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Provinz Nador

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Datei:Morocco, region Oriental, province Nador.png
Provinz Nador in der Region Oriental
Datei:Nadorcommunes-.jpg
Gemeinden in der Provinz Nador vor der Abtrennung der Provinz Driouch im Jahr 2009
Datei:3fourches.jpg
Küstenlinie zwischen Melilla und dem Cap des Trois Fourches
Datei:Mar Chica Med.jpg
Mittelmeer (Hintergrund) und Mar Chica

Die etwa 3120 km² große und rund 580.000 Einwohner zählende marokkanische Provinz Nador (arabisch إقليم النّاظور, Vorlage:ZghS)<ref>Provinz Nador – Karte + Fakten</ref> gehört zur Region Oriental. Hauptstadt ist die Stadt Nador. Die Provinz umschließt die spanische Exklave Melilla.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Provinz Nador grenzt im Osten an die Provinz Berkane, im Südosten an die Provinz Taourirt, im Südwesten an die Provinz Guercif, im Westen an die Provinz Driouch und im Norden und Nordosten an das Mittelmeer.

Landschaft[Bearbeiten]

Das Landschaftprofil – abgesehen von der Küstenlagune des Mar Chica – ist geprägt von den östlichen Ausläufern des Rifgebirges und somit entsprechend hügelig. Einzelne Gipfel erreichen Höhen von knapp über 1000 m.

Klima[Bearbeiten]

Durch den Einfluss des Mittelmeeres liegen die sommerlichen Tagestemperaturen je nach Bewölkung zwischen 30 und 40 °C; nachts kühlt es sich auf 20 bis 25 °C ab. Im Winter ist es tagsüber deutlich kühler (15 bis 25 °C); nachts liegen die Temperaturen bei 10 bis 15 °C. In den vier Wintermonaten November bis Februar fällt der meiste Regen des Jahres.<ref>Klimadiagramme Nador</ref>

Einwohner[Bearbeiten]

Die etwa 580.000 Einwohner der Provinz sind zumeist Berber; der Anteil der arabisch-stämmigen Personen dürfte bei etwa 5 bis 10 % liegen. Viele Berber sind erst seit den 1970er Jahren auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben aus ihren angestammten Heimatregionen in die Klein- und Mittelstädte abgewandert. Während die Berber meist in Handwerk, Kleinhandel und Transportwesen tätig sind, besetzt der arabisch-stämmige Teil der Bevölkerung in der Regel die führenden Positionen in Verwaltung, Bankwesen, Handel und Industrie; darüber hinaus sind sie als Anwälte, Ärzte, Ingenieure etc. tätig. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt in städtischen Gemeinden (communes urbaines), die andere Hälfte in Landgemeinden (communes rurales), die sich jedoch teilweise bereits zu Kleinstädten entwickelt haben. In den größeren Städten wird Marokkanisch-Arabisch und Tarifit gesprochen; auf dem Lande haben die verschiedenen Berberdialekte (Tarifit und Zentralatlas-Tamazight) überlebt.

Größte Orte und Gemeinden[Bearbeiten]

Nur 11 von 23 Gemeinden sind als Städte oder Gemeinden mit städtischem Charakter (communes urbaines) eingestuft; die übrigen gelten als Landgemeinden (communes rurales) und bestehen zuweilen aus mehreren Dörfern.

Stadt / Gemeinde Einwohner
1994 2004 2014 2024
Al Aâroui 27.049 36.021 47.599 46.540
Arekmane 18.520 18.998 18.490 16.477
Beni Ansar 41.925 52.233 56.582 50.508
Beni Chiker 22.327 23.050 26.884 22.763
Ihaddadene 17.170 26.582 14.345 15.667
Nador 112.450 126.207 161.726 158.202
Ras el Ma 10.678 9.888 7.580 7.527
Selouane 18.334 24.877 21.570 29.628
Tiztoutine 10.276 10.040 9.788 9.349
Zaio 25.920 29.851 35.806 36.766
Zeghanghane 19.012 20.181 34.025 31.431

Wirtschaft[Bearbeiten]

Datei:Ait Nsar, Nador, Morocco.JPG
Beni Ansar / Aït Nsar – Stadt und Hafen

Während die Bewohner der Region früher in erster Linie als Halbnomaden (Transhumanten) oder als Selbstversorger von der Landwirtschaft lebten, wird nach der Verbesserung der Infrastruktur während und nach der spanischen Kolonialzeit mehr und mehr für die städtischen Märkte produziert. Auf den fruchtbaren Böden wird in erster Linie Getreide (Gerste und Weizen) angebaut. In den Städten entwickelt sich infolge von Zuwanderung und Arbeitsteilung eine Art Eigendynamik, die manchmal durchaus europäische Züge annimmt. Nador (Beni Ensar / Aït Nsar) ist der bedeutendste Fischerei- und Fährhafen an der marokkanischen Mittelmeerküste mit regelmäßigen Verbindungen nach Almería und Sète; die Anbindung Nadors an die Autobahn A2 (Rabat-Fès-Oujda) ist in Angriff genommen und im Süden der Stadt gibt es einen internationalen Flughafen (IATA-Flughafencode: NDR), von dem aus auch regelmäßige Flugverbindungen nach Deutschland unterhalten werden (siehe Weblink). Der Tourismus spielt in der Region bislang kaum eine Rolle; dies soll sich jedoch mit dem Ausbau einer Halbinsel in der nördlich von Nador gelegenen Stadt Beni Ensar / Aït Nsar ändern.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Region wurde in der Kolonialzeit nach dem gleichnamigen Fluss Kert bezeichnet.<ref>Caterina Maria Coletti: Risultati e aspetti problematici della ricerca archeologica a Melilla e nel Rif (Marocco settentrionale). In: Antiquités africaines. Band 54, 2018, S. 117.</ref> Seit dem 11. Jahrhundert ist die Bezeichnung Bilād al-Qulūʿ („Land der Burgen“) belegt. Aus dieser leitet sich der Bezeichnung der lokalen Berberbevölkerung Iqel’iyen (Menschen der Burgen) ab.<ref>Mohamed Elmedlaoui: MOROCCAN TOPONYMY AND ONOMASTICS IN THE LIGHT OF THE BERBER AND ARABIC SOCIOLINGUISTIC INTERACTION. In: Études et Documents berbères, 47, 2022 : pp. 77-105. S. 99–100.</ref>

In älteren Zeugnissen wurde die Stammesbezeichnung Meggeo für die Region verwendet.<ref>Henri Duveyrier: La dernière partie inconnue du littoral de la Méditerranée: le Rîf. E. Leroux, 1888, S. 14 (google.de [abgerufen am 27. März 2025]).</ref>

Für Melilla sind phönizische Ursprünge wahrscheinlich; auch Funde aus römischer Zeit wurden gemacht. Inwieweit die Römer auch im Hinterland präsent waren, ist aufgrund des Fehlens archäologischer Zeugnisse unklar. Wegen der Unwegsamkeit der Mittelmeerküste Marokkos führte die Islamische Expansion nach Westen im 7. und 8. Jahrhundert südlich an Nador vorbei durch die Senke von Taza. Für das Jahr 858 ist ein Übergriff der Wikinger urkundlich belegt. Im 15. und 16. Jahrhundert versuchten Portugiesen und Spanier – zum einen auf dem Hintergrund einer Ausweitung des Gedankens der Reconquista, zum anderen wegen der vielen Piratenübergriffe – sich der nordafrikanischen Küsten zu bemächtigen, was ihnen jedoch meist nur kurzzeitig und auch nur in regional begrenzten Abschnitten (Tanger, Ksar es-Seghir, Ceuta, Melilla, Algier) und Tunis gelang.

Das vergleichsweise ebene Gelände um Nador diente den muslimischen Machthabern Marokkos wiederholt als Aufmarschgebiet für die – letztlich vergeblichen – Rückeroberungsversuche Melillas, zuletzt unter dem Alawidensultan Mulai Muhammad im 18. Jahrhundert. Am 7. August 1856 kam es am Cap des Trois Fourches zu einem Gefecht zwischen preußischen Marinesoldaten der Korvette Danzig unter der Führung des Admirals und Prinzen Adalbert von Preußen und bewaffneten Rifberbern (Gefecht von Tres Forcas).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In landschaftlicher Hinsicht ist die Nordspitze der Provinz, das Cap des Trois Fourches sehenswert, sowie die Strände und die Lagune Mar Chica. Der Gourogou-Gebirgszug bietet Aussichtspunkte und Schlossruinen wie die Tazouda.<ref>Tazouda Castle - Mittelalterliche Burg in Nador, Marokko. Abgerufen am 27. März 2025.</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Nador (Provinz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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Die mit (**) gekennzeichneten Provinzen liegen zur Gänze, die mit (*) gekennzeichneten teilweise in den territorialpolitisch umstrittenen Westsahara-Gebieten.

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