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Germergewächse

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Germergewächse
Datei:Koeh-279.jpg

Weißer Germer (Veratrum album),
Illustration aus Koehler 1887

Systematik
Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Germergewächse
Wissenschaftlicher Name
Melanthiaceae
Batsch ex Borkh.

Die Germergewächse (Melanthiaceae), auch Schwarzblütengewächse genannt, sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Lilienartigen (Liliales). Die 13 bis 16 Gattungen mit etwa 170 Arten sind hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel (Holarktis) verbreitet. Nur wenige Arten werden durch den Menschen genutzt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:Schoenocaulon officinale - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-262.jpg
Illustration des Mexikanischen Läusekrautes (Schoenocaulon officinale) aus Koehler 1887
Datei:Red Trillium.jpg
Blüte von Trillium erectum mit deutlich verschiedenen Blütenhüllblättern

Erscheinungsbild und Laubblätter[Bearbeiten]

Es handelt sich um immergrüne oder saisongrüne, meistens ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden häufig Rhizome oder Knollen als Überdauerungsorgane. Das Hypokotyl ist meist kurz.

Die wechselständig, schraubig oder in Wirteln am Stängel angeordneten Laubblätter sind einfach, flach, und ganzrandig. Die Blattadern verlaufen entweder parallel, wie bei den Einkeimblättrigen üblich, oder bei den Parideae netzartig.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Es werden meistens verzweigte, traubige, ährige oder rispige Blütenstände gebildet. Bei den Parideae ist nur eine Blüte je Stängel vorhanden.

Die Blüten sind fast immer zwittrig und meist radiärsymmetrisch, bei Chionographis zygomorph. Wie fast alle einkeimblättrigen Pflanzen haben auch die Melanthiaceae meistens dreizählige Blüten. Davon weicht die Gattung Einbeeren (Paris) mit ihren vier- bis elfzähligen Blüten ab. Es sind zwei Kreise mit meist drei Blütenhüllblättern vorhanden; sie sind in den beiden Kreisen unterschiedlich oder gleichgestaltet, dann sind es also Tepalen und bilden ein Perigon; sie können frei oder verwachsen sein. Die Farben der Blütenhüllblätter reichen von weiß über grün, von gelb bis bräunlich und von rot über rosa- bis purpurfarben. Es sind meist zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die meist drei oberständigen Fruchtblätter sind frei oder zu einem Fruchtknoten verwachsen. In jeder Blüte gibt es meist drei freie Griffel.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Meistens werden Balgfrüchte oder Kapselfrüchte gebildet; einige Einbeeren-Arten bilden Beeren mit wenigen bis vielen Samen in jedem der drei Fruchtfächer. Die hellgefärbten Samen sind oft geflügelt oder mit Anhängseln.

Inhaltsstoffe und Chromosomen[Bearbeiten]

An Inhaltsstoffen sind giftige Alkaloide, Flavonoide und Steroidsaponine häufig. Es werden Calciumoxalat-Kristalle eingelagert.

Die Chromosomen sind 1 bis 6 µm lang. Die Chromosomengrundzahlen betragen bei den Parideae x = 5, Melianthieae oft x = 8, bei den Chionographideae oft x = 12, bei den Xerophylleae x = 15 und bei den Helionadeae x = 17.

Datei:Chamaelirium luteum - false unicorn - desc-flowering heads closed.jpg
Tribus Chionographideae: Blütenstände von Chamaelirium luteum
Datei:Garden in the Woods - IMG 2485-1.JPG
Tribus Heloniadeae: Helonias bullata
Datei:Heloniopsis orientalis.JPG
Tribus Heloniadeae: Heloniopsis orientalis
Datei:Zigadenus paniculatus 5.jpg
Tribus Melanthieae: Blütenstand von Toxicoscordion paniculatum
Datei:Veratrum stamineum 01.jpg
Tribus Melanthieae: Verzweigter Blütenstand von Veratrum stamineum
Datei:Paris quadrifolia10.jpg
Tribus Parideae: Paris quadrifolia
Datei:Paris japonica (Mount Cho).JPG
Tribus Parideae: Paris japonica
Datei:White Trillium Ontario.JPG
Tribus Parideae: Großblütige Waldlilie (Trillium grandiflorum)
Datei:Xerophyllum tenax - Glacier National Park.jpg
Tribus Xerophylleae: Bärengras (Xerophyllum tenax)

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Areale der Taxa liegen hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel (Holarktis). Verbreitungsschwerpunkte sind Ostasien und das östliche Nordamerika. Eine Ausnahme stellt die Gattung Schoenocaulon dar, die auch in Peru, Venezuela und im Karibischen Raum vorkommt. In Mitteleuropa gibt es die Einbeere (Paris quadrifolia) und den Weißen Germer (Veratrum album).

Der Familienname Melanthiaceae wurde 1797 durch August Johann Georg Karl Batsch in Moritz Balthasar Borkhausen: Botanisches Wörterbuch, 2, 8 veröffentlicht. Die Typusgattung Melanthium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 339 veröffentlicht, deren Gattungsname aus den griechischen Wörtern melas für schwarz und anthos für Blüte abgeleitet ist und sich auf die schwärzlichen Blütenhüllblätter bezieht (daher auch der Trivialname Schwarzblütengewächse). Bei Zomlefer et al. 2006 wurde auf Grund molekulargenetischer Untersuchungen die Familie um die Taxa der Trilliaceae und Xerophyllaceae erweitert und ergibt dann ein monophyletisches Taxon.

Die Taxa der früher eigenständigen Familien: Chionographidaceae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Takht., Heloniadaceae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.J.Agardh, Paridaceae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dum., Trilliaceae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Chevall., Veratraceae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Salisb. und Xerophyllaceae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Takht. werden heute in die Familie der Germergewächse (Melanthiaceae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Batsch ex Borkh.) eingeordnet. Taxa dieser Familie wurden früher auch zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae) gestellt, beispielsweise Melanthioideae.

Zur Familie der Germergewächse (Melanthiaceae) gehören 13 bis 16 Gattungen mit etwa 170 Arten.<ref name="WCSP" /> Die Familie wird in fünf Tribus gegliedert:<ref name="GRIN" />

  • Tribus Chionographideae: Sie enthält eine oder zwei Gattungen mit etwa neun Arten. Nach R. Govaerts sind alle zehn Arten in die Gattung Chamaelirium zu stellen.<ref name="WCSP" />
  • Tribus Heloniadeae: Sie enthält einer bis drei Gattungen mit ein bis neun Arten:
  • Tribus Melanthieae: Sie enthält sechs bis sieben Gattungen mit etwa 100 Arten:
    • Amianthium Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.A.Gray: Sie enthält nur eine Art:
    • Anticlea Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kunth: Die etwa elf Arten sind von Osteuropa und Asien bis Nordamerika und Guatemala weitverbreitet.<ref name="WCSP" />
    • Schoenocaulon Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.A.Gray: Sie enthält 24 bis 26 Arten, die von den südlichen Vereinigten Staaten bis Venezuela vorkommen mit einem Zentrum der Artenvielfalt in Mexiko.<ref name="Zomlefer2006" /><ref name="WCSP" />
    • Stenanthium Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(A.Gray) Kunth (Syn.: Veratrum subg. Stenanthium Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.A.Gray): Sie enthält vier Arten, die in Nordamerika von den zentralen und östlichen Vereinigten Staaten bis Mexiko vorkommen.<ref name="WCSP" />
    • Toxicoscordion Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rydb.: Die etwa acht Arten, sind von Kanada bis Mexiko weitverbreitet.<ref name="WCSP" />
    • Germer (Veratrum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.; Syn.: Melanthium Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.): Sie enthält etwa 30 (früher bis zu 50) Arten auf der Nordhalbkugel mit einem Zentrum der Artenvielfalt in China (13 Arten) und nur neun Arten in Nordamerika.<ref name="Zomlefer2003" /><ref name="Liao2007" />
    • Zigadenus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Michx.: Sie enthält nur eine Art:
  • Tribus Parideae (Syn.: Trilliaceae): Es ist Netznervatur vorhanden und die Blüten stehen einzeln. Sie enthält etwa drei (bis fünf) Gattungen und etwa 80 Arten<ref name="Farmer2002" />:
  • Tribus Xerophylleae: Sie enthält nur eine Gattung mit zwei Arten:
    • Xerophyllum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Michx.: Von den nur zwei Arten ist die eine im östlichen und die andere im westlichen Nordamerika verbreitet.<ref name="WCSP" />

Gattungen, die früher hier eingeordnet waren<ref name="GRIN" />:

Nutzung[Bearbeiten]

Von mehreren Veratrum-Arten wurden die medizinischen und insektiziden Wirkungen untersucht; beachte die hohe Giftigkeit<ref name="PFAFveratrum" />. Blätter und junge Pflanzen werden von Chionographis japonica gegessen<ref name="PFAFchionographisJaponica" />. Die medizinischen Wirkungen von Chamaelirium luteum wurden untersucht<ref name="PFAFchamaeliriumLuteum" />. Die Cherokee verwendeten Amianthium muscitoxicum bei Stichen und es wurden die Wirkungen auf die Haut untersucht<ref name="PFAFamianthiumMuscitoxicum" />. Die unterirdischen Pflanzenteile von Melanthium virginicum wurde gegen Endoparasiten eingesetzt, deshalb wurden die medizinischen Wirkungen untersucht<ref name="PFAFmelanthiumVirginicum" />. Die unterirdischen Pflanzenteile von Xerophyllum tenax werden gegart gegessen<ref name="PFAFxerophyllumTenax" />.

Von einigen Trillium-Arten gibt es Sorten, die als Zierpflanzen in schattigen Bereichen von Parks und Gärten angepflanzt werden.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Zomlefer2006"> Wendy B. Zomlefer, W. Mark Whitten, Norris H. Williams & Walter S. Judd: Infrageneric phylogeny of Schoenocaulon (Liliales: Melanthiaceae) with clarification of cryptic species based on ITS sequence data and geographical distributions. In: American Journal of Botany, 93, 2006, S. 1178–1192. </ref> <ref name="Zomlefer2003"> Wendy B. Zomlefer, W. Mark Whitten, Norris H. Williams & Walter S. Judd: An overview of Veratrum s.l. (Liliales: Melanthiaceae) and an infrageneric phylogeny based on ITS sequence data. In: American Journal of Botany, 90, 2003, S. 250–269. </ref> <ref name="Liao2007"> W.-J. Liao, Y.-M. Yuan & D.-Y. Zhang: Biogeography and evolution of flower color in Veratrum (Melanthiaceae) through inference of a phylogeny based on multiple DNA markers, In: Plant Systematics and Evolution, Volume 267, 2007.</ref> <ref name="Farmer2002"> Susan B. Farmer & Edward E. Schilling: Phylogenetic Analyses of Trilliaceae based on Morphological and Molecular Data, in Systematic Botany, Volume 27, Issue 4, 2002, S. 674–692: Online. (PDF; 545 kB)</ref> <ref name="Fritsch2006"> Yunheng Ji, Peter W. Fritsch, Heng Li, Tiaijiang Xiao & Zheku Zhou: Phylogeny and Classification of Paris (Melanthiaceae) Inferred from DNA Sequence Data, In: Annals of Botany, Volume 98, Issue 1, 2006, S. 245–256: Online. doi:10.1093/aob/mcl095 </ref> <ref name="PFAFveratrum"> Veratrum album, Veratrum californicum, Veratrum nigrum und Veratrum viride bei Veratrum-Arten bei Plants for A Future. (engl.) </ref> <ref name="PFAFxerophyllumTenax"> Xerophyllum tenax bei Plants for A Future. (engl.) </ref> <ref name="PFAFmelanthiumVirginicum"> Melanthium virginicum bei Plants for A Future. (engl.) </ref> <ref name="PFAFamianthiumMuscitoxicum"> Amianthium muscitoxicum bei Plants for A Future. (engl.) </ref> <ref name="PFAFchionographisJaponica"> Chionographis japonica bei Plants for A Future. (engl.) </ref> <ref name="PFAFchamaeliriumLuteum"> Chamaelirium luteum bei Plants for A Future. (engl.) </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Germergewächse (Melanthiaceae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien