Karl Landsteiner
Karl Landsteiner (* 14. Juni 1868 in Baden bei Wien; † 26. Juni 1943 in New York) war ein österreichisch-US-amerikanischer Pathologe, Hämatologe und Serologe, der 1900 das AB0-System der Blutgruppen entdeckte, wofür er 1930 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Zusammen mit Erwin Popper gelang ihm 1908 der experimentelle Nachweis, dass die Poliomyelitis (Kinderlähmung) eine durch Infektion übertragbare Krankheit ist. 1921 führten ihn weitere Arbeiten zur Prägung des Begriffs Hapten. Landsteiner gelang es zusammen mit Clara Nigg in den Jahren 1930–1932, den Erreger des Fleckfiebers in lebenden Gewebekulturen zu züchten. 1940 beschrieb er mit Alexander Solomon Wiener und Philip Levine den Rhesusfaktor, eine Blutkörpercheneigenschaft. Er gilt als „Vater der Immunhämatologie“.
Leben[Bearbeiten]
Herkunft[Bearbeiten]
Landsteiners Vater Leopold (* 1817 in Wien; † 22. Februar 1875 ebenda) war ein bekannter Journalist und der erste Chefredakteur der Zeitung Die Presse. Seine Mutter Fanni Landsteiner geb. Hess (1837–1908)<ref name="Bio Angetter" /> war 20 Jahre jünger als der Vater, sie stammte aus einer mährischen Handelsfamilie. Elf Jahre nach der Hochzeit der Eltern<ref>Michael Heidelberger: Karl Landsteiner. 1868–1943. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society, Band 40. Washington D.C. 1969, S. 176–209 (PDF; 1,8 MB), hier S. 177.</ref> wurde Karl Landsteiner in Baden geboren, wo seine Eltern immer wieder die Sommer verbrachten. Landsteiners Vater starb mit 58 Jahren, als Karl sechs Jahre alt war.
Ausbildung[Bearbeiten]
Landsteiner bestand am heutigen Gymnasium Wasagasse in Wien (damals K. K. Staatsgymnasium im IX. Bezirke Wiens) die Matura mit Vorzug.<ref name="Große Österreicher">Pia Maria Plechl: Karl Landsteiner. In: Thomas Chorherr (Hrsg.): Große Österreicher. Ueberreuter, Wien/Heidelberg 1985, ISBN 3-8000-3212-0.</ref>
Ab 1885 studierte er an der Universität Wien Medizin. 1891 wurde er dort promoviert. Nach seiner Promotion studierte Landsteiner mehrere Jahre lang im Ausland Chemie: in Zürich bei Arthur Hantzsch, in Würzburg bei dem Nobelpreisträger Emil Fischer und in München bei Eugen Bamberger.<ref name="ÖBL" /> In den Jahren 1892 bis 1894 erschienen seine ersten vier wissenschaftlichen Publikationen – in Fachzeitschriften für Chemie. Seine erste Publikation war eine Arbeit über den Einfluss der Nahrung auf die Zusammensetzung des Blutes. Die beiden nächsten Schriften publizierte er gemeinsam mit Fischer bzw. mit Bamberger.<ref>Michael Heidelberger: Karl Landsteiner. 1868–1943. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society, Band 40. Washington D.C. 1969, S. 176–209 (PDF; 1,8 MB), hier S. 188.</ref>
Dann kehrte er nach Wien zurück. 1894/95 erwarb er als Operationszögling an der 1. Chirurgischen Universitätsklinik Kenntnisse in der Chirurgie.<ref name="ÖBL" />
Tätigkeiten in Wien[Bearbeiten]
Nach dem Abschluss seiner chirurgischen Ausbildung verschrieb sich Landsteiner erneut der Theorie. 1896 wurde er Assistent am von Max von Gruber geleiteten Hygienischen Institut.<ref>Michael Heidelberger: Karl Landsteiner. 1868–1943. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society, Band 40. Washington D.C. 1969, S. 176–209 (PDF; 1,8 MB), hier S. 178.</ref> Dort führte er Studien über den Mechanismus der Immunität und das Wesen von Antikörpern durch. Zwischen 1897 und 1908 war Landsteiner Assistent an der Pathologischen Anatomie der Universität Wien. In dieser Zeit führte er 3639 Sektionen durch.<ref name="ÖBL" /> Danach war er bis 1919 Prosektor am Wilhelminenspital in Wien.
1903 habilitierte er sich bei Anton Weichselbaum im Fach Pathologie. 1911 wurde er zum außerordentlichen Professor für Pathologie ernannt.
Den Haag[Bearbeiten]
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war die wirtschaftliche Not in Österreich groß und die Perspektiven für eine akademische Karriere in Wien schienen ungewiss. Landsteiner nahm daher Stellenangebote aus dem Ausland an. 1919 ging er nach Den Haag, wo er die Prosektur eines kleinen Katholischen Krankenhauses leitete. Er blieb weiter wissenschaftlich aktiv. In zwölf Veröffentlichungen behandelte er verschiedene serologische Probleme.
New York[Bearbeiten]
1922 wurde Landsteiner an das Rockefeller Institute for Medical Research in New York berufen.<ref name="ÖBL" /> Diesen Ruf nahm er im Jahr 1923 an.<ref name="Bio Angetter" /> Seit 1929 hatten er und seine Frau die amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1939 gehörte er weiterhin dem Rockefeller Institute an.<ref name="ÖBL" /> Er durfte ein Laboratorium behalten und arbeitete dort weiter bis zu seinem Tod.<ref name="Bio Angetter">Daniela Angetter: Biografie Karl Landsteiners auf der Website der ÖAW.</ref>
In seinen letzten Lebensjahren galt seine Aufmerksamkeit auch der Onkologie. Seine Frau litt an einer bösartigen Geschwulst an der Schilddrüse, und um ihr helfen zu können, studierte er maligne Geschwülste, leider ohne den ersehnten Erfolg.<ref name="Große Österreicher" />
Privates[Bearbeiten]
Religion[Bearbeiten]
Die Landsteiners waren jüdischen Glaubens. Wegen einer Eintragung über seine Beschneidung in Wien galt lange Zeit Wien als Landsteiners Geburtsort. Als der Börsenkrach von 1873 mit der wirtschaftlichen Stagnation in die „Gründerkrise“ überging, wurden auch Juden dafür verantwortlich gemacht. Im Rahmen einer großen Austrittswelle aus dem jüdischen Glauben in Wien konvertierte Landsteiner im Jahr 1890 gemeinsam mit seiner Mutter<ref name="Bio Angetter" /> vom Judentum zum römisch-katholischen Glauben.<ref>Anna L. Staudacher: „… meldet den Austritt aus dem mosaischen Glauben“. 18.000 Austritte aus dem Judentum in Wien, 1868–1914: Namen – Quellen – Daten. Peter Lang, Frankfurt 2009, ISBN 978-3-631-55832-4, S. 349.</ref>
1937 stand die Publikation des Buches Who’s Who in American Jewry („Who’s Who des amerikanischen Judentums“) an, in der auch Landsteiner beschrieben wurde. Landsteiner versuchte gerichtlich dagegen vorzugehen. Er verlangte 100.000 US-Dollar Schadensersatz (nach heutiger Kaufkraft ca. 2,2 Millionen US-Dollar) für den Fall, dass das Buch mit dem Artikel über ihn erscheinen würde. Landsteiner behauptete, dass die Publikation seiner Biografie in diesem Buch ihm privat und beruflich einen irreparablen Schaden zufügen würde. Ein vergleichbarer Lexikon-Eintrag zu Landsteiner war bereits 1935 in der Biographical Encyclopedia of American Jews publiziert worden.<ref>Dr. Landsteiner Sues to Escape Being Labelled Jew, Jewish Telegraphic Agency, 6. April 1937.</ref> Landsteiners Widerstand gegen die Publikation blieb erfolglos.
Familie[Bearbeiten]
1916 heiratete Landsteiner nach jahrelanger Verlobungszeit Leopoldine Helene Wlasto (1880–1943), die Tochter des Mesners der griechisch-orientalischen Georgskirche in Wien. Sie konvertierte zum römisch-katholischen Glauben ihres Mannes. 1917 wurde der Sohn Ernst Karl geboren. Zuvor hatte Landsteiner ein Haus in der Gemeinde Purkersdorf gekauft.
In den USA lebten Landsteiner und seine Frau in einem kleinen Haus nahe dem Leuchtturm Sankaty Head Light auf Nantucket, einer Insel vor der Küste in Massachusetts. Hier konnte er sich in Ruhe seiner Arbeit widmen.<ref>Am Grab von Karl Landsteiner, Karl Landsteiner Privatuniversität.</ref>
Persönlichkeit[Bearbeiten]
Landsteiner hatte eine sehr enge Beziehung zu seiner Mutter. Ihre Totenmaske hing bis zu seinem Tod in seinem Schlafzimmer.
Landsteiner war ein ausgezeichneter Pianist. Er hatte einen großen Bechstein-Flügel in seinem Salon. Privat las er gerne, unter anderem Kriminalromane.
Tod[Bearbeiten]
Am 24. Juni 1943, mit 75 Jahren, erlitt Landsteiner während der Arbeit in seinem Labor am Rockefeller-Institut einen Herzinfarkt, dem er zwei Tage später erlag.<ref name="Große Österreicher" /> Seine Frau starb im selben Jahr am Weihnachtstag. Beide wurden Seite an Seite am Prospect Hill Cemetery in Nantucket beigesetzt.<ref>Karl Landsteiner und Leopoldine Helene Wlasto Landsteiner bei Find a Grave.</ref>
Der Sohn Ernst Karl Landsteiner wurde Urologe und arbeitete in Providence in Rhode Island. Im Ruhestand zog er mit seiner Frau nach Florida. Er hatte zwei Kinder und mehrere Enkel. 2007 starb er im Alter von 89 Jahren.<ref>Ernst Karl Landsteiner bei Find a Grave.</ref>
Wissenschaftliche Leistungen[Bearbeiten]
Entdeckung der Blutgruppen[Bearbeiten]
Landsteiner bemerkte 1900, dass Blut zweier Menschen beim Vermischen oft verklumpte. Die Beobachtung war ihm in ihrer Tragweite beim Verfassen des Manuskriptes noch nicht offenbar, denn er schildert den Vorgang der Hämagglutination lediglich in einer Fußnote:
„Das Serum gesunder Menschen wirkt nicht nur auf tierische Blutkörperchen agglutinierend, sondern öfters auch auf menschliche, von anderen Individuen stammende. Es bleibt zu entscheiden, ob diese Erscheinung durch ursprünglicher individuelle Verschiedenheiten oder durch erfolgte Einwirkung von Schädigungen etwa bakterieller Natur bedingt ist. Thatsächlich fand ich das erwähnte Verhalten bei Blut, das von Schwerkranken herrührte, besonders ausgeprägt.“
Und er berichtete, dass dieser Effekt auch durch Kontakt von Blut mit Blutserum eintrat.
In seiner Arbeit Ueber Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes (1901) forderte er erstmals, wiederum in einer Fußnote, es müsse drei Blutgruppen geben.<ref>Karl Landsteiner: Ueber Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes. In: Wiener klinische Wochenschrift. Band 14, Nr. 46, 1901, S. 1132–1134. doi:10.1016/B978-012448510-5.50165-5.</ref> Es gelang ihm, die Blutgruppenmerkmale A, B und 0 (letzteres damals als C bezeichnet) zu identifizieren. Damit hatte Landsteiner das wichtigste Blutgruppensystem entdeckt, das heute als AB0-System bekannt ist. Das vierte Blutgruppenmerkmal AB wurde allerdings erst 1902 von zwei anderen Medizinern in Wien entdeckt: Alfred von Decastello-Rechtwehr (1872–1960) und dessen Mitarbeiter Adriano Sturli (1873–1964). 1910 schlugen Emil von Dungern und Ludwik Hirszfeld die AB0-Nomenklatur vor; diese wurde 1928 international übernommen.
Die Entdeckung der AB0-Blutgruppen ermöglichte ab 1907 die risikoarme Durchführung von Bluttransfusionen, die zuvor lebensgefährlich waren. Damals wurde Blut noch direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Ab 1914 wurden mit Citratlösung haltbar gemachte Blutkonserven verwendet. Heutzutage werden bei Bluttransfusionen nur Erythrozyten-Konzentrate ohne Blutserum übertragen.
Aus Landsteiners Entdeckung folgten auch Abstammungsuntersuchungen im Sinne eines Vaterschaftstests. In einigen Fällen kann eine biologische Vaterschaft durch ein Blutgruppengutachten ausgeschlossen werden. 1924 wurden in Deutschland die ersten Abstammungsgutachten dieser Art vorgelegt. Einige Jahre später wurden diese Tests auch gerichtlich anerkannt.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Die Feststellung der Vaterschaft unabhängig von Anfechtungsverfahren: das neue Abstammungsrecht unter besonderer Berücksichtigung der Perspektive der Väter. Hrsg.: Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name. Peter Lang, Vorlage:Cite book/Date, ISBN 978-3-631-60264-5, [ ], S. 7 (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -11-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Für die Entdeckung der Blutgruppen erhielt Landsteiner 1930 den Nobelpreis für Medizin.
Paroxysmale Kältehämoglobinurie[Bearbeiten]
Im Jahr 1904 gelang es Landsteiner zusammen mit Julius Donath, die Entstehung der Paroxysmalen Kältehämoglobinurie aufzuklären. In der Folge konnte die Donath-Landsteiner-Reaktion als Test zur Diagnosesicherung entwickelt werden.
Syphilis[Bearbeiten]
Die Darstellung von Spirochaeta pallida, dem Erreger der Syphilis mittels Dunkelfeldmikroskopie, und die Einführung des Rinderherzextraktes als Reagens der Wassermann-Reaktion waren essentielle Beiträge zur Syphilis-Diagnostik.
Poliomyelitis[Bearbeiten]
Im Jahr 1908 versuchte Landsteiner den Erreger der Poliomyelitis (Kinderlähmung) zu finden. Der Anlass war eine Polio-Epidemie in Wien. Landsteiner entdeckte zusammen mit Erwin Popper das Poliovirus, womit der endgültige Nachweis gelang, dass Kinderlähmung eine infektiöse Krankheit ist. Bewiesen wurde dies durch die Injektion von Rückenmarksflüssigkeit eines an der Krankheit verstorbenen Kindes auf Affen und die darauf folgende Übertragung von einem Tier zum nächsten.<ref>Karl Landsteiner, Ernst Popper: Übertragung der Poliomyelitis acuta auf Affen. In: Zeitschrift für Immunitätsforschung und experimentelle Therapie, Band 2 (1909), S. 377–390.</ref> Er legte damit die Grundlagen für die spätere (1948/55) Entwicklung des Impfstoffes gegen die Kinderlähmung des MS-Forschers Jonas Edward Salk (1914–1995).
Haptene[Bearbeiten]
1921 berichtete er über niedermolekulare „spezifische Substanzen“, die die Bindung an ein Protein benötigen, um ein Vollantigen zu werden, und für die er die Bezeichnung „Haptene“ vorschlug.
Fleckfieber[Bearbeiten]
in den Jahren 1930–1932 gelang es Landsteiner zusammen mit Clara Nigg, den Fleckfieber-Erreger Rickettsia prowazekii in lebenden Gewebekulturen zu züchten.
Rhesusfaktor[Bearbeiten]
1940 beschrieb Landsteiner zusammen mit seinen Schülern Philip Levine und Alexander Solomon Wiener den Rhesusfaktor, den er im Blut von Rhesusaffen entdeckt hatte. Dadurch wurde die IgG-Anti-D-Prophyalxe des Morbus haemolyticus neonatorum, einer schwerwiegenden und komplexen Gesundheitsstörung des Fetus und des Neugeborenen, möglich.
Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]
Paul Speiser (1920–2009) beklagte in seiner Landsteiner-Biographie, dass ein angemessenes Gedenken gerade in Österreich erst spät begonnen habe. Er lobte die Entscheidung, Landsteiner ab 1997 auf dem blauen Tausender der letzten Schilling-Banknotenserie zu würdigen.<ref>Dietmar Grieser: Heimat bist du großer Namen: Österreicher in aller Welt. Amalthea Signum Verlag, 2017, ISBN 978-3-903083-86-8, Kapitel über Karl Landsteiner.</ref>
Zu Lebzeiten[Bearbeiten]
- Jubiläumskreuz für Zivilstaatsbedienstete<ref>Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, 1918, S. 529, rechte Spalte.</ref>
- 1926 Jahrespreis der Hans Aronson-Stiftung Berlin<ref name="ÖBL">Paul Speiser: Landsteiner, Karl. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 433 f. (Direktlinks auf S. 433, S. 434).</ref>
- 1930 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin
- 1930 Erster Träger der Goldenen Paul-Ehrlich-Medaille
- 1933 Goldene Medaille der Niederländischen Gesellschaft des Roten Kreuzes<ref name="ÖBL" />
- 1938 Cameron Prize for Therapeutics der University of Edinburgh<ref name="ÖBL" />
- Ehrendoktorate der Universitäten Chicago, Cambridge, Brüssel und Harvard<ref name="ÖBL" /> (jedoch keines von seiner Heimatuniversität Wien)
Mitgliedschaften
- American Association of Immunologists (1927–1928 Präsident)
- 1927 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
- 1931 Ehrenmitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien<ref name="ÖBL" />
- 1932 Mitglied der National Academy of Sciences
- 1935 Mitglied der American Philosophical Society<ref>American Philosophical Society – Member History: Karl Landsteiner</ref>
- 1941 Auswärtiges Mitglied der Royal Society<ref name="ÖBL" />
Postum[Bearbeiten]
- 1946 Lasker~DeBakey Clinical Medical Research Award
- 1958 Ehrung in der Polio Hall of Fame
- 1961 Gedenktafel im Arkadenhof der Wiener Universität, mit einem von Arnold Hartig geschaffenen Relief-Porträt
- 1968 Sonderbriefmarke der Österreichischen Post zum 100. Geburtstag
- 1997 bis 2002: Landsteiner auf dem 1000-Schilling-Schein (letzte Schilling-Serie vor der Umstellung auf Euro). Porträt auf der Vorderseite. Die Rückseite zeigt ihn in seinem Labor, in ein Mikroskop blickend.<ref>1000 Schilling Karl Landsteiner auf de.numista.com.</ref>
- Seit 2004 wird an Karl Landsteiners Geburtstag (14. Juni) der Weltblutspendetag begangen.
- 2016 widmete ihm Google zu seinem Geburtstag einen Doodle.<ref>Doodle zu Karls Landsteiners 148. Geburtstag, Google.</ref>
Landsteiner als Namensgeber
- Seit 1954 verleiht die American Association of Blood Banks den Karl Landsteiner Memorial Award.
- Seit 1972 vergibt die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie alle zwei Jahre die „Landsteiner-Vorlesung“.
- 1973–2014 Avery-Landsteiner-Preis (dann Umbenennung in Deutscher Immunologie-Preis)
- 1976 Benennung des Mondkraters Landsteiner
- 1980–1994 Karl-Landsteiner-Haus in Berlin-Steglitz als Sitz des DRK-Blutspendedienstes. Danach andere Nutzung und Abriss. 2018 Eröffnung eines Neubaus mit demselben Namen am selben Ort. Das neue Karl-Landsteiner-Haus beherbergt wiederum den DRK-Blutspendedienst und ein Institut für Transfusionsmedizin.<ref>Neues Institut für Blutspende in Steglitz eröffnet morgenpost.de, 16. Mai 2018.</ref><ref>Karl-Landsteiner-Haus des Blutspendedienst steglitz-zehlendorf-zeitung.de, 22. Mai 2018.</ref>
- Seit 1988 Karl Landsteiner-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie
- Seit 2004 Karl Landsteiner-Medaille der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie
- 2005 Gründung der Karl Landsteiner Gesellschaft zur Förderung von medizinischer Forschung
- 2013 Gründung der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems an der Donau
- Landsteinerstraße in den Städten Würzburg, Dreieich, Wels und Leipzig (Leipzig seit 2011<ref>Landsteinerstraße im Straßennamenverzeichnis der Stadt Leipzig.</ref>)
(Die Landsteinergasse im Wiener Bezirk Ottakring, ursprünglich Landsteinerstraße, wurde am 4. November 1909 nicht nach Karl Landsteiner, sondern nach Karl Borromäus Landsteiner benannt) - Karl-Landsteiner-Gasse in Klagenfurt
Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]
Landsteiners publizierte mehr als 300 wissenschaftliche Arbeiten,<ref>Von der Serologie zur Bluttransfusion auf der Website 650 plus – Geschichte der Universität Wien.</ref> laut einer Quelle waren es 346.<ref>Robert Buchacher: Karl Landsteiner: Der Entdecker der Blutgruppen profil.at, 14. Juni 2016.</ref><ref>Michael Heidelberger: Karl Landsteiner. 1868–1943. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society, Band 40. Washington D.C. 1969, S. 176–209 (PDF; 1,8 MB). Siehe Verzeichnis der Schriften, S. 187–209.</ref> Eine Auswahl:
- Ueber Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes. In: Wiener klinische Wochenschrift. Band 14, 1901, S. 1132–1134.
- Über die Verwertbarkeit individueller Blutdifferenzen für die forensische Praxis. In: Zeitschrift für Medizinalbeamte, 1903
- Über die Abhängigkeit der serologischen Spezifität von der chemischen Struktur, 1918
- Spezifische Serumreaktionen mit einfach zusammengesetzten Substanzen bekannter Konstitution, 1920
- Serologische Studien über das Blut von Menschenaffen, 1925
- On Individual Differences in Human Blood, 1928
- Die Blutgruppen und ihre praktische Bedeutung, besonders für die Bluttransfusion, 1930
- Die Spezifität der serologischen Reaktionen (Berlin 1933, Neuaufl. 1962)
- mit Alexander Solomon Wiener: An agglutinable factor in human blood recognized by immune sera for Rhesus blood. In: Proceedings of the Society of Experimental Biology and Medicine, 43 (1940), 223
Literatur[Bearbeiten]
- Michael Heidelberger: Karl Landsteiner. 1868–1943. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society, Band 40. Washington D.C. 1969, S. 176–209 (PDF; 1,8 MB).
- Paul Speiser: Karl Landsteiner, Entdecker der Blutgruppen und Pionier der Immunologie. Biographie eines Nobelpreisträgers aus der Wiener Medizinischen Schule. 3., unveränderte Auflage. Blackwell Ueberreuter-Wiss., Berlin 1990, ISBN 3-89412-084-3.
- Ralf-Dieter Hofheinz: Von der Wiener Pathologie ins Forschungslabor nach New York: Karl Landsteiner und die Entdeckung der Blutgruppen im Jahr 1900. In: Ärzte-Zeitung, die aktuelle Zeitung von Springer Medizin. (Berlin/Neu-Isenburg) Nr. 176, 4. Oktober 2000, S. 32.
- Axel W. Bauer: Karl Landsteiner: Entdecker der Blutgruppen in Wien – Nobelpreisträger in New York. In: Transfusionsmedizin 8 (2018), S. 164–169.
Einträge in Lexika
- Paul Speiser: Landsteiner, Karl. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 433 f. (Direktlinks auf S. 433, S. 434).
- Vorlage:DictSciBiogr
- Hans Schadewaldt: Landsteiner, Karl. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 13. Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Achim Thom: Karl Landsteiner. In: Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärztelexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. C. H. Beck, München 1995, S. 226 f., ISBN 3-406-37485-9. 3. Aufl., Springer, Heidelberg/Berlin et al. 2006, S. 203, Print und Online-Version (ISBN 978-3-540-29584-6 bzw. ISBN 978-3-540-29585-3).
- Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Hrsg. von der Österreichischen Nationalbibliothek. Band 2: J–R. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 781.
- Karl Holubar: Landsteiner, Karl. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 822.
Weblinks[Bearbeiten]
- Karl Landsteiner im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
- Daniela Angetter: Biografie Karl Landsteiners auf der Website der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Literatur von und über Karl Landsteiner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1930 an Karl Landsteiner (englisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Vorlage:Navigationsleiste Träger des Nobelpreises in Medizin
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Landsteiner, Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Pathologe, Serologe und Nobelpreisträger |
| GEBURTSDATUM | 14. Juni 1868 |
| GEBURTSORT | Baden |
| STERBEDATUM | 26. Juni 1943 |
| STERBEORT | New York City |
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- Karl Landsteiner
- Pathologe
- Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin
- Mediziner (19. Jahrhundert)
- Mediziner (20. Jahrhundert)
- Hochschullehrer (Universität Wien)
- Hochschullehrer (Rockefeller University)
- Poliomyelitis
- Absolvent der Universität Wien
- Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert)
- Mitglied der National Academy of Sciences
- Mitglied der American Philosophical Society
- Träger des Lasker~DeBakey Clinical Medical Research Award
- Österreichischer Emigrant in den Vereinigten Staaten
- Person als Namensgeber für einen Mondkrater
- Person (Cisleithanien)
- Österreicher
- US-Amerikaner
- Geboren 1868
- Gestorben 1943
- Mann
- Serologe
- Transfusionsmediziner