Rosario Murillo
Rosario Murillo Zambrana (* 22. Juni 1951 in Managua) ist eine nicaraguanische Schriftstellerin und Politikerin. Sie ist seit 1978 Partnerin, seit 2005 Ehefrau des Präsidenten Daniel Ortega<ref name=":02">Jens Glüsing: Bianca Jagger über Nicaragua: »Scharfschützen zielten auf die Kehle, sie sollten töten«. In: Der Spiegel. 5. August 2021, abgerufen am 5. August 2021.</ref><ref>John Otis: Long Silence from Nicaragua’s president as first lady keeps press at arm’s length (Internet Archive). Committee to Protect Journalists, 24. März 2015.</ref> und seit Januar 2017 Vizepräsidentin von Nicaragua. Sie gilt als die eigentliche Macht hinter der Präsidentschaft ihres Ehemannes.
Im August 2021 wurden gegen sie und 13 weitere Angehörige des Regimes Sanktionen seitens der Europäischen Union wegen Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua verhängt.<ref>Auch Vizepräsidentin Murillo betroffen: EU verhängt weitere Sanktionen gegen Nicaragua. In: Amerika21. 3. August 2021, abgerufen am 9. November 2021.</ref>
Leben[Bearbeiten]
Frühe Jahre und Privates[Bearbeiten]
Rosario Murillos Mutter war eine Nichte Augusto César Sandinos, des namensgebenden Unabhängigkeitshelden der Sandinistischen Befreiungsfront. Die Eltern waren Großgrundbesitzer und schickten die Tochter zur Ausbildung an das Greenway Convent Collegiate School in Tiverton nach England und für eine Kunstausbildung ans Institut Le Manoir in La Neuveville in die Westschweiz. Sie arbeitete zwischen 1967 und 1969 als Sprachdozentin am Instituto de Ciencias Comerciales und dem Colegio Teresiano. Sie arbeitete für die Zeitung La Prensa und war Sekretärin der wichtigen innenpolitischen Persönlichkeiten Pedro Joaquin Chamorro und Pablo Antonio Cuadra.<ref>Rosario Murillo Vice President – Nicaragua. The Woman Leaders, 4. März 2022, abgerufen am 20. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In dieser Zeit war sie zwei Mal für kurze Zeit verheiratet. Aus diesen beiden Ehen gingen drei Kinder hervor. Der Tod eines Sohnes 1973 war nach eigenen Aussagen der Auslöser für das Schreiben von Gedichten.
Der Beziehung mit Ortega entstammen weitere sieben Kinder. Ortegas Stieftochter, Zoilamérica Narváez erhob nach Jahren des Schweigens Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Stiefvater Ortega. 1998 erklärte sie, dieser habe sie sexuell missbraucht, seit sie 9 Jahre alt war.<ref>Jonathan Watts: As Nicaragua's first couple consolidates power, a daughter fears for her country. In: The Guardian. 4. November 2016, abgerufen am 23. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Als Zoilamérica Narváez diese Vorwürfe in einem am 5. November 2016 veröffentlichten Interview erneuerte,<ref>Jens Glüsing: Stieftochter wirft Ortega sexuellen Missbrauch vor. In: Der Spiegel. 5. November 2016, abgerufen am 23. Februar 2026.</ref> nahm Rosario Murillo ihren Mann vor den Vergewaltigungsvorwürfen ihrer Tochter in Schutz.<ref name=":02" />
Sie ist bekannt für ihren Glauben an verschiedene New-Age-Theorien.<ref name="PANAM16">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: PanAm Post, 16. August 2016. Abgerufen am 4. November 2017 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL, National Public Radio, 28. September 2014. Abgerufen am 2. September 2022 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>
Sandinistische Befreiungsfront[Bearbeiten]
Bereits 1969 schloss sich Murillo dem Kampf gegen die Somoza-Diktatur an. Nach einem Gefängnisaufenthalt reiste sie 1977 ins Ausland und traf in Caracas Daniel Ortega.
Nach der erfolgreichen Sandinistischen Revolution von 1979 war Murillo für das Kulturleben und für Publikationen der FSLN verantwortlich.
Ortega-Regierung[Bearbeiten]
Nach einem Herzinfarkt Ortegas im Jahr 1994 und dem Abwenden ehemaliger Revolutionsgefährten wurde die Rolle Murillos für den ab 2006 erneut zum Präsidenten Gewählten immer wichtiger. Heute wird sie „weithin als die Macht hinter der Präsidentschaft betrachtet“.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Nicaragua: President Ortega on course for third term.] Al Jazeera, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 23. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Offiziell war sie Regierungssprecherin im Ministerrang mit Befugnis, Regionalbehörden Anweisungen zu erteilen. Niemand anderes durfte offizielle Statements abgeben.<ref>Frances Robles: Wife and Running Mate: A Real-Life ‘House of Cards’ in Nicaragua. In: The New York Times. 30. Oktober 2016, abgerufen am 23. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Daniel Ortega hatte selbst öffentlich erklärt, dass er sich mit Murillo die Macht hälftig teile. Bei der Präsidentenwahl 2016 trat Murillo als seine Stellvertreterin an.<ref>Die mächtige Compañera. In: Neue Zürcher Zeitung, 8. November 2016.</ref> Der einzige ernsthafte Oppositionskandidat war gerichtlich gegen eine Marionette ausgetauscht und dagegen protestierende Parlamentarier abgesetzt worden.<ref>Werner J. Marti: Ortegas schamloses Imperium. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. November 2016, abgerufen am 23. Februar 2026.</ref>
In den Worten der Schriftstellerin und ehemaligen Sandinistin Gioconda Belli war die Propaganda von Murillo „eher Goebbels als Orwell“ (“This is more Goebbels than Orwell”), als sie am 17. Juli 2018 von Frieden und Aussöhnung redete, während gleichzeitig die Polizei und Paramilitärs die indigene Gemeinschaft in Monimbó mit Kalaschnikows, Scharfschützengewehren und Artillerie angriffen.<ref>'Everyone is an enemy who's deserving of death, rape and jail': Death squads have returned to Nicaragua. The World, 18. Juli 2018, abgerufen am 23. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Daniel Ortega war Anfang 2023 geistig und körperlich sichtbar beeinträchtigt.<ref>Tjerk Brühwiller: Verbannt in die Freiheit. Das Ortega-Regime in Nicaragua hat gut 200 politische Gefangene ausgebürgert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Februar 2023, S. 5.</ref> Im Februar 2023 erklärte er in einem offiziellen Akt, dass Murillo „Ko-Präsidentin der Republik“ sei, und befahl dem Vorsitzenden der Nationalversammlung, „einige Reformen an der politischen Verfassung vorzunehmen“, um das Prinzip der Ko-Präsidentschaft zu etablieren.<ref>Daniel Ortega quiere que Rosario Murillo sea "copresidenta" de Nicaragua. Deutsche Welle, 11. Februar 2023, abgerufen am 20. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Dezember 2024 stellte der argentinische Bundesrichter Ariel Lijo unter Verweis auf das Weltrechtsprinzip einen internationalen Haftbefehl gegen Murillo und Ortega aus. Damit gab Lijo einem im August 2022 eingereichten Antrag einer argentinischen Professorengruppe, die Murillo und Ortega der Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigte, statt.<ref>Argentinischer Richter stellt internationalen Haftbefehl für Nicaraguas Staatschef aus. In: Der Spiegel. 31. Dezember 2024, abgerufen am 23. Februar 2026.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Hannes Bahrmann: Nicaragua. Die privatisierte Revolution. Ch. Links Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-965-0.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Murillo, Rosario |
| ALTERNATIVNAMEN | Murillo Zambrana, Rosario (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | nicaraguanische Schriftstellerin, Vizepräsidentin von Nicaragua |
| GEBURTSDATUM | 22. Juni 1951 |
| GEBURTSORT | Managua |