Zum Inhalt springen

Martin Reichardt (Politiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Martin Reichardt.jpg
Martin Reichardt (2018)

Martin Reichardt (* 30. Juli 1969 in Goslar<ref>Wahl zum 19. Bundestag in Sachsen-Anhalt am 24. September 2017 – Bewerberinnen und Bewerber. (pdf; 1,5 MB) Landeswahlleiterin des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.), 7. August 2017, S. 5, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. August 2017; abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>) ist ein rechtsextremer deutscher Politiker (seit 2015 AfD, zuvor FDP, Republikaner und SPD). Er ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist Vorsitzender des Landesverbandes AfD Sachsen-Anhalt,<ref name="zeit2018">AfD: Martin Reichardt ist neuer Landeschef in Sachsen-Anhalt. In: Zeit Online. 9. Juni 2018, abgerufen am 9. Juni 2018.</ref> der während Reichardts Amtszeit im Jahr 2023 als „gesichert rechtsextrem“<ref>Verfassungsschutz: AfD in Sachsen-Anhalt rechtsextremistisch. In: zdf.de. 7. November 2023, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. November 2023; abgerufen am 1. Juni 2026.</ref> eingestuft wurde. Er galt seinerzeit als „wichtiger Unterstützer“<ref name=":0" /> der innerparteilichen rechtsextremen Gruppe Der Flügel.<ref name=":0">Jan Schumann: Flügel unter Beobachtung: Jetzt steht auch der AfD-Nachwuchs unter Druck. In: mz.de. 12. März 2020, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref><ref>Maria Fiedler: Extremismusforscher zu AfD: „Der Verfassungsschutz ist viel zu spät dran“. In: Tagesspiegel.de. 23. Januar 2019, abgerufen am 13. März 2020 (Interview mit Steffen Kailitz).
Maria Fiedler: Warum die Wahlergebnisse dem radikalen „Flügel“ nützen. In: euractiv.de. 2. September 2019, abgerufen am 13. März 2020.
Antonie Rietzschel, Katja Riedel, Sebastian Pittelkow, Oliver Das Gupta: Diese Abgeordneten sitzen für die AfD im Bundestag. In: Süddeutsche Zeitung. 24. September 2017, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref> Im Juni 2020 zeigte er den Hitlergruß, im Juli 2026 wurde er mit 85 % in den Bundesvorstand der AfD gewählt.<ref>Martin Böhmer: AfD: So völkisch ist der neue Bundesvorstand. In: correctiv.org. 8. Juli 2026 (correctiv.org [abgerufen am 9. Juli 2026]).</ref><ref>Pauline von Pezold, Frederik Schindler WELT: Martin Reichardt: AfD-Landeschef zeigte Hitlergruß. In: Die Welt. Abgerufen am 9. Juli 2026.</ref>

Beruf und Privates[Bearbeiten]

Martin Reichardt wuchs in Goslar in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus auf. Sein Vater ist bis heute (Stand: 2017) SPD-Mitglied.<ref name="mdr.de">Anja Schlender: Martin Reichardt: Der Ex-Berufssoldat mit Hoffnung auf die AfD. Mitteldeutscher Rundfunk, 6. August 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. August 2017; abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>

Er war ab 1989 zwölf Jahre lang Soldat auf Zeit der Bundeswehr, bei der er 1989 bis 1992 als Offiziersanwärter ausgebildet wurde. Von 1992 bis 1996 studierte er Pädagogik an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg und schloss dieses Studium erfolgreich ab. Von 1996 bis 2001 war Reichardt als Offizier in der Panzertruppe tätig.<ref>Deutscher Bundestag - Martin Reichardt. Abgerufen am 28. Oktober 2022.</ref><ref>Jan Schumann: Der Parteisoldat: Wie die Bundeswehr den AfD-Politiker Martin Reichardt prägte. In: Mitteldeutsche Zeitung. 17. Februar 2025, abgerufen am 19. März 2026.</ref> Danach absolvierte er eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung und wechselte 2002 als Angestellter zu einem Unternehmen nach Sachsen-Anhalt, das Gleisbauarbeiten absichert. Er arbeitete dort bis 2017.

Reichardt ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in Hermsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Hohe Börde.<ref name=volksstimme1>Sachsen-Anhalt: AfD-Spitzenkandidat stützt Björn Höcke. In: Volksstimme. 26. März 2017, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>

Parteiaktivitäten[Bearbeiten]

Reichardt gehörte zunächst der SPD beziehungsweise den Jusos an.<ref name="mdr.de" /> Später trat er den Republikanern bei, denen er zwei Jahre angehörte.<ref name="mdr.de" /> Danach wechselte er zur FDP und war in der Kommunalpolitik tätig.<ref name="mdr.de" /> Seit dem Jahr 2015 ist er Mitglied der AfD.<ref name=volksstimme1 />

Im März 2017 wurde Reichardt zum Spitzenkandidaten (Platz 1 der Landesliste) der AfD Sachsen-Anhalt für die Bundestagswahl 2017 gewählt. Er setzte sich dabei als Wunschkandidat des AfD-Landesvorsitzenden André Poggenburg<ref name="mdr.de" /> mit 142 Stimmen gegen zwei Mitbewerber durch, auf die insgesamt 121 Stimmen entfielen.<ref name=volksstimme2>Bundestagswahl: Landes-AfD kürt Spitzenkandidaten. In: www.volksstimme.de. 6. April 2017, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref> Seither ist er ordentliches Mitglied im Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, familienpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung und für Gesundheit und Finanzen im Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement.<ref>Deutscher Bundestag - Martin Reichardt. Abgerufen am 18. Juli 2026.</ref>

Reichardt ist in der AfD-Bundestagsfraktion Leiter des Arbeitskreises Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seine Standpunkte sind: Willkommenskultur für Kinder, Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung, Stärkung von Ehe und Familie und Schutz des ungeborenen Lebens.<ref>AK13 - Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In: AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. Abgerufen am 3. Juni 2026.</ref>

Am 20. Dezember 2020 wurde der Landesvorsitzende Reichardt in Magdeburg zum Spitzenkandidaten auf Platz 1 der AfD-Landesliste Sachsen-Anhalt zur Bundestagswahl 2021 gewählt. Die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag fand am 26. September 2021 statt. Als Direktkandidat im sachsen-anhaltischen Wahlkreis 73 (Burgenlandkreis – Saalekreis) konnte Reichardt 26 % der Erststimmen auf sich ziehen und 24,9 % der Zweitstimmen.<ref>Was das Ergebnis der Bundestagswahl für Sachsen-Anhalt bedeutet. In: mdr.de. 27. September 2021, abgerufen am 20. Oktober 2021.</ref>

Nach Recherchen von Zeit Online stellten Reichardt sowie 18 weitere Abgeordnete seiner Fraktion Mitarbeiter aus dem rechtsextremen Milieu ein: Seine Mitarbeiterin Christa A. hatte für Compact über Sicherheitspolitik berichtet. Dessen Chefredakteur Jürgen Elsässer hatte es beispielsweise auf der Leipziger Buchmesse 2018 als Aufgabe seiner Zeitschrift genannt, die Spaltung der Gesellschaft zu vertiefen, um so „zum Sturz des Regimes beizutragen“.<ref>Kai Biermann, Astrid Geisler, Johannes Radke, Tilman Steffen: Bundestag: AfD-Abgeordnete beschäftigen Rechtsextreme und Verfassungsfeinde. In: Zeit Online. 21. März 2018, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>

Nachdem André Poggenburg wegen seiner gegenüber türkischen Mitbürgern beleidigenden Aschermittwochsrede im März 2018 auf Druck der Landespartei von seinen Ämtern zurückgetreten war, wurde Reichardt am 9. Juni 2018 zum Landesvorsitzenden gewählt, mit 254 Stimmen, bei 43 Gegenstimmen und 13 Enthaltungen.<ref name="MDR">Parteitag in Magdeburg: Reichardt ist neuer AfD-Landeschef. In: MDR.de. 9. Juni 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 12. Juni 2018; abgerufen am 25. November 2019.</ref> Er wolle die AfD zu einer „sozialen und patriotischen Volkspartei“ machen. Die Partei solle Verantwortung übernehmen und sich für eine Regierungsbeteiligung öffnen.<ref name="zeit2018" /> Am 20. September 2020 bestätigte die Landespartei Reichardt mit 90 Prozent Zustimmung für zwei weitere Jahre als Landesvorsitzenden.<ref>Entscheidung über Partei-Vorsitz: Reichardt bleibt AfD-Landeschef in Sachsen-Anhalt. In: t-online.de. 20. September 2020, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref> Auf dem Landesparteitag am 28. August 2022 in Magdeburg wurde Reichardt zum dritten Mal in Folge zum Vorsitzenden gewählt, er bekam 93,4 Prozent der Stimmen.<ref>Reichardt setzt auf Energiepreis-Demos im Herbst. In: Die Welt. 28. August 2022 (welt.de [abgerufen am 22. September 2022]).</ref>

Im April 2022 stellte sich Reichardt hinter die Forderung des russlandnahen Ex-Kanzlers Gerhard Schröder, die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland trotz des Angriffskrieges aufrechtzuerhalten. Auf Twitter äußerte er: „Ich hätte es nicht gedacht, aber […], was Schröder sagt, ist vernünftig und im deutschen Interesse.“<ref>Lobbyist und Ex-Kanzler: Schröder ist der "Bundeskanzler der Schande". In: t-online.de. 25. April 2022, abgerufen am 3. Juni 2026.</ref>

Auf dem Bundesparteitag am 19. Juni 2022 in Riesa wurde Martin Reichardt zum Beisitzer des Bundesvorstandes der AfD gewählt.<ref>Das ist der neue Bundesvorstand der AfD. Abgerufen am 22. September 2022.</ref> Reichardt zählte, wie sein Vorgänger Poggenburg, zu der offiziell aufgelösten völkisch-nationalistischen und rechtsextremen AfD-Gruppierung Der Flügel.<ref name="MDR" /> 2026 wurde er als Beisitzer wiedergewählt.

Reichardt wurde am 18. August 2024 erneut mit 84,8 Prozent zum Landesvorsitzenden gewählt. Er führte den Landesverband als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf 2025.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.mdr.deBundestagswahl 2025: AfD-Landeschef Martin Reichardt als Spitzenkandidat gewählt (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2026. Suche im Internet Archive) auf mdr.de.</ref> Er trat als Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Burgenland – Saalekreis an und gewann diesen mit 44,4 Prozent der Erststimmen.<ref>Ergebnisse Burgenland – Saalekreis - Die Bundeswahlleiterin. Abgerufen am 2. März 2025.</ref>

Kontroversen[Bearbeiten]

Vetternwirtschaftsaffäre[Bearbeiten]

Reichardt beschäftigt laut Mitteldeutscher Zeitung die Tochter seines Parteikollegen Lothar Waehler.<ref>Jan Schumann, Hagen Eichler: Alles bleibt in der Familie. In: Mitteldeutsche Zeitung, 14./15. Februar 2026, S. 3.</ref>

Vorwürfe des Zeigens des Hitlergrußes[Bearbeiten]

Im Juni 2026 veröffentlichten Medien ein Foto von 2020, welches Reichardt mit durchgestrecktem linken Arm neben seinem Parteikollegen Hans-Thomas Tillschneider zeigt.<ref>Tim Frehler, Iris Mayer: Ein ausgestreckter Arm und viele Fragen. In: Süddeutsche Zeitung. 25. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2026.</ref> Zahlreiche Beobachter sahen in der Geste den – in Deutschland auch mit linkem Arm verbotenen – Hitlergruß; Politiker verschiedener Parteien aus Sachsen-Anhalt forderten Reichardt zum Rückzug von seinen Ämtern auf. Dieser wies die Vorwürfe als „pöbelhafte Unverschämtheit“ zurück; es habe sich nicht um einen Hitlergruß gehandelt. Die AfD Sachsen-Anhalt deutete Reichardts erhobenen Arm in ihrer öffentlichen Kommunikation als „Ritterschlag“.<ref>Ritterschlag oder Hitlergruß?: Foto von AfD-Bundespolitiker Reichardt sorgt für Debatten. In: Tagesspiegel. 25. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2026.</ref><ref>AfD: Martin Reichardt soll Hitlergruß gezeigt haben. In: Der Spiegel. 25. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2026.</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Martin Reichardt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references responsive />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein