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Irinarassit

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Irinarassit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2010-073<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Inr<ref name="Warr" />

Chemische Formel Ca3Sn2Al2SiO12<ref name="Galuskina et al. 2013" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silicate und Germanate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)

VIII/A.08-175
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakisoktaedrisch; 4/m32/m
Raumgruppe Ia3d (Nr. 230)Vorlage:Raumgruppe/230
Gitterparameter a = 12,50 Å<ref name="Galuskina et al. 2013" />
Formeleinheiten Z = 8<ref name="Galuskina et al. 2013" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte nicht bestimmt
Dichte (g/cm3) berechnet: ~4,30<ref name="Galuskina et al. 2013" />
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität uneben<ref name="Mindat" />
Farbe gelb bis blassbraun<ref name="Galuskina et al. 2013" />
Strichfarbe blass gelblichgrau<ref name="Galuskina et al. 2013" />
Transparenz durchscheinend<ref name="Mindat" />
Glanz nicht definiert
Radioaktivität durch Uraneinbau mitunter schwach radioaktiv
Kristalloptik
Brechungsindex n ~1,9 (berechnet)<ref name="Galuskina et al. 2013" />
Doppelbrechung isotrop<ref name="Galuskina et al. 2013" />

Das Mineral Irinarassit ist ein sehr seltenes Silikat aus der Obergruppe der Granate mit der Endgliedzusammensetzung Ca3Sn2Al2SiO12. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der Struktur von Granat und findet sich in schmalen Zonen oder kleinen Flecken in Kimzeyit-Kerimasit-reichen Granaten oder als wenige µm große Kristalle in Umwandlungsprodukten von Zirkon.<ref name="Galuskina et al. 2013" />

Irinarassit ist bislang (2017) nur in seiner Typlokalität nachgewiesen worden, einem Kalksilikat-Xenolithen aus einem Ignimbrit von Berg Lakargi, Chegem Caldera in der nordkaukasischen Republik Kabardino-Balkarien in Russland.<ref name="Fundorte"/>

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Künstlich erzeugte Zinn-reiche Granate mit bis zu 26 Gew-% SnO2 treten zusammen mit Cassiterit in Schlacken aus der Zinnverhüttung auf.<ref name="Butler 1978" />

Natürliche zinnhaltige Granate sind sehr selten. In wenigen Zinn-führenden Skarnen wurden Andradite mit bis zu 5,8 Gew-% SnO2 gefunden und in den sanidinitfaziellen Kalk-Silikat-Fremdgesteinseinschlüssen des Ignimbrites der Chegem Caldera konnten die Sn-Granate Bitikleit, Dzhuluit und Toturit nachgewiesen werden. In diesen Xenolith entdeckte die Arbeitsgruppe um Galuskina einen Sn-Al-Silikatgranat. Sie benannten das neue Mineral nach Irina Teodorovna Rass, einer Mitarbeiterin am Institut für Geologie der Erzlagerstätten, Petrographie, Mineralogie und Geochemie (IGEM) der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. Sie ist eine bekannte Spezialistin für die Petrologie und Geochemie von alkalireichen, ultrabasischen Karbonatitkomplexen, Lamproiten und Kimberliten.<ref name="Galuskina et al. 2013" />

Klassifikation[Bearbeiten]

Die aktuelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Irinarassit zur Granat-Obergruppe, wo er zusammen mit Kimzeyit, Hutcheonit, Schorlomit, Kerimasit und Toturit die Schorlomit-Gruppe mit 10 positiven Ladungen auf der tetraedrisch koordinierten Gitterposition bildet.<ref name="Grew et al. 2013" />

Die veraltete, aber noch gebräuchliche 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz führt den Irinarassit noch nicht auf. Er würde zusammen mit Almandin Andradit, Calderit, Goldmanit, Grossular, Henritermierit, Hibschit, Holtstamit, Hydrougrandit (diskreditiert), Katoit, Knorringit, Majorit, Morimotoit, Pyrop, Schorlomit, Spessartin, Uwarowit, Wadalit und Yamatoit (diskreditiert, da identisch mit Momoiit) zur „Granatgruppe“ mit der System-Nr. VIII/A.08 in der Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“ gezählt werden.

Auch die seit 2001 gültige 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik kennt den Irinarassit noch nicht. Hier würde er ebenfalls die „Granatgruppe“ mit der System-Nr. 9.AD.25 innerhalb der Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“ eingeordnet werden. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Inselsilikate ohne zusätzliche Anionen; Kationen in oktaedrischer [6]er- und gewöhnlich größerer Koordination“ zu finden wäre. Auch die nach 2001 beschriebenen Granate Hutcheonit, Kerimasit, Toturit, Menzerit-(Y) und Eringait wären in die Granatgruppe einsortiert worden.<ref name="IMA-Liste-2009" />

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana würde den Irinarassit in die Abteilung der „Inselsilikatminerale“ einordnen. Hier wäre er zusammen mit Kimzeyit, Schorlomit und Morimotoit in der „Granatgruppe (Schorlomit-Kimzeyit-Reihe)“ mit der System-Nr. 51.04.03c innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in [6] und >[6]-Koordination“ zu finden.

Chemismus[Bearbeiten]

Irinarassit ist das Sn-Al-Analog von Schorlomit und bildet komplexe Mischkristalle vor allem mit Kimzeyit, Kerimasit und Schorlomit. Die empirische Zusammensetzung aus der Typlokalität ist

  • [X](Ca2,965Fe2+0,035)[Y](Sn4+1,016Zr4+0,410Ti4+0,262Sb5+0,237Fe2+0,035U6+0,017Sc3+0,014Hf4+0,006Nb5+0,004)[Z](Al1,386Fe3+0,804Si0,446Ti4+0,262)<ref name="Galuskina et al. 2013" />,

wobei mit [X], [Y] und [Z] die Positionen in der Granatstruktur angegeben sind.

Die Zusammensetzungen der Mischkristalle können mit verschiedenen Kombinationen von Endgliedern ausgedrückt werden. So besteht eine weitgehende Mischbarkeit von Irinarassit und Kimzeyit und Hutcheonit entsprechend den Austauschreaktionen

  • [Y]Sn4+ = [Y]Zr4+ (Kimzeyit)
  • [Y]Sn4+ = [Y]Ti4+ (Hutcheonit)

sowie den Fe3+ Mineralen der Schorlomit-Gruppe Schorlomit, Kerimasit und Toturit entsprechend der Austauschreaktion

  • [Z]Al3+ = [Z]Fe3+

Darüber hinaus enthält Irinarassit auf rund 10 % der oktaedrisch koordinierten Y-Position Sb5+, entsprechend einer Mischkristallbildung mit Ferrit-Granaten der Bitikleit-Gruppe mit der Austauschreaktion

  • [Y]Sn4+ + [Z]Si4+ = [Y]Sb5+ + [Z](Al,Fe)3+ (Bitikleit/Dzhuluit).

Die Ti-Gehalte auf der Z-Position können als Beimischung eines bislang nur synthetisch bekannten Ti-Analogs von Irinarassit, [X]Ca3[Y]Sn4+2[Z](Al2Ti4+)O12<ref name="Yamane & Kawano 2011" /> entsprechend der Austauschreaktion

  • [Z]Si4+ = [Z]Ti4+

beschrieben werden.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Irinarassit kristallisiert mit kubischer Symmetrie in der Raumgruppe Ia3d (Raumgruppen-Nr. 230)Vorlage:Raumgruppe/230 mit 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle. Der natürliche Mischkristall aus der Typlokalität hat dem Gitterparameter a = 12,50 Å.<ref name="Galuskina et al. 2013" />

Die Struktur ist die von Granat. Calcium (Ca2+) besetzt die dodekaedrisch von 8 Sauerstoffionen umgebenen X-Positionen, Zinn (Sn4+) die oktaedrisch von 6 Sauerstoffionen umgebene Y-Position und die tetraedrisch von 4 Sauerstoffionen umgebenen Z-Position ist mit Aluminium (Al3+) und Silicium (Si4+) besetzt.<ref name="Galuskina et al. 2013" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Irinarassit bildet sich bei niedrigem Druck und hohen Temperaturen um 800–1000 °C in kontaktmetamorphen, Sn-führenden Skarnen als Umwandlungsprodukt von Zirkon, aufgewachsen auf Kerimasit.<ref name="Galuskina et al. 2013" />

Die Typlokalität von Irinarassit ist ein karbonatreicher Xenolith im Ignimbrit von Berg Lakargi, Chegem Caldera in der nordkaukasischen Republik Kabardino-Balkarien in Russland. Hier tritt Irinarassit in der Larnit-Cuspidin-Zone des Xenolith Nummer 7 am Kontakt zum Ignimbrit auf. Begleitminerale sind neben Kerimasit-Kimzeyit-Mischkristallen, Lakargiit und Tazheranit auch Larnit, Baddeleyit, Baghdadit und Perowskit.<ref name="Galuskina et al. 2013" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Galuskina et al. 2013"> I.O. Galuskina, E.V. Galuskin, K. Prusik, V.M. Gazeev, N.N. Pertsev and P. Dzierżanowski: Irinarassite Ca3Sn2SiAl2O12 - new garnet from the Upper Chegem Caldera, Northern Caucasus, Kabardino-Balkaria, Russia. In: Mineralogical Magazine. Band 77, Nr. 6, August 2013, S. 2857–2866 (psu.edu [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 25. September 2017]). </ref> <ref name="Butler 1978"> B. C. M. Butler: Tin-rich garnet, pyroxene, and spinel from a slag. In: Mineralogical Magazine. Band 42, Dezember 1978, S. 487–492 (rruff.info [PDF; 464 kB; abgerufen am 25. September 2017]). </ref> <ref name="Grew et al. 2013"> Edward S. Grew, Andrew J. Locock, Stuart J. Mills, Irina O. Galuskina, Evgeny V. Galuskin and Ulf Hålenius: IMA Report Nomenclature of the garnet supergroup. In: American Mineralogist. Band 98, Nr. 4, 2013, S. 785–811, doi:10.2138/am.2013.4201 (rruff.info [PDF; 2,3 MB; abgerufen am 31. August 2024]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Irinarassit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Irinarassite (englisch) </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Yamane & Kawano 2011"> Hisanori Yamane, Tetsuya Kawano: Preparation, crystal structure and photoluminescence of garnet-type calcium tin titanium aluminates. In: Journal of Solid State Chemistry. Band 184, Nr. 5, 2011, S. 965–970, doi:10.1016/j.jssc.2011.02.016. </ref> </references>