Henrymeyerit
| Henrymeyerit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1999-016<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Hmy<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen |
Ba-Fe-Priderit<ref name="Mineralienatlas" /> |
| Chemische Formel | BaFe2+Ti7O16<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide und Hydroxide |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
IV/D.08-033<ref name="Lapis" /> 4.DK.05 07.09.01.06 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | tetragonal-dipyramidal; 4/m |
| Raumgruppe | I4/m (Nr. 87)<ref name="Mitchell-et-al" /> |
| Gitterparameter | a = 10,219 Å; c = 2,963 Å<ref name="Mitchell-et-al" /> |
| Formeleinheiten | Z = 1<ref name="Mitchell-et-al" /> |
| Häufige Kristallflächen | {100}, {110}, {101}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5 bis 6<ref name="Mitchell-et-al" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 4,0; berechnet: 4,2<ref name="Mitchell-et-al" /> |
| Spaltbarkeit | keine |
| Bruch; Tenazität | splitterig; sehr spröde<ref name="Mitchell-et-al" /> |
| Farbe | schwarz, im Auflicht graubraun<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Strichfarbe | rötlichbraun<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Transparenz | undurchsichtig (opak)<ref name="Mitchell-et-al" /> |
| Glanz | Diamantglanz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
Henrymeyerit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung BaFe2+Ti7O16<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein Barium-Eisen-Titan-Oxid, genauer ein Barium-Eisen-Titanat vom Typ Hollandit.<ref name="Mitchell-et-al" />
Henrymeyerit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und fand sich bisher in Form von nadeligen bis prismatischen Kristallen von bis zu 0,2 mm Größe mit einem diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist durchweg undurchsichtig (opak) und von schwarzer Farbe, kann im Auflicht aber auch graubraun erscheinen. Seine Strichfarbe ist dagegen rötlichbraun.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Entdeckt wurde Henrymeyerit in Mineralproben aus dem Bergwerk Kowdor im gleichnamigen Bergmassiv in der Oblast Murmansk auf der nordwestrussischen Halbinsel Kola. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch ein internationales Mineralogenteam, bestehend aus Roger H. Mitchell (Kanada), Viktor N. Yakovenchuk (Russland), Anton R. Chakhmouradian (Kanada), Peter C. Burns (USA) und Yakov A. Pakhomovsky (Russland). Sie benannten das Mineral nach Henry Oostenwald Albertjin Meyer (1937–1995), um seine Verdienste im Bereich der Petrologie und Mineralogie von Xenolithen und Kimberliten zu ehren.<ref name="Mitchell-et-al" />
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1999 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer IMA: 1999-016<ref name="IMA-Liste" />), die den Henrymeyerit als eigenständige Mineralart anerkannte. Veröffentlicht wurde die Erstbeschreibung ein Jahr später im Fachmagazin The Canadian Mineralogist. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Henrymeyerit lautet „Hmy“.<ref name="Warr" />
Das Typmaterial des Minerals wird im Institut für Geologie, Wissenschaftszentrum Kola der Russischen Akademie der Wissenschaften ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), kurz Geol. Inst., Kola Branch; GIKB) aufbewahrt. Eine Katalognummer der Probe ist allerdings nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />
Klassifikation[Bearbeiten]
Da der Henrymeyerit erst 1999 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/D.08-033. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 (MO2 und verwandte Verbindungen)“, wo Henrymeyerit zusammen mit Cesàrolith, Coronadit, Ferrihollandit, Hollandit, Kryptomelan, Manjiroit, Mannardit, Priderit, Redledgeit und Strontiomelan die „Kryptomelangruppe“ mit der Systemnummer IV/D.08 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Henrymeyerit ebenfalls in die Abteilung „Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit großen (± mittelgroßen) Kationen; Tunnelstrukturen“ zu finden, wo es zusammen mit Akaganeit, Coronadit, Hollandit, Manjiroit, Mannardit, Priderit und Redledgeit die „Hollanditgruppe“ mit der Systemnummer 4.DK.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Henrymeyerit die System- und Mineralnummer 07.09.01.06. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der gleichnamigen Unterabteilung „Mehrfache Oxide“ in der „Kryptomelangruppe (Hart, schwarz, feinkörnig)“, in der auch Hollandit, Kryptomelan, Manjiroit, Coronadit und Strontiomelan eingeordnet sind.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Henrymeyerit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe Raumgruppe I4/m (Raumgruppen-Nr. 87) mit den Gitterparametern a = 10,219 Å und c = 2,963 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.<ref name="Mitchell-et-al" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Henrymeyerit bildete sich an seiner Typlokalität im alkalischen ultramafischen Kowdor-Komplex auf der Halbinsel Kola in Adern der dort vorliegenden Tetraferriphlogopit-Calcit-Dolomit-Karbonatite. Das Mineral tritt dort in Paragenese neben den bereits genannten noch mit Fluorapatit, Rimkorolgit, Katapleiit, Collinsit und Pyrit sowie möglicherweise auch mit niobhaltigem Anatas auf.<ref name="Mitchell-et-al" />
Weltweit sind für Henrymeyerit bisher nur etwas mehr als 10 Vorkommen dokumentiert (Stand 2024).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Außer in der Kowdor-Mine trat das Mineral im Kowdor-Massiv noch im nahe gelegenen Eisenerz-Tagebau Zheleznyi und innerhalb der Oblast Murmansk noch in den Chibinen, genauer am Eweslogtschorr, Raswumtschorr und Juksporr (Material'naya-Stollen) sowie am Kuamdespachk in der Lowosero-Tundra auf. Daneben fand sich Henrymeyerit in Russland nur noch Bol'shetagninskoe-Massiv in der Oblast Irkutsk.<ref name="Fundorte" />
Weitere bisher bekannte Fundorte sind die Jetty-Halbinsel in der Antarktis, der „Ice River“-Alkalikomplex der Golden Mining Division in British Columbia und der Karbonatitkomplex am Schryburt Lake im Kenora District Ontario in Kanada, der ultrapotassische Lamproit-Dyke bei Šebkovice im tschechischen Okres Třebíč, der vorwiegend agpaitische Ilimmaasaq-Komplex im Südwesten Grönlands sowie in den Nephelinsyenit-Pegmatiten der Bearpaw Mountains im Hill County und bei Gordon Butte, wo Nephelinsyenit-Pegmatit-Dykes kalihaltige alkalische Gesteine durchdringen, im Meagher County in Montana.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Henrymeyerit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Henrymeyerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- David Barthelmy: Henrymeyerite Mineral Data. In: webmineral.com. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- IMA Database of Mineral Properties – Henrymeyerite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Henrymeyerite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Henrymeyerit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 10. November 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 10. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: November 2024. (PDF; 2,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, November 2024, abgerufen am 10. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – G. (PDF 191 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 10. November 2024 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Henrymeyerit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 10. November 2024. </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Henrymeyerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mitchell-et-al"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>