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Benthullen

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Benthullen
Gemeinde Wardenburg
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(553)&title=Benthullen 53° 2′ N, 8° 6′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(553) 53° 2′ 14″ N, 8° 6′ 27″ O
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Höhe: 14 m ü. NHN
Einwohner: 553 (31. Dez. 2024)<ref name="Wardenburg" />
Postleitzahl: 26203
Vorwahl: 04407
Benthullen (Niedersachsen)
Benthullen (Niedersachsen)
Lage von Benthullen in Niedersachsen

Benthullen ist ein Dorf in der Gemeinde Wardenburg im Landkreis Oldenburg im nordwestlichen Niedersachsen. Die Siedlung entstand in den 1930er Jahren im Zuge der Moorkolonisierung.

Geographie[Bearbeiten]

Benthullen liegt im Nordwesten des Naturparks Wildeshauser Geest und etwa 15 Kilometer südlich der Stadt Oldenburg. Wardenburg als Ortskern der Gemeinde befindet sich etwa 7,5 km nordöstlich des Dorfes. Nördlich der Ortslage befindet sich das Benthullener Moor.

Der Ort liegt direkt an der Grenze der Gemeinde Wardenburg zur Gemeinde Bösel, welche sich bereits im Landkreis Cloppenburg befindet. Somit stellt diese Grenze auch eine Konfessionsgrenze dar.

In näherer Umgebung befinden sich die Dörfer Charlottendorf West im Südosten, Achternholt im Nordosten, Harbern II im Norden sowie Kartzfehn und Petersdorf im Südwesten von Benthullen.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung der Moorkolonie Benthullen[Bearbeiten]

Datei:Benthullener Moor.jpg
Benthullener Moor im Jahr 2017

Das Dorf Benthullen wurde 1934 gegründet, zuvor gehörten die Flächen zu Achternholt.<ref name="benthullen" /><ref name=":2" /> Bereits ab 1908 wurden auf dem Gebiet mehrere Gräben durch das meterdicke Moor in Richtung des damaligen Hunte-Ems-Kanals gegraben, um es langfristig kultivierbar zu machen und Torf abzubauen.<ref name=":2">Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 244–247.</ref><ref name=":7">Diedrich Oltmanns: Benthullen - das Dorf im Moor. In: Gemeindespiegel. Nr. 7. Wardenburg Juni 1973, S. 5.</ref>

Anfang der 1930er war das Areal des heutigen Dorfes ein reines Sumpfgebiet. Im Frühsommer 1933 starteten die Erkundungen, um an dieser Stelle das Moor zu kolonialisieren. Am Dortmunderweg entstanden in den folgenden Monaten Unterkünfte für rund 200 Männer des Freiwilligen Arbeitsdienstes, die überwiegend aus dem saarländischen Völklingen kamen. Die Arbeiter hatten Moorflächen zu trocknen und einen Verbindungsweg nach Harbern II zu errichten, der in Erinnerung daran heute Saarländer Weg heißt.<ref name=":2" />

Für die Errichtung einer Siedlung wurden zwölf Hektar mit 29 Höfen ausgeschrieben, worauf sich 40 Landwirte aus der Region um Oldenburg, dem Ammerland und der Wesermarsch bewarben. Die Auswahl traf die Kreisbauernschaft.

„Nicht [in Benthullen] siedeln konnte, wer kein positives Verhältnis zum nationalsozialistischen Staat hatte, wer nach rassischen Merkmalen nicht nordisch oder fälisch war, wer nicht erbgesund war, wer nicht Moorerfahrung hatte und wer nicht einiges Vermögen als Anfangskapital beisteuern konnte. Eine Auswahl also wie bei einer Tierschau, mit Stammbaum und Leistungsnachweis.“

– Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Heinrich Schütte: Rückblick im Gemeindespiegel<ref>Gemeindespiegel Wardenburg Nr. 7, Juni 1973, S. 6</ref>

Die Stelle, wo der Saarländer Weg auf die alte Handelsroute zwischen Oldenburg und Petersdorf traf, der heutigen Böseler Straße, wurde Mittelpunkt des neuen Dorfes. Demnach entstand Benthullen nach dem Reißbrettprinzip, was noch heute am Häuser- und Straßenverlauf erkennbar ist.<ref name=":2" /><ref name=":7" />

Datei:Benthullen Gemeindebaum.jpg
Symbol für die Ortschaft Benthullen auf der Skulptur „Gemeindebaum“, geschaffen 2006 von Daniel Hübner

Im Mai 1934 konnten die ersten vier Landwirte ihre Wirtschaften beziehen, es handelte sich um die Familien von Heinrich Wulf, Peter Pargmann, Diedrich Bliefernich und Diedrich Meyer. Die Fundamente der Häuser bestehen aus steinernen Pfeilern, welche ins Moor gerammt wurden (Pfahlgründung). Benannt wurde die Siedlung nach dem in der Region typischen Bentgras.<ref name=":2" />

1935 entstand eine kleine Schule im Dorf, die bis 1945 vom Lehrer Gerhard Meyer geführt wurde.<ref name=":3">Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 299–301.</ref> Im März 1938 wurde Benthullen an das örtliche Stromnetz angeschlossen, indem eine Leitung von Littel aus direkt durch das Moor in die neue Siedlung gelegt wurde.<ref>Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 295.</ref>

Benthullen im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Benthullener Reichsarbeitsdienst 1935 bis 1945[Bearbeiten]

Der Freiwillige Arbeitsdienst wurde 1935 eingestellt, stattdessen trat der Reichsarbeitsdienst (RAD) an dessen Stelle. Die lokale NSDAP plante Benthullen als Propagandaprojekt zur „größten Kolonie Norddeutschlands“ zu machen.<ref name=":2" /> In Benthullen entstand die „RAD-Abteilung 3/190“, dessen Arbeiter das Benthullener Moor entwässerten, einen Vorfluter erstellten, Straßen anlegten und Erdarbeiten für den Bau von Häusern verrichten. Die Arbeiter waren in Baracken untergebracht. Im Oktober 1935 eröffneten Ministerpräsident Georg Joel sowie Ministerialrat Richard Tantzen in Benthullen ein Lager des weiblichen Reichsarbeitsdienstes für junge Arbeiterinnen unter 20 Jahren.<ref name=":3" />

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Benthullener Reichsarbeitsdienstes wurden von Zeitzeuginnen als schwierig beschrieben, so erinnerte sich Gudula Budke an starke Kälte, mangelnder Lebensmittelausgabe trotz gefüllten Vorräten und einer strengen Lagerführerin. Als sich im Januar 1945 etwa 40 junge, deutsche Frauen im Lager befanden und die Gelbsucht ausbrach, wurde jegliche medizinische Hilfe verwehrt. Als sich im April 1945 alliierte Truppen näherten, wurde das RAD-Lager geräumt und die Arbeiterinnen zu Fuß nach Hause geschickt.<ref name=":3" />

Zwangsarbeit in Benthullen[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurden in den Baracken des Reichsarbeitsdienstes Kriegsgefangene und Zwangsarbeitende untergebracht, die zumeist französisch und russisch waren.<ref name=":3" /> Ab 1942 wurde ein Kriegsgefangenenlager auf dem Gelände der Benthullener landwirtschaftlichen Waren- und Maschinengenossenschaft errichtet. Im Jahr 1944 befanden sich 150 Zwangsarbeitende im Gemeindegebiet, davon ein nicht unbedeutender Teil im Lager von Benthullen.<ref>Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 317–321.</ref>

Nachkriegszeit seit 1945[Bearbeiten]

Datei:Meteorit-Benthullen.JPG
Meteorit Benthullen

Der Meteorit Benthullen wurde zwischen 1944 und 1948 gefunden. Das Datum der Entdeckung kann nicht genau festgelegt werden, da die Angaben hierzu schwanken. Er ist mit 17,25 kg der zweitgrößte Steinmeteorit Deutschlands. Er entstand vor 4,5 Milliarden Jahren und zählt zu den L-Chondriten der Gruppe 6. Zeitweise war er im Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg ausgestellt.<ref>Landesmuseum zeigt größten Meteoriten „Benthullen“. In: NWZonline.de. 3. Februar 2020, abgerufen am 19. August 2026.</ref>

Ab den 1950ern wurde in der Landwirtschaft des Dorfes die Pferdekraft nach und nach durch die Motorisierung ersetzt.<ref name="benthullen" /> Der Strukturwandel hatte seinen Höhepunkt in den 1970er Jahren, als die Landwirtschaft im Ort immer weiter zurückging.<ref name=":7" />

Ein neu errichteter Schulneubau wurde 1953 eingeweiht, die Schule besteht heute allerdings nicht mehr. Schulkinder aus Benthullen besuchen inzwischen andere Schulen im Gemeindegebiet.<ref>Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 374.</ref>

Datei:Benthullen kirche.jpg
Gebäude der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde (2006)

Der Grundstein für eine Kirche in Benthullen wurde am 9. Mai 1954 gelegt. Der Bau wurde im darauffolgenden Jahr fertig gestellt. Architekt war der aus Schierbrok stammende Baurat Günter Loesch. Er errichtete die Kirche am Ende des Saarländer Weges, sodass ihre Turmspitze auch von Harbern II aus sichtbar ist. Im Jahr 1956 baute Alfred Führer aus Wilhelmshaven eine neue Orgel in die Kirche ein, die sich bis heute dort befindet.<ref>Benthullen. Ev.-Luth. Kirche. In: Orgeln im Oldenburger Land. Abgerufen am 19. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 353.</ref>

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Nach 1945 wuchs Benthullen durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen. Ende 2005 lebten in Benthullen Ost und Benthullen West 615 Einwohner (Haupt- und Nebenwohnungen),<ref name="Einwohner" /> Ende 2013 waren es 564 Einwohner,<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Gemeinde Wardenburg, Einwohnerzahl, Ortschaft (Stand 31.12.2013) (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive)</ref> bis Ende 2016 verringerte sich die Zahl dann auf 559.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Gemeinde Wardenburg, Einwohnerzahl (Stand 31.12.2016) (Memento vom 12. September 2017 im Internet Archive)</ref>

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Datei:Benthullen Moor- und Bauernmuseum.jpg
Eingangsbereich des Moor- und Bauernmuseums in Benthullen (2026)

Moor- und Bauernmuseum[Bearbeiten]

Als Anziehungspunkt für Benthullen hat sich das Moor- und Bauernmuseum entwickelt. Das Museum geht auf einen ehemaligen Siedlerhof zurück, der 1956 der sechsköpfigen Familie Berg durch das zuständige Siedlungsamt zugewiesen wurde.<ref name=":0">Moor- und Bauernmuseum in Benthullen: Künftig ein eigenständiger Verein – Vorstand gewählt. In: NWZonline.de. 8. Juli 2024, abgerufen am 19. August 2026.</ref>

Seit 2021 ist zudem das zuvor eigenständige Schreibmaschinenmuseum in den Räumlichkeiten des Moor- und Bauernmuseums untergebracht.<ref name=":1">Gemeindeleben. In: Freizeit & Kultur / Museen. Gemeinde Wardenburg, abgerufen am 19. Oktober 2025.</ref>

Das Museum wurde seit 1998 bis 2024 vom Bürger- und Heimatverein Benthullen-Harbern ehrenamtlich betrieben. Im Jahr 2024 gründete sich ein eigenständiger Museumsverein, der seitdem die Leitung des Museums übernimmt.<ref name=":0" />

Vereine[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltung[Bearbeiten]

In Benthullen wird die Tradition des Osterfeuers gepflegt. Das Osterfeuer Benthullens gilt deshalb als das größte Osterfeuer der Umgebung, da die Landjugend Benthullen-Harbern jedes Jahr ehrenamtlich die sogenannte Freiluftfete „Osterparty“ organisiert. Die Veranstaltung ist auf 850 Tickets begrenzt und meistens ausverkauft.<ref name=":5" /><ref name=":6" />

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Benthullen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="benthullen">

Moor- und Bauernhausmuseum - Über uns. Moor- und Bauernmuseum Benthullen e.V., abgerufen am 3. Mai 2017.

</ref> <ref name="Einwohner"> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Zahlen - Daten - Fakten, Einwohnerzahlen (Stand 31.12.2005) (Memento vom 7. November 2007 im Internet Archive) </ref> <ref name="Wardenburg"> Einwohnerzahl. Gemeinde Wardenburg, abgerufen am 19. Oktober 2025. </ref> </references>

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