Zum Inhalt springen

Curtis E. LeMay

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Curtis LeMay)
Datei:Curtis LeMay (USAF).jpg
Curtis E. LeMay, um 1951, hier als Viersternegeneral.

Curtis Emerson LeMay (* 15. November 1906 in Columbus, Ohio; † 1. Oktober 1990 in Riverside, Kalifornien) war ein US-amerikanischer General der United States Army Air Forces (bis 1947) sowie, nach der Separation der Truppenteile, der United States Air Force (ab 1947). LeMay war während des Zweiten Weltkrieges Befehlshaber von verschiedenen US-Bombereinheiten sowohl auf dem europäischen Kriegsschauplatz als auch auf dem pazifischen Kriegsschauplatz.

Nach Kriegsende 1945 förderte er die Entwicklung von Langstreckenbombern und baute zwischen 1948 und 1957 beziehungsweise im Rahmen des beginnenden Kalten Krieges maßgeblich das Strategic Air Command (SAC) der US Air Force auf, welches gegebenenfalls einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion zu führen gehabt hätte. Zwischen 1961 und 1965 hatte LeMay außerdem den Posten des Generalstabschefs der US Air Force inne. Er gilt ferner als einer der führenden Koordinatoren der Luftbrücke nach Berlin 1948/49, die die Stadt vor dem sowjetischen Zugriff rettete.

LeMay wird, auch wegen seiner kompromisslosen Haltung hinsichtlich der Luftoffensive gegen Japan 1945 mit Brandbomben (siehe hierzu u. a. die Luftangriffe auf Tokio) sowie bezüglich der Operation Starvation, die er als Befehlshaber des auf den Marianen stationierten XXI Bomber Command entscheidend mit zu verantworten hatte, in der Geschichtsschreibung oftmals stark kritisiert.

Leben[Bearbeiten]

LeMay wurde am 15. November 1906 in Columbus (US-Bundesstaat Ohio) geboren. Seine Eltern waren Erving Edwin LeMay und Arizona Dove (geborene Carpenter), es waren britisch- und im weiteren und entfernteren Sinne französischstämmige Hugenotten. Die Einkommensverhältnisse der Familie waren sehr begrenzt.

Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Schulzeit auf der Columbus South High School begann LeMay 1927 ein Studium zum Bauingenieur auf der Ohio State University, welches er später (1930) mit einem Bachelor abschloss. Im Oktober 1929, noch während seiner Studienzeit, trat er im Rang eines Second Lieutenant in die Air Corps Reserve (eine Vorgängerorganisation des Air Force Reserve Command) der United States Army Air Forces ein.

Ab 1930 wurde er durch die Air Corps Reserve auf dem Flugplatz Norton Field nahe Columbus zum Piloten ausgebildet, an diese Ausbildung schloss 1931/32 eine spezifischere Ausbildung zum Jägerpiloten (fighter pilot beziehungsweise seinerzeit auch als pursuit pilot bezeichnet) auf dem Flughafen Selfridge Field (heute Selfridge Air National Guard Base) nahe Mount Clemens an. Nach 1932 diente LeMay bis Anfang 1937 bei der 27th Pursuit Squadron (heute 27th Fighter Squadron); während dieser Zeit war er auch zeitweise auf Hawaii stationiert.

Datei:B-17s flyby Rex.jpg
Mai 1938: Überflug der von LeMay befehligten B-17-Bomber über das italienische Passagierschiff Rex.

Im Jahr 1937 wechselte LeMay von den Jagdflugzeugen zu den Bomberstreitkräften. LeMay war zunächst als Navigator bei der 2nd Bombardment Group eingesetzt, dann später auch als Pilot, wobei er auch die ab 1938 neu eingeführten schweren Bomber des Typs Boeing B-17 steuerte. Hierbei zeichnete er sich durch gutes fliegerisches Können und Navigieren aus – im März 1938 flog er mit einer von mehreren Maschinen dieses Typs im Rahmen einer militärisch-diplomatischen Mission nach Buenos Aires (wofür die 2nd Bombardment Group später die Mackay Trophy erhielt); im Mai 1938 gelang es ihm zudem, mit drei B-17-Bombern das italienische Passagierschiff Rex rund 1.150 Kilometer weit von der US-Ostküste entfernt und mitten auf dem Nordatlantik zu lokalisieren und zu überfliegen. Das Unterfangen, das auch eine Art Machtdemonstration darstellte, sollte aufzeigen, dass es in der Praxis möglich wäre, mit schweren Bombern eine weiträumige beziehungsweise weit über das eigene Küstenvorfeld hinaus verlagerte Verteidigung der US-Küsten gegenüber möglichen gegnerischen Flottenkräften sicherzustellen.

Im Jahr 1940 war LeMay außerdem an der Erprobung des experimentellen schweren Bombers Boeing XB-15 beteiligt. Hierbei diente er als Navigator an Bord des Versuchsmusters – es wurde nur ein einziges Exemplar gefertigt und der Serienbau erfolgte nie –, als dieses, von der noch im Bau befindlichen Howard Air Force Base in Panama, einen Rundflug hin zu den Galapagosinseln und zurück unternahm.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

In der Eskalationssphase des Luftkriegs gegen das Deutsche Reich während des Zweiten Weltkrieges kommandierte LeMay 1943/44 Bombereinheiten der 8. US-Luftflotte. Da die Bomberbesatzungen während der Einsätze oft „technische Probleme“ meldeten, ließ er verkünden, dass jeder abgebrochene Einsatz gegen deutsche Städte zu einem Prozess vor einem Kriegsgericht führen würde. Daraufhin ließ die Zahl der abgebrochenen Einsätze nach. LeMay entwickelte auch Taktiken, die Bomberbesatzungen vor feindlichem Beschuss schützen sollten. In dieser Zeit erwarb er sich den Spitznamen „Iron Ass“ (Eisenarsch oder Eiserner Esel).

Im Normalfall gingen die alliierten Bomberverbände auf Ausweichkurs, sobald sie unter Beschuss gerieten, auch wenn der Zielauftrag noch nicht ausgeführt war. Dieser Rückzug und der neuerliche Anflug auf das Ziel war aber für den Verband viel riskanter, als den Abwurf plangemäß durchzuführen. Ab August 1944 sorgte Curtis LeMay als Kommandeur des XX Bomber Command der Twentieth Air Force auch im Krieg gegen Japan für Verbesserung der Effizienz: US-Bomber hatten zunächst in Burma ihre Basis. In der Republik China musste ein Stützpunkt für das Wiederauftanken eröffnet werden; die Errichtung dieser Basis verlief im umkämpften China nur zögerlich. Zu oft kehrten die B-29 zurück, ohne die größtmögliche Menge an Treibstoff in China zurückgelassen zu haben. LeMay überzeugte das Luftwaffenkommando davon, auf den Pazifik-Inseln Saipan, Tinian und Guam Basen für Langstreckenbomber zu errichten. Diese lagen näher am japanischen Festland, somit mussten die Piloten keinen Tankstopp einlegen und konnten auch eine höhere Bombenlast mitnehmen.

Er wurde Kommandeur des XXI. Bomber Command und Oberbefehlshaber des strategischen Luftkriegs gegen Japan. Schließlich war er auch verantwortlich für den Einsatz von Napalmbomben gegen japanische Städte: Bei der Bombardierung von Tokio kamen in einer Nacht 100.000 Menschen ums Leben. Es handelte sich dabei um den schwersten jemals geflogenen Luftangriff.

Kalter Krieg[Bearbeiten]

Datei:Lemay4.jpg
Curtis E. LeMay

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde LeMay stellvertretender Leiter des Air Staff for Research and Development des Verteidigungsministeriums. 1947 wurde er nach Europa beordert, wo er die Position des Kommandeurs der US Air Forces in Europe (USAFE) übernahm. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Organisation, Planung und Durchführung der Berliner Luftbrücke 1948/49 beteiligt.

Im Jahre 1949 kehrte er – nach der Beendigung der Berlin-Blockade – wieder in die USA zurück, wo er General George Kenney als Oberbefehlshaber des Strategic Air Command (SAC) ablöste.

Als er das SAC übernahm, bestand es aus wenigen und zudem auch noch unterbesetzten B-29-Bombergruppen. Diese Bomber (wie im Übrigen auch das militärische Personal) waren fast ausschließlich Veteranen des Zweiten Weltkrieges. Weit weniger als die Hälfte der vorhandenen Flugzeuge war überhaupt funktionsfähig bzw. flugtauglich. Die Mannschaften waren untrainiert und auf mögliche Einsätze kaum adäquat vorbereitet. Als LeMay einen Übungsangriff auf Dayton (Ohio) anordnete, verfehlten die meisten Bomber ihre Ziele um eine Meile oder mehr. Auch bedurfte es noch einiger Jahre des Experimentierens mit Nachfolgetypen der B-29 wie B-50, B-36 und B-47. Ab Mitte der 50er-Jahre stand dem SAC mit der Boeing B-52 ein geeigneter Interkontinentalbomber zur Verfügung.

Bis 1957 beaufsichtigte LeMay die Umwandlung und Neuorganisation des SAC in eine moderne leistungsfähige Luftstreitmacht, bestehend aus unterschiedlichen Typen von Bombenflugzeugen für strategische und taktische Einsätze. Im Zuge dessen wurden unter anderem neue Bombertypen entwickelt bzw. eingeführt, wobei er zusätzlich Verfahren zur Luftbetankung der Bomber einführen ließ. Daneben verbesserte er das Befehls- und Koordinierungssystem des SAC erheblich.

Im Jahre 1961 wurde er schließlich zum Chief of Staff of the Air Force (CSAF) ernannt und trat damit die Nachfolge von Thomas D. White an. In seiner neuen Position als CSAF sah er sich jedoch alsbald mit vielfältiger Kritik an seinen militärischen und vor allem strategischen Vorstellungen und Planungen konfrontiert. Zu seinen schärfsten Kritikern zählte der damalige US-Verteidigungsminister Robert McNamara. Wesentlicher Bestandteil des Disputes war dabei McNamaras Umschwung von der sogenannten massiven Vergeltung („massive retaliation“) zur „flexible response“ (auch McNamara-Doktrin genannt). Weitere Gegenspieler von LeMay waren insbesondere Eugene M. Zuckert (Secretary of the Air Force bzw. Staatssekretär der US Air Force) und Maxwell D. Taylor (Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff).

LeMay war ein ausdrücklicher Kriegsbefürworter und glühender Antikommunist. So hatte er zum Beispiel in seinem ersten strategischen Kriegsplan gegen die Sowjetunion von 1949 vorgeschlagen, in einem einzigen massiven nuklearen Erstschlag die Sowjetunion anzugreifen. Dabei sollten sämtliche damals vorhandenen US-Atombomben (133 Stück) innerhalb von 30 Tagen auf insgesamt 70 sowjetische Städte abgeworfen werden. Die Sowjets besaßen zum damaligen Zeitpunkt noch kein nukleares Arsenal.

LeMay musste in seiner Zeit als CSAF eine Niederlage nach der anderen hinnehmen. So gelang es ihm beispielsweise nicht, das favorisierte ballistische Raketenprogramm AGM-48 Skybolt der Douglas Aircraft Company durchzusetzen. Weiterhin scheiterte auch sein Vorschlag, den Unterschall-Bomber Boeing B-52 durch ein Überschallflugzeug (die North American XB-70) zu ersetzen.

Attentat auf John F. Kennedy[Bearbeiten]

Während der Kubakrise im Jahr 1962 geriet LeMay massiv mit Präsident John F. Kennedy und Verteidigungsminister Robert McNamara aneinander. Er war strikt gegen eine Seeblockade und forderte stattdessen eine aggressivere Haltung gegenüber der Sowjetunion bzw. Kuba. Er argumentierte, dass die USA einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion wagen sollten, solange sie ihn noch gewinnen könnten – die USA hatten zu diesem Zeitpunkt 17-mal so viele Atomwaffen wie die Sowjetunion und 10-mal so viele Atomtests durchgeführt. Daher drängte er energisch auf eine Erlaubnis, die soeben in Kuba stationierten sowjetischen Raketenbasen bombardieren zu dürfen. LeMay selbst ging davon aus, 90 % der Stellungen vernichten zu können. Nachdem die Krise abgewendet war, zeigten ausführliche militärische Analysen, dass LeMay im Falle eines Erstschlags gegen die Raketenbasen eine weit geringere Trefferquote erzielt hätte. Im Ergebnis hätte diese Art der Eskalation wahrscheinlich auch auf sowjetischer Seite zu einem Kernwaffeneinsatz geführt. Selbst unmittelbar nach dem Ende der Krise und dem Abzug der sowjetischen Raketen aus Kuba sprach sich LeMay weiterhin für eine Invasion der Insel aus.

Als es am 22. November 1963 in Dallas zum Attentat auf John F. Kennedy kam, machte LeMay gerade Urlaub in Kanada, kehrte jedoch sofort nach Washington zurück und überwachte anschließend die Obduktion von Kennedys Leiche im National Naval Medical Center in Bethesda in Maryland. Wie der Assistenzarzt Paul O’Connor später berichtete, saß der General dabei auf der Galerie des Obduktionsraumes „with a big cigar in his hand.“<ref>William M. Law, In the Eye of History: Disclosures in the JFK Assassination Medical Evidence. Southlake 2004, S. 195</ref>

Vietnamkrieg[Bearbeiten]

Auch hinsichtlich der US-amerikanischen Beteiligung im Vietnamkrieg vertrat er in den frühen 1960er-Jahren eine seinerzeit noch sehr unpopuläre Haltung. Er sprach sich ausdrücklich für eine starke und vor allen Dingen massive militärische Intervention in Vietnam aus. LeMay wird das sinngemäße Zitat unterstellt, man solle „Vietnam zurück in die Steinzeit bomben“.

Obwohl LeMay ab Februar 1965 nicht mehr im Amt war, wirkte sich seine militärische Doktrin insbesondere im nunmehr eskalierten Kriegsverlauf nachhaltig aus. Seine Strategie massiver taktischer und strategischer Luftangriffe wurde alsbald von der US Air Force umgesetzt und als generelle Doktrin lange Zeit beibehalten. Die hieraus resultierenden Flächenbombardierungen Süd- sowie Nordvietnams, von Laos und Kambodscha forderten bei relativ geringer militärischer Wirkung hunderttausende zivile Todesopfer.

Ziviles Leben[Bearbeiten]

In der Zeit nach der Kubakrise spitzten sich die Differenzen zwischen LeMay und McNamara weiter zu. Dabei erhöhte LeMays unnachgiebige, militaristische Grundhaltung die Spannung zwischen beiden Männern zusätzlich. Schließlich musste LeMay im Februar 1965 in den Ruhestand gehen. Mit Unterstützung von MacKinlay Kantor verfasste er 1965 seine Autobiografie mit dem Titel Mission with LeMay.

In der Folgezeit begann er sich politisch zu betätigen. Er wurde 1968 Kandidat der rechtsgerichteten American Independent Party für das Amt des US-Vizepräsidenten an der Seite von Präsidentschaftskandidat George Wallace. Wallace diente während des Zweiten Weltkrieges als Staff Sergeant im 58. Bombergeschwader der 20th Air Force, deren Kommandant damals LeMay war. Jedoch waren LeMays Äußerungen bezüglich des Einsatzes von Atombomben in Vietnam sehr nachteilig für Wallaces Präsidentschaftskampagne. Sie erzielten in fünf Staaten des Solid South (Arkansas, Louisiana, Mississippi, Alabama und Georgia) die Stimmenmehrheit und kamen damit auf 46 Wahlmänner im Electoral College; insgesamt erreichten sie einen Stimmenanteil von 13,5 Prozent und lagen damit deutlich hinter Wahlsieger Richard Nixon. Wallace und LeMay waren damit die bislang letzten Kandidaten einer dritten Partei, die bei der Präsidentschaftswahl einen kompletten Staat für sich entscheiden konnten.

LeMay starb am 1. Oktober 1990 und wurde auf dem Friedhof der United States Air Force Academy in Colorado Springs (Colorado) beigesetzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Auswahl der Dekorationen, sortiert in Anlehnung an die Order of Precedence of the Military Awards:

Die LeMay Range, ein Gebirgszug auf der westantarktischen Alexander-I.-Insel, ist nach ihm benannt.

Zitate[Bearbeiten]

„Japaner zu töten, kümmerte mich nicht besonders zu jener Zeit ... Wenn ich den Krieg verloren hätte, wäre ich als ein Kriegsverbrecher angeklagt worden ... Jeder Soldat denkt etwas über die moralischen Aspekte seines Handelns nach. Aber der ganze Krieg ist unmoralisch, und wenn dir das Sorgen bereitet, bist du kein guter Soldat.“<ref>PBS-Beitrag</ref>

Filmische Rezeption[Bearbeiten]

Im Spielfilm Thirteen Days (2000), der die Kubakrise zum Gegenstand hat, wird LeMay von Kevin Conway dargestellt.

Die Figur des Generals „Buck“ Turgidson (steht sinngemäß auf Deutsch übersetzt in etwa für läufiger Hase) in dem Film Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben von Stanley Kubrick ist eng an Curtis LeMay angelehnt.

Der Dokumentarfilm Krieg in den Wolken – Luftspionage über der DDR beleuchtet u. a. die Rolle LeMays bei der Luftspionage über der DDR in den späten 40er und 50er Jahren.<ref>Vorlage:IMDb/1</ref><ref>ARD: Krieg in den Wolken – Luftspionage über der DDR, abgerufen am 10. Februar 2013</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Warren Kozak: LeMay: The Life and Wars of General Curtis LeMay. Regnery Publishing, Washington D.C. 2009, ISBN 978-1-59698-569-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Curtis E. LeMay – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

<references />

Die Seite Vorlage:BoxenVerschmelzen/styles.css hat keinen Inhalt.

Vorlage:Hinweisbaustein