen wesentlich zum Entzündungsgeschehen und einem interstitiellen Hirnödem bei, indem sie weitere Zytokine und Überreste abgetöteter Bakterien freisetzen. So kommt es auch zu einer Entzündung der Hirngefäßwände (zerebrale Vaskulitis), die zu einem zytotoxischen Hirnödem und einer Störung der Hirndurchblutung beiträgt. Die so bei einer Meningitis auftretenden drei Hirnödemformen führen nun zu einem erhöhten Hirndruck und zu einer Minderdurchblutung des Gehirns mit der Folge eines programmierten Zelltodes von Nervenzellen.<ref name="Lancet" /> Die Zusammenschau dieser Prozesse erklärt die Beobachtung, dass sich der klinische Zustand von Patienten mit einer Meningitis initial verschlechtern kann, wenn die Patienten mit einem Antibiotikum behandelt werden. Verantwortlich dafür ist die dann auftretende vermehrte Freisetzung von bakteriellen Endotoxinen in den Liquorraum. Die Gabe von Corticosteroiden kann diese Vorgänge abmildern.<ref name="Lancet" /><ref name="NEJM" />
Klinische Zeichen und klinische Symptome[Bearbeiten]
Bei Erwachsenen ist ein intensiver Kopfschmerz das häufigste Symptom der Erkrankung und tritt in über 90 Prozent aller Fälle einer bakteriellen Meningitis auf. Er wird meist von einer Nackensteifigkeit (Meningismus) begleitet, die sich bei 70 Prozent der erwachsenen Patienten mit einer bakteriellen Meningitis findet. Andere klinische Zeichen, die häufig bei einer Meningitis vorkommen, sind eine Lichtscheu und eine Geräuschempfindlichkeit. Die klassische Symptom-Trias einer Meningitis besteht aus Nackensteifigkeit, hohem Fieber und Bewusstseinsminderung. Man findet diese Trias jedoch nur in ca. 45 Prozent der Fälle einer bakteriellen Meningitis. Wenn keines der drei klinischen Zeichen vorliegt, ist eine Meningitis sehr unwahrscheinlich.<ref name="vdBeek2004"></ref><ref name="Attia">J. Attia, R. Hatala, D. J. Cook, J. G. Wong: The rational clinical examination. Does this adult patient have acute meningitis? In: JAMA. Band 282, Nr. 2, Juli 1999, S. 175–181, doi:10.1001/jama.282.2.175, PMID 10411200.</ref>
Weitere Hinweise für einen Meningismus sind positive Kernig-, Brudzinski- und Lasègue-Zeichen: Dabei findet man die Patienten häufig im Bett mit angezogenen Beinen liegend, wobei sie die Knie nicht strecken können (Kernig-Zeichen). Wenn es beim Vorbeugen des Kopfes zu einem unwillkürlichen Anziehen der Beine kommt, spricht man vom Brudzinski-Zeichen. Bei passivem Beugen des gestreckten Beines im Hüftgelenk bis zu einem Winkel von 45° kann es zu scharfen, vom Rücken in das Bein einschießenden Schmerzen kommen (Lasègue-Zeichen). Die Sensitivität dieser im klinischen Alltag häufig angewendeten Tests ist nicht sehr hoch.<ref name="Thomas_2002">K. E. Thomas, R. Hasbun, J. Jekel, V. J. Quagliarello: The diagnostic accuracy of Kernig’s sign, Brudzinski’s sign, and nuchal rigidity in adults with suspected meningitis. In: Clinical Infectious Diseases. Band 35, Nr. 1, Juli 2002, S. 46–52, doi:10.1086/340979, PMID 12060874.</ref> Kernig- und Brudzinski-Zeichen haben allerdings eine hohe Spezifität, das heißt, sie kommen selten bei anderen Erkrankungen vor. Ein anderer Test, das „jolt accentuation maneuver“, kann ebenfalls hilfreich sein: Wenn die Patienten den Kopf horizontal schnell hin- und herschütteln (wie beim „Neinsagen“) und dies den Kopfschmerz nicht verschlimmert, ist eine Meningitis unwahrscheinlich.<ref name="Attia" />
Kleine Kinder zeigen häufig keine charakteristischen Symptome, sie sind manchmal nur reizbar und kränklich.<ref name="Lancet" /> Kleinkinder bis zu einem Alter von sechs Monaten weisen manchmal eine Vorwölbung der Fontanelle, Schmerzen in den Beinen, kalte Extremitäten und Blässe auf.<ref name="SIGN">U. Theilen, L. Wilson, G. Wilson, J. O. Beattie, S. Qureshi, D. Simpson: Management of invasive meningococcal disease in children and young people: Summary of SIGN guidelines. In: BMJ (Clinical research ed.). Band 336, Nr. 7657, Juni 2008, S. 1367–1370, doi:10.1136/bmj.a129, PMID 18556318, PMC 2427067 (freier Volltext). Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Full guideline page ( vom 19. Juli 2011 im Internet Archive)</ref>
Wenn die Meningitis durch das Bakterium Neisseria meningitidis verursacht wird (Meningokokkenmeningitis), dann kann diese im Falle einer Bakterienstreuung über das Blut durch das Auftreten einer Purpura charakterisiert sein.<ref name="SIGN" /> Diese Hauterscheinung besteht aus zahlreichen kleinen irregulären roten oder lilafarbenen Flecken (flächenhafte Blutungen unter die Haut) am Körperstamm, den unteren Extremitäten, Schleimhäuten, Konjunktiven und gelegentlich den Handinnenflächen oder Fußsohlen. Obwohl der Ausschlag bei einer Meningokokkenmeningitis nicht immer vorkommt, ist er doch recht spezifisch für die Erkrankung, kommt jedoch auch bei anderen Erregern vor.<ref name="Lancet" /> Charakteristische Hautausschläge gibt es auch bei Meningitisformen durch die Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit und bei Herpes-simplex-Meningoenzephalitiden.<ref name="LoganMacMahon">S. A. Logan, E. MacMahon: Viral meningitis. In: BMJ (Clinical research ed.). Band 336, Nr. 7634, Januar 2008, S. 36–40, doi:10.1136/bmj.39409.673657.AE, PMID 18174598, PMC 2174764 (freier Volltext).</ref>
Komplikationen im Frühverlauf[Bearbeiten]
Patienten mit einer Meningitis können im Frühverlauf der Erkrankung besondere Komplikationen erleiden. Diese Komplikationen erfordern eine besondere Behandlung und zeigen manchmal eine ungünstige Prognose an. Die Infektion kann eine Sepsis mit einem systemischen inflammatorischen Response-Syndrom mit Blutdruckabfall, Tachykardie, Entgleisung der Körpertemperatur und Tachypnoe auslösen. Der Blutdruckabfall kann früh im Verlauf der Erkrankung auftreten, vor allem bei einer Meningokokkenmeningitis, und zu einer Durchblutungsstörung verschiedener Organe führen.<ref name="Saez">X. Sáez-Llorens, G. H. McCracken: Bacterial meningitis in children. In: Lancet. 2003, vol. 361/9375, S. 2139–2148 PMID 12826449</ref> Eine Verbrauchsgerinnungsstörung ist das Resultat einer überschießenden Gerinnungsaktivierung und kann einerseits die Blutversorgung ganzer Organe stören und andererseits das Blutungsrisiko erheblich vergrößern. Bei einer Meningokokkenmeningitis können Gangräne der Extremitäten entstehen.<ref name="Lancet" /> Infektionen mit Meningokokken und Pneumokokken können Einblutungen der Nebenniere mit der Folge eines Waterhouse-Friderichsen-Syndroms verursachen, das nicht selten tödlich verläuft.<ref>J. Varon, K. Chen, G. L. Sternbach: Rupert Waterhouse and Carl Friderichsen: adrenal apoplexy. In: J Emerg Med. 1998, vol. 16/4, S. 643–647. PMID 9696186</ref> Ein weiteres Problem ist die Entwicklung eines Hirnödems, mit ansteigendem Hirndruck und dem Risiko einer Einklemmung durch die Hirnschwellung. Dies kann von einer Bewusstseinsminderung mit Aufhebung der Pupillenreflexe, Atemstörung und einer abnormen Körperhaltung begleitet sein.<ref name="Beek">D. van de Beek, J. de Gans, A. R. Tunkel, E. F. Wijdicks: Community-acquired bacterial meningitis in adults. In: The New England Journal of Medicine. vol. 354/1, S. 44–53, 2006, PMID 16394301</ref> Eine Infektion des Gehirngewebes kann auch zu einer Liquorabflussbehinderung mit der Folge eines Hydrocephalus führen.<ref name="Beek" /> Epileptische Anfälle können aus unterschiedlichen Gründen auftreten; sie sind bei Kindern eine häufige Komplikation im Frühverlauf (30 Prozent der Fälle) und geben keinen Hinweis auf die zugrundeliegende Störung.<ref>A. R. Tunkel, B. J. Hartman, S. L. Kaplan et al.: Practice guidelines for the management of bacterial meningitis. In: Clinical Infectious Diseases, vol. 39/9, S. 1267–1284, 2004, PMID 15494903</ref> Krampfanfälle nehmen manchmal ihren Ausgang von Hirnarealen, die komprimiert oder entzündet sind.<ref name="Beek" /> Partielle Anfälle (das sind Anfallsformen, die zu motorischen Entäußerungen in einer Extremität oder in Teilen des Körpers führen), ein Anfallsstatus, spät eintretende Anfälle und solche, die medikamentös nicht oder nur schwer beherrschbar sind, gelten als Hinweis für eine ungünstige Langzeitprognose.<ref name="Saez" /> Eine Meningitis kann auch zu Beeinträchtigungen der Hirnnerven und somit zu Störungen der Kontrolle der Augen-, Gesichts- und Kopfbewegungen, des Schluckens und des Gehörs führen.<ref name="Saez" /><ref name="Attia" /> Sehstörungen und Hörminderung können nach einer Meningitis anhaltend sein.<ref name="Lancet" /> Problematisch ist eine im Anschluss an die Erkrankung auftretende Verkalkung der Hörschnecke (Cochlea), daher sollten während und nach einer Meningitis engmaschige Hörteste erfolgen, um in entsprechenden Fällen frühzeitig bei Ertaubung eine Cochlea-Implantation zu ermöglichen, die nach der Verknöcherung nicht immer gelingt.<ref>D. Philippon, F. Bergeron, P. Ferron, R. Bussières: Cochlear implantation in postmeningitic deafness. In: Otol Neurotol. 2010 Jan;31(1), S. 83–87. PMID 20050267</ref><ref>P. Merkus, R. H. Free, E. A. Mylanus, R. Stokroos, M. Metselaar, E. van Spronsen, W. Grolman, J. H. Frijns: Dutch Cochlear Implant Group (CI-ON) consensus protocol on postmeningitis hearing evaluation and treatment. In: Otol Neurotol. 2010 Oct;31(8), S. 1281–1286. PMID 20814346</ref> Eine Entzündung des Gehirngewebes (Enzephalitis) oder der Hirngefäße (zerebrale Vaskulitis) können ebenso wie die Entstehung einer Sinus- oder Hirnvenenthrombose zu einem fokalen neurologischen Defizit mit Lähmung, Sensibilitätsstörungen und Bewegungsstörungen in den von den betroffenen Hirnregionen versorgten Körperarealen führen.<ref name="Saez" /><ref name="Beek" />
Diagnostik[Bearbeiten]
| Unterformen | Glucose | Proteingehalt | Zellzahl |
|---|---|---|---|
| Akut bakteriell | erniedrigt | erhöht | granulozytär, häufig > 300/mm³ |
| Akut viral | normal | normal oder erhöht | lymphozytär, < 300/mm³ |
| Tuberkulös | erniedrigt | erhöht | mononukleär und PMNs, < 300/mm³ |
| Pilz | erniedrigt | erhöht | < 300/mm³ |
| Malignom | erniedrigt | erhöht | typischerweise mononukleär |
Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren[Bearbeiten]
Bei Verdacht auf Meningitis wird das Blut auf entzündungstypische Veränderungen (beispielsweise der Konzentration von C-reaktivem Protein, des Blutbildes bzw. der Leukozytenzahl und in der Blutkultur) hin untersucht.<ref name="IDSA" /><ref name="EFNS">A. Chaudhuri et al.: EFNS guideline on the management of community-acquired bacterial meningitis: report of an EFNS Task Force on acute bacterial meningitis in older children and adults. In: European Journal of Neurolology. 2008 15/7, S. 649–659, PMID 18582342.</ref> Die wichtigste Untersuchung, um einen Verdacht auf Meningitis zu bestätigen oder zu verwerfen, ist die Untersuchung des mittels Lumbalpunktion gewonnenen Liquors.<ref name="Straus">S. E. Straus et al.: How do I perform a lumbar puncture and analyze the results to diagnose bacterial meningitis? In: JAMA (Journal of the American Medical Association). 2006 296/16, S. 2012–2022, PMID 17062865.</ref> Die Lumbalpunktion ist kontraindiziert bei Raumforderungen im Gehirn (beispielsweise Tumoren oder Abszesse) oder aber auch bei einer Erhöhung des intrakraniellen Druckes, weil es dabei zu Einklemmungen des Gehirns kommen kann. Um dieses Risiko vermeiden zu können, sind daher im Vorfeld bei entsprechender Anamnese eine Computertomographie oder eine Kernspintomographie des Schädels angezeigt, was in bis zu 45 Prozent der Fälle notwendig ist.<ref name="IDSA" /><ref name="EFNS" /><ref name="BIS">R. S. Heyderman et al.: Early management of suspected bacterial meningitis and meningococcal septicaemia in adults. In: The Journal of infection. 2003/46/2, S. 75–77, PMID 12634067 – Leitlinie Early management of suspected meningitis and meningococcal septicaemia in immunocompetent adults. der British Infection Society & UK Meningitis Research Trust, 2004, Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.pdf ( vom 27. März 2009 im Internet Archive)</ref> Bei Säuglingen und Kleinkindern kann auch eine Ultraschalluntersuchung des Kopfes zur Diagnosestellung beitragen.<ref>Ali Yikilmaz, George A. Taylor: Sonographic findings in bacterial meningitis in neonates and young infants. In: Pediatric Radiology. 38 (2008), S. 129–137, doi:10.1007/s00247-007-0538-6</ref> Falls vor einer Lumbalpunktion eine bildgebende Untersuchung notwendig ist, wird eine vorbeugende antibiotische Behandlung empfohlen, um eine Verzögerung des Behandlungsbeginns zu vermeiden.<ref name="IDSA" /><ref name="EFNS" /><ref name="BIS" /> Häufig werden bildgebende Verfahren eingesetzt, um während der Behandlung die Entwicklung von Komplikationen besser einschätzen zu können.<ref name="Lancet" /> Bei schweren Verläufen sollte stets ein Monitoring der Blutelektrolyte erfolgen, da in diesen Fällen eine Hyponatriämie unter anderem als Folge eines Schwartz-Bartter-Syndrom oder als Nebenwirkung einer Infusionstherapie auftreten kann.<ref name="NEJM" /><ref name="pmid18254060">I. Maconochie, H. Baumer, M. E. Stewart: Fluid therapy for acute bacterial meningitis. In: Cochrane Database Syst Rev. Nr. 1, 2008, S. CD004786, doi:10.1002/14651858.CD004786.pub3, PMID 18254060.</ref>
Lumbalpunktion[Bearbeiten]
Mittels Lumbalpunktion wird Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) gewonnen. Anschließend kann der Druck im Subarachnoidalraum gemessen werden, der normalerweise zwischen 6 und 18 cm Wassersäule (cm H2O) liegt.<ref name="Straus" /> Bei einer bakteriellen Meningitis ist der Liquordruck zumeist erhöht.<ref name="IDSA" /><ref name="EFNS" /> Das makroskopische Erscheinungsbild der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit erlaubt bereits Rückschlüsse auf die Ursache. Normalerweise ist Liquor klar, eine trübe bis wolkige Hirn-Rückenmarksflüssigkeit weist auf erhöhte Proteinanteile, weiße und rote Blutkörperchen und/oder Bakterien und damit auf eine bakterielle Meningitis hin. Bei einer sehr hohen Leukozytenzahl (Pleozytose) kann der Liquor eitrig aussehen.<ref name="IDSA" />
Die Hirn-Rückenmarksflüssigkeit wird mikroskopisch auf rote und weiße Blutkörperchen sowie chemisch auf Protein-, Laktat- und Glukosegehalt untersucht.<ref name="IDSA" /> Eine Gram-Färbung kann zum Nachweis von Bakterien dienen. Allerdings schließt ihr Fehlen eine bakterielle Meningitis nicht aus. Bei einer bakteriellen Meningitis sind nur in 60 Prozent der Fälle, bei vorheriger Antibiotika-Gabe sogar nur bei 40 Prozent, Bakterien mikroskopisch nachweisbar. Die Gram-Färbung zum Nachweis spezifischer Infektionen wie der Listeriose ist zudem unzuverlässig. Eine Bakterienkultur der Probe ist sensitiver, mit ihr können in 70–85 Prozent der Fälle Mikroorganismen nachgewiesen werden, aber es dauert bis zu 48 Stunden, ehe die Ergebnisse vorliegen.<ref name="IDSA" /> Die Unterscheidung der weißen Blutkörperchen gibt bereits Hinweise darauf, ob eine bakterielle (neutrophile Granulozyten überwiegen) oder virale (Lymphozyten überwiegen) Meningitis vorliegt.<ref name="IDSA" /> Allerdings ist dieser Befund im Anfangsstadium der Erkrankung wenig zuverlässig. Deutlich seltener überwiegen eosinophile Granulozyten, was auf eine parasitäre oder Pilzinfektion hinweist.<ref>P. F. Weller, L. X. Liu: Eosinophilic meningitis. In: Semin Neurol. Band 13, Nr. 2, Juni 1993, S. 161–168, PMID 8356350.</ref>
Als „aseptische Meningitis“ bezeichnet man Meningitiden unabhängig von der Ursache, wenn im Liquor zwar Entzündungszellen enthalten sind, in der Kultur jedoch keine Erreger nachgewiesen werden können.<ref>Herbert Renz-Polster, Steffen Krautzig: Basislehrbuch Innere Medizin. 4. Auflage. Elsevier / Urban & Fischer, 2008, ISBN 978-3-437-41053-6, S. 1185.</ref> Dieser Fall kann bei einer Infektion mit schwer kultivierbaren Erregern eintreten (Spirochäten wie Borrelien, Treponemen oder Leptospiren (Erreger der Weil-Krankheit und anderer Leptospirosen); Viren; Pilze; Mykoplasmen) oder bei nicht-infektiösen Formen.
Die Glukose-Konzentration in der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit beträgt normalerweise etwa 65 Prozent des Blutglukosewertes. Der Quotient aus Liquorglukosewert und Blutzuckerwert ist bei einer bakteriellen Meningitis typischerweise erniedrigt (Quotient ≤ 0,4).<ref name="Straus" /> Bei Neugeborenen ist der Liquorglukosewert höher und ein Quotient unter 0,6 wird als krankhaft angesehen.<ref name="IDSA" /> Milchsäure (Laktat) ist ein Abbauprodukt von Glukose bei unvollständiger Verstoffwechselung, es verhält sich daher umgekehrt zur Glukosekonzentration. Ein hoher Laktat-Gehalt sagt eine bakterielle Meningitis besser voraus als eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen.<ref name="Straus" />
Zahlreiche selektive Testmethoden werden verwendet, um die unterschiedlichen Arten von Meningitiden zu identifizieren. Ein Latextest kann bei Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis, Haemophilus influenzae, Escherichia coli und Streptokokken der Gruppe B positiv ausfallen. Sein routinemäßiger Einsatz wird jedoch nicht empfohlen, da sein Ergebnis nur selten zur Anpassung der Therapie führt. Aber er kann hilfreich sein, wenn andere Testmethoden versagen. Auch der Limulus-Amöbozyten-Lysat-Test kann bei Meningitis durch grampositive Keime positiv sein, aber auch er sollte nur zum Einsatz kommen, wenn andere Testmethoden kein verwertbares Ergebnis erbringen.<ref name="IDSA" /> Mittels der Polymerase-Kettenreaktion kann die DNA von Viren und Bakterien in vitro vervielfältigt werden, um so auch geringe Mengen von Erregern im Liquor cerebrospinalis erkennen zu können. Die Sensitivität und Spezifität dieser Untersuchung sind sehr hoch, weil schon Spuren von Erreger-DNA für die Identifikation genügen. Daher kann diese Untersuchung eine wesentliche Hilfestellung bei der Differenzierung bakterieller oder viraler Erreger sein (beispielsweise bei Enteroviren, Herpes-simplex-2-Viren und bei ungeimpften Personen auch Mumps).<ref name="LoganMacMahon" /> Serologische Untersuchungen (Antigen-Antikörper-Reaktionen in vitro) können bei viralen Meningitiden hilfreich sein.<ref name="LoganMacMahon" /> Beim Verdacht auf Tuberkulose finden entweder die Ziehl-Neelsen-Färbung am Untersuchungsmaterial Anwendung (geringe Sensitivität), oder aber es werden Kulturen angelegt (langsames Wachstum, daher erst nach sechs Wochen ein Ergebnis). Da beide Methoden erhebliche Nachteile haben, wird mehr und mehr auch für diese Fragestellung die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) eingesetzt.<ref name="Tuberc" /> Die Diagnose der Kryptokokken-Meningitis kann preiswert mithilfe der Negativ-Färbung mit Tusche erfolgen. Allerdings ist die Untersuchung auf Kryptokokken-Antigen in Blut oder Liquor sensitiver, vor allem bei AIDS-Patienten.<ref name="BMB">T. Bicanic, T. S. Harrison: Cryptococcal meningitis. In: British Medical Bulletin. Band 72, 2004, S. 99–118, doi:10.1093/bmb/ldh043, PMID 15838017 (oxfordjournals.org).</ref><ref name="pmid10770733">M. S. Saag, R. J. Graybill, R. A. Larsen et al.: Practice guidelines for the management of cryptococcal disease. Infectious Diseases Society of America. In: Clin. Infect. Dis. Band 30, Nr. 4, April 2000, S. 710–718, doi:10.1086/313757, PMID 10770733.</ref><ref name="Sloan2008"></ref>
Eine vorher nicht erkannte, aber anbehandelte Meningitis ist ein diagnostisches und therapeutisches Puzzle, da man in diesen Fällen Meningitissymptome findet, nachdem die Patienten – etwa wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung – ein Antibiotikum erhalten haben. Im Liquor findet man dann Zeichen einer viralen Meningitis, die antibakterielle Behandlung muss aber fortgesetzt werden, bis eine virale Meningitis durch weitere Maßnahmen (PCR) bestätigt wurde.<ref name="LoganMacMahon" />
Post mortem[Bearbeiten]
Eine Meningitis kann auch noch nach dem Tode festgestellt werden. Dabei finden sich insbesondere an Pia mater und Arachnoidea ausgedehnte entzündliche Veränderungen. Dadurch, dass neutrophile Granulozyten in den Liquor und die Gehirnbasis (schädelbasisnaher Anteil des Gehirns) zu Lebzeiten eingewandert sind, kann sich an den Hirnnerven, dem Rückenmark oder den Hirnarterien Eiter finden.<ref name="OTM1">A. David et al.: Oxford Textbook of Medicine Volume One. Oxford Press, 2003, ISBN 0-19-852787-X, S. 1115–1129.</ref>
Prävention und Hygienebestimmungen[Bearbeiten]
In den 1980er Jahren wurde in vielen Ländern die Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b in die empfohlenen Routineschemata für Kinder aufgenommen, wodurch in diesen Ländern seither dieser Erreger als Ursache für eine Meningitis keine große Rolle mehr spielt (im Gegensatz zu den Ländern, in denen diese Impfung zu teuer ist).<ref name="SegalPollard"></ref><ref name="Peltola">H. Peltola: Worldwide Haemophilus influenzae type b disease at the beginning of the 21st century: global analysis of the disease burden 25 years after the use of the polysaccharide vaccine and a decade after the advent of conjugates. In: Clinical microbiology reviews. Band 13, Nummer 2, April 2000, S. 302–317, ISSN 0893-8512. PMID 10756001. PMC 100154 (freier Volltext). (Review).</ref> Ähnlich hat auch die Impfung gegen Mumps eine deutliche Reduzierung der durch diese Krankheit ausgelösten Meningitisfälle bewirkt.<ref name="LoganMacMahon" /> Meningokokkenimpfungen gibt es für die Gruppen A, C, W135 und Y<ref name="Harrison">L. H. Harrison: Prospects for vaccine prevention of meningococcal infection. In: Clinical microbiology reviews. Band 19, Nummer 1, Januar 2006, S. 142–164, ISSN 0893-8512. doi:10.1128/CMR.19.1.142-164.2006. PMID 16418528. PMC 1360272 (freier Volltext). (Review).</ref> sowie seit 2013 auch für die Gruppe B.
In Ländern, in denen die Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C eingeführt worden war, sank die Fallzahl der durch sie ausgelösten Neuerkrankungen.<ref name="SegalPollard" /> Seit 2007 bietet die Industrie einen Vierfachimpfstoff mit den oben genannten Bestandteilen an. Die Immunisierung mit dem Vierfach-Impfstoff ACW135Y wird für die Erteilung eines Visums im Rahmen einer islamischen Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch) gefordert.<ref name="WilderSmith" />
In der Bundesrepublik Deutschland wurden im Jahr 2010 385 Erkrankungen einer bakteriellen Meningitis gemeldet, ein Drittel weniger als fünf Jahre zuvor. Rund zehn Prozent (31 Fälle) verliefen tödlich.<ref name="Ae120119">Ärzteblatt vom 19. Januar 2012: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Impfstoff gegen Meningitis B effektiv ( vom 24. Januar 2012 im Internet Archive)</ref> In Europa herrschen die Serogruppen B und C vor. Da mittlerweile 70 Prozent der Meningitis-Erkrankungen in der Serogruppe B anfallen, bestand dort eine Präventions-Lücke, die durch eine Innovation zu füllen war. Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Serogruppe B stieß auf besondere Komplikationen. Das Kapselantigen zeigte große Ähnlichkeit mit einem Oberflächenantigen auf Nervenzellen.
Erst mittels des Verfahrens der „reversen Vakzinologie“ wurden vier Komponenten des Erregers ermittelt, die für ein Vakzin geeignet sind.<ref name="Ae120119" /> Die entsprechenden klinischen Studien, getrennt für die Gruppen Säuglinge, Jugendliche und Erwachsene durchgeführt, zeigten sämtlich gute Schutzwirkung und kaum ernsthafte Komplikationen.<ref>T. Vesikari, S. Esposito, Roman Prymula, E. Ypma, A. Kleinschmidt, D. Toneatto, A. Kimura, P. Dull: Use of an investigational multicomponent meningococcal serogroup B vaccine (4CMenB) in a clinical trial in 3630 infants. In: Archives of Disease in Childhood. 96, 2011, S. A3–A3, doi:10.1136/adc.2011.212563.6.</ref><ref>M. E. Santolaya, M. L. O’Ryan, M. T. Valenzuela, V. Prado, R. Vergara, A. Muñoz, D. Toneatto, G. Graña, H. Wang, R. Clemens, P. M. Dull: Immunogenicity and tolerability of a multicomponent meningococcal serogroup B (4CMenB) vaccine in healthy adolescents in Chile: a phase 2b/3 randomised, observer-blind, placebo-controlled study. In: Lancet. Band 379, Nummer 9816, Februar 2012, S. 617–624, ISSN 1474-547X. doi:10.1016/S0140-6736(11)61713-3. PMID 22260988.</ref><ref>Clinical and Vaccine Immunology 2011; 18, S. 483–486.</ref> Im Januar 2013 wurde der erste Meningokokken-B-Impfstoff (Bexsero) in Europa zugelassen, der bei Kindern ab zwei Monaten und bei Erwachsenen angewendet werden darf.<ref>Erster Meningokokken-B-Impfstoff zugelassen. In: Pharmazeutische Zeitung. 23. Januar 2013.</ref> Bereits vier Jahre später, im Mai 2017, genehmigte die Europäische Kommission einen zweiten Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B (Trumenba). Er ist für Personen ab einem Alter von zehn Jahren zugelassen und zeigte in zwei Phase-III-Studien an Jugendlichen und Erwachsenen eine gute Anregung der Antikörperbildung.<ref>European Medicines Agency (Hrsg.): Trumenba Impfstoff gegen Meningokokken der Gruppe B (rekombinant, adsorbiert). 2017 (europa.eu [PDF]).</ref><ref>Impfprophylaxe invasiver Erkrankungen mit Meningokokken der Serogruppe B – Stellungnahme der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen. Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e. V., 2019, abgerufen am 12. Oktober 2021.</ref>
Des Weiteren stehen seit 2010 (Menveo), seit 2013 (Nimenrix) sowie seit 2020 (MenQuadfi) drei in Europa zugelassene tetravalente Konjugatimpfstoffe gegen die Meningokokken-Serogruppen A, C, W und Y zur Verfügung. Diese Impfstoffe sind früher einsetzbar als vergleichbare Polysaccharidimpfstoffe, auffrischbar und weisen durch die Ermöglichung eines Antikörper-Klassenwechsels eine bessere Immunogenität auf.<ref>Impfkompendium. 8. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-13-498908-3, doi:10.1055/b-0035-127590.</ref><ref>Impfung gegen Meningokokken-Erkrankung. Berufsverband deutscher Internisten, abgerufen am 13. Oktober 2021.</ref> ACWY-Konjugatimpfstoffe werden von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) als Standardimpfung für Kinder von 12 bis 14 Jahren sowie als Indikationsimpfung für bestimmte Risikogruppen empfohlen, z. B. für Personen mit Immundefizienz. Diese erkranken prinzipiell häufiger an impfpräventablen Infektionskrankheiten und erleiden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung häufiger einen schweren Verlauf.<ref name=":0">Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2021. 26. August 2021, doi:10.25646/8824 (rki.de [abgerufen am 18. Oktober 2021]).</ref><ref name=":1">Norbert Wagner, Frauke Assmus, Gabriele Arendt, Erika Baum, Ulrich Baumann: Impfen bei Immundefizienz: Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV) Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. Band 62, Nr. 4, April 2019, ISSN 1436-9990, S. 494–515, doi:10.1007/s00103-019-02905-1.</ref> Die Ursachen für eine Immunschwäche können unter anderem Autoimmunerkrankungen (etwa HIV-Infektion oder Rheuma), immunsuppressive Therapien (z. B. während einer Krebserkrankung oder nach einer Organtransplantation) sowie Asplenie sein. Da der Impfschutz gegen alle Meningokokken-Serogruppen mittels Totimpfstoffen erzeugt wird, besteht in der Regel kein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen bei immungeschwächten Personen.<ref name=":1" /><ref>Tim Niehues, Christian Bogdan, Jane Hecht, Thomas Mertens, Miriam Wiese-Posselt: Impfen bei Immundefizienz: Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen(I) Grundlagenpapier. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. Band 60, Nr. 6, Juni 2017, ISSN 1436-9990, S. 674–684, doi:10.1007/s00103-017-2555-4.</ref>
Darüber hinaus reduziert die Impfung gegen die Streptokokkenpneumonie eindeutig die Inzidenz der durch Pneumokokken verursachten Meningitis.<ref name="SegalPollard" /><ref name="Weisfelt">M. Weisfelt, J. de Gans, T. van der Poll, D. van de Beek: Pneumococcal meningitis in adults: new approaches to management and prevention. In: Lancet Neurol. Band 5, Nr. 4, April 2006, S. 332–342, doi:10.1016/S1474-4422(06)70409-4, PMID 16545750.</ref> Aktuell stehen hierfür in Deutschland zwei Konjugatimpfstoffe zur Verfügung: Synflorix, zugelassen bis zu einem Alter von fünf Jahren und gerichtet gegen zehn Serotypen, sowie Prevenar 13, zugelassen für alle Altersgruppen und gerichtet gegen 13 Serotypen.<ref>Schutzimpfung gegen Pneumokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten 71. A. Fraser, A. Gafter-Gvili, M. Paul. Robert Koch-Institut, 2020, abgerufen am 13. Oktober 2021.</ref> Die „Pneumokokken-Polysaccharid-Vakzine“, die 23 Stämme abdeckt (Pneumovax), wird nur in besonderen Fällen verabreicht. Dazu gehören Patienten mit einer entfernten Milz. Diese Impfung erzeugt bei manchen Patienten, vor allem Kindern, keine ausreichende Immunität.<ref name="Weisfelt" /> Es gibt Berichte, dass bei mit Bacillus Calmette-Guérin geimpften Kindern ein Rückgang der tuberkulösen Meningitis beobachtet wird. Die nicht ausreichende Wirksamkeit bei Erwachsenen ist der Grund für die Suche nach einer besseren Alternative.<ref name="SegalPollard" />
Zur Prophylaxe der Neugeborenensepsis durch Gruppe-B-Streptokokken (GBS) wird in Deutschland empfohlen, bei allen Schwangeren zwischen der 35+0 und 37+0 Schwangerschaftswoche eine mikrobiologische Untersuchung auf GBS durchzuführen. Ein Abstrich von Introitus vaginae und Anorektum erlaubt bereits zu diesem Zeitpunkt eine Aussage über den vermutlichen GBS-Kolonisierungsstatus am errechneten Entbindungstermin. Beim Nachweis einer GBS-Besiedlung im Rahmen des Screenings soll keine sofortige Antibiotikatherapie, sondern eine Antibiotikaprophylaxe zum Zeitpunkt der Entbindung (mit Wehenbeginn bzw. nach Blasensprung) durchgeführt werden. Mittel der Wahl ist Penicillin G, welches alle vier Stunden bis zur Entbindung gegeben wird. Ampicillin ist eine wirksame Alternative, die aber durch Förderung von Resistenzentwicklungen bei gramnegativen Erregern aus neonatologischer Sicht Nachteile gegenüber Penicillin hat. Bei Penicillinallergie sollte Cefazolin oder ein Cephalosporin der zweiten Generation genutzt werden. Um einen möglichst hohen schützenden Effekt der Antibiotikaprophylaxe für das Kind zu erreichen, sollte die erste Gabe des Antibiotikums an die Mutter mehr als vier Stunden vor der Geburt erfolgen. Bei einer primären Schnittentbindung ohne Blasensprung und ohne Wehentätigkeit kann auf eine antibiotische GBS-Prophylaxe verzichtet werden, da das Risiko für eine kindliche GBS-Infektion gering ist. Frauen, die bereits ein Kind mit einer GBS-Infektion geboren haben, sollten generell unter der Geburt eine Prophylaxe mit einem Antibiotikum erhalten. Auf das Screening kann man bei diesen Frauen verzichten.<ref name="AWMF-GBS" /> In einigen dieser Fälle von Meningitis kann eine Vorbeugung auch langfristig durch Impfung und kurzfristig mittels Antibiotika erfolgen.
In Deutschland müssen bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen einer Meningokokkenmeningitis die zuständigen Gesundheitsbehörden informiert werden. Die Patienten müssen bis 24 Stunden nach Beginn einer adäquaten Antibiotikatherapie auch isoliert werden. Da die Inkubationszeit in der Regel 3–4 (max. 10) Tage beträgt, erhalten Kontaktpersonen eine Chemoprophylaxe, als Standard Rifampicin für zwei Tage. Alternativen sind Ciprofloxacin beim Erwachsenen und Ceftriaxon bei Kindern. Bei Schwangeren ist die Gabe von Ceftriaxon oder auch Azithromycin möglich. Dadurch wird das Risiko der Weitergabe der Erkrankung reduziert. Es schützt aber nicht vor einer zukünftigen Erkrankung.<ref name="EFNS" /><ref name=":0" /><ref></ref> Enge Kontaktpersonen von Patienten mit einer invasiven Meningokokken-Infektion können daher zusätzlich eine postexpositionelle Impfung erhalten, um einen aktuellen Impfschutz gegen die entsprechende Serogruppe herzustellen.<ref name=":0" />
Behandlung[Bearbeiten]
Erstversorgung[Bearbeiten]
Eine Meningitis ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung und hat unbehandelt eine hohe Sterblichkeitsrate.<ref name="IDSA" /> Eine verzögert einsetzende Behandlung ist mit einer ungünstigeren Prognose verbunden. Aus diesem Grund sollte mit dem Beginn einer Behandlung mit einem Breitband-Antibiotikum (je nach Alter und Begleiterkrankungen des Patienten) nicht gewartet werden, bis technische Untersuchungen (wie eine Liquoruntersuchung) die Diagnose bestätigen. Falls eine Meningokokken-Meningitis vermutet wird, soll schon vor Erhalt eines mikrobiologischen Kulturergebnisses (mit Antibiogramm) eine kalkulierte antibiotische Therapie begonnen bzw. als Notfallversorgung vor Ort Penicillin G verabreicht werden. Bei Flüssigkeitsmangel mit niedrigem Blutdruck oder Schock-Symptomen soll intravenös Flüssigkeit verabreicht werden. Aufgrund der vielfältigen und schweren Komplikationen der Erkrankung sollen die Patienten häufig ärztlich untersucht werden, im Zweifelsfalle ist eine Behandlung auf einer Intensivstation angezeigt. Bei bewusstseinsgestörten Patienten und bei Ateminsuffizienz ist eine Beatmung notwendig. Falls es Hinweise auf einen erhöhten Hirndruck gibt, sollte dieser gemessen und Maßnahmen zur Hirndrucksenkung unternommen werden, zum Beispiel mit Mannitol. Krampfanfälle können durch ein Antikonvulsivum behandelt werden, bei Hydrocephalus kann die Anlage einer externen Ventrikeldrainage oder eines ventrikulo-peritonealen Shuntsystems notwendig werden.<ref name="NEJM" /><ref name="SIGN" /><ref name="BIS" />
Bakterielle Meningitis[Bearbeiten]
Antibiotika-Therapie[Bearbeiten]
Im Falle einer bakteriellen Meningitis muss sofort auf Verdacht hin – also ohne Diagnosesicherung – behandelt werden. Die Auswahl des Antibiotikums erfolgt in erster Linie aufgrund einer Vermutung über den verursachenden Keim („blind“). In Großbritannien wird daher verdachtsweise ein Cephalosporin wie Cefotaxim verabreicht,<ref name="EFNS" /><ref name="BIS" /> in den USA aufgrund zunehmender Resistenzen nicht selten Vancomycin.<ref name="IDSA" /><ref name="NEJM" /><ref name="EFNS" /> Die Überlegungen zur Auswahl des Antibiotikums für die initiale Therapie sollten auch das Alter des Patienten berücksichtigen sowie die Frage, ob der Patient eine Kopfverletzung erlitten hat, eine neurochirurgische Operation durchgeführt wurde oder ein Shuntsystem eingebaut wurde.<ref name="IDSA" /> Bei Kindern, Patienten über 50 Jahren und Personen, die immungeschwächt sind, wird die zusätzliche Gabe von Ampicillin empfohlen, um eine Infektion mit Listerien abzudecken.<ref name="IDSA" /><ref name="EFNS" />
Sobald das Ergebnis einer Ausstrichuntersuchung zur Verfügung steht, kann man das Erregerspektrum ausreichend eingrenzen, um gegebenenfalls die antibiotische Therapie anzupassen.<ref name="IDSA" /> Die Ergebnisse der Liquorkultur liegen üblicherweise erst nach ein bis zwei Tagen vor. Dann kann die empirische auf eine spezifische Therapie umgestellt werden, da üblicherweise der Erreger und seine Sensitivität bekannt sind.<ref name="IDSA" /> Damit Antibiotika im Falle einer Meningitis wirksam sind, müssen sie die Hirnhäute in ausreichender Menge erreichen. Manche Antibiotika können die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden und sind daher für die Behandlung der Meningitis ungeeignet. Die Kenntnis über die Eignung der entsprechenden Medikamente stammt dabei meist aus Tierversuchen.<ref name="IDSA" />
Die Behandlung der tuberkulösen Meningitis verlangt eine ausreichend lange antibiotische Therapie. Während man bei einer Lungentuberkulose üblicherweise ein halbes Jahr Tuberkulostatika gibt, dehnt man diese bei einer Infektion der Meningen auf ein Jahr aus.<ref name="Tuberc" /> Falls die Patienten nicht zusätzlich eine AIDS-Erkrankung haben, werden zusätzlich Corticosteroide gegeben.<ref></ref>
Corticosteroide[Bearbeiten]
Die adjuvante Therapie der Meningitis mit Corticosteroiden (üblicherweise Dexamethason) reduziert die Sterblichkeit sowie das Risiko von Hörverlust und neurologischen Folgeschäden bei jugendlichen und erwachsenen Patienten in westlichen Ländern mit einer niedrigen HIV-Infektionsrate.<ref>A. M. Assiri, F. A. Alasmari, V. A. Zimmerman, L. M. Baddour, P. J. Erwin, I. M. Tleyjeh: Corticosteroid administration and outcome of adolescents and adults with acute bacterial meningitis: a meta-analysis. In: Mayo Clin. Proc. Band 84, Nr. 5, Mai 2009, S. 403–409, doi:10.4065/84.5.403, PMID 19411436, PMC 2676122 (freier Volltext).</ref> Der vermutete Mechanismus ist die Unterdrückung überschießender Entzündungsreaktionen.<ref name="deGans2002"></ref>
Die Behandlungsleitlinien empfehlen daher die Gabe von Dexamethason oder ähnlichen Corticosteroiden unmittelbar vor der ersten Antibiotikagabe und weiter für vier Tage.<ref name="EFNS" /><ref name="BIS" /> Da erfahrungsgemäß Patienten mit einer Pneumokokkeninfektion am meisten von der Corticosteroidgabe profitieren, raten manche Autoren dazu, Corticosteroide abzusetzen, sobald ein anderer Erreger identifiziert wurde.<ref name="EFNS" /><ref name="IDSA" />
Corticosteroide wirken bei Kindern und Erwachsenen mit einer Meningitis unterschiedlich. Während in westlichen Ländern beide Patientengruppen profitieren, ist ein Vorteil für Kinder aus armen Ländern nicht nachgewiesen. Die Ursache für diesen Unterschied ist unbekannt.<ref name="CochraneDex">D. van de Beek, J. de Gans, P. McIntyre, K. Prasad: Corticosteroids for acute bacterial meningitis. In: Cochrane Database of Systematic Reviews (Online). Nr. 1, 2007, S. CD004405, doi:10.1002/14651858.CD004405.pub2, PMID 17253505.</ref> In reichen westlichen Ländern ist der Nutzen der adjuvanten Corticosteroidtherapie nur in den Fällen einer Haemophilus-influenzae-Meningitis nachgewiesen, und dann auch nur, wenn man damit vor der antibiotischen Therapie beginnt.<ref name="IDSA" /><ref name="pmid9302246">P. B. McIntyre, C. S. Berkey, S. M. King et al.: Dexamethasone as adjunctive therapy in bacterial meningitis. A meta-analysis of randomized clinical trials since 1988. In: JAMA. Band 278, Nr. 11, September 1997, S. 925–931, doi:10.1001/jama.278.11.925, PMID 9302246.</ref> Deren Vorkommen ist aber seit der Einführung der Haemophilus-influenzae-B-Impfstoffe deutlich gesunken. Manche Autoren raten deshalb Corticosteroide nur bei kindlichen Haemophilus-influenzae-Meningitiden zu geben und dann auch nur, wenn vorher noch keine Antibiotika gegeben wurden. Alle anderen Fälle werden kontrovers beurteilt.<ref name="IDSA" />
Virale Meningitis[Bearbeiten]
Eine virale Meningitis erfordert üblicherweise lediglich eine unterstützende (supportive) Behandlung, da die meisten Viren, die eine Meningitis verursachen, einer kausalen Therapie nicht zugänglich sind. Die virale Meningitis verläuft üblicherweise gutartiger als eine bakterielle Meningitis. Infektionen mit Herpes-simplex-Viren und durch das Varizella-Zoster-Virus können auf Virostatika wie Aciclovir ansprechen, es gibt aber keine klinischen Studien, die die Wirksamkeit dieser Maßnahme untersucht haben.<ref name="LoganMacMahon" /> Milde Verläufe einer viralen Meningitis können auch ambulant mit konservativen Maßnahmen (Bettruhe, Schmerzmittel und ausreichend Flüssigkeit) behandelt werden.<ref>Meningitis and Encephalitis Fact Sheet. National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS), 11. Dezember 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Januar 2014; abgerufen am 27. April 2009. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Kryptokokken-Meningitis[Bearbeiten]
Die Kryptokokken-Meningitis wird mittels hoher Dosen von Antimykotika wie Amphotericin B oder 5-Fluorcytosin über einen langen Zeitraum behandelt.<ref name="BMB" /><ref>M. Gottfredsson, J. R. Perfect: Fungal meningitis. In: Seminars in Neurology. Band 20, Nr. 3, 2000, S. 307–322, doi:10.1055/s-2000-9394, PMID 11051295.</ref>
Prognose[Bearbeiten]
Eine virale Meningitis neigt zur spontanen Heilung und ist nur selten tödlich. Die bakterielle Meningitis verläuft hingegen unbehandelt fast immer tödlich. Unter einer Behandlung hängt die Sterblichkeit (Letalität) einer bakteriellen Meningitis vom Alter des Patienten und der zugrunde liegenden Ursache ab. Neugeborene Patienten können in 20–30 Prozent der Fälle infolge einer bakteriellen Meningitis sterben. Das Risiko, zu versterben, ist bei älteren Kindern deutlich geringer. Deren Sterblichkeit beträgt nur etwa 2 Prozent, steigt aber bei Erwachsenen wieder auf ca. 19–37 Prozent an. Das Risiko, an einer Meningitis zu versterben, hängt außer vom Alter noch von weiteren Faktoren ab. So spielen der Erreger und die Zeit eine Rolle, die der Organismus braucht, um den Liquor vom Erreger zu befreien. Entscheidend ist darüber hinaus auch der Allgemeinzustand des Patienten, das Ausmaß der Bewusstseinsstörung und ob eine Leukopenie vorliegt. Eine Meningitis, die von Haemophilus influenzae oder von Meningokokken verursacht wird, hat eine bessere Prognose als eine durch Streptokokken der Gruppe B, coliformen Erregern oder Pneumokokken hervorgerufene. Bei Erwachsenen ist die Prognose von Meningokokkenmeningitiden günstiger (Mortalität von 3 bis 7 Prozent) als Erkrankungen mit Pneumokokken.<ref name="Lancet" /><ref name="NEJM" /> Bei Kindern kann eine Meningitis eine Reihe von Folgeschäden verursachen. Bei bis zu 15 Prozent der überlebenden Kinder können Schallempfindungsschwerhörigkeit, Epilepsie, Lernbehinderung und Verhaltensauffälligkeiten ebenso wie eine Intelligenzminderung beobachtet werden.<ref name="Lancet" /> Die Hörminderung kann in manchen Fällen reversibel sein.<ref name="pmid9068303"></ref> Bei Erwachsenen verlaufen etwa zwei Drittel der Fälle ohne Folgeschäden. Hier kommen hauptsächlich eine Hörminderung (in 14 Prozent der Fälle) und kognitive Defizite (in 10 Prozent der Fälle) vor.<ref name="NEJM" />
In einer Metaanalyse<ref>Karen Edmond, Andrew Clark, Viola S. Korczak, Colin Sanderson, Ulla K. Griffiths, Igor Rudan: Global and regional risk of disabling sequelae from bacterial meningitis: a systematic review and meta-analysis. In: The Lancet Infectious Diseases. Band 10, Nr. 5, 1. Mai 2010, ISSN 1473-3099, S. 317–328, doi:10.1016/S1473-3099(10)70048-7, PMID 20417414 (thelancet.com [abgerufen am 5. Juli 2025]).</ref> aus dem Jahr 2010 zu Folgeerscheinungen nach bakterieller Meningitis, in die 132 Studien eingingen, die weltweit bis 2008 veröffentlicht wurden, zeigte sich mindestens eine Folgeerscheinung bei 20 Prozent der Patienten nach Entlassung aus dem Krankenhaus. Das Risiko für mindestens eine schwerwiegende Folgeerkrankung betrug etwa 13 Prozent und für mindestens eine geringfügige Folgeerkrankung etwa 9 Prozent. Nach einer Meningitis durch Pneumokokken litten etwa 25 Prozent der Patienten an mindestens einer schwerwiegenden Folgeerkrankung, nach Haemophilus influenzae Typ b (Hib) etwa 10 Prozent und nach Meningokokken-Meningitis etwa 7 Prozent. Die häufigste schwere Folgeerkrankung war ein Hörverlust (ca. 34 %), und ca. 20 Prozent hatten multiple Beeinträchtigungen. Das Gesamtrisiko für eine schwerwiegende Folgeerkrankung war in Afrika (ca. 25 %) und Südostasien (ca. 22 %) doppelt so hoch wie in Europa (ca. 9 %). Das Risiko für langfristige behindernde Folgeerkrankungen war in Ländern mit niedrigem Einkommen am höchsten, wo die Belastung durch bakterielle Meningitis am größten ist. Die meisten gemeldeten Folgeerkrankungen hätten durch Impfungen mit Hib-, Pneumokokken- und Meningokokken-Impfstoffen verhindert werden können.
Epidemiologie[Bearbeiten]
Obwohl die Meningitis in vielen Ländern eine meldepflichtige Krankheit ist, sind genaue epidemiologische Zahlen nicht bekannt.<ref name="LoganMacMahon" /> In westlichen Ländern kommen etwa drei Fälle einer bakteriellen Meningitis auf 100.000 Einwohner pro Jahr vor. In Populationsstudien wurde gezeigt, dass virale Meningitiden mit ungefähr elf Fällen pro 100.000 Einwohner und Jahr häufiger vorkommen und es vor allem einen Erkrankungsgipfel im Sommer gibt. In Brasilien ist die Erkrankungsrate mit etwa 46/100.000 Einwohner pro Jahr deutlich höher.
Für das Jahr 2019 wurde die Zahl der Meningitis-Fälle weltweit auf 2,5 Millionen geschätzt, davon 236.000 mit tödlichem Ausgang (Letalität 9 %). Die weltweit höchsten Fallzahlen und höchsten Letalitäten finden sich im sog. „afrikanischen Meningitis-Gürtel“, der in Afrika südlich der Sahara im Bereich der Trockensavanne und in südlichen Teilen der Sahelzone liegt und von Senegal und Gambia im Westen bis nach Äthiopien und ins nördliche Kenia im Osten reicht.<ref name="david">David S; Stephens: Global control of meningococcal disease The New England Journal of Medicine 2023, Band 388, Ausgabe 21 vom 25. Mai 2023, Seiten 2002–2004, doi:10.1056/NEJMe2301698</ref>
Seit dem 19. Jahrhundert und bis 2010 wurden in diesem Meningitisgürtel große Epidemien mit einer Erkrankungsrate von 100 bis 800/100.000 Einwohner pro Jahr beobachtet.<ref name="WHO1998">World Health Organization: Control of epidemic meningococcal disease, practical guidelines, 2nd edition, WHO/EMC/BA/98. Band 3, 1998, S. 1–83 (who.int [PDF]). </ref> Diese manchmal mehrjährigen Epidemien traten alle fünf bis zwölf Jahre in der Trockenzeit zwischen Dezember und Mai auf und strahlten oft in Gebiete südlich dieses Meningitisgürtels aus. Ursächlich waren Meningokokken, vor allem vom Serotyp A.
Die größte bekannte Epidemie dieser Art ereignete sich 1996 bis 1997. Damals erkrankten geschätzt 250.000 Menschen und 25.000 starben.<ref>WHO: Detecting meningococcal meningitis epidemics in highly-endemic African countries. In: Weekly Epidemiological Record. Band 78, Nr. 33, 2003, S. 294–296, PMID 14509123 (who.int [PDF]).</ref>
Diese Epidemie führte zu einem Programm zur Entwicklung eines Impfstoffes unter Beteiligung der WHO. Mit dem Impfstoff „MenAfriVac“, der 0,50 US-Dollar pro Dosis kostet, wurden ab 2010 in mehr als 26 afrikanischen Staaten im Bereich des Meningitisgürtels über 332 Millionen Menschen geimpft. Der Impfstoff ist monovalent nur gegen Serogruppe A wirksam und hat diesen im subsaharischen Afrika praktisch eliminiert, seitdem wurden keine großen Meningitis-Epidemien mehr verzeichnet. Trotzdem gibt es noch eine endemisch hohe Belastung an Meningitis vor allem durch die Serogruppen C, W und X, weshalb neue Impfstoffe gegen vier bis fünf Serogruppen in der Entwicklung sind.<ref name="david" />
Die WHO hat auf ihrer Weltgesundheitsversammlung 2020 eine „Defeating Meningitis by 2030 global road map“ verabschiedet, um die Meningitis weltweit bis 2030 zurückzudrängen, mit dem Ziel der Auslöschung („Towards a world free of meningitis“) und konkreter der Eliminierung bakterieller Meningitis-Epidemien, der Reduzierung der durch Impfung verhinderbaren Meningitisfälle um 50 Prozent und der Todesfälle um 70 Prozent, und des Weiteren, um Folgeschäden und die Verminderung der Lebensqualität zu reduzieren.<ref name="david" />
Meningokokken-Erkrankungen ereignen sich auch außerhalb des oben erwähnten Afrikanischen Meningitis-Gürtels in epidemischer Form, und zwar wenn viele Menschen erstmals in größerer Anzahl zusammenleben. Dies kommt beispielsweise bei kasernierten Rekruten während einer Mobilmachung, bei den Erstjahrgängen eines Colleges<ref name="Lancet" /> oder auch bei Pilgerfahrten wie dem jährlichen Haddsch<ref name="WilderSmith">A. Wilder-Smith: Meningococcal vaccine in travelers. In: Current Opinion in Infectious Diseases. Band 20, Nr. 5, Oktober 2007, S. 454–460, doi:10.1097/QCO.0b013e3282a64700, PMID 17762777.</ref> vor.
Obwohl die Ursachen für wiederkehrende Epidemien wie in Afrika nicht gut verstanden sind, wurden verschiedene Faktoren für diese Vorgänge verantwortlich gemacht. Dazu zählen eine erhöhte Krankheitsbereitschaft der betroffenen Menschen, demographische Bedingungen wie die hohe Anzahl an Flüchtlingen und Überbevölkerung, Armut, klimatische Bedingungen und rezidivierende Atemwegsinfekte.<ref name="WHO1998" />
Es gibt deutliche regionale Unterschiede im Auftreten der Meningitis. So findet man bei Meningokokkenmeningitiden in Europa vorwiegend Neisserien der Gruppen B und C, während der Subtyp A in China und bei Mekka-Pilgern dominiert. Hauptverantwortlich für die Erkrankungen im Meningitis-Gürtel sind die Subtypen A und C. Jüngste Epidemien in Afrika und Saudi-Arabien wurden von Meningokokken der Gruppe W135 verursacht.<ref name="SegalPollard" />
Geschichte[Bearbeiten]
Die Hippokrates von Kos (* um 460 v. Chr.; † um 370 v. Chr.) zugeschriebenen Schriften enthalten zahlreiche Beschreibungen von Krankheitszuständen, die mit dem klinischen Bild einer Meningitis vereinbar sind.<ref name="historyofneuology417">Kenneth L. Tyler: A history of bacterial meningitis. In: S. Finger, F. Boller, K. L. Tyler (Hrsg.): History of Neurology. Elsevier, 2010, ISBN 978-0-444-52009-8, S. 417.</ref> Man geht davon aus, dass mittelalterlichen Ärzten wie Avicenna das Symptom des Meningismus bekannt war.<ref name="Walker"></ref> Aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen verschiedene Berichte von unter „Gehirnfieber“ („Phrenitis“, „Cephalitis“) leidenden Patienten, deren Symptomkonstellationen teilweise auf das Vorliegen einer Meningitis oder Enzephalitis schließen lassen.<ref name="historyofneuology417" /> Thomas Willis beschrieb in einer 1685 posthum veröffentlichten Arbeit die „Phrensy“ (deutsch: etwa „Fieberwahn“), eine Meningitis-Symptomatik mit Meningismus, Opisthotonus und Krampfanfällen, die er auf eine Entzündung der Hirnhäute und eine Kompression des Gehirns zurückführte. Seine Aufzeichnungen umfassen zudem die Beschreibung eines entsprechenden „epidemischen Fiebers“ im Jahre 1661, bei dem es sich wahrscheinlich um eine Meningokokken-Epidemie handelte.<ref name="historyofneuology418">Kenneth L. Tyler: A history of bacterial meningitis. In: S. Finger, F. Boller, K. L. Tyler (Hrsg.): History of Neurology. Elsevier, 2010, ISBN 978-0-444-52009-8, S. 418.</ref> Dem britischen Arzt Robert Whytt aus Edinburgh wird die Erstbeschreibung der tuberkulösen Meningitis 1768 zugeschrieben. Man nannte diese Erkrankung seinerzeit „Gehirnwassersucht“. Die Verbindung zum Tuberkuloseerreger wurde allerdings erst etwa hundert Jahre später hergestellt.<ref name="Walker" /><ref>Whytt R: Observations on the Dropsy in the Brain. J. Balfour, Edinburgh 1768.</ref> Epidemische Meningitiden scheinen ein weitgehend modernes Phänomen zu sein.<ref name="Greenwood">B. Greenwood: 100 years of epidemic meningitis in West Africa – has anything changed? In: Tropical Medicine & International health: TM & IH. Band 11, Nr. 6, Juni 2006, S. 773–780, doi:10.1111/j.1365-3156.2006.01639.x, PMID 16771997.</ref> Der erste bekannte Ausbruch der Erkrankung in Form einer Epidemie wird vielfach für das Jahr 1805 in der schweizerischen Stadt Genf angegeben und im selben Jahr als Zerebrospinalmeningitis von Gaspard Vieusseux (1746–1814)<ref>Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 32.</ref> erstmals wissenschaftlich genau beschrieben.<ref name="Greenwood" /><ref>G. Vieusseux: Memoire sur la maladie qui regnéà Geneve au printemps de 1805. In: Journal de Médecine, de Chirurgie et de Pharmacologie (Bruxelles). Band 11, 1806, S. 50–53.</ref> Kurze Zeit später werden weitere Meningitis-Epidemien in Europa und den USA beschrieben. 1840 wurde erstmals ein solches Ereignis in Nordafrika, in Algerien, bekannt. Ausbrüche 1905 in Nigeria und von 1906 bis 1908 in Ghana waren möglicherweise die erste Meningokokkenepidemie in Westafrika.<ref name="Greenwood" /> Der österreichische Bakteriologe Anton Weichselbaum beschrieb 1887 zum ersten Mal eine bakterielle Meningitis (die epidemische Genickstarre<ref>Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 48.</ref><ref>A. Müller, R. W. Schlecht, Alexander Früh, H. Still Der Weg zur Gesundheit: Ein getreuer und unentbehrlicher Ratgeber für Gesunde und Kranke. 2 Bände, (1901; 3. Auflage 1906, 9. Auflage 1921) 31. bis 44. Auflage. C. A. Weller, Berlin 1929 bis 1931, Band 2 (1929), S. 45–48 (Die epidemische Genickstarre).</ref> oder übertragbare Genickstarre<ref>Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 9–223, hier: S. 177–180 (Meningitis cerebrospinalis epidemica).</ref>) und nannte den Erreger „Meningococcus“.<ref>A. Weichselbaum: Ueber die Aetiologie der akuten Meningitis cerebro-spinalis. In: Fortschrift der Medizin. Band 5, 1887, S. 573–583.</ref> Otto Heubner wies den Erreger der epidemischen Genickstarre 1896 in der Zerebrospinalflüssigkeit nach.<ref>Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 50.</ref>
Die Sterblichkeit durch Meningitiden war in den frühen Berichten sehr hoch (über 90 %). Der amerikanische Wissenschaftler Simon Flexner stellte 1906 ein Antiserum aus Pferdeblut her und erreichte dadurch eine deutliche Reduktion der Sterblichkeit.<ref></ref><ref name="Swartz">M. N. Swartz: Bacterial meningitis--a view of the past 90 years. In: The New England Journal of Medicine. Band 351, Nr. 18, Oktober 2004, S. 1826–1828, doi:10.1056/NEJMp048246, PMID 15509815.</ref> Im Jahr 1944 wurde erstmals die Wirksamkeit des Penicillins bei der Behandlung der Meningitis beschrieben.<ref>D. H. Rosenberg, P. A. Arling: Penicillin in the treatment of meningitis. In: JAMA. Band 125, 1944, S. 1011–1017. reproduced in D. H. Rosenberg, P. A. Arling: Penicillin in the treatment of meningitis. In: JAMA. Band 251, Nr. 14, April 1984, S. 1870–1876, doi:10.1001/jama.251.14.1870, PMID 6366279.</ref> Die Einführung der Haemophilus-Impfung zum Ende des 20. Jahrhunderts führte zu einem deutlichen Rückgang der Erkrankungshäufigkeit mit diesem Erreger.<ref name="Peltola" /> Der jüngste wichtige Fortschritt war im Jahre 2002 der Nachweis der Wirksamkeit der Corticosteroidbehandlung zur Reduktion von Komplikationen im Frühverlauf der Erkrankung.<ref name="Swartz" />
Seit 2009 wird jährlich am 5. Oktober der Welt-Meningitis-Tag begangen.
Meldepflicht[Bearbeiten]
Nach dem Bundesrecht Deutschlands ist Meningokokken-Meningitis eine meldepflichtige Krankheit gemäß § 6 Absatz 1 Nummer 1 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Diese namentliche Meldepflicht besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod. Meldepflichtig sind hinsichtlich der Erkrankung die feststellenden Ärzte usw. (§ 8 IfSG). Zudem ist der direkte Nachweis von Neisseria meningitidis namentlich meldepflichtig nach § 7 IfSG. Diese Meldepflicht gilt nur für den direkten Nachweis aus Liquor, Blut, hämorrhagischen Hautinfiltraten oder anderen normalerweise sterilen Substraten. Meldepflichtig sind hinsichtlich des Nachweises des Erregers die Labore usw. (§ 8 IfSG). Nach dem Recht Sachsen-Anhalts<ref>Verordnung über die erweiterte Meldepflicht bei übertragbaren Krankheiten Vom 12. April 2005. Fundstelle: GVBl. LSA 2005, 200. In: landesrecht.sachsen-anhalt.de. Abgerufen am 23. Oktober 2024 (IfSGMeldpflV ST 2005, Gültig ab: 19. April 2005).</ref> zudem die Erkrankung an und der Tod durch Virusmeningitis namentlich meldepflichtig. Nach dem Recht Thüringens<ref>Thüringer Verordnung über die Anpassung der Meldepflicht für Infektionskrankheiten (Thüringer Infektionskrankheitenmeldeverordnung – ThürIfKrMVO -) Vom 15. Februar 2003. Fundstelle: GVBl. 2003, 107. Abgerufen am 23. Oktober 2024 (Stand: letzte berücksichtigte Änderung: zuletzt geändert durch Verordnung vom 4. Februar 2015 (GVBl. S. 3)).</ref> löst auch die Erkrankung und der Tod an den übrigen Formen der Meningitis eine namentliche Meldepflicht aus und ebenfalls der Nachweis der übrigen Erregern der Meningitis/Encephalitis.
In Österreich sind virusbedingte Meningoenzephalitiden gemäß § 1 Abs. 1 Nummer 2 Epidemiegesetz 1950 bei Erkrankung und Tod anzeigepflichtig. Zur Anzeige verpflichtet sind unter anderen Ärzte und Labore (§ 3 Epidemiegesetz 1950). Nach den gleichen Normen anzeigepflichtig sind dort Erkrankung oder Tod durch „invasive bakterielle Erkrankungen (Meningitis oder Sepsis) (z. B. durch Meningokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae)“<ref>Anzeigenpflichtige Krankheiten in Österreich vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Stand: 30. Juni 2023 (PDF, 8 Seiten, tabellarische Darstellung).</ref>.
In der Schweiz ist eine invasive Meningokokken-Erkrankung für Ärzte, Spitäler usw. meldepflichtig und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen. Meldekriterien sind klinischer Verdacht und Veranlassung einer erregerspezifischen Labordiagnostik.
Literatur[Bearbeiten]
- S1-Leitlinie Ambulant erworbene bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). In: AWMF online (Stand 2012)
- S1-Leitlinie Virale Meningoenzephalitis der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). In: AWMF online (Stand 2008)
- S1-Leitlinie Atypische erregerbedingte Meningoenzephalitiden der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). In: AWMF online (Stand 2012)
- Kenneth L. Tyler: A history of bacterial meningitis. In: Stanley Finger, Francois Boller, Kenneth L. Tyler (Hrsg.): History of Neurology. Elsevier, Edinburgh 2010, ISBN 978-0-444-52009-8, S. 419–433.
- Manio von Maravic: Neurologische Notfälle. In: Jörg Braun, Roland Preuss (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin. 9. Auflage. Elsevier, München 2016, ISBN 978-3-437-23763-8, S. 311–356, hier: S. 336–339 (Bakterielle Meningitiden, Virusmeningitis).
- Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 61–68 (Infektionen des Zentralnervensystems: Meningitis).
ältere Literatur:
- Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 9–223, hier: S. 177–184.
- Immo von Hattingberg: Die Erkrankungen der Hirnhäute, des Plexus chorioideus und die Störungen der Liquorzirkulation (Hydrocephalus). In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 1311–1315, hier: S. 1311–1314.
Weblinks[Bearbeiten]
- Linkkatalog zum Thema Meningitis bei curlie.org (ehemals DMOZ)
- Website des Nationalen Referenzzentrums für Meningokokken am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
- Seiten mit TemplateStyles-Fehlern
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2022-03
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2022-12
- Krankheitsbild in der Neurologie
- Krankheitsbild in der Notfallmedizin
- Infektionskrankheit
- Hirnhaut
- Meldepflichtige Krankheit