European Homecare
| European Homecare GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1989 |
| Sitz | Essen, |
| Leitung | Eike Lebbing |
| Mitarbeiterzahl | 2000 (2015) |
| Umsatz | ca. 39.000.000 € (2014) |
| Branche | Soziales |
| Website | www.eu-homecare.com |
Die European Homecare GmbH (EHC) ist ein auf soziale Dienstleistungen spezialisiertes Unternehmen in Essen. Schwerpunkt ist die Unterbringung und Versorgung von Asylbewerbern und Flüchtlingen.<ref name="AB23">European Homecare Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Essen, Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023, abgerufen über unternehmensregister.de.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Das Unternehmen wurde 1989 von Rolf Dieter Korte gegründet.<ref name="hist">Handelsregister B des Amtsgerichts Essen, Chronologischer Auszug zur Registernummer 17088, abgerufen am 20. April 2025 unter handelsregister.de.</ref> Erste Einrichtungen für Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion entstanden in Ostdeutschland. 2006 übernahm sein Sohn Sascha Korte die Geschäftsführung.<ref name="hist" /> Das Unternehmen erbringt soziale Dienstleistungen für die öffentliche Hand.<ref name="AB23" />
Neben Unterkünften in Deutschland betrieb EHC zwischenzeitlich auch Einrichtungen in Irland und Österreich.<ref>Firma aus Essen wird Asylbewerberheim betreiben, Sächsische Zeitung vom 6. Januar 2014.</ref> 2013 unterhielt EHC 27 Einrichtungen,<ref>European Homecare Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Essen, Jahresabschluss zum 31. Dezember 2013, abgerufen über unternehmensregister.de.</ref> im Zuge der Flüchtlingskrise stieg die Anzahl in den Jahren 2015 und 2016 auf 125 an.<ref>European Homecare Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Essen, Jahresabschluss zum 31. Dezember 2016, abgerufen über unternehmensregister.de.</ref> Im Auftrag der Bundesländer und Kommunen betrieb das Unternehmen im Jahr 2019 124 Einrichtungen in Deutschland, darunter Erstaufnahmeeinrichtungen, Ankunftszentren, Gemeinschaftsunterkünfte, Notunterkünfte oder Unterbringungseinrichtungen für Ausreisepflichtige sowie Anlaufstellen für Obdachlose.<ref>European Homecare Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Essen, Jahresabschluss zum 31. Dezember 2019, abgerufen über unternehmensregister.de.</ref>
Das Unternehmen beschäftigt in den Einrichtungen je nach behördlichen Vorgaben u. a. Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Sozialbetreuer, Erzieher, Gesundheits- und Krankenpfleger, sowie Haus-, Küchen- und Reinigungspersonal, Dolmetscher und Sicherheitspersonal. Viele der Mitarbeiter verfügen über Fremdsprachenkenntnisse und haben selbst einen Migrationshintergrund. Insgesamt werden über 70 verschiedene Sprach- und Kulturräume abgedeckt.<ref>Kathrin Schmitz: Ehrenamt. In: European Homecare. Abgerufen am 30. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2023 wurde European Homecare durch das britische Dienstleistungsunternehmen Serco übernommen.<ref>Acquisition of European Homecare, a leading provider of immigration services in Germany. Serco Group Plc, 14. Dezember 2023, abgerufen am 23. Juni 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Geschäftstätigkeit[Bearbeiten]
Die Dienstleistungen des Unternehmens umfassen neben dem organisatorischen Betrieb der Einrichtung die Verpflegung der Bewohner durch Kantinenbetrieb mit eigenen Großküchen<ref>Das 'Gockelmobil' kommt immer gut an, Südwest Presse vom 20. November 2015.</ref>, die soziale und medizinische Betreuung<ref>Neruer Dienstleister für die LEA, Schwäbische Zeitung vom 6. August 2019.</ref> auch unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, Bewachung, Sprachkurse und weitere Integrationsmaßnahmen. Das Unternehmen versteht sich als der „Aldi unter den Anbietern“.<ref name="TAZ">Yasmin Polat, Pascale Müller: Machtmissbrauch in Unterkünften: Sie suchten Schutz. In: Die Tageszeitung. 13. November 2017, abgerufen am 9. Juni 2026.</ref>
Missstände[Bearbeiten]
Neben den Lebensbedingungen in den Einrichtungen wurde die Auswahl der Mitarbeiter und deren Verhalten kritisiert. So hätten unter anderem Rechtsextreme als Wachmänner gearbeitet, welche von dem Sicherheitsunternehmen SKI angestellt wurden.<ref name="Razzia">Gewalt gegen Flüchtlinge in NRW: Chef der Sicherheitsfirma: „Schäme mich entsetzlich“. In: Rheinische Post. 6. Oktober 2014, abgerufen am 9. Juni 2026.</ref> Seit 2014 kam es in Einrichtungen von European Homecare wiederholt zu Misshandlungen von untergebrachten Flüchtlingen, darunter 2016 die Vergewaltigung einer Bewohnerin durch einen Heimleiter.<ref name="TAZ" /> Die Firmenzentrale in Essen wurde im Herbst 2014 von Ermittlern durchsucht.<ref name="Razzia" /> In Burbach hatten Wachleute und Betreuer des Flüchtlingsheims, gedeckt von der Heimleitung, Asylbewerber eingesperrt, verprügelt und erniedrigt – und sich dabei fotografiert.<ref>Barbara Schmidt-Mattern: Kontrollversagen der Politik. In: Deutschlandfunk. 29. September 2014, abgerufen am 9. Juni 2026.</ref> Die Ermittler sprachen von Bildern, „die man sonst nur aus Guantanamo kennt“.<ref>Prozess wegen Misshandlungen im Flüchtlingsheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. November 2018, abgerufen am 28. Januar 2024.</ref> Im November 2018 begann der Prozess vor dem Landgericht Siegen gegen mehr als 30 Mitarbeiter und Securities.<ref>Christian Parth, Jörg Diehl: Burbach: Prozess wegen Misshandlungen im Flüchtlingsheim beginnt. In: Spiegel Online. 7. November 2018, abgerufen am 27. Januar 2024.</ref> Der Heimleiter wurde wegen systematischer Freiheitsberaubung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Bei der Betreiberfirma European Homecare sei „von Fortbildungen nie die Rede gewesen“.<ref>Annette Hauschild: Misshandelte Flüchtlinge in Burbach: Bewährungsstrafe für den Heimleiter. In: Die Tageszeitung. 23. Januar 2019, abgerufen am 7. März 2024.</ref> Trotz des Skandals in Nordrhein-Westfalen wurde das Unternehmen nach 2014 von den Behörden verschiedener Bundesländer immer wieder mit der Führung großer Unterkünfte beauftragt und erhielt unter anderem die Erstaufnahmeeinrichtung in Sachsen und das größte Ankunftszentrum in Niedersachsen. In den Jahren der Flüchtlingskrise kam es 2016/17 unter anderem in Finnentrop, Niederkrüchten und Essen zu erneuten Vorfällen.<ref name="TAZ" />
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />