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Rappoldit

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Rappoldit
Aggregat aus rötlichbraunen Rappolditkristallen auf Quarz
aus der Typlokalität Grube Rappold (Sichtfeld 5 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1998-015<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

IMA-Symbol

Rap<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel
  • Pb(Co,Ni)2(AsO4)2·2H2O<ref name="Effenberger et al 2000" />
  • Pb(Co,Ni)2[H2O|AsO4]2<ref name="StrunzNickel" />
  • PbCo2(AsO4)2·2H2O<ref name="mindat" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/C.31-098

8.CG.20
40.02.09.05
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2
Gitterparameter a = 11,190 Å; b = 10,548 Å; c = 7,593 Å
α = 100,38°; β = 109,59°; γ = 98,96°<ref name="Effenberger et al 2000" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="Effenberger et al 2000" />
Häufige Kristallflächen {210}, {001}<ref name="Effenberger et al 2000" />
Zwillingsbildung ausnahmslos verzwillingt, mit {230} als Zwillingsebene
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5
Dichte (g/cm3) 5,28 (berechnet)
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität muschelig; spröde
Farbe rot bis rotbraun
Strichfarbe hell gelbbraun
Transparenz durchsichtig
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,85 (berechnet)<ref name="Effenberger et al 2000" />
nβ 1,87<ref name="Effenberger et al 2000" />
nγ 1,90<ref name="Effenberger et al 2000" />
Doppelbrechung δ 0,05<ref name="mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv<ref name="Effenberger et al 2000" />
Achsenwinkel 2V = 85° (gemessen)<ref name="Effenberger et al 2000" />; 2V = 80° (berechnet)<ref name="mindat" />
Pleochroismus keiner<ref name="Effenberger et al 2000" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten in warmer verdünnter HCl vollständig löslich

Rappoldit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Er kristallisiert im triklinem Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb(Co,Ni)2(AsO4)2·2H2O<ref name="Effenberger et al 2000" /> und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Blei-Cobalt-Nickel-Arsenat.

Rappoldit entwickelt prismatische oder tafelige Kristalle bis zu 1 mm Länge und 0,3 mm Durchmesser, die zu kleinen, rosettenförmigen oder auch kugeligen Aggregaten zusammentreten. Das Mineral findet sich zusammen mit Cobaltaustinit auf verwittertem Erythrin und sitzt mit seinen Begleitmineralen in Drusen im körnig-zelligen Gangquarz. Die Typlokalität des Minerals ist die Fundgrube Rappold im Schneeberger Ortsteil Neustädtel – einer ehemals selbstständigen Bergstadt im sächsischen Erzgebirge.<ref name="Effenberger et al 2000" /><ref name="MartinSchlegel" />

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Als Entdecker des Rappoldits gilt der Schneeberger Sammler Lutz Schlegel, der das Mineral im Jahre 1991 bei Erdarbeiten in Schneeberg-Neustädtel fand, bei denen auch Teile der Halde der Rappold-Fundgrube und des bei Wegebauarbeiten verwendeten Haldenmaterials freigelegt wurden. Nach ersten Bestimmungen wurde das Mineral als Tsumcorit identifiziert.<ref name="MartinSchlegel" /> Anschließende Untersuchungen führten dann zu dem Ergebnis, dass es sich nicht um Tsumcorit, sondern um eine bisher unbekannte Mineralart aus der Tsumcoritgruppe handelt, welche 1998 als „unnamed Pb-Co-Ni-As-Mineral“ vorgestellt wurde.<ref name="Krause et al 1998" /> Nach weiteren detaillierten mineralogischen, chemischen und strukturellen Arbeiten wurde das Mineral 1998 von der International Mineralogical Association (IMA) unter der Nummer „IMA 1998-015“ anerkannt und im Jahre 2000 von einem österreichisch-deutschen Forscherteam mit Herta Silvia Effenberger, Werner Krause, Heinz-Jürgen Bernhardt und Mirko Martin im englischen Wissenschaftsmagazin Mineralogical Magazine als Rappoldit beschrieben.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Benannt wurde das Mineral nach seinem Fundort, der „Fundgrube Rappold“ in Schneeberg-Neustädtel, die ihren Namen nach dem zwischen 1513 und 1516 gestorbenen Bergbauunternehmer Friedrich Rappolt (Rappold) erhielt.<ref name="Effenberger et al 2000" /> Rappolt begründete zwischen 1475 und 1494 die nach ihm benannte Grube in Schneeberg-Neustädtel, die 1503/04 als größtes Schneeberger Silberbergwerk, u. a. mit der ersten Grubenmauerung, einen technischen Höchststand erreichte.<ref name="saebi.isgv.de" /> Von der Grube sind Huthaus und Scheidebank erhalten geblieben und heute als Technisches Denkmal geschützt.<ref name="Effenberger et al 2000" /><ref name="MartinSchlegel" />

Typmaterial des Minerals (Holotyp) wird in den Geowissenschaftlichen Sammlungen der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Deutschland (Katalog-Nr. 79924 am Standort c 8,7) aufbewahrt.<ref name="Effenberger et al 2000" /><ref name="Typmineralkatalog" /><ref name="smmp.net" />

Klassifikation[Bearbeiten]

Die aktuelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Rappoldit zur Tsumcoritgruppe mit der allgemeinen Formel Me(1)Me(2)2(XO4)2(OH,H2O)2,<ref name="Krause et al 1998" /> in der Me(1), Me(2) und X unterschiedliche Positionen in der Struktur der Minerale der Tsumcoritgruppe mit Me(1) = Pb2+, Ca2+, Na+, K+ und Bi3+; Me(2) = Fe3+, Mn3+, Cu2+, Zn2+, Co2+, Ni2+, Mg2+ und Al3+ und X = As5+, P5+, V5+ und S6+ repräsentieren. Zur Tsumcoritgruppe gehören neben Rappoldit noch Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Gartrellit, Helmutwinklerit, Kaliochalcit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Lukrahnit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Natrochalcit, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Nickeltsumcorit, Phosphogartrellit, Schneebergit, Thometzekit, Tsumcorit, Yancowinnait und Zinkgartrellit.

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Rappoldit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/C.31-098. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, ohne fremde Anionen“, wo Rappoldit zusammen mit Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Gartrellit, Helmutwinklerit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Lukrahnit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Nickeltsumcorit, Phosphogartrellit, Schneebergit, Thometzekit, Tsumcorit, Yancowinnait und Zinkgartrellit die „Tsumcorit-Gartrellit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/C.31 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rappoldit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; RO4 : H2O = 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Gartrellit, Helmutwinklerit, Lukrahnit, Phosphogartrellit und Zinkgartrellit die „Helmutwinkleritgruppe“ mit der Systemnummer 8.CG.20 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Rappoldit die System- und Mineralnummer 40.02.09.05. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O)“ in der „Helmutwinklerit-Untergruppe“, in der auch Tsumcorit, Helmutwinklerit, Thometzekit, Mawbyit, Schneebergit, Nickelschneebergit und Cobalttsumcorit eingeordnet sind.

Chemismus[Bearbeiten]

Elf Mikrosondenanalysen an Rappoldit ergaben Mittelwerte von 35,27 % PbO; 0,12 % CaO; 0,11 % Bi2O3; 0,28 % Fe2O3; < 0,05 % Al2O3; 4,52 % ZnO; < 0,05 % CuO; 11,60 % CoO, 7,31 % NiO, 35,82 % As2O5; 0,11 % SO3 sowie 5,62 % H2O (theoretischer Gehalt). Daraus errechnete sich auf der Basis von 10 Sauerstoffatomen die empirische Formel (Pb1,01Ca0,01)Σ=1,02(Co0,99Ni0,62Zn0,35Fe2+0,02)Σ=1,98[(AsO4)1,99(SO4)0,01]Σ=2,00[(OH)0,02(H2O)1,98]Σ=2,00, die zu Pb(Co,Ni)2(AsO4)2·2H2O vereinfacht wurde.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Rappoldit ist ein Vertreter der Tsumcoritgruppe. Die generelle Formel für die Tsumcoritgruppe ist Me(1)Me(2)2(XO4)2(OH,H2O)2 mit Me(1) = Pb, Ca, Na und Bi; Me(2) = Fe, Mn, Cu, Zn, Co, Ni und Al sowie X = P, As, V und S. Mischkristallbildung findet hauptsächlich auf der Me(2)-Position, weniger häufig dagegen auf der X- und Me(1)-Position statt.<ref name="Krause et al 1998" />

Da im Rappoldit auf den Me(2)-Positionen nur zweiwertige Kationen sitzen und eine Substitution durch Hydroxygruppen daher nicht erforderlich ist, enthält das Mineral genau zwei Wassermoleküle (H2O).<ref name="Effenberger et al 2000" />

Rappoldit stellt das Co2+-dominante Analogon zum Zn2+-dominierten Helmutwinklerit<ref name="Krause et al 1998" /><ref name="Effenberger et al 2000" /> dar.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Rappoldit kristallisiert im triklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 11,190 Å; b = 10,548 Å; c = 7,593 Å; α = 100,38°; β = 109,59° und γ = 98,96° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Die Kristallstruktur des Rappoldits besteht aus Koordinationspolyedern, die über gemeinsame Kanten zu Ketten parallel [010] verknüpft sind. AsO4-Tetraeder mit gemeinsamen Ecken verbinden diese Ketten, wodurch parallel zur a-b-Fläche liegende Schichten entstehen. Die Schichten werden durch Wasserstoffbrückenbindungen und durch Pb[6+2]-Atome auf der Me(1)-Position verbunden, die spezifische Positionen mit der Symmetrie 1 zwischen diesen Schichten einnehmen. Die Me(2)-Position ist wie bei den anderen triklinen Vertretern der Tsumcoritgruppe in zwei unterschiedliche Positionen aufgespalten. In der triklinen Subzelle des Rappoldits sind die beiden Me(2)-Positionen ungefährlich zur Hälfte durch Cobaltatome besetzt; Nickel- und Zinkatome sind die weiteren Hauptbestandteile auf diesen Positionen, Fe3+ spielt nur einen untergeordnete Rolle. Bei der Verfeinerung wurde die Besetzung der beiden Positionen Me(2a) und Me(2b) im Rappoldit auf die analytisch bestimmten Werte für Ni und Fe fixiert. Für das Co:Zn-Verhältnis wurde hingegen eine getrennte Variation für die beiden Positionen bei gleichzeitiger Annahme einer vollständigen Besetzung erlaubt. Das verfeinerte Verhältnis ist auf beiden Me-Positionen praktisch identisch. Aufgrund der Ähnlichkeit der Geometrie, der verfeinerten Besetzung und der Distanz-Parameter des Me(2a)O6- und des Me(2b)O6-Polyeders existieren keine Hinweise auf eine Ordnung auf diesen Positionen.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Die Minerale der Tsumcoritgruppe können in drei verschiedene Untergruppen (Tsumcorit-, Helmutwinklerit- und Gartrellit-Untergruppe) unterteilt werden, die durch unterschiedliche Strukturtypen charakterisiert sind. Rappoldit gehört zu den Vertretern der Helmutwinklerit-Untergruppe mit der allgemeinen Formel Me(1)2+ Me(2)2+2(X5+O4)2·2H2O, für die eine nahezu vollständige Mischkristallbildung auf der Me(2)-Position mit Me2+ (Co, Ni, Zn) ↔ Cu2+ angenommen wird. Diese Minerale besitzen aufgrund der Forderung von vier Wasserstoffbindungen pro Formeleinheit alle trikline Symmetrie. Die Einheitszelle ist gegenüber den Vertretern der Tsumcorit-Untergruppe vergrößert und enthält vier Formeleinheiten. Dies wird durch eine teilweise Ordnung der Wasserstoffbindungen verursacht, wodurch symmetriebeschränkte Wasserstoffbindungen vermieden werden.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Rappoldit ist isotyp (isostrukturell) zu Helmutwinklerit<ref name="SüsseSchnorrer" /> und möglicherweise auch zu formelreinem Thometzekit<ref name="Schmetzer" />, nicht aber zum monoklinen sulfathaltigen Thometzekit.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Eigenschaften[Bearbeiten]

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Tracht und Habitus von Rappoldit
nach {001} tafeliger Kristall, Normalaufstellung
gleicher Kristall, aus der Normalaufstellung gekippt

Morphologie[Bearbeiten]

Rappoldit entwickelt rote und idiomorphe, parallel [120] prismatische oder tafelige Kristalle bis zu 1 mm Länge und 0,3 mm Durchmesser, die zu kleinen, rosettenförmigen oder auch kugeligen Aggregaten zusammentreten. Daneben existieren auch rotbraune Aggregate aus tafeligen Kristallen, die Verwachsungen mit kleinen Mengen Cobaltlotharmeyerit bilden.<ref name="Effenberger et al 2000" /> Beschrieben werden ferner auch kugelige Aggregate.<ref name="MartinSchlegel" /> Die trachtbestimmenden Formen sind das Pinakoid parallel der c-Achse {210} und das dritte Pinakoid {001}.<ref name="Effenberger et al 2000" /> Da mit diesen beiden Flächenformen allein eine geschlossene Kristallform nicht definiert ist, wurde für die nebenstehenden Kristallzeichnungen zur Vervollständigung der Kristalle noch das Pinakoid {210} verwendet.<ref name="Mineralienatlas" />

Alle untersuchten Rappoldit-Kristalle sind ausnahmslos verzwillingt, wobei {230} die Zwillingsebene bildet.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Physikalische und chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Kristalle des Rappoldits sind rot bis rotbraun, seine Strichfarbe wird mit hell gelbbraun angegeben. Die Oberflächen der durchsichtigen Kristalle weisen einen glasartigen Glanz auf, was auch in Übereinstimmung mit den Werten für die Lichtbrechung (nx = 1,85, nz = 1,90) steht.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Das Mineral zeigt keine Spaltbarkeit, bricht aufgrund seiner Sprödigkeit aber ähnlich wie Quarz, wobei die Bruchflächen muschelig ausgebildet sind.<ref name="Effenberger et al 2000" /> Mit einer Mohshärte von 4,5<ref name="Effenberger et al 2000" /> gehört Rappoldit zu den mittelharten Mineralen, steht damit zwischen den Referenzmineralen Fluorit (Härte 4) und Apatit (Härte 5) und lässt sich wie diese mehr (Fluorit) oder weniger (Apatit) leicht mit dem Taschenmesser ritzen. Die Dichte des Minerals ließ sich nicht messen, seine berechnete Dichte liegt bei 5,28 g/cm³.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Rappoldit ist in warmer verdünnter Salzsäure (HCl) vollständig löslich.<ref name="Effenberger et al 2000" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Hell rötlichbrauner Rappoldit aus der Grube Rappold (Sichtfeld 3 mm)

Rappoldit ist ein typisches Sekundärmineral, welches sich durch Verwitterung primärer Erzminerale in der Oxidationszone einer arsenhaltigen hydrothermalen Bismut-Cobalt-Nickel-Silber-Lagerstätte bildete. Er entstand aus der Zersetzung von blei-, cobalt-, nickel- und zinkhaltigen Erzmineralen wie Galenit, Vertretern der Skutterudit-Nickelskutterudit-Mischkristallreihe und Sphalerit, wobei das Arsen aus der Zersetzung der Arsenide (Skutterudit) stammt.

Auf der Typstufe sitzt der Rappoldit in zelligem Quarz. Weitere Sekundärminerale des Haldenfundes sind Cobaltlotharmeyerit, Cobaltaustinit, Skorodit, Bariopharmakosiderit, Olivenit, Konichalcit, Erythrin, Arseniosiderit, Mimetesit und Beudantit sowie als primäre Erzminerale gediegen Silber, gediegen Bismut, Akanthit, Galenit, Pyrit und Skutterudit. Als direkt mit Rappoldit vergesellschaftet treten dabei unter anderem Cobaltaustinit und Cobaltlotharmeyerit auf.<ref name="Effenberger et al 2000" /><ref name="MartinSchlegel" />

Als sehr seltene Mineralbildung konnte Rappoldit bisher (Stand 2017) nur von seiner Typlokalität beschrieben werden.<ref name="MindatAnzahl" /><ref name="Fundorte" /> Als Typlokalität gilt die „Fundgrube Rappold“ bei Schneeberg am Rande des Schneeberg-Neustädteler Cobaltfeldes, Erzgebirgskreis, westliches Erzgebirge, Sachsen, Deutschland. Fundorte für Rappoldit in Österreich und der Schweiz sind damit unbekannt.

Verwendung[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Seltenheit ist Rappoldit nur für den Mineralsammler von Interesse.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herta Effenberger, Werner Krause, Heinz-Jürgen Bernhardt, Mirko Martin: On the symmetry of tsumcorite group minerals based on the new species rappoldite and zincgartrellite. In: Mineralogical Magazine. Band 64, Nr. 6, 2000, S. 1109–1126, doi:10.1180/002646100549922 (rruff.info [PDF; 1,1 MB]).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Rappoldite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references>

<ref name="Effenberger et al 2000"> Herta Effenberger, Werner Krause, Heinz-Jürgen Bernhardt, Mirko Martin: On the symmetry of tsumcorite group minerals based on the new species rappoldite and zincgartrellite. In: Mineralogical Magazine. Band 64, Nr. 6, 2000, S. 1109–1126, doi:10.1180/002646100549922 (rruff.info [PDF; 1,1 MB]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Rappoldit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Krause et al 1998"> Werner Krause, Klaus Belendorff, Heinz-Jürgen Bernhardt, Catherine McCammon, Herta Effenberger, Werner Mikenda: Crystal chemistry of the tsumcorite-group minerals. New data on ferrilotharmeyerite, tsumcorite, thometzekite, mounanaite, helmutwinklerite, and a redefinition of gartrellite. In: European Journal of Mineralogy. Band 10, 1998, S. 179–206, doi:10.1127/ejm/10/2/0179. </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="MartinSchlegel"> Mirko Martin, Fritz Schlegel: Kobaltaustinit und Tsumcorit von der Rappold-Fundgrube in Schneeberg/Sachsen. In: Lapis. Band 17, Nr. 10, 1992, S. 28–29. </ref> <ref name="mindat"> Mindat – Rappoldite </ref>

<ref name="MindatAnzahl"> Mindat – Anzahl der Fundorte für Rappoldit </ref>

<ref name="Mineralienatlas"> Mineralienatlas:Rappoldit </ref>

<ref name="saebi.isgv.de"> Sächsische Biografie – Friedrich Rappolt </ref>

<ref name="smmp.net">Catalogue of Type Mineral Specimens – R. (PDF 67 kB) In: docs.wixstatic.com. Commission on Museums (IMA), 12. Dezember 2018, abgerufen am 29. August 2019.</ref>

<ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 730. </ref>

<ref name="SüsseSchnorrer"> Peter Süsse, Günther Schnorrer: Helmutwinklerite, a new arsenate mineral from Tsumeb, S. W. Africa. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band 1980, Nr. 3, 1980, S. 118–124. </ref>

<ref name="Schmetzer"> Karl Schmetzer, Bernhard Nuber, Olaf Medenbach: Thometzekite, a new mineral from Tsumeb, Namibia, and symmetry relations in the tsumcorite-helmutwinklerite family. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band 1985, Nr. 10, 1985, S. 446–452. </ref>

<ref name="Typmineralkatalog"> Typmineral-Katalog Deutschland – Aufbewahrung der Holotypstufe Rappoldit </ref>

</references>