Martin Sellner
Martin Michael Sellner (* 8. Jänner 1989 in Wien) ist ein österreichischer rechtsextremer Aktivist und Autor. Von 2015 bis 2023 war er Sprecher der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ). Er ist auch als Akteur der Neuen Rechten bekannt und propagiert rassistische, völkische und antisemitische Positionen. Mehrere Staaten haben gegen Sellner unbefristete oder temporäre Einreiseverbote verhängt, darunter Deutschland, die Schweiz, die USA und das Vereinigte Königreich. Diese Verbote erwiesen sich später teilweise als rechtswidrig.
Leben[Bearbeiten]
Sellner wuchs als Sohn eines Homöopathen<ref name="FuchsMiddelhoff">Christian Fuchs, Paul Middelhoff: Das Netzwerk der Neuen Rechten: Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern. Rowohlt, Leipzig 2019, ISBN 978-3-499-63451-2, S. 12 f.</ref> und einer Englischlehrerin in Baden bei Wien auf.<ref name="Röpke2018">Andrea Röpke: 2018 Jahrbuch rechte Gewalt. Droemer Knaur, München 2018, ISBN 978-3-426-78913-1, S. 53.</ref> Sellner leistete Präsenzdienst (Grundwehrdienst) beim österreichischen Bundesheer.<ref name="BrunsGlöselStrobl">Julian Bruns, Kathrin Glösel, Natascha Strobl: Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa. Unrast, Münster 2014, ISBN 978-3-89771-549-3, S. 79 f.</ref> In Wien studierte er Philosophie<ref>Andreas Speit: Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte – von AfD bis Pegida. Orell Füssli, Zürich 2016, ISBN 978-3-280-05632-5, S. 169.</ref> und schloss sein Studium mit dem Bachelor ab.<ref>Andreas Speit: Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte – von AfD bis Pegida. Orell Füssli, Zürich 2016, ISBN 978-3-280-05632-5, S. 169.</ref> Das Studium der Rechtswissenschaft brach er ab.<ref>Daniel Erk: Martin Sellner hört Hip-Hop und hasst den Islam. In: Zeit Campus, Nr. 5/2017, 5. Oktober 2017.</ref> Er ist mit der US-amerikanischen Vloggerin der Alt-Right-Bewegung Brittany Pettibone seit August 2019 verheiratet und hat seit 2021 einen Sohn mit ihr.<ref>Florian Schroeder: Extrem rechts und extrem gefährlich: Die unheimliche Gedankenwelt des Martin Sellner. In: Tagesspiegel, 13. Jänner 2024.</ref>
Als Jugendlicher schloss er sich der Neonazi-Szene an.<ref>Daniel Erk: Martin Sellner hört Hip-Hop und hasst den Islam. In: Zeit Campus, Nr. 5/2017, 1. August 2017.</ref> Sein Mentor war der verurteilte Holocaustleugner Gottfried Küssel.<ref>Simon Cox, Anna Meisel: Martin Sellner: The new face of the far right in Europe. In: BBC.com, 20. September 2018.</ref> Sellner hat einen Onlineshop, der T-Shirts vertreibt. Nach einem Bericht in der Zeitschrift Profil wird er teilweise von Sympathisanten über ein Spendenportal finanziert.<ref name="Röpke2018" />
Soziale Medien[Bearbeiten]
Zur Verbreitung seiner politischen Botschaften nutzte Sellner einen YouTube-Kanal. Von 2017 bis 2019 lud er 411 Videos hoch. Seit 13. Juli 2020 ist der YouTube-Kanal gesperrt.<ref name="youtubeSperre">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Youtube sperrt Konten rechtsextremer Identitären Bewegung.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 14. Juli 2020.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Karolin Schwarz: Hasskrieger. Der neue globale Rechtsextremismus. Herder, Freiburg 2020, S. 197.</ref> Wegen mehrmaliger Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen wurde er auch auf Instagram und Twitter gesperrt und auf Facebook blockiert. Seither versucht seine Frau Brittany Pettibone, ihn über die sozialen Medien in den USA populär zu machen.<ref>Martin Fabian Schmidt: Sellner, der rechtsextreme Influencer. In: Der Standard, 30. März 2019.</ref> Er wich auf einen Telegram-Kanal aus, der im Jänner 2024 rund 65.400 Abonnenten hatte, und veröffentlicht seine Gesprächsvideos auch auf Rumble (1030 Follower im Februar 2024).<ref>Moritz Ablinger: Martin Sellner: Der Möchtegern-Führer. In: Profil.at. 10. Februar 2024, abgerufen am 12. Februar 2024.</ref> Auf X (vormals Twitter) wurde Sellners Konto im März 2024 entsperrt.<ref>Identitärer Ideologe Martin Sellner zurück auf „X“. Abgerufen am 27. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Einreiseverbote[Bearbeiten]
Im Jahr 2018 verweigerten ihm britische Behörden mehrfach die Einreise nach Großbritannien und verwiesen ihn des Landes;<ref>Einreisesperre für Sellner? In: taz.de, 23. Jänner 2024, abgerufen am 24. Jänner 2024.</ref> im Juni 2019 verhängte das britische Innenministerium schließlich zum Schutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ein unbefristetes Einreiseverbot gegen Sellner.<ref>Ben Quinn, Jason Wilson: Anti-Islamic extremist permanently excluded from entering UK. In: The Guardian, 26. Juni 2019, abgerufen am 1. Juni 2024.</ref>
Nachdem Sellner eine Spende des Christchurch-Attentäters Brenton Tarrant angenommen hatte, verhängten die Vereinigten Staaten im März 2019 ein Einreiseverbot<ref>Einreiseverbot in die USA für „Identitären“ Martin Sellner. In: stern.de, 28. März 2019, abgerufen am 24. Jänner 2024.</ref> gegen ihn und entzogen ihm sein Langzeitvisum.<ref>Österreichs „Identitären“-Chef wird US-Visum aberkannt. In: Handelsblatt, 29. März 2019, abgerufen am 1. Juni 2024.</ref>
Im März 2024 erhielt Sellner nach einem Entscheid der Stadt Potsdam ein Einreiseverbot nach Deutschland. Der Entscheid erging unter Verweis auf § 6 Abs. 1 FreizügG/EU „aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“. Dem Einreiseverbot vorausgegangen waren deutschlandweite Proteste gegen Rechtsextremismus, die sich auf einen in Potsdam gehaltenen Vortrag Sellners zur Remigration bezogen.<ref>Einreiseverbot nach Deutschland gegen Martin Sellner verhängt. In: rbb24.de. 19. März 2024, abgerufen am 19. März 2024.</ref><ref>Christoph Koopmann: Rechtsextremismus: Einreiseverbot für Martin Sellner. In: sueddeutsche.de. 19. März 2024, abgerufen am 19. März 2024.</ref> Infolge eines Eilantrags Sellners gegen dieses Einreiseverbot wurde dessen Vollzug von der Stadt Potsdam im April 2024 ausgesetzt.<ref>Einreiseverbot gegen Sellner wird noch nicht vollstreckt. In: lto.de, 9. April 2024, abgerufen am 31. Mai 2024.</ref> Das Verwaltungsgericht Potsdam gab dem Eilantrag Ende Mai 2024 mit aufschiebender Wirkung statt; das Einreiseverbot darf somit vorerst nicht vollzogen werden. Laut Gericht erfüllte die Begründung der Stadt Potsdam für das Verbot nicht die „tatbestandlichen Voraussetzungen“ für einen solchen schwerwiegenden Eingriff. Die Verfügung sei nach der im Eilverfahren möglichen Prüfung erwiesen rechtswidrig.<ref>dpa: Rechtsextremist Sellner darf vorerst weiter einreisen. In: Sueddeutsche.de, 31. Mai 2024, abgerufen am 31. Mai 2024.</ref>
Die Schweiz untersagte ihm im Oktober 2024 temporär<ref>Martin Sellner nach Deutschland abgeschoben, Tages-Anzeiger, 19. Oktober 2024.</ref> die Einreise, nachdem Sellner eine Veranstaltung im Kanton Zürich geplant hatte.<ref>Schweizer Polizei verbietet Rechtsextremist Sellner die Einreise. Der Standard, 11. Oktober 2024.</ref> Sellner hielt sich nicht an das Verbot und wurde am 19. Oktober 2024 an der Schweizer Grenze festgenommen.<ref>Rechtsextremist Martin Sellner in Kreuzlingen TG verhaftet! nau.ch, 19. Oktober 2024.</ref> Im Dezember 2025 entschied das Bundesverwaltungsgericht rechtskräftig, dass das Einreiseverbot widerrechtlich verhängt wurde und sprach Sellner eine Entschädigung in Höhe von 3.000 Franken zu. Während des Verfahrens stellte sich heraus, dass sowohl die Kantonspolizei Zürich als auch die Fedpol um die Rechtswidrigkeit des Einreiseverbots wussten. Die damalige Fedpol-Chefin Nicoletta della Valle bestand dennoch auf der Umsetzung des Verbots. Medienberichten zufolge war diese Intervention polizeiintern äußerst umstritten.<ref>Quentin Schlapbach: Die Schweiz muss dem rechtsextremen Österreicher Martin Sellner 3000 Franken zahlen. In: Tagesanzeiger.ch. 9. Dezember 2025, abgerufen am 10. Dezember 2025.</ref>
Politische Aktivitäten[Bearbeiten]
Sellner bezeichnet Götz Kubitschek als wegweisend für seine politischen Aktivitäten. Schon vor seiner Begegnung mit Kubitschek im Jahr 2012 anlässlich eines Kongresses der französischen Identitären hatte er eine Karriere im rechtsextremen Milieu durchlaufen und war ab Mitte der 2000er Jahre in einem neonationalsozialistischen Umfeld aktiv. So kam er u. a. mit dem österreichischen Rechtsextremisten Gottfried Küssel in Kontakt.<ref>Steven Schäller: Biographisches Porträt: Martin Sellner. In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-6408-2, S. 194.</ref>
Sellner fiel im Jahre 2006 polizeilich auf, als er gemeinsam mit einer anderen Person Hakenkreuz-Aufkleber an der Synagoge im niederösterreichischen Baden anbrachte. Auch Sticker mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift „Legalisiert es“ sowie Aufkleber mit einem Wappen und den Buchstaben AJ (für „Arische Jugend“) wurden verwendet. Der Mittäter gab später in einer Vernehmung an, man habe „irgendetwas machen“ wollen, als man von der Verurteilung des britischen Holocaustleugners David Irving gehört habe.<ref>Identitären-Chef klebte Hakenkreuze auf Synagoge. oe24.at, 4. April 2019.</ref> Im Rahmen einer Diversion hatte Sellner 100 Stunden gemeinnützige Arbeit am jüdischen Friedhof in Baden abzuleisten.<ref>Thomas Götz: Martin Sellner klebte Hakenkreuze auf Synagoge: „Wollte provozieren“. kleinezeitung.at, 5. April 2019.</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Sellner klebte Hakenkreuze an Synagoge ( vom 5. April 2019 im Internet Archive). heute.at, 4. April 2019.</ref>
Im Dezember 2012 gründete er als Student der Philosophie und Rechtswissenschaften zusammen mit Patrick Lenart die Identitäre Bewegung Österreichs (IBÖ).<ref>Steven Schäller: Biographisches Porträt: Martin Sellner. In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-6408-2, S. 196.</ref> Er wirkte unter Rückgriff auf Alain de Benoist, Armin Mohler und Renaud Camus laut Steven Schäller an der allgemeinen metapolitischen Ausrichtung der Identitären sowie an „der konkreten Ausgestaltung der Begriffe des Ethnopluralismus, der Identität und der Heimat“ mit und trug dazu bei, die ideologischen Feindbilder der IBÖ zu umreißen. Der „Große Austausch“ wurde unter seiner Leitung zum Gegenstand einer Kampagne der IBÖ.<ref>Steven Schäller: Biographisches Porträt: Martin Sellner. In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-6408-2, S. 198.</ref>
Seit 2015 ist er in dem vom Verleger Götz Kubitschek initiierten rechtsextremen Institut für Staatspolitik und als Autor im dazugehörigen Hausverlag Antaios aktiv.<ref>Helmut Kellershohn: „Es geht um Einfluss auf die Köpfe“ – Das Institut für Staatspolitik. Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier Rechtsextremismus, 7. Juli 2016, Fn. 28.</ref> Außerdem betrieb Sellner einen Kanal auf der Videoplattform YouTube mit über 100.000 Abonnenten, welcher im Jahr 2020 ebenso wie sein Twitter-Account vom Betreiber aufgrund anhaltender Verstöße gegen das in den Nutzungsbedingungen geregelte Verbot von Hassreden gelöscht wurde.<ref>Youtube sperrt Konten der Identitären Bewegung. In: Zeit Online, 14. Juli 2020, abgerufen am 7. Oktober 2021.</ref> Das seit 2023 als X benannte soziale Netzwerk hob im März 2024 die Sperre gegen Sellner auf, der seither wieder twittert.<ref>Martin Sellner wurde auf „X“ entsperrt und postet schon wieder. In: Kleine Zeitung, 10. März 2024, abgerufen am 20. März 2024.</ref>
Bis Anfang 2023<ref>Markus Sulzbacher: Austausch bei den Identitären: Sellner zieht sich aus der ersten Reihe zurück. In: derstandard.de. 13. Februar 2023, abgerufen am 24. März 2023.</ref> war Sellner Co-Chef<ref>Verfassungsschutz BW: Zwischen „Digitalguerilla“ und „Straßenbüro“ – „Identitäre Bewegung“ reagiert auf Kontosperrungen bei Twitter und YouTube. 4. August 2020, abgerufen am 21. November 2021.</ref> der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich und war 2017 maßgeblich an deren Aktion Defend Europe beteiligt.<ref>Schiff der „Identitären“ auf Zypern festgehalten. Tagesschau.de, 27. Juli 2017 (Archiv).</ref> Ferner ist er Mitbegründer des rechten Trollservers Infokrieg und war bei dessen Nachfolger Reconquista Germanica prominentes Mitglied.<ref>Patrick Stegemann, Sören Musyal: Die rechte Mobilmachung. Woe radikale Netzaktivisten die Demokratie angreifen. Econ, Berlin 2020, ISBN 978-3-430-21022-5, S. 212.</ref>
Am 25. November 2023 nahm Sellner mit weiteren Rechtsextremisten am Treffen in Potsdam teil. Dort geladen waren u. a. Mitglieder der AfD (so wohl auch Roland Hartwig, damals persönlicher Referent Alice Weidels) sowie Mitglieder der CDU und des Vereins Werteunion.<ref>Fatina Keilani: AfD-Politiker sollen sich heimlich mit Rechtsextremisten getroffen haben, um massenhafte Abschiebungen zu planen. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. Januar 2024, abgerufen am 11. Januar 2024.</ref> Laut Recherchen von Correctiv trug Sellner dort seinen „Masterplan zur Remigration“ vor, dessen Ziel es sei, „die Ansiedlung von Ausländern rückabzuwickeln“. Zu den drei Zielgruppen, die Deutschland verlassen sollen, gehören Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht und auch „nicht assimilierte Staatsbürger“.<ref>Marcus Bensmann, Justus von Daniels, Anette Dowideit, Jean Peters und Gabriela Keller: Geheimplan gegen Deutschland. Correctiv, 24. Januar 2024, abgerufen am 26. April 2026.</ref><ref>Deutschlandfunk: „Correctiv“-Recherche: Rechtsextremisten berieten mit AfD-Politikern über Massenausweisungen von Menschen mit Migrationshintergrund. In: deutschlandfunk.de. 10. Januar 2024, abgerufen am 10. Januar 2024.</ref>
Wie Recherchen der Augsburger Allgemeinen ergaben, hatte Sellner laut dem Präsidenten des bayerischen Verfassungsschutzes Burkhard Körner bereits zwei Wochen zuvor in Dasing sein „Remigrations“-Konzept vor eigenen Anhängern und AfD-Mitgliedern (darunter laut Augsburger Allgemeine die Mitglieder des Bayerischen Landtags Franz Schmid und Daniel Halemba) vorgestellt.<ref>Auch in Dasing sprachen Rechtsextreme über „Remigration“. In: augsburger-allgemeine.de, 1. Februar 2024.</ref> In der Folge hat die Stadt Potsdam „[…] das rechtsstaatliche Verfahren zum Entzug der Freizügigkeit gegen den österreichischen Staatsbürger Martin Sellner begonnen“, zu dem Sellner schon im Vorhinein bekanntgab, dass er es bekämpfen werde.<ref>Potsdam will Einreiseverbot für Rechtsextremisten Sellner. In: ORF.at, 4. Februar 2024, abgerufen am 4. Februar 2024.</ref>
Am 16. März 2024 hielt Sellner in Tegerfelden im Schweizer Kanton Aargau einen Vortrag auf Einladung der rechtsextremen Jungen Tat.<ref>Redaktion: Rechtsextremist Sellner abgeführt – Elon Musk schaltet sich ein. Abgerufen am 17. März 2024.</ref> Der Inhaber des Veranstaltungsortes hatte die Nutzung der Räumlichkeiten untersagt und die Polizei informiert. Sellner erhielt von der Kantonspolizei Aargau zur Gewährung der öffentlichen Sicherheit eine Wegweisung aus dem Kanton und musste diesen umgehend verlassen.<ref>Rechtsextremer Redner – Martin Sellner aus dem Kanton Aargau weggewiesen. 16. März 2024, abgerufen am 17. März 2024.</ref>
Im Juli 2024 geriet Sellner medial erneut in die Schlagzeilen, als er im Rahmen einer Lesereise seines Buchs Remigration. Ein Vorschlag ankündigte, in mehreren deutschen Städten interne Veranstaltungen abzuhalten. Mehrere Städte wehrten sich jedoch gegen Sellners angekündigte Auftritte und in mehreren Städten, wie Marburg, Pforzheim oder Saarbrücken wurden Demonstrationen gegen Rechtsextremismus abgehalten.<ref>S. W. R. Aktuell: Rätselraten um Auftritt von Rechtsextremist Martin Sellner. 2. August 2024, abgerufen am 2. August 2024.</ref> Die Stadt Marburg forderte für Sellner sogar ein Einreiseverbot.<ref>Marburg will Einreiseverbot für Martin Sellner. 16. Juli 2024, abgerufen am 2. August 2024.</ref> Sellners Lesungen fanden unter anderem in Gladenbach und Borg statt, was teils große polizeiliche Aufgebote in den Städten zur Folge hatte.<ref>Saarländischer Rundfunk: Rechtsextremist Martin Sellner zu Lesung in Perl-Borg. 8. Februar 2024, abgerufen am 2. August 2024.</ref><ref>Rechtsextremist Martin Sellner liest in Gladenbach. 29. Juli 2024, abgerufen am 2. August 2024.</ref>
Januar 2026 nahm Sellner gemeinsam mit der AfD-Politikerin Lena Kotré an einer Podiumsveranstaltung mit anschließender Pressekonferenz teil. Im selben Monat wurde Sellner im Thüringer Landtag von Land- und Bundestagsabgeordneten der AfD empfangen, darunter Stefan Möller, Daniel Haseloff und Robert Teske.<ref>Annika Leister: Plötzlich spricht Weidel von Kindern www.t-online.de, 27. Januar 2026.</ref>
Im September 2026 gründete Sellner ein Institut für Remigration mit Sitz in Magdeburg.<ref>Nach AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: Sellner gründet „Institut für Remigration“. In: Berliner Morgenpost. 27. September 2026, abgerufen am 30. September 2026.</ref>
Positionen[Bearbeiten]
Sellner vertritt laut Der Spiegel rassistische,<ref>Nach rechtsextremem Potsdam-Auftritt: Deutschland prüft Einreiseverbot für Sellner. In: Der Spiegel. 23. Januar 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 23. Januar 2024]).</ref> laut Profil völkische<ref>Moritz Ablinger: Martin Sellners „Geheimplan“: Völkische Träume. In: Profil. 11. Januar 2024, abgerufen am 23. Januar 2024.</ref> und laut der Jüdischen Allgemeinen antisemitische<ref>Ralf Balke: Braune Hipster. In: Jüdische Allgemeine. 9. Mai 2019, abgerufen am 23. Januar 2024.</ref> Positionen.
Eine „kranke Ideologie der Gleichheit“ versuche, so Sellner 2013, die Menschheit zu „vereinheitlichen“. Auch in der Geschlechterpolitik führe eine derartige „Ideologie“ zu „einem androgynen, formlosen, typenlosen Einheitsmenschen“; letztendlich gebe es dann „keine echten Männer und keine Frauen mehr“.<ref>Judith Goetz: Aber wir haben die wahre Natur der Geschlechter erkannt …‘. Geschlechterpolitiken, Antifeminismus und Homofeindlichkeit im Denken der ‚Identitären‘. In: Judith Goetz, Joseph Maria Sedlacek, Alexander Winkler (Hrsg.): Untergangster des Abendlandes. Ideologie und Rezeption der rechtsextremen Identitären. 2. Auflage. Marta Press, Hamburg 2018, S. 260.</ref>
Für Sellner ist ein Volk eine gegen alles Fremde abgegrenzte Abstammungsgemeinschaft ebenso wie eine Sprach- und Kulturgemeinschaft. Jeder einzelne Mensch befinde sich, wie er 2016/2017 äußerte, in einem „Körper, dessen kleinste Makel und Stärken aus der Lebensführung endloser Ahnenketten in einer Sprach- und Kulturwelt aus dem tagtäglichen Gebrauch unserer Vorfahren entstanden und gewachsen“ seien. Diese Ausführungen basieren auf der Vorstellung, dass Menschen nur als Produkte des ethnokulturellen Kollektivs existieren. Ein Beitritt entzieht sich somit völlig dem freien Willen und lässt sich laut Sellner „nicht mit willkürlichen Entscheidungen und bloß juristischen Feststellungen bewerkstelligen“.<ref>Ines Aftenberger: Die ‚identitäre‘ Beseitigung des Anderen. Der gar nicht mehr so neue Neorassismus der ‚Identitären‘. In: Judith Goetz, Joseph Maria Sedlacek, Alexander Winkler (Hrsg.): Untergangster des Abendlandes. Ideologie und Rezeption der rechtsextremen ‚Identitären‘. 2. Auflage. Marta Press, Hamburg 2018, S. 211.</ref>
Auf seinem Telegram-Kanal teilte Sellner seinen Abonnenten mit, dass der „Widerstand […] keinen Soros, keine EU-Fördergelder“ habe, „sondern nur euch“. Vor dem Hintergrund, dass Soros innerhalb der Neuen Rechten als „Strippenzieher des Kapitals“ und Initiator des vermeintlichen „Großen Austauschs“ gilt, schreiben Stegemann/Musyal, dass Sellner mit „genau diesen strukturell antisemitischen Klischees“ spiele, „um eine aufrechte Gemeinschaft des Widerstands zu konstruieren und Identifikation zu erzeugen“.<ref>Patrick Stegemann, Sören Musyal: Die rechte Mobilmachung. Wie radikale Netzaktivisten die Demokratie angreifen. Econ, Berlin 2020, S. 81 f.</ref>
Sellner stellte einen Zusammenhang zwischen der Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus und Migration her.<ref>Maria Fiedler: Verschwörungstheorien, Propaganda, Chaos: Wie Rechtsextreme in der Coronakrise zündeln. tagesspiegel.de, 27. März 2020</ref> Insbesondere hielten sich, so Sellner, Zugewanderte nicht an die Corona-Regeln.<ref>Annelie Naumann, Matthias Kamann: Corona-Krieger. Verschwörungs-Mythen und die Neuen Rechten. Das Neue Berlin, Berlin 2021, ISBN 978-3-360-01377-4, S. 100.</ref> Sellner beteiligte sich zudem an Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen.<ref>Claudia Steiner, Clemens Verenkotte: Rund 40.000 Teilnehmer bei Corona-Protesten in Wien. br.de, 21. November 2021 (Archiv).</ref>
Angesichts der Politik Donald Trumps gegenüber Grönland und Venezuela, die dem von Sellner stets hochgehaltenen Grundsatz nationaler Selbstbestimmung zuwiderläuft, betonte dieser, wichtiger sei der Kampf gegen die „demographische Katastrophe“. Dafür seien die USA weiterhin ein wichtiger Verbündeter, selbst wenn sie imperialistisch agierten: „Demografie ist wichtiger als Souveränität“. Robert Pausch deutet diese Haltung in der Zeit so, dass Sellner bevorzugen würde, in einem Vasallenstaat zu leben, wenn es nur ein weißer Vasallenstaat sei: Das klinge „wie eine Patrioten-Parodie“.<ref>Robert Pausch: Die rechten Hütchenspieler. In: Die Zeit vom 29. Januar 2025, S. 4.</ref>
Sonstiges[Bearbeiten]
Verbindungen zum rechtsextremen Massenmörder Brenton Tarrant[Bearbeiten]
Nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch am 15. März 2019 wurden Vorwürfe der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung gegen Sellner und die Identitären erhoben, da Sellner am 5. Jänner 2018 von dem australischen Rechtsterroristen Brenton Tarrant eine Spende in Höhe von rund 1500 Euro erhalten hatte.<ref>Hasnain Kazim: Österreich, die Identitären und der Terrorist von Christchurch. Spiegel online, 30. März 2019.</ref><ref name="NZZ">Matthias Benz: Verbindung zwischen dem Christchurch-Attentäter und der Identitären Bewegung schlägt in Österreich hohe Wellen. NZZ, 27. März 2019.</ref><ref name="Thorwardt">Katja Thorwart: Hausdurchsuchung bei Martin Sellner wegen Spende von Christchurch-Attentäter. Frankfurter Rundschau, 27. März 2019.</ref><ref>Daniel Erk: Warum die Identitären am Ende sind. Zeit Online, 28. März 2019.</ref> In Interviews distanzierte sich Sellner von dem Attentäter und erklärte, mit dem Anschlag nichts zu tun zu haben;<ref name="NZZ" /><ref>Profil (Hrsg.): Wie gefährlich sind die Identitären? 14. Auflage. Wien März 2019, S. 21.</ref> er teilte jedoch mit, mehrfach mit ihm Kontakt gehabt zu haben.<ref name="NZZ_15042019">Ivo Mijnssen: Österreichs Freiheitliche sind eng mit den Identitären verbandelt – wie ernst ist es ihnen mit dem Bruch? NZZ, 15. April 2019.</ref>
Seitdem prüft Österreichs Bundesregierung ein Verbot der Identitären.<ref>Sebastian Kurz erwägt Vereinsverbot für „Identitäre“. Frankfurter Rundschau, 27. März 2019.</ref><ref>Ermittlungen wegen Terror-Verdachts. Österreich erwägt Auflösung der „Identitären Bewegung“. Der Tagesspiegel, 27. März 2019.</ref><ref>Siobhán O’Grady: Austria raids home of far-right activist in probe over links to alleged Christchurch attacker. The Washington Post, 27. März 2019.</ref> Im Mai 2019 wurde bekannt, dass Sellner von Jänner bis mindestens Juli 2018 Mailkontakt mit Tarrant hatte und sie sich gegenseitig zu einem Besuch in ihre Länder einluden. Sellner hatte Tarrant nach Wien eingeladen und ihm Aufnahme bei Identitären angeboten. Tarrant hatte Sellner als Verbündeten in einem internationalen Netzwerk angeredet: „Es wird ein langer Weg bis zum Sieg sein…“ Sellner warb für seinen YouTube-Kanal, den Tarrant als „fantastisch“ lobte. Einen Tag nach Sellners letzter Mail im Juli 2018 buchte Tarrant eine Reise nach Österreich und einen Mietwagen dafür.
Rechtswidrige Hausdurchsuchung bei Sellner[Bearbeiten]
Sellner löschte diesen E-Mail-Austausch im März 2019 Stunden vor einer Hausdurchsuchung, doch die Ermittler fanden Screenshots davon auf seinem Laptop. Darum stufte Österreichs Verfassungsschutz Sellner als „dringend tatverdächtig“ ein, „Mitglied eines bis dato nicht näher verifizierbaren international agierenden terroristischen Netzwerks zu sein“.<ref>Identitären-Chef hatte mehrmaligen Kontakt mit Christchurch-Attentäter. ORF.at, 14. Mai 2019 (Archiv); Fabian Schmid, Laurin Lorenz: Nach E-Mail-Kontakt mit Sellner buchte Christchurch-Attentäter Mietauto in Österreich. Standard.at, 14. Mai 2019.</ref>
Das Oberlandesgericht Graz erklärte die Hausdurchsuchung im Dezember 2019 für rechtswidrig, „weil der konkrete Tatverdacht gegen ihn nicht ausreichend gegeben war.“<ref>Hausdurchsuchungen bei Sellner laut Grazer Gericht rechtswidrig. Der Standard, 14. Dezember 2019.</ref>
Einstellung der Ermittlungsverfahren[Bearbeiten]
Die Staatsanwaltschaft Graz stellte die seit März 2019 laufenden Ermittlungsverfahren gegen Sellner im Jänner 2021 (Vorwurf Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung)<ref>Terrorermittlungen gegen Identitäre eingestellt. Der Standard, 15. Jänner 2021.</ref> bzw. August 2021 (Vorwürfe Untreue und Betrug) ergebnislos ein.<ref>Betrugsermittlungen gegen Sellner eingestellt. ORF.at, 6. Oktober 2021.</ref>
Mitgliedschaft in Korporationen[Bearbeiten]
In der rechtsextremen schlagenden Verbindung Wiener akademische Burschenschaft Olympia, der Sellner während seines Studiums in Wien bis spätestens 2016 angehörte, erfolgte eine weitere politische Sozialisierung.<ref>Phil Göbel, Tina Kaiser: Extremist, Hetzer und Posterboy der Neuen Rechten: Wer ist Martin Sellner? In: Der Stern. 10. Januar 2024, abgerufen am 11. Januar 2024.</ref><ref name="Weidinger2016">Bernhard Weidinger: Völkische Studentenverbindungen und Rechtsextremismus in Österreich. In: Albert Steinhauser, Harald Walser (Hrsg.): Rechtsextremismus-Bericht 2016 (= Bericht zu den Ergebnissen der „Rechtsextremismus-Enquete“ der Grünen von 2015). Die Grünen – Der Grüne Klub im Parlament, Wien 2016, S. 77–87, hier: S. 82.</ref><ref>Die tiefe Verbindung zwischen Burschenschaften und Rechtsextremismus. In: Der Standard. Abgerufen am 8. Dezember 2024.</ref><ref name=":1">DÖW - Erkennen - Rechtsextremismus - Neues von ganz rechts - Archiv - September 2016 - "Identitäre" Burschen. Abgerufen am 30. September 2026.</ref> Mindestens seit Juni 2016 bis zum 2. Juni 2018 gehörte er der Universitätssängerschaft Barden zu Wien an.<ref name=":1" /><ref>GRAS Wien: Rechtsextreme "Barden zu Wien" dürfen von Wiener Universitäten nicht geehrt werden. Abgerufen am 8. Dezember 2024.</ref><ref>Kritik an Ehrentitel für rechte Burschenschaft | Heute.at. Heute, 13. September 2021, abgerufen am 30. September 2026.</ref>
Seit spätestens 2019 ist er nach Angaben der Autonomen Antifa Freiburg „vermutlich Mitglied der verbandsfreien Landsmannschaft Waltharia Wien“. Dieser gehörte er auch noch beim Wiener Akademikerball 2024 an.<ref>Von Protesten begleitet: Blaue Prominenz tanzte am Wiener Akademikerball. 17. Februar 2024, abgerufen am 8. Dezember 2024.</ref><ref>Akademikerball: Hofer, Lugner, Sellner und Strache in der Hofburg. Abgerufen am 8. Dezember 2024.</ref>
Tatort-Folge[Bearbeiten]
2020 wurde die Tatort-Folge National feminin ausgestrahlt, in der es um eine rechte Organisation namens „Junge Bewegung“ ging, angelehnt an die Identitäre Bewegung. Die Figur Felix Raue – am Ende als Mörder an einer rechten Studentin überführt – besitzt dabei eine optische Ähnlichkeit mit Sellner.<ref>Christian Buß: Jung, feminin, faschistisch. Spiegel (online), 24. April 2020, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref><ref>Julian Vetten: Der Göttinger „Tatort“ im Schnellcheck. ntv (online), 26. April 2020, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref> Von Seiten der Neuen Rechten, insbesondere der Identitären, wurde in sozialen Netzwerken der Folge daher vorgeworfen, staatliche Propaganda und linksextrem zu sein.<ref>Sebastian Weiermann: Junges Gejammer. Neues Deutschland (nd), 27. April 2020, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref>
Rezeption[Bearbeiten]
Die Fachautoren für Rechtsextremismus Julian Bruns und Natascha Strobl, Führungsmitglied der Offensive gegen Rechts,<ref>Andreas Wetz: Identitäre Bewegung: Rechts oder rechtsextrem? Die Presse, 23. Mai 2014, abgerufen am 28. August 2018.</ref> halten die Herkunft Sellners aus dem Milieu des Nationalen Widerstands für eine beispielhafte Verwurzelung der „Identitären“ im Neonazismus.<ref>Julian Bruns, Natascha Strobl: (Anti-)Emanzipatorische Antworten von Rechts. In: Momentum Quarterly. Band 4, 2015, Nr. 4, S. 205–217, hier: S. 211 (PDF).</ref> Im Jahre 2009 wohnte er der Ehrenbekundung am Grab des Jagdfliegers der Wehrmacht Walter Nowotny bei,<ref name="Horaczek">Nina Horaczek: „Heil dir“, treuer Hofer!. In: Falter, Nr. 31/2016, 3. August 2016, S. 16.</ref> das als Anlaufstelle für „Gesinnungsgenossen“ (Hans-Henning Scharsach) von Neonazis gilt.<ref>Hans-Henning Scharsach: Strache. Im braunen Sumpf. E-Book, K & S, Wien 2012, ISBN 978-3-218-00856-3, o. S.</ref> In diesem Zusammenhang bezeichnete ihn die Journalistin und Publizistin Nina Horaczek als „Rechtsextremisten“.<ref name="Horaczek" /> Sellner gehörte laut dem Politikwissenschaftler Hajo Funke „zum Umfeld“<ref name="Funke129">Hajo Funke (unter Mitarbeit von Ralph Gabriel): Von Wutbürgern und Brandstiftern. AfD – Pegida – Gewaltnetze. vbb, Berlin 2016, ISBN 978-3-945256-64-0, S. 129.</ref> der von 2009 bis 2011 aktiven neonazistischen Website Alpen-Donau.info um den Holocaustleugner Gottfried Küssel,<ref>Heribert Schiedel: Unvollständige Chronik des Rechtsextremismus in Österreich 2013. In: Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (Wien) (Hrsg.): Rechtsextremismus. Band 1: Entwicklungen und Analysen. Mandelbaum, Wien 2014, ISBN 978-3-85476-637-7, S. 226–268, hier: S. 235 f.</ref> in dessen Kreisen er verkehrte.<ref>Volker Weiß: Identitär im Blindflug. In: Jungle World Nr. 24, 16. Juni 2016.</ref> Sellner bestätigte, früher zum näheren Umfeld von Küssel gehört zu haben. Er habe sich damals in einer „überschwänglichen pubertären Phase“ befunden.<ref>Daniela Derntl: Mitten im Achten. Unter einem Dach mit Deutschnationalen und Rechtsextremen. In: fm4.orf.at, 28. Januar 2015. Abgerufen am 12. Februar 2016; Anna Thalhammer: Identitäre: Außen links, innen rechts. In: Die Presse, 12. Mai 2016, S. 11.</ref> Nach der Stilllegung von Alpen-Donau.info fand er „mit seinen Getreuen in den ‚Identitären‘ seine neue politische Heimat“, so Funke.<ref name="Funke129" /> Der deutsche Historiker Michael Wildt nimmt Bezug auf Sellners Wertschätzung der großen Zwangsmigrationen im Europa der Zwischenkriegszeit, die ethnisch homogene Siedlungsblöcke schufen. Wildt fragt, ob Sellner konsequenterweise auch die Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 gutheiße, was „für einen Rechten bemerkenswert“ wäre.<ref>Michael Wildt: Der rechte Traum vom Volk. In: zeit.de, 1. Februar 2024.</ref>
Veröffentlichungen[Bearbeiten]
- Remigration: Ein Vorschlag. Verlag Antaios, Steigra 2024, ISBN 978-3-949041-55-6.
- Regime Change von rechts. Eine strategische Skizze. Verlag Antaios, Steigra 2023, ISBN 978-3-949041-54-9.
- Mit Martin Lichtmesz: Bevölkerungsaustausch und Great Reset (= Kaplaken. Band 80). Verlag Antaios, Steigra 2022, ISBN 978-3-949041-80-8.
- Identitär! Geschichte eines Aufbruchs. Verlag Antaios, Schnellroda 2017, ISBN 978-3-944422-94-7.
- Mit Walter Spatz: Gelassen in den Widerstand. Ein Gespräch über Heidegger (= Kaplaken. Band 47). Verlag Antaios, Schnellroda 2015, ISBN 978-3-944422-47-3.
Literatur[Bearbeiten]
- Steven Schäller: Biographisches Porträt: Martin Sellner. In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie. Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-6408-2, S. 193–209.
- Florian Schroeder: Rechtsextreme – Fünf Jahre mit Martin Sellner und Horst Mahler. In: ders.: Unter Wahnsinnigen – Warum wir das Böse brauchen. dtv, München 2023, ISBN 978-3-423-28373-1, S. 169–206.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Martin Sellner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website von Martin Sellner
- IB-Aktivist Martin Sellner und das Projekt „GegenUni“. Landesamt für Verfassungsschutz Hessen, 14. April 2022.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sellner, Martin |
| ALTERNATIVNAMEN | Sellner, Martin Michael (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer rechtsextremer Aktivist und Autor |
| GEBURTSDATUM | 8. Januar 1989 |
| GEBURTSORT | Wien |
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