Streetscooter
Unter der Marke Streetscooter wurde eine Fahrzeugfamilie von vollelektrischen Kleintransportern verkauft, die in Deutschland entwickelt und produziert wurden. Die Entwicklung der Fahrzeuge startete 2010 in Aachen unter der Leitung von zwei Professoren der RWTH für den Einsatz im Paketzustelldienst. Der Pilotkunde war die Deutsche Post DHL, die 2014 das Herstellerunternehmen StreetScooter GmbH aufkaufte. Das Unternehmen stellte in Werken in Aachen und Düren Fahrzeuge für den Bedarf von Post und DHL wie auch für andere Abnehmer her.
Aufgrund von Verlusten beschloss die Deutsche Post AG, den Geschäftszweig Entwicklung und Produktion, der in der Streetscooter Engineering GmbH gebündelt wurde, zu veräußern. Anfang 2022 erfolgte der Verkauf an eine luxemburgische Holding, die unter dem Namen B-ON die Produktion in dem Werk am Standort Düren fortführte.<ref>Werner Pluta: Schwieriges erstes Jahr für Streetscooter-Eigner B-On. In: golem.de. 5. April 2023, abgerufen am 6. Mai 2023.</ref> Im Eigentum der Deutsche Post DHL Group verblieb die StreetScooter GmbH, welche die Fahrzeuge der Post wartet.<ref>Website der StreetScooter GmbH. Abgerufen am 6. Mai 2023.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Gründung[Bearbeiten]
Im Juni 2010 gründete Achim Kampker gemeinsam mit Günther Schuh die Street Scooter GmbH (im August 2014 Umfirmierung in StreetScooter GmbH), eine privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinitiative an der RWTH Aachen, die zusammen mit 80 mittelständischen Unternehmen und zahlreichen Forschungseinrichtungen, wie dem Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen, ein günstiges Elektrofahrzeug ausdrücklich für den Kurzstreckenverkehr entwickelte. Das Elektroauto sollte für einen Preis von 5.000 Euro (zzgl. Batteriemiete) angeboten werden.<ref>Jana Brenner: Elektromobilität: "Das Auto kostet nur 5000 Euro". In: Zeit Online. 10. Mai 2011 (zeit.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).</ref> Die Forschungsinitiative hat sich in der Folge zu einem eigenständigen Unternehmen entwickelt. Im Mai 2011 wurde das Concept Zeitgeist zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt, und im Herbst folgte der erste Prototyp des Streetscooter Compact auf der IAA in Frankfurt. Ihm folgte die Nutzfahrzeugversion Work. 2012 gründete Kampker den gemeinnützigen Verein Netzwerk für bezahlbare und nachhaltige Elektromobilität und wurde sein erster Vorsitzender.<ref>Europäisches Netzwerk für nachhaltige Elektromobilität e. V. In: euro-network-emobility.eu. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. September 2017; abgerufen am 18. Januar 2018.</ref>
An der RWTH Aachen wurde mit einem Multimaterial-3D-Drucker von Stratasys in zwölf Monaten ein voll funktionsfähiger Elektroauto-Prototyp gebaut, der Streetscooter C16, der am 25. Oktober 2014 auf der EuroMold der Öffentlichkeit präsentiert wurde.<ref>Katrin Pudenz: StreetScooter C16 mit Multimaterial-3D-Drucker hergestellt. In: springerprofessional.de. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, 21. November 2014, abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref>
2014 fertigten etwa 40 Mitarbeiter auf dem Gelände der Waggonfabrik Talbot an der Jülicher Straße im Industriegebiet Aachen-Nord 200 Exemplare der Nutzfahrzeugversion Work, von denen 70 als Zustellauto bei der Deutschen Post eingesetzt werden. Erklärtes Ziel war es, den Streetscooter Work ab 2015 für 20.000 Euro anzubieten.<ref>Sven Geitmann: StreetScooter baut jetzt E-Autos für DHL › HZwei-Blog. In: HZwei-Blog. 21. Januar 2015 (hzwei.info [abgerufen am 7. Dezember 2021]).</ref> Im Mai 2014 wurde bekannt, dass die Stadt Aachen, die Städteregion Aachen und die Sparkasse Aachen Elektrofahrzeuge des Unternehmens bestellt haben. Das Unternehmen baute 2014 im deutsch-niederländischen Gewerbepark Avantis eine Teststrecke für seine Zustellfahrzeuge, die später unter dem Namen Deutsche Post DHL Innovationspark geführt wird.
Übernahme durch die Deutsche Post[Bearbeiten]
Im Dezember 2014 kaufte die Deutsche Post das Unternehmen, das damit zum hundertprozentigen Tochterunternehmen wurde.<ref name="GmbH">Deutsche Post DHL übernimmt StreetScooter GmbH. In: dpdhl.com. Deutsche Post AG, 9. Dezember 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. März 2018; abgerufen am 1. Juni 2018.</ref><ref>Thorsten Karbach: Deutsche Post kauft Aachener Streetscooter-Firma. In: aachener-zeitung.de. Aachener Zeitung, 9. Dezember 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. Juli 2018; abgerufen am 1. Juni 2018.</ref> Zuvor waren Versuche der Deutschen Post, von einem Automobilhersteller ein Elektrofahrzeug für den Zustellbetrieb entwickeln zu lassen, fehlgeschlagen, woraufhin sie beschloss, selbst ein Fahrzeug zu entwickeln.<ref>Frank Dohmen, Simon Hage: Gelber Weckruf. In: Der Spiegel. Nr. 33, 13. August 2016, S. 58 ff. (spiegel.de).</ref>
Ziel der Deutschen Post war es, mit dem Streetscooter 60–80 % der Kosten bei Wartung und Verschleiß und 60–70 % der Kosten für Kraftstoff einzusparen und daneben den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Auch sind die Elektrofahrzeuge zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Der StreetScooter WORK – Das optimale Fahrzeug für die Innenstädte ( vom 10. Oktober 2017 im Internet Archive) – (Deutsche Post AG)</ref>
Im April 2016 wurde mit der Serienfertigung des Streetscooter Work begonnen; bis zum Jahresende sollten die ersten 2.000 Fahrzeuge hergestellt werden.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Die Deutsche Post baut bald eigene Elektroautos ( vom 18. März 2017 im Internet Archive) wired.de vom 4. April 2016</ref> Tatsächlich gelang es, bis Ende 2016 insgesamt 1.906 Fahrzeuge zu produzieren. Post-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes äußerte 2016, langfristig solle die gesamte Post-Flotte von etwa 70.000 Fahrzeugen durch Elektroautos ersetzt werden. Ab 2017 sollten jährlich ursprünglich etwa 10.000 Fahrzeuge produziert werden,<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Der tausendste Elektro-Transporter der Post ( vom 23. August 2016 im Internet Archive). In: FAZ.net, 23. August 2016.</ref> doch konnte die Produktionskapazität bis September 2017 bereits auf 15.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöht werden.<ref name=":0">Post will Streetscooter wohl auch in Düren bauen. RP Online, abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref> Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016 präsentierte Streetscooter das größere Modell Streetscooter Work L.<ref>Uli Baumann: Streetscooter Work L: Neuer Look und viel mehr Platz. In: auto motor und sport. Abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref>
Im April 2017 kündigte die Post an, noch im selben Jahr eine zweite Produktionsstätte in Nordrhein-Westfalen in Betrieb zu nehmen.<ref name=":1" /> Im September 2017 meldeten Medien, dieser Standort werde in Düren sein.<ref name=":0" /> Die jährliche Produktion sollte sich gleichmäßig auf die Modelle Work und Work L verteilen. Außerdem war der Streetscooter dann auch für externe Kunden wie Kommunen erhältlich.<ref>Benedikt Plass-Fleßenkämper: Die Deutsche Post expandiert mit ihrem Elektrolaster weltweit. In: Wired. 11. April 2017 (wired.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).</ref> Noch im gleichen Monat kündigte der Fischgroßhändler Deutsche See an, 80 Streetscooter zu kaufen. Die Fahrzeuge sind mit Kühlkoffern für bis zu 680 Kilogramm Fisch ausgestattet. Sie werden für die Auslieferung in Großstädten eingesetzt.<ref name=":1">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Fischhändler goes Elektro Deutsche See will 80 Elektro-Lieferfahrzeuge kaufen.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 7. Dezember 2021.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Der Preis für den Streetscooter Work startete ab 40.400 Euro.<ref>Streetscooter Work L & XL: Preis (Update) | autozeitung.de. In: autozeitung.de. 2. März 2020 (autozeitung.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).</ref>
Außerdem kündigte die Post an, ab Juli 2017 den Work XL (20 Kubikmeter) in Kooperation mit Ford zu produzieren.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Mit dem E-Transporter Work XL wird die Post zum E-Mobility-Vorreiter. ( vom 17. August 2017 im Internet Archive) wired.de, 17. August 2017.</ref> Er wurde zunächst nur für den Eigenbedarf der Deutschen Post produziert.<ref>Lutz Reiche: Deutsche Post baut größere Version des Streetscooters. In: Manager Magazin. 15. Juni 2017 (manager-magazin.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).</ref> Bis Ende 2019 waren die 2500 bestellten Work XL montiert. Seither (Stand: Januar 2020) ruhte seine Fertigung bei Ford.<ref>Ralf Arenz: „Wir sind auf einem guten Weg“: Ford kommt in Deutschland beim Stellenabbau voran. 10. Dezember 2019, abgerufen am 8. Januar 2022.</ref><ref>Köln: Fertigungspause für den Streetscooter der Deutschen Post. 16. November 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. November 2019; abgerufen am 8. Januar 2022.</ref>
Im Oktober 2017 stellten die GLS Bank, der Finanzdienstleister COMCO Leasing und die Deutsche Post DHL Group ein Projekt vor, das Finanzierung und Vertrieb von 500 elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugen von Streetscooter vorsieht.<ref>GLS Bank und COMCO Leasing bringen 500 E-Transporter auf die Strasse. 22. Oktober 2017, abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref> 2018 schloss die Post ein Abkommen mit dem auf Leasing spezialisierten BMW-Tochterunternehmen Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH zum Vertrieb der Streetscooter-Fahrzeuge ab.<ref>StreetScooter: Post und BMW kooperieren bei Elektrotransporter. In: Spiegel Online. 11. Januar 2018, abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref> Ab April 2018 arbeitete man mit ausgewählten Ford-Händlern zusammen.<ref>Ford-Händler verkaufen den Streetscooter. In: Golem.de. 10. April 2018, abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref>
Seit dem 30. Mai 2018 wurden am zweiten Standort in Düren ebenfalls Fahrzeuge produziert. Dadurch erhöhte sich die Produktionskapazität auf 20.000 Fahrzeuge jährlich. Vorerst sollte die Produktion im Einschichtbetrieb gefahren werden. Somit wurden in Düren 46 Fahrzeuge pro Tag produziert.<ref>Düren/Aachen: Streetscooter eröffnet neue Fabrik für Elektroautos in Düren. 30. Mai 2018, abgerufen am 30. Januar 2022.</ref><ref>Elektrolastwagen: Streetscooter eröffnet weitere Fabrik – Golem.de. 31. Mai 2018 (golem.de [abgerufen am 7. Dezember 2021]).</ref>
Angekündigte Einstellung der Produktion und Verkauf[Bearbeiten]
Medienberichten nach machte die Streetscooter-Sparte der Deutschen Post 2018 einen Verlust von 70 Mio. Euro.<ref name="focus.de">Jan Wolf Schäfer: „Wir Manager müssen uns stärker in politische Debatten einmischen“. In: Focus Online. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. April 2019; abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref> Nachdem kein Partner für das Unternehmen gefunden werden konnte und die Verluste sich 2019 auf bis zu 100 Mio. Euro beliefen, gab die Post im Februar 2020 bekannt, im Laufe des Jahres 2020 die Produktion der Streetscooter einstellen zu wollen.<ref>Christoph Schlautmann: Elektrotransporter: Post will Streetscooter-Produktion noch 2020 einstellen. In: handelsblatt.de. 28. Februar 2020, abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref>
Im November 2020 wurde bekannt, dass beide Standorte in Aachen und Düren mit insgesamt 300 Mitarbeitern 2021 fortgeführt werden und mehrere tausend Fahrzeuge für den Eigenbedarf produzieren sollen. Als Strategiewechsel wollte die Deutsche Post die Verlängerung der StreetScooter-Produktion aber nicht verstanden wissen.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Aachen: Streetscooter produziert auch noch 2021 ( vom 15. November 2020 im Internet Archive)</ref><ref>Sebastian Schaal: StreetScooter wird auch 2021 weiter gebaut. 12. November 2020, abgerufen am 7. Dezember 2021.</ref> Aufgrund hohen internen Bedarfs teilte die Post im April 2021 mit, dass die Produktion bis mindestens Ende 2022 fortgeführt werden solle.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Deutsche Post will Streetscooter doch noch länger bauen ( vom 8. Mai 2021 im Internet Archive). In: Automobilwoche, 22. April 2021. Abgerufen am 8. Mai 2021.</ref> Im Januar 2022 erfolgte der Verkauf des Unternehmens an das luxemburgische Konsortium Odin Automotive, wobei die Deutsche Post mit einem Anteil von 10 % beteiligt blieb.<ref>Werner Pluta: Odin übernimmt Streetscooter. In: golem.de. 4. Januar 2022, abgerufen am 6. Mai 2023.</ref> Das übernehmende Unternehmen, das bald in B-ON umbenannt wurde, konzentrierte die Produktion auf das Werk am Standort Düren.<ref>Werner Pluta: Schwieriges erstes Jahr für Streetscooter-Eigner B-On. In: golem.de. 5. April 2023, abgerufen am 6. Mai 2023.</ref><ref>Aus Odin Automotive wird B-ON: Der Streetscooter fährt weiter. In: autohaus.de. 23. Mai 2022, abgerufen am 21. April 2023.</ref>
Am 15. September 2023 meldete B-ON Insolvenz an.<ref>Streetscooter-Produktion in Düren steht still. 15. September 2023, abgerufen am 15. September 2023.</ref>
Am 1. Januar 2024 übernahm Günther Schuh über die von ihm gegründete e.Volution GmbH erneut seine ehemalige Firma, die mittlerweile unter dem Namen Nob Manufacturing fungierte, und rettete sie vor der Insolvenz.<ref>Ilona Jüngst: Übernahme von Nob/B-On – Der Betrieb geht weiter. In: eurotransport.de. 26. Januar 2024, abgerufen am 6. September 2026.</ref><ref>e.Volution übernimmt den Betrieb der insolventen Nob Manufacturing GmbH. In: News – Nachrichten zur Elektromobilität aus NRW und Deutschland (elektromobilitaet.nrw). 15. Januar 2024, abgerufen am 6. September 2026.</ref><ref>Günther Schuh holt sich Streetscooter zurück. In: auto-motor-und-sport.de. auto motor und sport, 8. Januar 2024, abgerufen am 25. Januar 2024.</ref> Am 8. Juli 2024 wurde die Produktion in Düren eingestellt.<ref name="Produktionsaus">Aus für Streetscooter-Produktion in Düren, Produktion in Thailand geplant. In: ecomento.de. 13. November 2024, abgerufen am 19. Februar 2025.</ref> Im Herbst des gleichen Jahres teilte Schuh mit, dass die Produktion nach Thailand verlegt werde.<ref>Aus für Streetscooter-Produktion in Düren. In: wdr.de. Westdeutscher Rundfunk, 12. November 2024, abgerufen am 17. November 2024.</ref> Der dortige Produktionsstart war für 2025 geplant.<ref name="Produktionsaus"/>
Am 14. November 2024 meldete auch e.Volution Insolvenz an. Als Gründe wurden hohe Investitionskosten, starker Wettbewerb und fehlenden Absatzmöglichkeiten angegeben.<ref>Stewart Burnett: Streetscooter owner e.Volution files for insolvency. Automotive World, 19. November 2024, abgerufen am 6. Juli 2026.</ref>
Modelle[Bearbeiten]
Kraftfahrzeuge[Bearbeiten]
Work[Bearbeiten]
Das Fahrzeug ist für den Zustellbetrieb des Paketdienstes DHL und für die Verbundzustellung konzipiert. Es wird von einem permanenterregten Synchronmotor angetrieben, hat Frontantrieb und eine elektrohydraulische Servolenkung.<ref name="work-20-kwh" /> Die Betriebsbremse arbeitet mit Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten, die hydraulisch über einen Bremskraftverstärker betätigt werden. Die Unterdruckpumpe für den Bremskraftverstärker wird elektrisch angetrieben. Die Vorderräder sind einzeln an MacPherson-Federbeinen und Querlenkern aufgehängt, die hinteren an parallelen Schwingen mit Drehstabfedern.
Der Rahmen besteht aus Stahl, überwiegend (57 %) aus höherfesten Qualitäten und Hohlprofilen. Die Längsträger bestehen aus Dualphasenstahl. Die Lithium-Ionen-Batterie ist aufprallgeschützt im doppelten Boden unter dem Führerhaus untergebracht. Eine weitere 12-V-Batterie sitzt hinter dem Führerhaus links unter der Ladefläche.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Rettungskarte des Streetscooter Work / Work XL 2014– ( vom 8. November 2019 im Internet Archive)</ref> Die Ladefläche ist so hoch angeordnet, dass die Pakete ohne Bücken entladen werden können und die Radkästen nicht in die Ladefläche ragen. Der Kofferaufbau ist auf beiden Seiten und von hinten zugänglich. Auf der rechten Seite neben dem Fahrersitz können sieben Postschwingen (Briefbehälter) verstaut werden. Kofferaufbau und die Verkleidungsteile der Karosserie wie Dach, Türhäute und Fronthaube bestehen aus Kunststoff.
Die Reparatur des DHL-Work erfolgt in einer freien Kfz-Werkstatt in Hambach einem Ortsteil von Niederzier im Kreis Düren. Andere Werkstätten lehnten die Reparaturen der Fahrzeuge ab. Markengebundene Werkstätten gibt es nicht.
Stand 2024 gibt es verschiedene freie Werkstätten im Bundesgebiet, die im Auftrag der Deutschen Post Wartung und Reparatur der Zustellfahrzeuge übernehmen.
Work L[Bearbeiten]
Das Modell L ist die größere Variante des StreetScooter Work, mit 30 % mehr Nutzlast und knapp doppeltem Ladevolumen.
Work XL[Bearbeiten]
Am 16. August 2017 wurde der Work XL auf Basis des Ford Transit vorgestellt, der ein Nutzvolumen von 20 Kubikmetern hat.<ref name="VDI_201708">Wolfgang Kempkens: Die Post baut ihre Elektrotransporter lieber selbst. In: ingenieur.de. VDI Verlag GmbH, 17. August 2017, abgerufen am 6. Mai 2023.</ref> Im Oktober 2018 startete in den Ford-Werken Köln die Serienproduktion des Fahrzeuges, wobei bei Ford Otosan in der Türkei vorproduzierte Fahrgestelle mit einem elektrischen Antriebsstrang und einem Aufbau ausgestattet werden.<ref name="ford">StreetScooter WORK XL: Ford startet Serienproduktion des E-Transporters in Köln. 9. Oktober 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Dezember 2018; abgerufen am 2. Dezember 2018.</ref>
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Streetscooter Work als Pritschenwagen (2017)
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Blick in den Laderaum eines Streetscooter Work
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Streetscooter Work L (höherer und längerer Kastenaufbau)
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Streetscooter Work XL
Transporträder[Bearbeiten]
Work Bike[Bearbeiten]
Das Work Bike ist ein Transportrad zur Briefzustellung mit elektrischer Fahrunterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h sowie elektrischer Schiebehilfe bis 6 km/h. Ein 36-V-Akkumulator mit einem Energieinhalt von 480 Wh ermöglicht eine elektrische Reichweite bis zu 35 km. Der Antrieb erfolgt auf die Hinterachse. Es kann maximal 50 kg Last zugeladen werden.
Work Trike[Bearbeiten]
Das Dreirad hat eine maximale Zuladung von 90 kg. Zwei Elektromotoren an den Hinterrädern unterstützen bis 25 km/h und bieten Schiebehilfe bis 4 km/h. Verbaut sind zwei Akkus in 36-Volt-Technik mit je 480 Wh. Die elektrische Reichweite beträgt 30 km.
Technik[Bearbeiten]
Datentabelle[Bearbeiten]
| Kraftfahrzeuge | Transporträder | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Produkt | Work (20 kWh)<ref name="work-20-kwh">StreetScooter Work 20 kWh. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Mai 2018; abgerufen am 29. Mai 2018.</ref> | Work (40 kWh)<ref name="work-40-kwh">StreetScooter Work 40 kWh. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Mai 2018; abgerufen am 29. Mai 2018.</ref> | Work L (40 kWh)<ref name="work-l-2">StreetScooter Work L 40 kWh. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Mai 2018; abgerufen am 29. Mai 2018.</ref> | Work XLDie Seite Vorlage:FN/styles.css hat keinen Inhalt. 2<ref name="ford" /> | Work Bike<ref name="work-bike-2">StreetScooter Work Bike. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Mai 2018; abgerufen am 29. Mai 2018.</ref> | Work Trike<ref name="work-trike-2">StreetScooter Work Trike. In: streetscooter.eu. StreetScooter GmbH, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Mai 2018; abgerufen am 29. Mai 2018.</ref> | ||||||
| Modell | Box | Pickup | Pure | Box | Pickup | Pure | Box | Pickup | Pure | Box | ||
| Preis € inkl. MwSt.<ref>Broschüre Streetscooter 01/2019. (PDF) In: www.streetscooter.eu. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Dezember 2021; abgerufen am 1. August 2020.</ref> | 42.781 | 40.401 | 38.021 | 48.731 | 46.351 | 43.971 | 54.086 | 51.706 | 49.326 | |||
| Motor | 1 × permanenterregter Synchronmotor | 1 × Synchronmotor | 1 × Elektromotor GO SwissDrive | 2 × Elektromotor GO SwissDrive | ||||||||
| Leistung | 48 kW (38 kW Dauerleistung) | bis 90 kW | ||||||||||
| Antriebsart | Frontantrieb | Heckantrieb | ||||||||||
| Leermasse | 1460 kg | 1280 kg | 1595 kg | 1415 kg | 1695 kg | 1705 kg | 1465 kg | 2775 kg | 58 kg | 85 kg | ||
| zul. Gesamtmasse | 2180 kg | 2600 kg | 4050 kg | 210 kg | 280 kg | |||||||
| Gesamtzuladung | 720 kg | 900 kg | 585 kg | 765 kg | 905 kg | 895 kg | 1135 kg | 1175 kg | 50 kg | 90 kg | ||
| Nutzvolumen | 4,3 m³ | – | – | 4,3 m³ | – | – | 8 m³ | – | – | 20 m³ | ||
| Li-Ion-Akkumulator | 20 kWh | 40 kWh | 76 kWh | 480 Wh | 2 × 480 Wh | |||||||
| Reichweite (NEFZ)<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Technische Daten 1/2019 (PDF) ( vom 26. Januar 2021 im Internet Archive) laut www.streetscooter.com auf Seiten 3 und 11, abgerufen am 8. Februar 2020.</ref> | 101 kmDie Seite Vorlage:FN/styles.css hat keinen Inhalt. 1 | 205 km | 187 km | 200 km | 35 km | 30 km | ||||||
| Höchstgeschwindigkeit | 85 km/h | 90 km/h | 25 km/h | |||||||||
Die Seite Vorlage:FN/styles.css hat keinen Inhalt.
Entwicklungen[Bearbeiten]
Ende 2017 wurden fünf Fahrzeuge mit einem Feinstaubpartikelfilter von Mann+Hummel ausgerüstet, um so den entstehenden Reifen-, Brems- und Straßenabrieb aufzufangen.<ref>Deutsche Post DHL Group, StreetScooter und MANN+HUMMEL präsentieren das weltweit erste völlig emissionsneutrale Fahrzeug. In: dpdhl.com. Deutsche Post AG, 19. Dezember 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 6. Januar 2019; abgerufen am 4. Juni 2018.</ref> 2022 begann DHL, Rechtslenker einzusetzen, um die Sicherheit der Zusteller und die Schnelligkeit der Zustellung zu erhöhen.<ref>Nico Nölken: Die Post stellt jetzt mit Rechtslenkern zu. In: bild.de. 19. Dezember 2022, abgerufen am 19. Dezember 2022.</ref>
Aufgetretene Probleme[Bearbeiten]
Batterien[Bearbeiten]
460 Fahrzeuge des Typs Work L wurden nach zwei Fahrzeugbränden im laufenden Betrieb 2018<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Post legt Hunderte Streetscooter vorerst still ( vom 4. April 2019 im Internet Archive)</ref> vorübergehend aus dem Verkehr gezogen (2017 ereignete sich ein Brand aufgrund eines technischen Defekts am abgestellten Fahrzeug<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Elektrotransporter in Halle ausgebrannt – 250.000 Euro Sachschaden ( vom 18. August 2017 im Internet Archive)</ref>). Die Post nannte vom Vorlieferanten, dessen Namen sie aus vertragsrechtlichen Gründen nicht angab, fehlerhaft durchgeführte Verbindungsschweißungen in den Antriebsbatterien als Ursache. Durch die Ausdehnung der Batterie beim Laden und Entladen (Batteriezellatmung) wirken mechanische Kräfte auf das Batteriesystem; Probleme mit Verschweißungen können zur Öffnung einer Zelle führen, die thermisch durchgehen kann, so ein Experte. Nach Meinung eines anderen Fachmanns verfügt das Start-Up nicht über die gleichen Erfahrungen im Bereich der Qualitätssicherung wie ein etabliertes Automobilunternehmen.<ref>Umschau vom 26. März 2019</ref>
Winterbetrieb[Bearbeiten]
Im Dezember 2017 wurde Kritik von Zustellern und Betriebsräten bekannt, nach der die bisher ausgelieferten Fahrzeuge im Alltagsbetrieb in den Wintermonaten die Praxisanforderungen der DHL nicht vollständig erfüllen würden. Insbesondere die elektrische Heizung verkürze die mit 100 km angegebene Reichweite auf 70 km, so dass dadurch Betriebsabläufe beeinträchtigt würden. Diese Beeinträchtigung wurde von der Deutschen Post bzw. DHL bestritten.<ref>Birger Nicolai: Probleme im Winter – Post-Zusteller haben Angst, den Streetscooter zu nutzen. In: welt.de. 22. Dezember 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2017; abgerufen am 22. Dezember 2017.</ref>
Wasserstoffantrieb[Bearbeiten]
Mitte 2019 wurde für 2020 der Streetscooter H2 Panel Van mit Wasserstoffantrieb angekündigt.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Kastenwagen mit Brennstoffzelle ( vom 16. Juli 2019 im Internet Archive)</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.DHL tankt Wasserstoff ( vom 16. Juli 2019 im Internet Archive)</ref> Die Reichweite sollte bei einem 6-kg-Tank (bei maximal 120 km/h und 800 kg Beladung bei einer handelsüblichen Betankung von 700 bar) bis zu 500 km betragen. DHL hat nach der Pressemitteilung von 24. Mai 2019 bereits 100 Fahrzeuge bestellt. Bis Anfang 2022 gab es keine Neuigkeiten zu diesem Plan und seiner Umsetzung.
Zulassungszahlen[Bearbeiten]
Deutschland[Bearbeiten]
| Neuzulassungen in Deutschland<ref name="Streetscooter-Zulassungszahlen" /> | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | ||||
| 2015 | 237 | |||
| 2016 | 1.669 | |||
| 2017 | 3.863 | |||
| 2018 | 4.214 | |||
| 2019 | 3.177 | |||
| 2020 | 3.401 | |||
| 2021 | 3.741 | |||
| 2022 | 3.020 | |||
Den verfügbaren Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamts nach wurden in Deutschland erste Fahrzeuge der Marke Streetscooter im Oktober 2015<ref>Statistische Mitteilungen des Kraftfahrt-Bundesamtes FZ 8, Oktober 2015. (PDF) In: kba.de. Kraftfahrt-Bundesamt, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2017; abgerufen am 13. Juni 2017.</ref> zugelassen. Bis Anfang 2019 waren in Deutschland ca. 10.000 Streetscooter zugelassen, davon 9.000 von der Deutschen Post.<ref name="focus.de" /> Im gesamten Jahr 2022 lag der Marktanteil von Streetscooter an den zugelassenen Lastkraftwagen bei 1,2 %.
Österreich[Bearbeiten]
2017 wurden die ersten zehn Streetscooter in Österreich zugelassen, bis Ende 2021 kamen keine neuen hinzu.<ref>Lkw und Sattelzugmaschinen – Neuzulassungen nach Gesamtgewicht und Marken. (PDF; 220 kB) In: fahrzeugindustrie.at. Fachverband der Fahrzeugindustrie Österreichs, März 2022, abgerufen am 5. April 2023.</ref>
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Website B-ON GmbH
- Bernd Müllender: Deutschlands Mister E-Mobility. In: Die Tageszeitung, 25. Dezember 2017.
- Günther Schuh: Das Ende von Streetscooter ist ein Armutszeugnis für Deutschland (2. März 2020)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive>
<ref name="Streetscooter-Zulassungszahlen">Neuzulassungen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern. Kraftfahrt-Bundesamt, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2017; abgerufen am 22. Dezember 2017.
Einzel-Referenz-Links:
- 2015: 237 Stück: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Fahrzeugzulassungen – Monatsergebnisse Dezember 2015 ( vom 22. Dezember 2017 im Internet Archive)
- 2016: 1.669 Stück: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Fahrzeugzulassungen – Monatsergebnisse Dezember 2016 ( vom 22. Dezember 2017 im Internet Archive)
- 2017: 3.863 Stück: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Fahrzeugzulassungen – Monatsergebnisse Dezember 2017 ( vom 3. März 2018 im Internet Archive)
- 2018: 4.214 Stück: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Fahrzeugzulassungen – Monatsergebnisse Dezember 2018 ( vom 15. Januar 2019 im Internet Archive)
- 2019: 3.177 Stück: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Fahrzeugzulassungen – Monatsergebnisse Dezember 2019 ( vom 2. März 2020 im Internet Archive)
- 2020: 3.401 Stück: Neuzulassungen und Besitzumschreibungen nach Herstellern. (PDF; 2,0 MB) Juni 2022, abgerufen am 19. Dezember 2022.
- 2021: 3.741 Stück: Neuzulassungen und Besitzumschreibungen nach Herstellern. (PDF; 2,0 MB) Juni 2022, abgerufen am 19. Dezember 2022.
- 2022: 3.020 Stück: Fahrzeugzulassungen – Monatsergebnisse bis Ende Dezember 2022. (PDF; 1 MB) Januar 2023, abgerufen am 25. Januar 2023.</ref>
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