Wöhlerit
| Wöhlerit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Wöh<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel | Na2Ca4ZrNb[F|O3|(Si2O7)2]<ref name="StrunzNickel" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Gruppensilikate (Sorosilikate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/B.08 VIII/C.11-010<ref name="Lapis" /> 9.BE.17 56.02.04.05 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-sphenoidisch; 2 |
| Raumgruppe | P21 (Nr. 4)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 10,82 Å; b = 10,24 Å; c = 7,29 Å β = 109,0°<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Häufige Kristallflächen | {100}<ref name="SchröckeWeiner" /> |
| Zwillingsbildung | nach (100), pseudorhombische Zwillinge<ref name="SchröckeWeiner" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6 bis 6,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,40 bis 3,44; berechnet: 3,42<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | deutlich nach {010}, undeutlich nach {100} und {110}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | muschelig bis splittrig; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | hellgelb bis gelb, braun, grau |
| Strichfarbe | hellgelb |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Glasglanz, Harz- bis Fettglanz, matt |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,700 bis 1,705<ref name="Mindat" /> nβ 1,716 bis 1,720<ref name="Mindat" /> nγ 1,726 bis 1,728<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,026<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 70 bis 77° (gemessen); 70 bis 76° (berechnet)<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | schwach: X = Y = hellgelb bis fast farblos; Z = weingelb<ref name="Mindat" /> |
Wöhlerit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Na2Ca4ZrNb[F|O3|(Si2O7)2],<ref name="StrunzNickel" /> und damit ein komplex zusammengesetztes Natrium-Calcium-Zirkon-Niob-Silikat mit Fluor und Sauerstoff als zusätzlichen Anionen. Strukturell gehört Wöhlerit zu den Gruppensilikaten (Sorosilikate).
Wöhlerit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist dicktafelige bis prismatische Kristalle und pseudorhombische Zwillinge, kommt aber auch in Form körniger Aggregate vor. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle von hellgelber bis gelber, brauner oder grauer Farbe bei hellgelber Strichfarbe. Unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Bruchflächen dagegen eher Harz- bis Fettglanz.
Mit einer Mohshärte von 6 bis 6,5 gehört Wöhlerit zu den harten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Orthoklas (Härte 6) mit einer Stahlfeile ritzen lassen.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Erstmals entdeckt wurde Wöhlerit in den Syenitpegmatitgängen einiger Steinbrüche unter anderem auf der Insel Løvøya (Løvø, Lovoya, Lövö, Lövöe) im Langesund-Fjord nahe der Stadt Brevik in der norwegischen Provinz Telemark und beschrieben 1843 durch Theodor Scheerer (1813–1875), der das Mineral nach dem deutschen Chemiker Friedrich Wöhler benannte.<ref name="Scheerer" />
Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung des Mineralogisch-Petrographischen Instituts der Universität Göttingen (MSU-Göttingen) in Göttingen unter der Sammlungsnummer GZG.MIN.8.3.39.19 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />
Da der Wöhlerit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Wöhlerit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Wöhlerit lautet „Wöh“.<ref name="Warr" />
Klassifikation[Bearbeiten]
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Wöhlerit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er zusammen mit Låvenit die „Wöhlerit-Låvenit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/B.08 und den weiteren Mitgliedern Hiortdahlit, Hellandit, Marianoit (diskreditiert) und Niocalit bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/C.11-010. In der Lapis-Systematik entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Gruppensilikate“, wo Wöhlerit zusammen mit Baghdadit, Burpalit, Dovyrenit, Hiortdahlit, Janhaugit, Låvenit, Marianoit, Niocalit, Normandit und Roumait die „Wöhleritreihe“ mit der Systemnummer VIII/C.11 bildet.<ref name="Lapis" />
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Wöhlerit in die Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatgruppen, der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Si2O7-Gruppen mit zusätzlichen Anionen; Kationen in oktaedrischer [6]er- und größerer Koordination“ zu finden ist, wo es zusammen mit Baghdadit, Burpalit, Cuspidin, Hiortdahlite, Janhaugit, Låvenit, Marianoit, Niocalit und Normandit die „Cuspidingruppe“ mit der Systemnummer 9.BE.17 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Wöhlerit die System- und Mineralnummer 56.02.04.05. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort in die Abteilung der „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O“. Hier ist er zusammen mit Cuspidin in der „Cuspidin-Wöhlerit-Gruppe“ mit der Systemnummer 56.02.04 und den weiteren Mitgliedern Baghdadit, Burpalit, Cuspidin, Hainit, Hiortdahlit, Janhaugit, Jennit, Kochit, Komarovit, Kristiansenit, Låvenit, Marianoit, Mongolit, Natrokomarovit, Niocalit, Rosenbuschit und Suolunit innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen in [4] und/oder >[4]-Koordination“ zu finden.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Wöhlerit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21 (Raumgruppen-Nr. 4) mit den Gitterparametern a = 10,82 Å; b = 10,24 Å; c = 7,29 Å und β = 109,0° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften[Bearbeiten]
Vor dem Lötrohr in einer Platinzange lässt sich Wöhlerit bis zum Glühen erhitzt werden, ohne dass er sich verändert. Bei stärkerer Glühhitze schmilzt das Mineral allerdings zu einem gelblichen Glas ohne Blasen zu werfen.<ref name="Scheerer" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Wöhlerit bildet sich als akzessorischer Bestandteil in der Spätphase der Kristallisation alkalischer Pegmatite, findet sich aber auch in Nephelin-Syeniten, Feniten und Karbonatiten. Entsprechend seiner Bildungsbedingungen kann er mit vielen anderen Mineralen vergesellschaftet vorkommen, so unter anderem Aegirin, Albit, Astrophyllit, Betafit, Biotit, Cancrinit, Katapleiit, Eudialyt, Ferro-Hornblende, Fluorit, Latrappit, Låvenit, Mosandrit, Nephelin, Pyrochlor, Rosenbuschit und Zirkon sowie niobhaltiger Perowskit und Zirkonolith.
Als seltene Mineralbildung konnte Wöhlerit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2014) rund 70 Fundorte bekannt sind.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Løvøya trat das Mineral in Norwegen noch an mehreren Stellen im Langesundsfjord sowie in den Gebieten um Bjørkedalen, Langangen und Mørje in der Provinz Telemark auf. Des Weiteren wurde es an vielen Orten in der Provinz Vestfold entdeckt.
In Deutschland fand man Wöhlerit bisher vor allem in der rheinland-pfälzischen Vulkaneifel, so unter anderem bei Niedermendig, am Wingertsberg und am Krufter Ofen in der Nähe des Laacher Sees, im Steinbruch „Löhley“ bei Üdersdorf und am Hüttenberg in der Gemeinde Glees. Daneben trat es noch im Steinbruch Badloch am Badberg im Kaiserstuhl in Baden-Württemberg auf.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Angola, Australien, Grönland, Guinea, Italien, Kanada, Malawi, Mali, Rumänien, Russland, Schweden und den Vereinigten Staaten von Amerika (New Hampshire).<ref name="Fundorte" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Wöhlerit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- David Barthelmy: Wöhlerite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 16. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- IMA Database of Mineral Properties – Wöhlerite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Wöhlerite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Wöhlerite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Wöhlerit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 16. Mai 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 16. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – W. (PDF 126 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 16. Mai 2024. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Wöhlerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Wöhlerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Scheerer"> </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>