Karpholith
| Karpholith | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Car<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/D.03 VIII/F.03-030<ref name="Lapis" /> 9.DB.05 65.01.05.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m |
| Raumgruppe | Ccce<ref name="RG_ehem_Ccca"> Die ehemalige Bezeichnung dieser Raumgruppe lautete Ccca. </ref> (Nr. 68)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 13,72 Å; b = 20,22 Å; c = 5,13 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 8<ref name="StrunzNickel" /> |
| Zwillingsbildung | nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5 bis 5,5<ref name="Lapis" /> oder 5,5 bis 6<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,935 bis 3,031; berechnet: [3,07]<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {010}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | splitterig; sehr spröde |
| Farbe | strohgelb bis wachsgelb, bräunlichgelb |
| Strichfarbe | gelblichweiß<ref name="Lapis" /> |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Glanz | Seidenglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,610<ref name="Mindat" /> nβ 1,628<ref name="Mindat" /> nγ 1,630<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,020<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
Karpholith ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Mn2+Al2[(OH)4|Si2O6]<ref name="Lapis" /> und damit chemisch gesehen ein Mangan-Aluminium-Silikat mit zusätzlichen Hydroxidionen. Der Kristallstruktur nach gehört Karpholith zu den Ketten- und Bandsilikaten (Inosilikaten).
Karpholith kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem entwickelt feinnadelige bis prismatische Kristalle, die meist in büscheligen bis radialstrahligen Mineral-Aggregaten angeordnet sind, was auch die Ursache für den seidenähnlichen Glanz des Minerals ist. Die Kristalle selbst sind durchscheinend und von strohgelber Farbe, die gelegentlich ins Wachsgelbe bis Bräunlichgelbe übergeht. Aufgrund der Aggregatbildung erscheint das Mineral allerdings undurchsichtig.
Mit dem Eisen-Analogon Ferrokarpholith (Fe2+Al2[(OH)4|Si2O6]<ref name="Rösler" /><ref name="Klockmann" />) bildet Karpholith eine lückenlose Mischkristallreihe.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Erstmals entdeckt wurde Karpholith bei Horní Slavkov (deutsch Schlaggenwald) in der tschechischen Region Karlovarský kraj (Karlsbad, Böhmen) und beschrieben 1817 durch Abraham Gottlob Werner. Er benannte das Mineral aufgrund seiner charakteristischen Farbe und seiner büscheligen Aggregatform nach den altgriechischen Worten χαρφος karphos für Stroh und λίθος lithos für Stein, daher auch das deutsche Synonym Strohstein.<ref name="Werner" />
Da der Karpholith bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Karpholith als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Karpholith lautet „Car“.<ref name="Warr" />
Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Technischen Universität der Bergakademie Freiberg (TU-BA) unter den Katalognummern 103027 bis 103038 aufbewahrt.<ref name="Typmineralkatalog-Deutschland" /><ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />
Klassifikation[Bearbeiten]
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Karpholith zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er gemeinsam mit Ferrokarpholith und Lorenzenit sowie im Anhang mit Joesmithit in der „Karpholith-Ramsayit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/D.03 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/F.03-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Karpholith zusammen mit Balipholit, Capranicait, Eliseevit, Ferrokarpholith, Kaliumkarpholith, Kukisvumit, Lintisit, Lorenzenit, Magnesiokarpholith, Manganokukisvumit, Paravinogradovit, Punkaruaivit, Vanadiokarpholith, Vinogradovit und Yegorovit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/F.03 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Karpholith in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; mit zusätzlich O, OH, H2O; Pyroxen-verwandte Minerale“ zu finden ist, wo es zusammen mit Balipholit, Ferrokarpholith, Magnesiokarpholith, Kaliumkarpholith und Vanadiokarpholith die „Karpholithgruppe“ mit der Systemnummer 9.DB.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Karpholith die System- und Mineralnummer 65.01.05.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ in der „Karpholithgruppe“, in der auch Ferrokarpholith, Magnesiokarpholith, Balipholit, Kaliumkarpholith und Vanadiokarpholith eingeordnet sind.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Karpholith kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Ccce<ref name="RG_ehem_Ccca"> Die ehemalige Bezeichnung dieser Raumgruppe lautete Ccca. </ref> (Raumgruppen-Nr. 68) mit den Gitterparametern a = 13,72 Å; b = 20,22 Å und c = 5,13 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften[Bearbeiten]
Vor dem Lötrohr bläht sich Karpholith auf, wenn die Flamme an die Enden der Fasern gehalten wird. Zudem ist das Mineral sehr spröde und zerspringt leicht mit splitterigem Bruch.<ref name="Werner" />
Karpholith ist auch in konzentrierter und erhitzter Salzsäure unlöslich.<ref name="Steinmann-415" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Karpholith bildet sich in Drusenräumen von Greisen sowie in Quarzknauern (bergmännisch für „festes, schwer zu gewinnendes Gestein“<ref name="GrimmsWörterbuch" />) von metamorphisierten Schiefern. Als Begleitminerale können unter anderem Chloritoid, Fluorit, manganhaltiger Granat, Kassiterit, Sudoit und Zinnwaldit auftreten.
Als seltene Mineralbildung konnte Karpholith nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher knapp 30 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2014).<ref name="MindatAnzahl" /> Außer an seiner Typlokalität Horní Slavkov (Schlaggenwald) trat das Mineral in Tschechien nur noch im nahe gelegenen Schacht „Huber“ bei Krásno nad Teplou (deutsch Schönfeld) auf.
In Deutschland kennt man Karpholith bisher nur aus dem Sengelbachtal bei Biesenrode und aus Wippra (Sangerhausen) in Sachsen-Anhalt. Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist die Tea Alp nahe Martina GR im Kanton Graubünden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Belgien, Brasilien, China, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kasachstan, Polen, Rumänien, Spanien, der Türkei, im Vereinigten Königreich (England) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Idaho).<ref name="Fundorte" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Karpholith. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- David Barthelmy: Carpholite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 11. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- IMA Database of Mineral Properties – Carpholite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Carpholite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Carpholite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Karpholith (Carpholite) beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 10. Dezember 2024. </ref> <ref name="GrimmsWörterbuch"> „knaur, m. bis knaufeln“ In: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Band 11, Spalte 1365 bis 1368, Leipzig 1854–1961. In: woerterbuchnetz.de. Kompetenzzentrum – Trier Center for Digital Humanities, abgerufen am 10. Dezember 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: November 2024. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, November 2024, abgerufen am 10. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – C. (PDF 312 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 10. Dezember 2024 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Carpholite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Carpholite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Rösler"> </ref> <ref name="Steinmann-415"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Typmineralkatalog-Deutschland"> Alexander Matthies: Typmaterialkatalog Deutschland – Karpholith. Mineralogisches Museum der Universität Hamburg, 5. August 2024, abgerufen am 10. Dezember 2024. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Werner"> </ref> </references>