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Nizza (Automarke)

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Nizza ist der Name einer als Automobil-Bausatz vertriebenen Automobilmarke von D & M Burgert aus Stuttgart.<ref name="Gloor" /><ref name="Etzold" /><ref name="Suman" /><ref name="gtue1" /><ref name="vongestern" /><ref name="bugland" /><ref name="swg" /> Das Unternehmen bestand nur von 1968 bis etwa 1971.<ref name="gtue1" /> Im Jahr 1971 mussten die Burgert-Brüder über Nacht das Land verlassen. Heute geht man davon aus, dass kurz vor dem Zugriff der Steuerbehörde eine ungeordnete Übersiedlung des Unternehmens nach Toblach (Dobbiaco, IT) in Südtirol stattfand.<ref>Thomas Braun: Durchgeboxt - Die große Enzyklopädie der Kleinserien und Eigenbauten auf VW-Käfer- und Bus-Basis; zusätzlich viele Porsche-Beispiele. Schneider Media, 2018, ISBN 978-3-667-11444-0.</ref>

Die exakte Bezeichnung des Bausatzes lautet auf Nizza KS 330. Dabei handelt es sich um ein zweisitziges straßenzugelassenes Sportcoupé mit rennsportlichem Charakter, Kunststoff-Karosserie und dem Unterbau des VW Käfer.

Davon abweichend wird das Bausatz-Fahrzeug nur Nizza oder Nizza KS 330<ref name="vongestern" /><ref name="gtue2" /> bzw. Nizza KS330,<ref name="allcarindex1" /><ref name="allcarindex2" /><ref name="dauto" /> und auch KS 330 Nizza genannt.<ref name="vongestern" /><ref name="ebay" />

Im Anschluss beziehungsweise parallel unterhielt der Hersteller, der nach seinem Umzug bis 1971 in Südtirol beheimatet war,<ref name="gtue1" /><ref name="allcarindex1" /><ref name="dauto" /> auch die Automobilmarke Nembo.<ref name="Etzold" /><ref name="gtue1" /><ref name="bugland" /><ref name="hobby" /> Sie hatte jedoch keine Beziehung zu dem italienischen Karosseriebauunternehmen namens Nembo beziehungsweise zu Neri e Bonacini in Modena.

Hersteller[Bearbeiten]

Als Hersteller des Nizza gilt D. &  M. Burgert,<ref name="vongestern" /><ref name="allcarindex1" /><ref name="allcarindex2" /> gegründet von den Brüdern Burgert,<ref name="Gloor" /><ref name="Suman" /> Die Bezeichnung D&M Burgert Plastics dürfte nach Verlegung des Firmenstandortes nach Südtirol verwendet worden sein.<ref name="ReferenceA">Thomas Braun: Durchgeboxt - Die große Enzyklopädie der Kleinserien und Eigenbauten auf VW-Käfer- und Bus-Basis; zusätzlich viele Porsche-Beispiele. Schneider Media, 2018.</ref> Auch die abweichenden Schreibweisen D. & M. Burgert,<ref name="gtue1" /> D&M Burgert<ref name="gtue1" /><ref name="gtue2" /><ref name="dauto" /> und D+M Burgert<ref name="swg" /> sind gebräuchlich.

Der Unternehmenssitz lag in Stuttgart<ref name="gtue1" /><ref name="vongestern" /><ref name="dauto" /> beziehungsweise in Merklingen bei Stuttgart.<ref name="Gloor" /><ref name="Etzold" /><ref name="Suman" /><ref name="swg" /><ref name="allcarindex1" /> In Zeitschriften-Anzeigen von 1968 erschien die Herstellerangabe D. + M. Burgert mit der Anschrift Postfach 151 M, 7 Stuttgart-Untertürkheim<ref name="vongestern" /><ref name="ebay" /> und zu einem nicht genau angegebenen Zeitpunkt mit der Anschrift Postfach 24 M, D-7256 Merklingen.<ref name="bugland" /><ref name="allcarindex1" /><ref name="allcarindex2" /> Eine Quelle nennt die Adresse D+M Burgert, Gartenstraße 12, 7256 Merklingen.<ref name="swg" />

In Württemberg bestand das Unternehmen noch bis 1971.<ref name="allcarindex1" /> 1971 wurde der Unternehmenssitz nach Toblach (Dobbiaco) in Südtirol, Italien verlegt.<ref name="Gloor" /><ref name="Etzold" /><ref name="gtue1" /><ref name="allcarindex1" /><ref name="dauto" /> Der dortige Firmenname lautete Burgert-Kunststofftechnik<ref name="Gloor" /> beziehungsweise Burgert Product<ref name="gtue1" /><ref name="hobby" /> / Burgert Products.<ref name="gtue1" /><ref name="allcarindex1" /> Das Südtiroler Unternehmen bestand als Automobilhersteller allerdings nur noch kurz, von 1970 bis 1971<ref name="gtue1" /><ref name="dauto" /> oder allein 1971.<ref name="allcarindex1" />

Die ab 1971 in Toblach, Südtirol gefertigten Fahrzeuge wurden unter der Bezeichnung Nembo vermarktet.<ref name="hobby" /> Das Unternehmen zog später innerhalb des Ortes um und firmiert inzwischen als Burgert & Geldner GmbH. Bis heute ist es mit der Kunststoffverarbeitung verbunden und vertreibt insbesondere elastische Verbindungsstutzen unter der Marke Duroflex, die am Tiroler Stammsitz in Vomp hergestellt werden.

Marken- und Fahrzeuggeschichte[Bearbeiten]

Der Nizza wurde im November 1968 öffentlich vorgestellt.<ref name="Gloor" /> Namensgeber ist offenkundig die gleichnamige südfranzösische Stadt. Hintergründe zu dem Namenszusatz KS 330 sind nicht bekannt; KS könnte möglicherweise schlicht für Kunststoff stehen, 330 für dessen nähere Spezifikation. Im Zuge der Vermarktung erschien 1968 unter anderem eine einseitige Werbeanzeige in der deutschen Fachzeitschrift auto motor und sport.<ref name="gtue2" /><ref>Burgert, in: auto, motor und sport (Zeitschrift), einseitige Werbeanzeige mit großer Abbildung und Ausstattungsmerkmalen des Nizza KS 330, Ausgabe 2/1968, Seite 48.</ref>

Der Nizza war der einzige Bausatz im Angebot des württembergischen Herstellers. Nach der überstürzten Übersiedlung nach Südtirol wurde das Design geändert und der Bausatz unter dem Markennamen Nembo vertrieben.<ref name="ReferenceA"/>

Dem Nizza wurde ein „eleganter Sportwagenlook“ attestiert.<ref name="Etzold" /> Seine Herstellung endete jedenfalls etwa Anfang 1970,<ref name="gtue1" /><ref name="dauto" /> als die Brüder Burgert den Betrieb umfirmierten, nach Südtirol übersiedelten und dort allein den Nembo fertigten. Dieser war im Design etwas kantiger, vom Konzept her komfortabler und für den Alltagsgebrauch besser geeignet.

Nähere Fertigungs- und Verkaufszahlen sind zum Nizza nicht bekannt. Er wurde jedenfalls als Bausatzfahrzeug angeboten und kostete in dieser Form Ende der 1960er-Jahre 3.250 DM.<ref name="Etzold" /> Zum Vergleich: Ein neuer VW 1200 kostete zur selben Zeit 4.525 DM, ein VW 1500 Karmann Ghia Coupé 7.515 DM und der im August 1969 erschienene VW-Porsche 914 12.560 DM. VW-Buggys von Karmann in Osnabrück waren als Bausatz für rund 3.000 DM und als Komplettfahrzeug ab 8.800 DM erhältlich.<ref>Werner Oswald: Deutsche Autos 1945–1975. Motorbuch Verlag, Stuttgart. 12. Auflage 1987. ISBN 3-87943-391-7, S. 33, 40 und 400.</ref> Ob auch der Nizza als Komplettfahrzeug angeboten wurde, ist nicht überliefert.

Eine andere Quelle schlüsselt die Preise des Nizza weiter auf: Die Karosserie mit Türen, Hauben und diversen Inneneinbauteilen kostete 3.150 DM, der Seitenfensterbausatz weitere 65 DM und die Scheinwerferabdeckungen nochmals 38 DM.<ref name="swg" />

In der Saison 2010 nahm ein von Burgert hergestelltes Fahrzeug im historischen Motorsport teil.<ref>Dirk Johae, Dr. h.c. Michael M. Willms, in: Günther Frauenkron (Hrsg.): Historic Motor Sports – Racing & Rallye 2010. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-613-30662-2.</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Literatur zum historischen Motorsport 2010 mit Bezug zum Hersteller Burgert auf dem Webportal gtue-oldtimerservice.de (Memento des Vorlage:IconExternal vom 28. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gtue-oldtimerservice.de, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref>

Technik[Bearbeiten]

Der Nizza ist ein Kunststoff-Coupé mit dem Plattformrahmen, dem Fahrwerk und der Antriebstechnik des VW Käfer. Das Fahrzeug ist vier Meter lang,<ref name="Etzold" /><ref name="swg" /> 150 Zentimeter breit<ref name="swg" /> und nur 108<ref name="Gloor" /> beziehungsweise 110 Zentimeter hoch.<ref name="Etzold" /><ref name="swg" /> Die Kunststoffkarosserie passte auf alle bisherigen Käfer-Chassis und wurde mit dem Fahrgestell verschraubt.<ref name="swg" /> Eine Kürzung des Chassis war – anders als bei manchen Konkurrenzprodukten – nicht erforderlich.<ref name="swg" />

Die niedrige stromlinienförmige Fließheck-Karosserie des Nizza ist sehr sportlich gestaltet. Das Konzept ähnelt den zeitgenössischen Modellen von Fiberfab oder einer Coupé-Version des Colani GT. Optisch erinnert das Fahrzeug an eine Coupé-Version des Porsche 718 von 1962, ohne jedoch dessen Mittelmotor-Konzept zu übernehmen. Die vergleichsweise lange Front ähnelt insbesondere dem Porsche 356 B 2000 GS/GT „Dreikantschaber“ von 1962, die Türen und Seitenscheiben dem Lamborghini Miura von 1966 und das Heck dem Porsche 356 B 1600 Carrera GTL mit Abarth-Karosserie von 1960. Im rennsportlichen Stil wird auf vordere und hintere Stoßstangen oder ähnliche Maßnahmen zum Schutz der Karosserie verzichtet. Die wenigen verfügbaren Abbildungen des Nizza zeigen ihn jeweils mit einfachen, VW-typischen Fünfloch-Stahlscheibenrädern, ein Hinweis, dass die abgebildeten Fahrzeuge auch vorne nur Bremstrommeln hatten.

Die geschwungene Gürtellinie ist vergleichsweise niedrig und fällt zwischen den Achsen nochmals ab, die Fensterflächen sind relativ groß. Die Frontscheinwerfer liegen auf Wunsch und gegen Aufpreis unter Plexiglas-Abdeckungen. In Anlehnung an viele Porsche-Rennsportwagen befindet sich in der Fahrzeugfront eine niedrige, breite Luftöffnung, hinter der ein Ölkühler montiert werden konnte. Hingegen verzichtet die Karosserie auf hintere Seitenscheiben, stattdessen schließen sich direkt hinter den Türen weitere, langgezogene Lufteinlässe an. Sie stehen seitlich nur wenig ab, umfassen dafür die volle Höhe der Seitenscheiben. Sie ähneln denjenigen des Porsche 718 GTR Coupé von 1962.

Durch das niedrigere Gewicht der Karosserie, die kleinere Stirnfläche und den geringeren Luftwiderstandsbeiwert verbesserten sich die Fahrleistungen sowie der Kraftstoffverbrauch des Nizza gegenüber dem Ausgangsfahrzeug.

Rückblickend wird den Kunststoffkarosserien von Burgert eine wichtige Vorreiterrolle in fertigungstechnisch-gestalterischer Hinsicht zugeschrieben.<ref>Erik Eckermann (Hrsg.): Auto und Karosserie – Geschichte · Fertigung · Design – Von der Kutsche bis zum Personenwagen. Springer-Vieweg, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-01193-2.</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Literatur zum Karosseriebau mit Bezug zum Hersteller Burgert auf dem Webportal gtue-oldtimerservice.de (Memento des Vorlage:IconExternal vom 28. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gtue-oldtimerservice.de, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Roger Gloor: Alle Autos der 60er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart. 1. Auflage 2006. ISBN 978-3-613-02649-0, S. 395 unter Nizza und Nembo (2), Rubrik: Diverse kleine Fabrikate sowie italienische Spezialkarossiers.
  • Hans-Rüdiger Etzold: Der Käfer IV – Eine Dokumentation. Verlag Alfred Bucheli, Inh. Paul Pietsch, Zug, Schweiz. 2. Auflage 1998, ISBN 978-3-7168-1890-9, S. 25 unter Nembo/Nizza.
  • Marian Suman-Hreblay: Automobile Manufacturers Worldwide Registry. McFarland Books, Jefferson, North Carolina, Vereinigte Staaten, 2000, ISBN 978-0-786-40972-3, S. 211 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Gloor">Roger Gloor: Alle Autos der 60er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart. 1. Auflage 2006. ISBN 978-3-613-02649-0, S. 395 unter Nizza und Nembo (2), Rubrik: Diverse kleine Fabrikate sowie italienische Spezialkarossiers.</ref> <ref name="Etzold">Hans-Rüdiger Etzold: Der Käfer IV – Eine Dokumentation. Verlag Alfred Bucheli, Inh. Paul Pietsch, Zug, Schweiz. 2. Auflage 1998. ISBN 978-3-7168-1890-9, S. 25 unter Nembo/Nizza.</ref> <ref name="Suman">Marian Suman-Hreblay: Automobile Manufacturers Worldwide Registry. McFarland Books, Jefferson, North Carolina, Vereinigte Staaten, 2000. ISBN 978-0-786-40972-3, S. 211 unter Nizza (englisch).</ref> <ref name="gtue1">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Die Automobilmarken Nizza und Nembo auf dem Webportal gtue-oldtimerservice.de (Memento des Vorlage:IconExternal vom 28. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gtue-oldtimerservice.de, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref> <ref name="gtue2">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Werbeanzeige zum (Burgert) Nizza KS 330 auf dem Webportal gtue-oldtimerservice.de (Memento des Vorlage:IconExternal vom 18. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gtue-oldtimerservice.de, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref> <ref name="allcarindex1">Der Fahrzeughersteller Burgert auf dem Webportal allcarindex.com, abgerufen am 17. Juli 2016 (englisch).</ref> <ref name="allcarindex2">Der Burgert Nizza KS330 auf dem Webportal allcarindex.com, abgerufen am 17. Juli 2016 (englisch).</ref> <ref name="ebay">Original-Anzeige zu einem (Burgert) Nizza KS 330 aus einem Magazin von 1968 mit ergänzender Artikelbeschreibung auf einem Verkaufsportal, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref> <ref name="dauto">Der Automobilhersteller Burgert auf dem Websportal dauto.nl, abgerufen am 17. Juli 2016 (niederländisch).</ref> <ref name="vongestern">Verschiedene Automobilwerbungen von 1963 bis 1969, darunter zum Nizza KS 330 / Burgert KS 330 Nizza, auf dem Webportal vongestern.com, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref> <ref name="bugland">Der Nembo und der Nizza KS330 auf dem Webportal bugland.be, abgerufen am 17. Juli 2016 (niederländisch).</ref> <ref name="swg">Übersicht über Kunststoffkarosserien auf VW-Fahrgestellen auf dem Webportal sowirdsgemacht.com, Wiedergabe von Rüdiger Etzold: Blickfang – Kunststoffkarosserien auf VW-Fahrwerk, in: Gute Fahrt (Zeitschrift), 1968, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref> <ref name="hobby">H. K.: Macht den Käfer zum Renner: Nembo (Autotest), in: Hobby – Das Magazin der Technik (Zeitschrift), Ausgabe 12, 1971, S. 28–32, Modellvorstellung des Nembo mit großen Fahrzeugabbildungen und Details der Kunststoffkarosserie.</ref> </references>

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