FODMAP
Das Akronym FODMAP ist die englische Abkürzung für fermentable oligo-, di-, monosaccharides and polyols (deutsch fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole, vereinfacht etwa „vergärbare Mehrfach-, Zweifach-, Einfachzucker und mehrwertige Alkohole“). Es bezeichnet eine Gruppe von Kohlenhydraten und Zuckeralkoholen, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommen und im Dünndarm nur schlecht resorbiert werden. Dieser Gruppe werden Fructose (Monosaccharid), Lactose (Disaccharid), Fructane, Galactooligosaccharide (Oligosaccharide) und Sorbit sowie Mannit (Polyole) zugerechnet.<ref>What are FODMAPs?. Stand 2. September 2018.</ref>
In einer 2010 veröffentlichten klinischen Studie wurde erstmals von einer positiven Wirkung einer FODMAP-armen Ernährung auf die Symptomatik funktioneller Darmerkrankungen, z. B. des Reizdarmsyndroms (RDS), berichtet.<ref name="pmid20136989"></ref> Sie wird in der S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom zur Symptomlinderung bei Erwachsenen empfohlen.<ref>S3-Leitlinie Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. In: AWMF online (Stand 2021)</ref>
Konzept[Bearbeiten]
RDS ist eine Ausschlussdiagnose. Diese wird gestellt, wenn Magen-Darm-Beschwerden wie z. B. Durchfall und/oder Verstopfung, Blähungen, Bauchschmerzen oder Übelkeit trotz Ausschluss möglicher zugrunde liegender Erkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa bestehen oder aber (wie z. B. bei Laktoseintoleranz) trotz einer adäquaten Ernährungsweise nicht verschwinden. Die Behandlung dieses Syndroms gestaltet sich als entsprechend schwierig.
Peter Gibson und Susan Shepherd führten 2010 eine klinische Untersuchung mit Reizdarm-Patienten durch und stellten fest, dass sich deren Symptome bei Einhalten einer FODMAPs-armen Ernährungsweise reduzierten.<ref name="pmid20136989" /> Das FODMAP-Konzept beruht auf der Annahme, dass die funktionellen Magen-Darm-Beschwerden bei RDS unter anderem auf Blähungen im Darmbereich zurückzuführen sind.<ref name="pmid16817837"></ref> Was im Umkehrschluss einen möglichen Zusammenhang zu einer vorangegangenen einseitigen Ernährungsweise ergibt, hinsichtlich einer Darmflora, die bei Betroffenen aus einer Ernährung entstanden ist, welche stark unverzweigte und simple Kohlenhydrate favorisiert.<ref>Ernährungsberatung Rheinland-Pfalz: Vergessene Gemüse: Schwarzwurzeln.</ref>
FODMAPs werden im Dünndarm nur unvollständig resorbiert und gelangen in den Dickdarm, wo sie von der Darmflora fermentiert (vergoren) werden.<ref name="Buch_zur_RDS-Behandlung_mit_FODMAPs-Eliminierung">Patsy Catsos: IBS - Free at Last with the FODMAP Elimination Diet In: Pond Cove Press.</ref> Die Beschwerden werden vor allem über zwei Mechanismen erklärt. Zum einen wirken FODMAPs als kleine, wasserlösliche Moleküle osmotisch und binden schon im Dünndarm Wasser, wodurch die Flüssigkeitsmenge im Darmlumen steigt. Zum anderen entstehen bei ihrer Fermentation im Dickdarm Gase wie Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid. Beide Vorgänge führen zu einer Dehnung der Darmwand. Bei Personen mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit des Darms (viszeraler Hypersensitivität) löst diese Dehnung über die Reizung von Mechanorezeptoren die typischen Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und veränderte Stuhlgewohnheiten aus.<ref name="Frusano_WasIstFodmap">Frusano: Was ist FODMAP? In: frusano.com. Abgerufen am 7. Juli 2026.</ref> Das Ausmaß der beiden Effekte hängt von der Art des FODMAPs ab. Kleinere Moleküle wie Fructose und die Zuckeralkohole wirken stärker osmotisch, während längerkettige Verbindungen wie Fructane vor allem fermentiert werden.<ref name="StaudacherWhelan2017">Heidi M. Staudacher, Kevin Whelan: The low FODMAP diet: recent advances in understanding its mechanisms and efficacy in IBS. In: Gut. Band 66, Nr. 8, 2017, S. 1517–1527, doi:10.1136/gutjnl-2017-313750.</ref> Daneben werden weitere, weniger gut gesicherte Mechanismen wie eine Beeinflussung der viszeralen Schmerzwahrnehmung, der Darmbarriere, der Darmflora und der Darmbewegung diskutiert.<ref name="Bertin2024">Luisa Bertin et al.: The Role of the FODMAP Diet in IBS. In: Nutrients. Band 16, Nr. 3, 26. Januar 2024, S. 370, doi:10.3390/nu16030370, PMID 38337655 (englisch).</ref>
Eine Unverträglichkeit gegenüber FODMAPs kann eine der Ursachen einer Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität sein.<ref name=":0">S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS). In: AWMF online (Stand 2021), S. 841</ref>
FODMAP-arme Ernährung[Bearbeiten]
Bei der FODMAP-armen oder FODMAP-reduzierten Ernährung werden FODMAPs in nur geringer Menge zu sich genommen. FODMAPs kommen in unterschiedlichen Mengen in verschiedenen Nahrungsmitteln vor:
- Fructose ist Bestandteil der meisten Obst- und Gemüsesorten. Jedoch weisen verschiedene Früchte unterschiedliche Fructosegehalte auf und werden somit z. B. auch bei Fructosemalabsorption unterschiedlich gut vertragen. So enthalten beispielsweise Äpfel etwa 5,9 g Fructose in 100 g, Gurken jedoch nur 0,86 g.<ref name="Fructosegehalte unterschiedlicher Speisen">Fructosegehalte unterschiedlicher Speisen, Stand 11. August 2013.</ref> Ein entscheidender Faktor für die Verträglichkeit von Obst oder Gemüse ist unter anderem auch das Verhältnis von Glucose zu Fructose: Ein Lebensmittel gilt als gut verträglich bei einer Malabsorption, wenn dieses Verhältnis nicht kleiner 1 ist.<ref name="Fructosegehalte unterschiedlicher Speisen" />
- Lactose ist das dominierende Kohlenhydrat der Milch und somit in allen herkömmlichen Milchprodukten zu finden. Auch bezüglich dieses Zuckergehalts unterscheiden sich Produkte: Während Kondensmilch 9 bis 13 Gramm Lactose in 100 Gramm enthält, sind es bei Hartkäsesorten nur bis 0,4 Gramm.<ref name="Lactosegehalte unterschiedlicher Speisen">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Lactosegehalte unterschiedlicher Speisen ( vom 1. Juni 2013 im Internet Archive). Stand 11. August 2013.</ref>
- Sorbitol wird, wie weitere Zuckeralkohole (Erythrit, Isomalt, Laktit, Mannit und Xylit), häufig als Süßstoff in zuckerreduzierten oder zuckerfreien Lebensmitteln eingesetzt<ref name="Rezeptbuch für zuckerfreie Backspeisen">Dr. Andrea Flemmer und Anne Kamp: Stevia: Die gesunde und kalorienfreie Zuckeralternative (GU-Ratgeber Gesundheit) In: GU-Verlag.</ref>, kommt jedoch in größerer Menge auch in einigen Obstsorten vor, z. B. in Pflaumen, Aprikosen, Äpfeln und Birnen.
- Oligosaccharide können bei der industriellen Fermentation von Weizen- oder anderen Getreidemehlen entstehen. Auch Urgetreide können hohe Gehalte an Oligosacchariden haben. Dem kann durch eine geeignete Teigführung entgegengewirkt werden<ref></ref>.
Die wichtigste Voraussetzung, die vor der Umstellung auf eine FODMAP-arme Ernährungsweise erfüllt sein muss, ist der Ausschluss organischer Erkrankungen, die zu RDS-ähnlichen Symptomen im Magen-Darm-Trakt führen können. Bei entsprechenden Intoleranzen (Unverträglichkeiten) oder Allergien sollten außerdem entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, in erster Linie das Vermeiden der symptomauslösenden Speisen.
Tabellen mit den FODMAP-Gehalten vieler Lebensmittel finden sich mittlerweile in deutschsprachigen Büchern und auf vor allem englischsprachigen Internetseiten. Grundsätzlich gilt: Jegliche Ernährungsumstellung sollte idealerweise unter ärztlicher Aufsicht oder mithilfe eines qualifizierten Ernährungsberaters durchgeführt werden. Zeitlich begrenzt kann eine Diätumstellung aber auch ohne ärztliche Kontrolle versucht werden. Weiterhin gilt es, individuelle (Un-)Verträglichkeiten unterschiedlicher FODMAPs-haltiger und -freier Nahrungsmittel zu beachten, da jede Person unterschiedlich auf dasselbe Nahrungsmittel reagieren kann.<ref name="Buch zur RDS-Behandlung mit FODMAPs-Diät">Martin Storr Der große Patientenratgeber Reizdarmsyndrom mit FODMAP-Diät In: Zuckschwerdt-Verlag – Ratgeber, ISBN 978-3-86371-182-5</ref><ref name="Buch zur FODMAP-Diät">Martin Storr: Der Ernährungsratgeber zur FODMAP-Diät. Die etwas andere Diät bei Reizdarm, Weizenunverträglichkeit und anderen Verdauungsstörungen In: Zuckschwerdt-Verlag – Ratgeber.</ref> Daher sollte eine FODMAP-reduzierte Diät nur für einen begrenzten Zeitraum durchgeführt werden. Danach werden verschiedene Lebensmittel der unterschiedlichen FODMAP-Gruppen wieder eingeführt, um deren Verträglichkeit, bzw. die jeweils verträgliche Menge zu testen. Auf diese Weise wird die Ernährungsweise individuell angepasst und anschließend in dieser modifizierten Form fortgesetzt.<ref>Starting the Low FODMAP Diet. Stand 2. September 2018.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2
Weblinks[Bearbeiten]
- Monash University: Low FODMAP diet and lists of available resources
- Stanford University: The Low FODMAP Diet (pdf)
- Reizdarm: So bessert eine FODMAP-arme Diät die Beschwerden | Die Ernährungs-Docs | NDR
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />