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Cyanazid

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Strukturformel
Struktur von Cyanazid
Allgemeines
Name Cyanazid
Summenformel N3CN
Kurzbeschreibung

farbloses Öl<ref name="Marsh1" /><ref name="Marsh2" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
PubChem 136583
ChemSpider 120351
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 68,04 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Siedepunkt

90 °C<ref name="eEROS">Encyclopedia of Reagents for Organic Synthesis (e-EROS). John Wiley and Sons, Inc., 1999-2013, Eintrag für Cyanogen Azide, abgerufen am 24. Januar 2015.</ref><ref name="Marsh1">F. D. Marsh: Cyanogen azide. In: The Journal of Organic Chemistry. 37, Nr. 19, 1972, S. 2966–2969, doi:10.1021/jo00984a012.</ref><ref name="Marsh2">F. D. Marsh, M. E. Hermes: Cyanogen Azide. In: Journal of the American Chemical Society. 86, Nr. 20, 1964, S. 4506–4507, doi:10.1021/ja01074a071.</ref>

Löslichkeit

löslich in Acetonitril, Ethylacetat, Methylenchlorid, Benzol, Toluol, Cyclohexan<ref name="eEROS" />

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar<ref name="NV">Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.</ref>
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Cyanazid ist eine thermisch instabile Kohlenstoff-Stickstoff-Verbindung mit einem Stickstoffgehalt von 82,35 %. Sie kann den Stoffgruppen der Azide sowie der Nitrile zugeordnet werden kann. Es wird in der organischen Synthese als Reagenz für Cycloadditions- und Einschubreaktionen mit Alkenen verwendet.<ref name="eEROS" />

Darstellung und Gewinnung[Bearbeiten]

Cyanazid kann durch die Umsetzung von Natriumazid mit Chlorcyan oder Bromcyan in unpolaren Lösungsmitteln wie Acetonitril, Ethylacetat, Methylenchlorid, Toluol oder Cyclohexan im Temperaturbereich zwischen 10 °C und 25 °C hergestellt werden.<ref name="Marsh1" /><ref name="Marsh2" />

<chem>NaN3 + ClCN -> N3CN + NaCl</chem>
<chem>NaN3 + BrCN -> N3CN + NaBr</chem>

Nach Abtrennung der Salze kann die Verbindung destillativ gewonnen werden. Dies muss wegen der hohen Instabilität der Verbindung mit höchster Vorsicht erfolgen bzw. vermieden werden, wenn eine Verwendung in Lösung möglich ist.<ref name="Marsh2" />

Eigenschaften[Bearbeiten]

Cyanazid ist ein farbloses Öl, welches bei schwacher thermischer oder mechanischer Belastung äußerst heftig detonieren kann.<ref name="Bretherick">P.G. Urben; M.J. Pitt: Bretherick's Handbook of Reactive Chemical Hazards. 8. Edition, Vol. 1, Butterworth/Heinemann 2017, ISBN 978-0-08-100971-0, S. 138.</ref> Die Handhabung in Lösung ist relativ sicher. Die Verbindung ist in den meisten organischen Lösungsmitteln und in Wasser löslich. In organischen Lösungsmitteln erfolgt eine langsame Zersetzung unter Bildung von Stickstoff. Die Halbwertszeit einer 27%igen Lösung in Acetonitril beträgt bei 25 °C 15 Tage. Die Lösungen in Acetonitril oder Ethylacetat können bei Temperaturen zwischen −20 °C und 0 °C praktisch unzersetzt über ein Jahr gelagert werden. Beim Erwärmen auf 40 °C erfolgt in Wasser eine langsame Hydrolyse zum Carbamazid. In 10%iger Natronlauge wird bei Raumtemperatur langsam das äußerst explosive Natriumsalz des 5-Azido-1H-tetrazols gebildet.<ref name="Marsh1" /><ref name="Marsh2" /><ref Name="Roth_Weller CD-ROM">L. Roth, U. Weller-Schäferbarthold: Gefährliche Chemische Reaktionen - Potentiell gefährliche chemische Reaktionen zu über 1750 Stoffen, Eintrag für Cyanogenazid, CD-ROM Ausgabe 4/2026, ecomed Sicherheit Landsberg/Lech, ISBN 978-3-609-48040-4 .</ref> Bei einer Gasphasenpyrolyse bei 200 °C wird über das Cyanonitren als Intermediat und Stickstoffabspaltung das Azodicarbonitril gebildet.<ref name="Marsh5">F. D. Marsh, M. E. Hermes: Azodicarbonitrile. In: Journal of the American Chemical Society. 87, Nr. 8, 1965, S. 1819–1820, doi:10.1021/ja01086a054, PDF.</ref>

<chem>N3CN -> NCN + N2</chem>
<chem>N3CN + NCN -> NC-N=N-CN + N2</chem>

Die Struktur der Verbindung in der Gasphase wurde mittels Gasphasenelektronenbeugungsmessungen untersucht. Das gewinkelte Molekül besitzt einen Bindungswinkel zwischen der Azido- und Cyanogruppe von 114°. Die Cyanogruppe ist mit 175° nicht ganz linear zum Azidostickstoff gebunden.<ref name="Almennigen">A. Almenningen, B. Bak, P. Jansen, T. G. Strand: Molecular structure of gaseous cyanogen azide and azodicarbonitril. In: Acta Chem. Scand. 27, Nr. 5, 1973, S. 1531–1540, doi:10.3891/acta.chem.scand.27-1531.</ref>

Verwendung[Bearbeiten]

Die Verbindung reagiert mit gesättigten Alkanen unter Stickstoffabspaltung über ein intermediäres Cyanonitren zu Alkylcyanamiden. Diese können mit Reduktionsmitteln wie Lithiumaluminiumhydrid zu den entsprechenden Aminen reduziert werden.<ref name="Marsh4">Anastassiou, A.G.; Simmons, H.E.; Marsh, F.D.: Cyanonitrene. Reaction with SaturatedHydrocarbons. In: J. Am. Chem. Soc. 87 (1965) 2296–2297, doi:10.1021/ja01088a043.</ref><ref name="Anastassiou">A. G. Anastassiou, H. E. Simmons: Cyanonitrene. Reaction with Saturated Hydrocarbons. In: J. Am. Chem. Soc. 89 (1967) S. 3177–3184, doi:10.1021/ja00989a018.</ref> Untersuchungen an n-Hexan, 2,3-Dimethylbutan, 2,2-Dimethylbutan, Cyclohexan, Cycloheptan und Cyclooctan zeigten, dass die Reaktivität gegenüber C-H-Bindungen von primären zu tertiären Strukturen stark ansteigt.<ref name="Marsh4" /><ref name="Anastassiou" />

Datei:Cyanogen azide reaction05.svg

Cyanazid geht mit Alkenen Cycloadditionsreaktionen ein, die sowohl zu Aziridinen und Alkylidencyanamiden führen können. Die Bildung der Alkylidencyanamide erfolgt dabei über cyclische Triazolinintermediate. Das Produktverhältnis hängt von der Struktur der Alkens ab.<ref name="eEROS" /> Mit Isobuten als Ausgangalken werden die Produkte 2-Butylencyanamid und das N-Cyano-2,2-dimethylaziridin im Verhältnis 1,4 : 1 gebildet.<ref name="Marsh2" /><ref name="Marsh3">M. E. Hermes, F. D. Marsh: N-Cyanoaziridines and 1-alkylalkylidenecyanamides from cyanogen azide and olefins. In: The Journal of Organic Chemistry. 37, Nr. 19, 1972, S. 2969–2979, doi:10.1021/jo00984a013.</ref> Mit anderen Alkenen, wie mit Ethen, Propen, 1-Buten, den beiden 2-Butenisomeren, 2-Methyl-but-2-en, 2,3-Dimethyl-2-buten, 3,3-Dimethyl-1-buten oder 2-Hexen wird eine ähnliche Umsetzung mit Bevorzugung der Alkylidencyanamide als Produkt beobachtet.<ref name="Marsh3" />

Datei:Cyanogen azide reaction01.svg

Die Reaktion mit cylischen Alkenen führt im Fall von Cyclopenten nahezu vollständig zum korrespondierenden Imin des Cyanamids, das anschließend zum Cyclopentanon hydrolysiert werden kann. Im Gegensatz dazu ist mit Norbornen das Aziridin das Hauptprodukt.<ref name="Marsh3" />

Datei:Cyanogen azide reaction02.svg

Mit Cycloalkenen mit trisubstituierter Doppelbindung kann zusätzlich eine Ringverkleinerung wie im Beispiel von 1-Methylcyclohexen zum Cylopentanderivat beobachtet werden.<ref name="Marsh3" /> In Gegenwart von Lithiumperchlorat kann bei der Umsetzung von Methylencyclohexanen eine Ringerweiterung zu Cycloheptanderivaten erreicht werden.<ref>John E. McMurry: New ring-enlargement reaction. In: Journal of the American Chemical Society. 91, Nr. 13, 1969, S. 3676–3677, doi:10.1021/ja01041a059.</ref><ref>John E. McMurry, Anthony P. Coppolino: Cyanogen azide ring-expansion reaction. In: The Journal of Organic Chemistry. 38, Nr. 16, 1973, S. 2821–2827, doi:10.1021/jo00956a019.</ref>

Datei:Cyanogen azide reaction03.svg

Bei Umsetzungen bei erhöhter Temperatur wird aus Cyanamid unter Stickstoffabspaltung als Intermediat das Cyanonitren gebildet. Dieses reagiert mit gesättigten Kohlenwasserstoffen zu Alkylcyanamiden.<ref name="Anastassiou" /> Mit Benzol gelingt die Ringerweiterung zum Cyanoazepin. Diese Reaktion kann auch mit Toluol, p-Xylol, Benzoesäuremethylester, Chlorbenzol, Fluorbenzol Hexafluorbenzol, Trifluormethylbenzol und Benzotrichlorid mit hoher Ausbeute durchgeführt werden.<ref>F. D. Marsh, H. E. Simmons: N-Cyanoazepines from Cyanonitrene and Aromatic Compounds. In: Journal of the American Chemical Society. 87, Nr. 15, 1965, S. 3529–3530, doi:10.1021/ja01093a060.</ref>

Datei:Cyanogen azide reaction04.svg

Durch Umsetzung mit Hydrazin ist über eine Azidohydrazozwischenverbindung das 1,5-Diamino-1H-tetrazol zugänglich.<ref name="Joo">Joo, Y.-H.; Twamley, B.; Garg, S.; Shreeve, J.M.: Energetic Nitrogen-Rich Derivatives of 1,5-Diaminotetrazole. In: Angew. Chem. 120 (2008) S. 6332–6335, doi:10.1002/ange.200801886.</ref>

Datei:1,5-Diamino-1H-tetrazole synthesis01.svg

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />