Limonoide
Limonoide sind eine chemische Stoffgruppe, die hochoxidierte Triterpenoide umfasst.<ref name="Römpp">Jürgen Falbe, Manfred Regitz (Hrsg.): Römpp Chemie Lexikon, 9. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-13-734809-9, S. 2514.</ref> Sie zählen zu den Furanolactonen. Die meisten Verbindungen können von einem 4,4,8-Trimethyl-17-furanylsteroid-Grundgerüst abgeleitet werden.<ref name="Roy">Amit Roy, Shailendra Saraf: Limonoids: Overview of Significant Bioactive Triterpenes Distributed in Plants Kingdom, Biological and Pharmaceutical Bulletin, Nr. 29, 2006, S. 191–201, doi:10.1248/bpb.29.191.</ref> Sie sind eng verwandt mit der Gruppe der Quassinoide.<ref name="Römpp" /> Der bedeutendste Vertreter dieser Stoffgruppe ist Limonin. Es wurde bereits im 19. Jahrhundert entdeckt, allerdings konnte es erst 1938 isoliert, dessen Eigenschaften genauer zugeordnet und eine Strukturformel formuliert werden.<ref name="Koller">G. Koller, H. Czerny: Über das Limonin, den Bitterstoff der Orangenkerne, Monatshefte für Chemie und verwandte Teile anderer Wissenschaften, Nr. 67, 1936, S. 248–268, doi:10.1007/BF0271602.</ref> Weitere häufig vorkommende Vertreter der Limonoide sind Azadirachtin, Nomilin und Nomilinsäure.
| Strukturformel von Limonin | Strukturformel von Nomilin | Strukturformel von Nomilinsäure |
|---|---|---|
| Limonin | Nomilin | Nomilinsäure |
Vorkommen[Bearbeiten]
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Limonoide kommen in den Samen von Zitrusfrüchten vor, beispielsweise in Grapefruit, Zitrone, Orange und Mandarine, aber auch weiteren Arten. Sie treten sowohl als Glucoside als auch in freier Form (das heißt nur die Aglycone) auf. Das mengenmäßig wichtigste Glucosid ist Nomilinglucosid, das wichtigste freie Aglycon Limonin. Andere Verbindungen, die ebenfalls in freier Form als auch als Glucosid auftreten, sind Nomilinsäure, Obacunon und Deacetylnomilin. Die Glucoside machen etwa 0,31 % bis 0,87 % des Trockengewichts der Kerne aus.<ref>Yoshihiko Ozaki, Chi H. Fong, Zareb Herman, Hisao Maeda, Masaki Miyake, Yasushi Ifuku, Shin Hasegawa: Limonoid Glucosides in Citrus Seeds. In: Agricultural and Biological Chemistry. Band 55, Nr. 1, Januar 1991, S. 137–141, doi:10.1080/00021369.1991.10870551.</ref> Des Weiteren kommen die Vertreter auch in den Blättern der entsprechenden Pflanzen vor, weshalb diese in der Volksmedizin als Heilmittel in Form von Tee eingesetzt werden.<ref name="Römpp" /> Azadirachtin ist ein Limonoid, das in den Samen des Niembaums vorkommt und eine starke insektizide Wirkung hat.<ref>A.J. Mordue (Luntz), A. Blackwell: Azadirachtin: an update. In: Journal of Insect Physiology. Band 39, Nr. 11, November 1993, S. 903–924, doi:10.1016/0022-1910(93)90001-8.</ref>
Pharmakologische Wirkung[Bearbeiten]
Für zahlreiche potentielle Anwendungen von Limonoide gibt es Untersuchungen. Zu Beginn der Erforschung der Limonoide wurden den Vertretern eine hohe antioxidative Wirkung zugesprochen.<ref name="Koller" /> Allerdings wurde diese durch Studien widerlegt. Tatsächlich liegt die totale antioxidative Kapazität (TAC) weit hinter denen gewöhnlicher Antioxidantien wie beispielsweise Ascorbinsäure oder Butylhydroxytoluol (BHT) zurück.<ref name="Breksa">Andrew P. Breksa, Gary D. Manners: Evaluation of the Antioxidant Capacity of Limonin, Nomilin, and Limonin Glucoside, Journal of Agricultural and Food Chemistry, Nr. 54, 2006, S. 3827–3831, doi:10.1021/jf060901c.</ref> Wichtiger einzuschätzen ist die physiologische Bedeutung, die den Limonoiden zukommt. Nachgewiesen wurde bereits eine fiebersenkende<ref name="Römpp" />, antibakterielle und antivirale Wirkung.<ref name="Roy" /> Außerdem wurden sie erfolgreich in der Therapie gegen Malaria eingesetzt.<ref name="Römpp" /> Als antikanzerogenes Mittel wurden sie gegen Brust-, Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs untersucht. Ebenfalls wurde auch geprüft, ob es gegen Leukämie eingesetzt werden kann.<ref name="Kim">Jinhee Kim, Guddadarangavvanahally K. Jayaprakaska, Bhimanagouda S. Patil: Limonoids and their anti-proliferative and anti-aromatase properties in human breast cancer cells, Food & Funktion, Nr. 4, 2013, S. 258–265, doi:10.1039/C2FO30209H.</ref> Außerdem wurde eine verminderte Cholesterinausschüttung bei Anwendung bestimmter Limonoide ermittelt; damit besitzen sie auch eine antiatherogene Wirkung.<ref name="Breksa" />
Unerwünschte Wirkungen[Bearbeiten]
Probleme mit Limonoiden können bei der Fruchtsaftherstellung auftreten. Hier rückt die Entfernung des Bitterstoffes Limonin in den Vordergrund, um den Geschmack der Säfte zu verbessern.<ref name="Fayoux2007">Stéphane C. Fayoux, Ruben J. Hernandez, Robert V. Holland: The Debittering of Naval Orange Juice Using Polymeric Films. In: Journal of Food Science., Nr. 72, 2007, S. E143–E154, doi:10.1111/j.1750-3841.2007.00283.x.</ref>
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />