Paul Bocuse
Paul Bocuse [Die Seite Vorlage:IPA/styles.css hat keinen Inhalt.] (* 11. Februar 1926 in Collonges-au-Mont-d’Or bei Lyon; † 20. Januar 2018 ebenda<ref>Il était le pape de la gastronomie. Abgerufen am 23. August 2026.</ref>) war ein französischer Koch, Gastronom und Kochbuchautor. Er war der wichtigste Wegbereiter der Nouvelle Cuisine<ref name="Bernd_Matthies" /><ref name="B.M.-U." /><ref name="W.Siebeck" /> und galt als einer der besten Köche des 20. Jahrhunderts. Sein Restaurant Paul Bocuse (auch L’Auberge du Pont de Collonges genannt) wurde von 1965 bis 2019 ohne Unterbrechung mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet.<ref>Süddeutsche Zeitung: Gourmet-Tempel von Paul Bocuse verliert dritten Stern. Abgerufen am 18. Januar 2020.</ref> 1989 wurde er vom Gault-Millau zum „Koch des Jahrhunderts“ ernannt. Paul Bocuse hatte zahlreiche Schüler, die ebenfalls bekannte Köche wurden, in Deutschland sind dies vor allem Eckart Witzigmann, Heinz Winkler und Franz Keller.
Leben und Werk[Bearbeiten]
(Innenansicht, August 2013)
Mit neun Jahren war Paul Bocuse bereits Koch in der Küche seines Vaters. Seine Ausbildung zum Koch absolvierte er bei der Drei-Sterne-Köchin Eugénie Brazier in Lyon. Er betrieb zuletzt fünf Brasserien in Lyon<ref>Maisons Bocuse | Restaurants à Lyon, Annecy et Vichy, cuisine traditionnelle française. Abgerufen am 23. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie zwei Restaurants in Collonges au Mont d’Or, die L’Auberge du Pont de Collonges und die L’Abbaye de Collonges au Mont d’Or.
Schon sein Urgroßvater Nicolas eröffnete im Jahr 1840 am Ufer der Saône ein Restaurant. Dieses Restaurant übernahm Bocuse in dritter Generation von seinem Vater, nachdem er in den 1940er-Jahren in den verschiedensten Restaurants in Lyon und Paris eine Ausbildung zum Koch absolviert und sechs Jahre lang am Herd von Fernand Point, dem Besitzer des Drei-Sterne-Restaurants La Pyramide in Vienne, sein Wissen perfektioniert hatte.
1943, im Alter von 17 Jahren, schloss sich Bocuse der Résistance an.<ref>Kleine Zeitung GmbH: Paul Bocuse: Der berühmteste Koch der Welt ist 90 Jahre alt. 8. Februar 2016, abgerufen am 23. August 2026.</ref> Bei Kämpfen in den Vogesen wurde er schwer verletzt und konnte dank eines US-amerikanischen Feldlazaretts mit Bluttransfusionen gerettet werden.<ref>Als der "Zeus der Küche" zum Star-Koch Vincent Klink herabstieg. Abgerufen am 23. August 2026.</ref> Im Lazarett ließ er sich auf seinem linken Oberarm einen gallischen Hahn tätowieren, mit dem er sich später einige Male fotografieren ließ.<ref>Mathias: Paul Bocuse, Le feu sacré. Abgerufen am 23. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 18. Juni 1945 konnte er bei der großen Siegesparade auf der Avenue des Champs-Élysées teilnehmen.<ref>König der Köche - Falstaff. Abgerufen am 23. August 2026.</ref>
Nouvelle Cuisine[Bearbeiten]
Eine „Vorreiterrolle bei der Durchsetzung der Nouvelle Cuisine“ in den 1960er-Jahren übernahm sein Freundeskreis von zeitweilig bis zu 22 Küchenchefs.<ref name="FAZ.net-Nachruf">Französischer Spitzenkoch Paul Bocuse gestorben. 20. Januar 2018, abgerufen am 23. August 2026.</ref> Zu dieser „Bande à Bocuse“ gehörten unter anderem die Brüder Jean und Pierre Troisgros, Paul Haeberlin, Alain Chapel, Louis Outhier, doch keine Köche aus Paris.<ref name="W.Siebeck">Wolfram Siebeck: Paul Bocuse: Besuch beim alten Meister. In: Die Zeit. 20. Juni 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 23. August 2026]).</ref> Bocuse tauschte mit seinen Kollegen Rezepte aus, um die Tradition der alten Lyonnaiser Küche zu bewahren. Diese Küche zeichnet sich vor allem durch hochqualitative Produkte aus der Region und deren größtmögliche Frische aus.<ref name="Bernd_Matthies">Zum Tod von Paul Bocuse: Der Jahrhundertkoch. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 23. August 2026]).</ref>
Im Unterschied zu seinen Nouvelle-Cuisine-Kollegen Alain Senderens und Michel Guérard hielt er damit an der regionalen Küche fest, die sich auf frische Produkte vom Markt konzentriert, sich nach Jahreszeiten und Regionalität richtet. Den späteren Trend der Nouvelle Cuisine zu immer kleineren Portionen bei steigenden Preisen kritisierte er: „Nichts auf dem Teller – alles auf der Rechnung. […] Die Nouvelle Cuisine hat die französische Küche ins Absurde überspitzt.“<ref>taxacher (AxK): Stichtag | 11. Februar 2006 - Vor 80 Jahren: Paul Bocuse in Lyon geboren. 10. Februar 2006, abgerufen am 23. August 2026.</ref>
In Deutschland wird Bocuse besonders mit dem Begriff der Nouvelle Cuisine in Verbindung gebracht, da die deutsche Übersetzung seines 500 Seiten umfassenden Buches La Cuisine du Marché (1976) (Die Küche des Marktes) vom deutschen Econ Verlag 1977 unter dem Titel Die neue Küche erschien.<ref name="Bernd_Matthies" /> Dem deutschen Fernsehpublikum wurde Paul Bocuse durch die Fernsehserie Bocuse à la carte: Französisch kochen mit dem Meister bekannt, die ab dem 15. September 1985 im ZDF in 13 Folgen gezeigt wurde.<ref name="Bocuse_à_la_carte">imfernsehen GmbH & Co KG: Bocuse à la Carte: Alle Sendetermine im TV seit 1985. Abgerufen am 23. August 2026.</ref> Die Rezepte wurden als Buch veröffentlicht. Später distanzierte er sich wieder von Kochsendungen, laut Marc Haeberlin meinte Bocuse: „Ich hab’ mein ganzes Leben gearbeitet, dass die Köche hinterm Herd hervorkommen und ans Licht kommen, aber jetzt muss ich daran arbeiten, dass sie wieder an den Herd gehen.“<ref name="C.Wöß">Der Koch des Jahrhunderts wird 85. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 23. August 2026.</ref>
Als Bocuse 1980 das Restaurant Tantris in München besuchte, reichte er beim Betreten der Küche zuerst dem verdutzten Spüler die Hand zur Begrüßung, nicht den Köchen; das machte Bocuse immer so, um den Köchen zu vermitteln: Wir sind ein Team, jeder ist wichtig.<ref>Lars Reichardt: Im Buddhismus heißt »Tantris«: Suche nach Vollkommenheit. 7. Oktober 2011, abgerufen am 23. August 2026.</ref>
In seinem 1990 erschienenen Buch Cuisine de France machte er nochmals deutlich, dass die ideale Küche eine bodenständige Küche sei, die sich auf frische Produkte vom Markt stütze, die sich nach den Jahreszeiten richte und regionale Traditionen hervorhebe: „Die Küche macht 20 Prozent des Restaurants aus, der Rest ist Atmosphäre“, meinte Bocuse.<ref>Paul Bocuse: Die neue Küche. Vorwort. 1977.</ref>
Wie die meisten Starköche kochte Bocuse kaum noch selbst, was er auch unumwunden zugab. Auf die Frage, wer denn koche, wenn er selbst gerade nicht da sei, sagte er: „Derselbe, der kocht, wenn ich da bin.“ Monsieur Ferrari habe seine Autos auch nicht selbst gebaut, begründete er einmal seinen Rückzug aus der Küche.<ref name="A.Veiel" /> Küchenchef in der L’Auberge du pont de Collonges ist seit 1995 Christophe Muller,<ref>Christophe Muller Archives - Fine Taste - Genießen mit allen Sinnen. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. September 2015; abgerufen am 23. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> der im Jahr 2000 mit der Auszeichnung Meilleur Ouvrier de France geehrt wurde.<ref>Gastkoch Jänner 2017: Christophe Muller. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 23. August 2026.</ref>
Gründungen[Bearbeiten]
Bocuse vermarktete nicht nur sich selbst, auch Delikatessprodukte; darunter Wein von eigenen Weinbergen, Champagner, Tee, Marmeladen, Terrinen und Konserven. Diese brachte er unter dem Label Bocuse auf den internationalen Markt. 1979 wurde er für seine Dosenprodukte von Lothar Eiermann in einem offenen Brief mit dem Titel „Adieu à un Roi“ („Abschied von einem König“) kritisiert.<ref>Krieg der Köche. In: Der Spiegel. 18. März 1979, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 28. Oktober 2023]).</ref> Bocuse bezeichnete Eiermann als „Arschloch“ und schrieb dessen Chef, er solle die Anstellung von Eiermann überprüfen.<ref>Lothar Eiermann – ein Portrait. 29. Mai 2018, abgerufen am 23. Januar 2024.</ref><ref>Lothar Eiermann. Abgerufen am 23. Januar 2024.</ref>
Er eröffnete 1982 zusammen mit dem Koch Roger Vergé und dem Pâtissier Gaston Lenôtre das Restaurant Pavillon de France im Epcot Center in Orlando, USA, einem Disney-World-Themenpark. Der Jahresumsatz seiner weltweit etwa 20 Restaurants und einer Hotelanlage sowie seiner kulinarischen Produkte und Küchengeräte betrug 2012 knapp 50 Millionen Euro bei etwa 700 Beschäftigten.<ref>Bocuse, un appétit d’ogre. Abgerufen am 23. August 2026.</ref>
Bocuse gründete 1987 den wichtigsten internationalen Kochwettbewerb für Profiköche, den Bocuse d’Or, der alle zwei Jahre in Lyon stattfindet.
1990 gründeten die französische Regierung und Paul Bocuse<ref>Société KOSMOS: Institut Paul Bocuse - Histoire. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 31. Oktober 2018; abgerufen am 23. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> im Château du Vivier, das im Lyoner Vorort Écully liegt, das Institut Paul Bocuse – École de Management Hôtellerie Restauration & Arts Culinaires (deutsch: Paul-Bocuse-Institut – Schule für Hotellerie, Gastronomie und kulinarische Künste).<ref name="C.Wirtz">Christoph Wirtz, manager magazin: Institut Paul Bocuse: Bei Gott in Frankreich. 4. November 2010, abgerufen am 23. August 2026.</ref> Im Jahr 2010 wurden hier 320 Studenten aus 37 Nationen in einem dreijährigen Studiengang ausgebildet. Von rund 600 Bewerbern pro Jahrgang wurden 2010 etwa 100<ref name="C.Wirtz" /> und 2013 25 bis 30 Studenten<ref>Effilee: Warum wollen Sie kochen lernen? In: Die Zeit. 3. April 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 23. August 2026]).</ref> aufgenommen. 2008 wurde das Institut mit einem Forschungsinstitut erweitert. Das Centre de Recherche Institut Paul Bocuse befasst sich unter anderem mit gesünderer Ernährung und bietet dreijährige Doktorate über gastronomische Dissertationsthemen an.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.La brochure Centre de Recherche. ( vom 13. Juni 2017 im Internet Archive) In: Institut Paul Bocuse, (PDF; 20 S., 4,2 MB), (frz., engl.), aufgerufen am 25. Januar 2018</ref>
Ehrungen[Bearbeiten]
Der Höhepunkt seiner Karriere war die Erhebung zum Ritter der Ehrenlegion durch Präsident Valéry Giscard d’Estaing im Jahr 1975. Zu diesem Anlass bereitete der Geehrte mit zwölf Spitzenköchen – darunter Paul und Jean-Pierre Haeberlin, Michel Guérard und Jean Troisgros – ein Fünf-Gänge-Menü, das sie anschließend selbst mit dem Präsidenten im Elysée-Palast zu sich nahmen. Die schwarze Trüffelsuppe,<ref>Soupe aux truffes - Schwarze Trüffelsuppe „Valéry Giscard d’Estaing“. Abgerufen am 23. August 2026.</ref> eine Vorspeise mit großer Blätterteigkuppel, deren Bezeichnung die Initialen von Valéry Giscard d’Estaing als Zusatz trägt, ist seitdem legendär und noch immer als „La soupe aux Truffes V.G.E.“ auf der Speisekarte seines Restaurants zu finden und kostete 2018 bei ihm 87 Euro.
Meilleur Ouvrier de France ist der Orden, den er 1961 erhielt, stets für offizielle Fotos trug und den es als Serviettenring in Papierform für jeden Gast in seinen Restaurants gab.
Zudem tragen Teller und Besteck in den Bocuse-Restaurants seine Initialen. Bocuse war ein hervorragender Selbstdarsteller, zudem Medienstar und französischer Nationalheld.
Seit der Renovierung der städtischen Markthalle von Lyon von 2004 bis 2006 im Geschäftsviertel La Part-Dieu (3. Arrondissement) trägt die Markthalle zu Ehren von Bocuse den Namen Halles de Lyon-Paul Bocuse.<ref>Halles de Lyon - Paul Bocuse. Abgerufen am 23. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bei vielen Händlern der Markthalle hatte Bocuse für seine Restaurants eingekauft.<ref>Markthalle von Lyon - Paul Bocuse, Kunst des guten Essens. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 23. August 2026.</ref>
Privatleben[Bearbeiten]
Bocuse war ein Sammler von Jahrmarktsorgeln, die er im Keller<ref>Die Geschichte: Pilgern zum Gott in Frankreich. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 23. August 2026]).</ref> und im Speisesaal seines Restaurants L’Abbaye de Collonges au Mont d’Or aufgestellt hatte und die zu Banketten für größere Gesellschaften spielen.<ref name="FAZ.net-Nachruf" />
Kurz vor seinem 80. Geburtstag erschienen seine Memoiren: Le feu sacré (deutsch: Das heilige Feuer), mit einem Vorwort des einst von ihm bekochten Präsidenten Giscard d’Estaing. In dieser Biografie wurden auch Details aus seinem Privatleben enthüllt: Jahrzehntelang lebte er mit drei Frauen zusammen und unterhielt drei Haushalte. Mit seiner Ehefrau Raymonde, mit der er die Tochter Françoise hatte, war er seit 1946 verheiratet. Mit Raymone Carlut, der Mutter seines Sohns Jérôme Bocuse, war er mehr als 50 Jahre zusammen und 35 Jahre mit einer dritten Partnerin, Patricia Zizza, der Mitgründerin seiner Firma Les Produits Paul Bocuse. Aus dieser Verbindung ging die Journalistin Ève-Marie Zizza-Lalu hervor, mit der Bocuse gemeinsam seine Memoiren verfasste.<ref>Le Monde.fr: Sept choses à savoir sur Paul Bocuse, le pape de la gastronomie lyonnaise et hexagonale. In: Le Monde. 20. Januar 2018, ISSN 1950-6244 (lemonde.fr [abgerufen am 23. August 2026]).</ref> Zitat: „Ich mache das, wovon jeder Mann träumt.“<ref name="A.Veiel">Badische Zeitung: Der französische Küchenpapst Paul Bocuse feiert seinen 90. Geburtstag. 11. Februar 2016, abgerufen am 23. August 2026.</ref> In seinen letzten Lebensjahren litt Bocuse an Parkinson.<ref>Lyon : le chef Paul Bocuse, 87 ans, hospitalisé pour des douleurs au dos. Abgerufen am 23. August 2026.</ref>
Er starb am 20. Januar 2018 im Alter von 91 Jahren in seiner Heimatstadt. Am 26. Januar 2018 nahmen in der Kathedrale von Lyon 1500 Chefköche aus Frankreich und dem Ausland sowie hochgestellte Politiker von Bocuse Abschied. Mit ihren weißen Kochjacken erwiesen ihm seine Berufskollegen die letzte Ehre. Zum Ausklang der Trauerfeier intonierte die Orgel der Kathedrale das Lieblingslied von Bocuse, Edith Piafs «Non, je ne regrette rien» (Nein, ich bereue nichts). Ursprünglich sollte das Begräbnis mit einer einfachen Zeremonie in der kleinen Kirche von Collonges abgehalten werden, wie von ihm gewünscht. Doch das stellte sich bald als unmöglich heraus, da so viele Menschen persönlich von ihm Abschied nehmen wollten, erklärte Jérôme Bocuse.<ref>Obsèques de Paul Bocuse : 1500 chefs du monde entier présents à Lyon. 26. Januar 2018, abgerufen am 23. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Paul Bocuse wurde auf dem Cimetière communal in seiner Heimatgemeinde Collonges-au-Mont-d’Or beigesetzt.<ref>Das Grab von Paul Bocuse. In: knerger.de. Klaus Nerger, abgerufen am 6. September 2018.</ref>
Wirkung[Bearbeiten]
Paul Bocuse war ein Erneuerer der französischen Haute Cuisine. Bei Fernand Point hatte er gelernt: „Fleisch und Fisch wurden weniger durchgegart, Soßen nicht mehr mit Mehl gebunden, die Portionen verkleinert, Aromen konzentriert und Gewürze nur noch eingesetzt, um den Eigengeschmack der Speisen hervorzuheben.“<ref name="B.M.-U.">deutschlandfunk.de: Nachruf - Spitzenkoch Paul Bocuse mit 91 gestorben. 20. Januar 2018, abgerufen am 23. August 2026.</ref> Die Portionen seien klein gewesen, aber das aus gutem Grund: Die Menüfolgen bei Bocuse umfassten schließlich sechs bis zwölf Gänge.<ref>deutschlandfunkkultur.de: Paul Bocuse zum 90. Geburtstag - Der Frische-Küche-König. 11. Februar 2016, abgerufen am 23. August 2026.</ref>
Zugleich bewahrte er mit der Lyonnaiser Tradition der höchstmöglichen Produktfrische und -qualität die Achtung vor dem Lebensmittel.<ref name="Bernd_Matthies" /> Tradition und Erneuerung vereinten sich in seiner Interpretation der Nouvelle Cuisine, die vor allem von Michel Guérard ins Leben gerufen worden war. Die Nouvelle Cuisine setzte sich jedoch erst mit Bocuse und seinem Freundeskreis als weltweiter Kochtrend durch. Nach seiner Abkehr von der Nouvelle Cuisine Ende der 1980er-Jahre dominierten wieder die traditionelle Produktqualität und sättigende Portionen,<ref name="B.M.-U." /> wovon sich jedoch nur die Produktqualität in der Haute Cuisine behaupten konnte.<ref name="FAZ.net-Nachruf" />
Weiterhin etablierte er das heutige Berufsbild und -ziel des Kochs, nicht mehr als abhängiger Angestellter in der (Keller-)Küche zu arbeiten, sondern ein selbständiger Unternehmer mit einem eigenen Restaurant zu werden.<ref name="W.Siebeck" /> „Bocuse hat den Mut gehabt, aus seiner Küche zu kommen“, wie es Jean-François Mesplède formulierte, der frühere Chef des Michelin-Restaurantführers.<ref>"Koch des Jahrhunderts" - wie Paul Bocuse die französische Küche revolutionierte. Abgerufen am 23. August 2026.</ref> Der international bekannte Küchenmeister Joël Robuchon meint: „Paul Bocuse hat die Köche aus ihren Küchen geholt, weltweit. Koch war seinerzeit ein verkannter Berufsstand“.<ref name="C.Wöß" />
Das Restaurant Paul Bocuse wurde nach dem Tod von Bocuse weiter geführt und wurde 2019 mit drei, ab 2020 mit zwei Michelinsternen ausgezeichnet.<ref>Restaurant Paul Bocuse. Abgerufen am 28. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]
- 1961: Meilleur Ouvrier de France
- seit 1965: 3 Sterne im Guide Michelin<ref>Paul Bocuse. Abgerufen am 28. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 1975: Aufnahme in die Ehrenlegion
- 1989: Koch des Jahrhunderts – Gault-Millau
- 1992: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland für seine Pionierarbeit in der deutschen Gastronomie
- 2012: Life Chief Award – Verband der Köche Deutschlands im Rahmen der IKA/Olympiade der Köche
- 2015: Grand Officier des Ordre national du Mérite
Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]
- 1977: Paul Bocuse: Die neue Küche. Das Kochkunstbuch vom König der Köche. (OT: La Cuisine du Marché.) Aus dem Französischen und Bearbeitung von Isabelle und Bernd Neuner-Duttenhofer, Econ Verlag, Düsseldorf, ISBN 3-430-11357-1, (unveränderte, elfte Auflage, Heyne, München 1988, ISBN 3-453-40261-8).
- 1982: Bocuse: Die neue Küche. ISBN 3-88199-115-8.
- 1985: Bocuse à la carte: Französisch kochen mit dem Meister. ISBN 3-8068-4237-X.
- 1985: Paul Bocuse in Ihrer Küche: Einfache Gerichte des großen Meisters zu Hause selber kochen. ISBN 3-453-36001-X.
- 1988: Mein Meisterwerk: Bon appetit. Mit Heinz Winkler, ZS Verlag, ISBN 3-924678-07-3.
- 1990: Kochen und Backen mit Paul Bocuse. ISBN 3-927117-53-6.
- 1991: Die Neue Küche. Das Kochkunstbuch vom König der Köche. ISBN 3-430-11357-1.
- 1995: Das Paul-Bocuse-Standardkochbuch. ISBN 978-3-453-08076-8.
- 1996: Meisterhaft Kochen leicht gemacht: Traditionelle Gerichte für Fest- und Feiertage. ISBN 3-929626-70-5.
- 2005: Le feu sacré. [Das heilige Feuer] Memoiren. Mit Ève-Marie Zizza-Lalu. Éditions Glénat, Grenoble 2005, ISBN 2-7234-5216-6, Besprechungen: <ref>Besprechung von Mathias Guthmann: Paul Bocuse, Le feu sacré. In: Grandgourmand.de, 1. Mai 2015.
spä/zie: Heiliges Feuer. Paul Bocuse, der Koch der Köche erinnert sich. In: Die Berliner Literaturkritik, 18. November 2005.</ref>. - 2012: Bocuse für jeden Tag. ISBN 978-3-941787-75-9.
- 2016: Institut Paul Bocuse: Die hohe Schule des Kochens. ISBN 978-3-95961-019-3.
Filme[Bearbeiten]
- Bocuse à la carte: Französisch kochen mit dem Meister. Kochsendung, BR Deutschland, wöchentliche Serie in dreizehn Teilen à 25 Min., 1985, Produktion: ZDF, Erstsendungen: 15. September 1985 – 27. Oktober 1985 im ZDF,<ref name="Bocuse_à_la_carte" /> Inhaltsangabe von Der Spiegel.
- Bon Appétit Paul Bocuse. Kochsendung, BR Deutschland, wöchentliche Serie in dreizehn Teilen à 25 Min., 1989, Moderation: Petra Schürmann, Produktion: ZDF, Erstsendungen: 17. März 1989 – 16. Juni 1989 im ZDF,<ref>imfernsehen GmbH & Co KG: Bon Appétit Paul Bocuse: Alle Sendetermine im TV seit 1989. Abgerufen am 23. August 2026.</ref> Inhaltsangabe von wunschliste.de, Heinz Winkler assistierte Bocuse.<ref name="Vera_Altrock">Vera Altrock: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Sterne-Koch Winkler Ehrengast bei Gourmetpreis. ( vom 22. Januar 2018 im Webarchiv archive.today). In: Hamburger Abendblatt, 20. Mai 2011.</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Paul Bocuse im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Restaurant Paul Bocuse
- Fondation Paul Bocuse – Paul-Bocuse-Stiftung (frz., engl.)
- Institut Paul Bocuse – École de Management, Hôtellerie, Restauration & Arts Culinaires
- Bocuse d’or (frz., engl.)
Über Bocuse:
- Vincent Klink: Pilgern zum Gott in Frankreich. In: Der Tagesspiegel, 29. November 2009 und Klinks Nachruf Adieu, Bocuse! In: stern, 21. Januar 2018.
- Wolfram Siebeck: Beim alten Meister. In: Die Zeit, 20. Juni 2013.
- Eckart Witzigmann: „Die Küche muss glänzen!“ In: FAZ.net, 22. Januar 2018. Erinnerungen an seinen Lehrmeister Paul Bocuse
- Fabian Elsäßer: 11.02.1926: Geburtstag des Spitzenkochs Paul Bocuse. WDR ZeitZeichen vom 11. Februar 2026 (Podcast, 15:20 min).
- Paul Bocuse in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bocuse, Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Koch, Gastronom und Kochbuchautor |
| GEBURTSDATUM | 11. Februar 1926 |
| GEBURTSORT | Collonges-au-Mont-d’Or |
| STERBEDATUM | 20. Januar 2018 |
| STERBEORT | Collonges-au-Mont-d’Or |
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- Träger des französischen Nationalverdienstordens (Großoffizier)
- Collonges-au-Mont-d’Or
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- Franzose
- Geboren 1926
- Gestorben 2018
- Mann