Lanciano
| Lanciano | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Vorlage:Platzhalterbild | ||||||
| Staat | Italien | |||||
| Region | Abruzzen | |||||
| Provinz | Chieti (CH) | |||||
| Koordinaten | 42° 14′ N, 14° 23′ O
{{#coordinates:42,233333333333|14,383333333333|primary
|
dim=10000 | globe= | name= | region=IT-CH | type=city
}} |
| Höhe | 265 m s.l.m. | |||||
| Fläche | 66 km² | |||||
| Einwohner | 33.843 (31. Dez. 2025)<ref>Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2025. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2025).</ref> | |||||
| Postleitzahl | 66034 | |||||
| Vorwahl | 0872 | |||||
| ISTAT-Nummer | 069046 | |||||
| Bezeichnung der Bewohner | Lancianesi | |||||
| Schutzpatron | Madonna del Ponte | |||||
| Website | Lanciano | |||||
Lanciano ist eine italienische Stadtgemeinde der Provinz Chieti (Abruzzen) mit 33.843 Einwohnern.
Geografie[Bearbeiten]
Die Gemeinde erstreckt sich über ca. 66 km².
Die Nachbargemeinden sind: Atessa, Castel Frentano, Fossacesia, Frisa, Mozzagrogna, Orsogna, Paglieta, Poggiofiorito, Rocca San Giovanni, San Vito Chietino, Sant’Eusanio del Sangro und Treglio.
Die Gemeinde liegt rund 50 Kilometer vom Hauptort der Provinz, der Stadt Chieti und 13 Kilometer von der Adriaküste entfernt.
Geschichte[Bearbeiten]
Lanciano wurde in vorchristlicher Zeit gegründet und gehörte zum Lebensraum der Samniten, die in den Samnitenkriegen von den Römern unterworfen wurden. Die Stadt hieß in der Antike Anxanum und war nach dem Ende des weströmischen Reiches bis zur Eroberung durch die Langobarden im 6. Jahrhundert byzantinisch beherrscht. Seit dem 13. Jahrhundert ist der heutige Name überliefert. Nach einer Legende ist Lanciano der Geburtsort des heiligen Longinus, der in der Stadt von alters her verehrt wird und auch hier gestorben sein soll.
Bischofssitz[Bearbeiten]
Am 27. April 1515 wurde das Bistum Lanciano durch Papst Leo X. errichtet; 1562 wurde es zum Erzbistum erhoben. Bischofskirche (Kathedrale) ist die Basilica della Madonna del Ponte.
Faschismus[Bearbeiten]
Nach dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 errichtete das faschistische Regime in Lanciano ein Internierungslager (campo di concentramento) für Frauen. Es befand sich in der Villa Sorge, einem Landhaus unweit vom Ortszentrum. Die ersten Internierten waren „Ausländerinnen aus feindlichen Nationen“, wozu auch jüdische Frauen zählten. Im Februar 1942 kamen die noch im Lager verbliebenen Insassinnen nach Pollenza. Damit wurde Lanciano zum Männerlager und nahm Jugoslawen aus den von Italien besetzten und annektierten Gebieten auf. Die Lebensbedingungen waren äußerst bescheiden; es gab – bis auf einen Wasserhahn in einem Außenhof – kein fließendes Wasser, die hygienischen Verhältnisse waren entsprechend prekär. Das Gebäude war schlecht isoliert und im Winter nicht ausreichend beheizt. Zahlreiche Insassen wurden strafverlegt, nachdem sie gegen die mangelhafte Qualität der Verpflegung protestiert hatten. Im September 1943 verließen viele Insassen das Lager, das Mitte Oktober endgültig geschlossen wurde.<ref>Carlo Spartaco Capogreco, I campi del duce. L’internamento civile nell’Italia fascista (1940-1943), Torino 2004 (Einaudi), S. 217–219; Klaus Voigt, Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933-1945 (Band 2), Stuttgart 1993 (Klett-Cotta), S. 61–63</ref>
Im Jahr 2013 wurde die am Parco delle Memorie und der Villa Sorge vorbeiführende Straße nach Maria Eisenstein benannt.<ref name="Gedenkorte" >Gedenkorte Europa 1939–1945: Lanciano. Google-Maps kennt diese Straße zwischen der Via Belvedere und der Via Giovanni Petragnani nicht, obwohl sie bereits seit 2013 diesen Namen trägt.</ref> (Lage{{#coordinates:42.222753|14.382058||dim=|name=Parco delle Memorie an der Via Maria Eisenstein|region=IT-CH|type=landmark}}) Die aus Wien stammende Frau (geborene Maria Luisa Moldauer, 1914–1994) war eine der Insassinnen des Internierungslagers in der Villa Sorge. Sie überlebte Faschismus und Besatzung und hat in dem Buch „L'internata numero 6“ das Lagerleben ausführlich beschrieben.<ref name="Gedenkorte" />
Ebenfalls in der Villa Sorge interniert war die aus Köln stammende Susanne Levinger (1914-2001), die nach ihrer Verlegung nach Pollenza aus dem dortigen Lager fliehen konnte und bis zu ihrem Tod im Jahre 2001 in der Nähe von Lanciano, in San Vito Marina, wohnte.<ref>Über ihr Schicksal schreibt Gianni Orecchioni in seinem Buch I sassi e le ombre, auf dem auch der Dokumentarfilm „Susanne Lewinger, una vita nel novecento“ von Alberto Gagliardo basiert. (Susanne Lewinger, ein Leben im zwanzigsten Jahrhundert) Zu weiteren Internierungsdaten von Susanne Levinger und anderen siehe auch: Susanne Lewinger in der Datenbank „Ebrei stranieri internati in Italia durante il periodo bellico“</ref>
Deutsche Besetzung[Bearbeiten]
Am 5. Oktober 1943 kam es nach der Ermordung des Widerstandskämpfers Trentino La Barba zu einem Volksaufstand der Einwohner Lancianos gegen die deutschen Besatzer, die wegen der Hartnäckigkeit des Widerstandes etliche Bataillone und Panzereinheiten zum Einsatz bringen mussten, um diesen zu brechen. Nach den Repressalien der deutschen Truppen, wurde Lanciano Ziel der vorrückenden Alliierten, deren Artillerie die Stadt in Schutt und Asche legte. Nach der Eroberung durch die Alliierten bombardierten deutsche Flugzeuge Lanciano, das zwischen Oktober 1943 und Juni 1944 mehr als 500 Menschenleben verlor. In diesen neun Monaten stellte die Stadt zahlreiche Widerstandskämpfer und Partisanen. Nach dem Krieg wurde die Stadt Lanciano mit einem hohen Orden ausgezeichnet.
Das eucharistische Wunder[Bearbeiten]
Anfang der 1970er Jahre wurde Lanciano als Schauplatz eines eucharistischen Wunders überregional bekannt, das nachweislich seit dem 17. Jahrhundert hier verortet wird und sich im Frühmittelalter ereignet haben soll. Die Relikte, eine menschliche Herzscheibe ungeklärter Herkunft und mehrere Blutreste, werden in der Kirche San Francesco, der Klosterkirche der Minoriten an der Piazza Plebiscito ausgestellt, in der sich eine 1902 angebaute Verehrungsstätte für das Wunder (Santuario del Miracolo Eucaristico) befindet.
Denkmal zu Ehren der ermordeten Sinti und Roma[Bearbeiten]
Im Oktober 2018 wurde im Parco delle Memorie an der Via Maria Eisenstein ein Denkmal zur Erinnerung an den Völkermord an den Roma und Sinti während der Zeit des Faschismus und der deutschen Besatzung eingeweiht. Am Fuße des Denkmals ist das Gedicht Auschwitz von Santino Spinelli eingraviert, das auch Bestandteil des 2012 in Berlin eingeweihten Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist. Lanciano war damit die erste Stadt Italiens und die zweite in Europa nach Berlin, die ein Denkmal zur Erinnerung an die Vernichtung der Roma und Sinti errichtet hat.<ref>Comune di Lanciano: 75° anniversario della Rivolta Lancianese del 5-6 ottobre 1943, PROGRAMMA 2018, 01 Ottobre 2018</ref>
Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]
In der Gemeinde werden Reben der Sorte Montepulciano für den DOC-Wein Montepulciano d’Abruzzo angebaut.
Lanciano ist ein Zentrum der Herstellung einer bekannten abruzzischen Spezialität, des bocconotto (wörtlich „Happen“), ein Feingebäck aus gefülltem Mürbeteig. Es gibt sehr traditionelle Konditoreien, die ausschließlich bocconotti nach geheimen Hausrezepten herstellen.
Städtepartnerschaften[Bearbeiten]
Partnerstädte von Lanciano sind Berazategui (Argentinien), Qala (Malta), Vaughan (Ontario) (Kanada), Visegrád (Ungarn) und Riedenburg (Deutschland).<ref>www.comuni-italiani.it</ref>
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
- Giulio Cesare Polerio (1548–1612), Schachspieler und Autor
- Fedele Fenaroli (1730–1818), Komponist und Musikpädagoge
- Enzio d’Antonio (1925–2019), römisch-katholischer Bischof
- Mary di Michele (* 1949), Schriftstellerin, Herausgeberin und Dozentin
- Franco Morone (* 1956), Gitarrist, Musiklehrer, Komponist und Arrangeur
- Luna De Rosa (* 1991), Romni-Aktivistin und Konzeptkünstlerin
- Federica Di Criscio (* 1993), Fußballspielerin
Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Für die Gedenkstätten in Lanciano zur Zeit des Weltkriegs siehe: Gedenkorte Europa 1939–1945: Lanciano (Weblinks).
- Kathedrale (Santa Maria del Ponte). Die Kirche steht auf drei Bögen der Ponte di Diocleziano und wurde 1389, im 15. Jh. und 1585–88 neoklassizistisch erweitert. Die Terrakottafigur der Madonna del Ponte, die ursprünglich an der Außenwand der Kirche angebracht war, wurde 1088 nach einem Erdbeben ins Innere verlegt.
- Santa Maria Maggiore. Sie wurde 1227 auf den Ruinen eines Apollotempels erbaut und im 14. und 15. Jh. erweitert. Das Hauptportal mit der Rosette schuf Francesco Petrini 1317. Das Silberkreuz in der Sakristei stammt von Nicola di Guardiagrele (1422).
-
Ponte Diocleziano
-
Torre Campanaria und Rathaus
-
Basilica di Santa Maria del Ponte
-
Piazza Plebiscito
-
Kirche S. Maria Maggiore (Campanile)
-
Kirche S. Maria Maggiore (Hauptportal)
-
Torri Montanare
-
Fontana di Civitanova
Bevölkerung[Bearbeiten]
Bevölkerungsentwicklung:
<timeline> Colors=
id:lightgrey value:gray(0.9) id:darkgrey value:gray(0.7) id:sfondo value:rgb(1,1,1) id:barra value:rgb(0.6,0.7,0.8)
ImageSize = width:555 height:373 PlotArea = left:50 bottom:50 top:30 right:30 DateFormat = x.y Period = from:0 till:40000 TimeAxis = orientation:vertical AlignBars = justify ScaleMajor = gridcolor:darkgrey increment:5000 start:0 ScaleMinor = gridcolor:lightgrey increment:1000 start:0 BackgroundColors = canvas:sfondo
BarData=
bar:1861 text:1861 bar:1871 text:1871 bar:1881 text:1881 bar:1901 text:1901 bar:1911 text:1911 bar:1921 text:1921 bar:1931 text:1931 bar:1936 text:1936 bar:1951 text:1951 bar:1961 text:1961 bar:1971 text:1971 bar:1981 text:1981 bar:1991 text:1991 bar:2001 text:2001 bar:2011 text:2011 bar:2021 text:2021
PlotData=
color:barra width:20 align:left bar:1861 from:0 till:18295 bar:1871 from:0 till:17339 bar:1881 from:0 till:17125 bar:1901 from:0 till:18316 bar:1911 from:0 till:20261 bar:1921 from:0 till:20766 bar:1931 from:0 till:22427 bar:1936 from:0 till:23367 bar:1951 from:0 till:26689 bar:1961 from:0 till:27624 bar:1971 from:0 till:28113 bar:1981 from:0 till:32315 bar:1991 from:0 till:34006 bar:2001 from:0 till:35798 bar:2011 from:0 till:35921 bar:2021 from:0 till:34201
PlotData=
bar:1861 at: 18295 fontsize:S text:18.295 shift:(-8,5) bar:1871 at: 17339 fontsize:S text:17.339 shift:(-10,5) bar:1881 at: 17125 fontsize:S text:17.125 shift:(-10,5) bar:1901 at: 18316 fontsize:S text:18.316 shift:(-10,5) bar:1911 at: 20261 fontsize:S text:20.261 shift:(-10,5) bar:1921 at: 20766 fontsize:S text:20.766 shift:(-10,5) bar:1931 at: 22427 fontsize:S text:22.427 shift:(-10,5) bar:1936 at: 23367 fontsize:S text:23.367 shift:(-10,5) bar:1951 at: 26689 fontsize:S text:26.689 shift:(-10,5) bar:1961 at: 27624 fontsize:S text:27.624 shift:(-10,5) bar:1971 at: 28113 fontsize:S text:28.113 shift:(-10,5) bar:1981 at: 32315 fontsize:S text:32.315 shift:(-10,5) bar:1991 at: 34006 fontsize:S text:34.006 shift:(-10,5) bar:2001 at: 35798 fontsize:S text:35.798 shift:(-10,5) bar:2011 at: 35921 fontsize:S text:35.921 shift:(-10,5) bar:2021 at: 34201 fontsize:S text:34.201 shift:(-10,5)
TextData=
fontsize:S pos:(20,20) text:Quelle ISTAT
</timeline>
Literatur[Bearbeiten]
- Christian Hülsen: Anxanum 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp. 2652.
- Maria Eisenstein: L’internata numero 6. Mimesis, Milano 2014, ISBN 978-88-575-2824-3. In dem Buch berichtet Maria Eisenstein von ihrer Haft im Lager Lanciano. In Lanciano erinnert seit 2013 die am Parco delle Memorie vorbeiführende Via Maria Eisenstein an sie und an das Schicksal der Internierten.
- Gianni Orecchioni: I sassi e le ombre. Storie di internamento e di confino nell'Italia fascista: Lanciano 1940–1943. Edizioni di storia e letteratura, Roma 2006, ISBN 88-8498-290-1.
- Franz N. Mehling: Knaurs Kulturführer Italien, S. 324; Droemer Knaur München/Zürich 1987, ISBN 3-426-24604-X
Weblinks[Bearbeiten]
- Gedenkorte Europa 1939–1945: Lanciano
- Atlante delle Stragi Naziste e Faciste in Italia: Lanciano, 5-6.10.1943. Die Webseite basiert auf dem Abschlussbericht einer deutsch-italienischen Historikerkommission vom Dezember 2012. Viele Dokumente, so auch der Text über Lanciano, werden allerdings nur in italienischer Sprache wiedergegeben.
- I Campi Fascisti: Campo di Concentramento Lanciano. Die Seite enthält Dokumente und Verweise auf weiterführende Literatur.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Altino | Archi | Ari | Arielli | Atessa | Bomba | Borrello | Bucchianico | Canosa Sannita | Carpineto Sinello | Carunchio | Casacanditella | Casalanguida | Casalbordino | Casalincontrada | Casoli | Castel Frentano | Castelguidone | Castiglione Messer Marino | Celenza sul Trigno | Chieti | Civitaluparella | Civitella Messer Raimondo | Colledimacine | Colledimezzo | Crecchio | Cupello | Dogliola | Fallo | Fara Filiorum Petri | Fara San Martino | Filetto | Fossacesia | Fraine | Francavilla al Mare | Fresagrandinaria | Frisa | Furci | Gamberale | Gessopalena | Gissi | Giuliano Teatino | Guardiagrele | Guilmi | Lama dei Peligni | Lanciano | Lentella | Lettopalena | Liscia | Miglianico | Montazzoli | Montebello sul Sangro | Monteferrante | Montelapiano | Montenerodomo | Monteodorisio | Mozzagrogna | Orsogna | Ortona | Paglieta | Palena | Palmoli | Palombaro | Pennadomo | Pennapiedimonte | Perano | Pietraferrazzana | Pizzoferrato | Poggiofiorito | Pollutri | Pretoro | Quadri | Rapino | Ripa Teatina | Rocca San Giovanni | Roccamontepiano | Roccascalegna | Roccaspinalveti | Roio del Sangro | Rosello | San Buono | San Giovanni Lipioni | San Giovanni Teatino | San Martino sulla Marrucina | San Salvo | San Vito Chietino | Sant’Eusanio del Sangro | Santa Maria Imbaro | Scerni | Schiavi di Abruzzo | Taranta Peligna | Tollo | Torino di Sangro | Tornareccio | Torrebruna | Torrevecchia Teatina | Torricella Peligna | Treglio | Tufillo | Vacri | Vasto | Villa Santa Maria | Villalfonsina | Villamagna
