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Charlottendorf Ost

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Charlottendorf Ost
Gemeinde Wardenburg
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(316)&title=Charlottendorf+Ost 53° 0′ N, 8° 11′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(316) 53° 0′ 20″ N, 8° 11′ 24″ O
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Postleitzahl: 26203
Vorwahl: 04407
Charlottendorf Ost (Niedersachsen)
Charlottendorf Ost (Niedersachsen)
Lage von Charlottendorf Ost in Niedersachsen

Charlottendorf Ost ist ein Ortsteil der Gemeinde Wardenburg im niedersächsischen Landkreis Oldenburg. Namensgeberin des Ortes war Sophie Charlotte von Oldenburg (1879–1964).

Geographie[Bearbeiten]

Charlottendorf Ost liegt etwa fünf Kilometer südlich des Kernbereichs von Wardenburg zwischen der westlich fließenden Lethe und der östlich verlaufenden Landesstraße L 870. Östlich verläuft die A 29.

Charlottendorf West befindet sich sechs Kilometer westlich, Littel vier Kilometer westlich und Westerburg drei Kilometer nordöstlich von Charlottendorf Ost. Die bereits zur Gemeinde Großenkneten gehörenden Ortsteile Halenhorst und Haschenbrock befinden sich südlich der Siedlung.

Das 185 ha große Naturschutzgebiet Böseler Moor liegt nordwestlich und das 201 ha große Naturschutzgebiet Sager Meere, Kleiner Sand und Heumoor südwestlich.

Staatsforst Tüdick[Bearbeiten]

Datei:Wardenburg TudickNW BlickNNO.jpg
Staatsforst Tüdick (2026)

Zu Charlottendorf Ost gehört außerdem die Siedlung Tüdick mit einer gleichnamigen Gastwirtschaft. Der Name leitet sich von dem Ruf der dort heimischen Schnepfenvögel ab. Um 1850 wurde das dortige Moor als „Vogelpoolsmoor“ bezeichnet. Bevor Charlottendorf Ost gegründet wurde, gehörte das Gebiet um Tüdick zu Westerburg.<ref>Erich Martens: Wardenburg in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1984, ISBN 90-288-2730-7, S. 35.</ref>

Im Jahr 1914 wurde der Staatsforst Tüdick angelegt.<ref name=":0">Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 247–253.</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung der Heidekolonie Charlottendorf 1910[Bearbeiten]

Datei:Charlottendorf Ost Gemeindebaum.jpg
Symbol für die Ortschaft Charlottendorf Ost auf der Skulptur „Gemeindebaum“, geschaffen 2006 von Daniel Hübner

Das Gebiet des heutigen Charlottendorfes bestand ursprünglich überwiegend aus Moor- und Heideflächen. Zu den ältesten Anwesen gehörte das Anwesen am Tüdick, das an einem alten Handelsweg in Richtung Süden lag. Im Jahr 1766 existierte dort bereits eine Schankwirtschaft. Sie diente den Postreitern auf der Strecke von Oldenburg in Richtung Ahlhorn als Möglichkeit zum Pferdewechsel und zur Einkehr. Aus diesem Grund ziert bis heute eine Postkutsche das Emblem von Charlottendorf-Ost.<ref name=":0" /><ref name=":2">Bernhard Gardeler: Charlottendorf-Ost und Charlottendorf-West: Siedlungen auf Heideflächen der Geest. In: Wardenburger Bürgerverein e.V. (Hrsg.): Im Spiegel der Zeit - 700 Jahre Wardenburg. 1. Auflage. 1970, S. 96–101.</ref>

Das Großherzogtum Oldenburg erwarb ab 1906 unkultivierte Flächen südlich von Wardenburg, um diese landwirtschaftlich zu erschließen. Dazu wurden Entwässerungsgräben angelegt und Wege gebaut. Bis 1911 hatte der Staat rund 560 Hektar Land erworben, von denen 420 Hektar an 44 Kolonisten vergeben worden waren.<ref name=":0" />

Der Wardenburger Gemeinderat bestätigte in seiner Sitzung vom 20. August 1912 die Benennung und Aufteilung Charlottendorfs in Ost und West. Anders als die im Gemeindegebiet später geteilten Dörfer Harbern I und Harbern II entwickelten sich Charlottendorf Ost und Charlottendorf West nach ihrer Gründung unabhängig voneinander.<ref>Ernst Heinje: Charlottendorf West: Ein Häuser- und Familienbuch. 1. Auflage. Garrel 2010, S. 11.</ref>

Nach einer zunächst erfolgreichen Entwicklung veränderten die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs die Lebensbedingungen der Kolonisten. Viele Männer aus Charlottendorf wurden zum Kriegsdienst eingezogen, während zugleich Düngemittel knapp wurden. Die Bewirtschaftung der noch jungen Höfe lag während der Kriegsjahre daher zu einem großen Teil in den Händen der Frauen.<ref name=":0" /><ref name=":2" />

Im Jahr 1913 wurde in Charlottendorf Ost eine Schule errichtet, die bis 1967 bestand.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> An das Stromnetz wurde Charlottendorf Ost im Jahr 1928 angeschlossen.<ref name=":2" />

Charlottendorf Ost im Nationalsozialismus (1933 bis 1945)[Bearbeiten]

Eine bereits seit spätestens Ende der 1920er Jahre aktive Ortsgruppe der NSDAP aus Charlottendorf-Ost prägte zunehmend das politische Geschehen in der Gemeinde Wardenburg. Gründer der Ortsgruppe war Gustav Kretzer (1876–1954), der seit 1920 in Charlottendorf-Ost lebte und seit Januar 1931 dem Gemeinderat angehörte. Bereits kurz nach der Machtübertragung veranstaltete die Ortsgruppe im Februar 1933 propagandistische Veranstaltungen und Kundgebungen in Westerburg, Oberlethe und Charlottendorf.<ref name=":1">Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 282–288.</ref><ref name=":3">Erich Bruns: Charlottendorf-Ost: Geschichte einer Kolonie. Dorfgemeinschaft Charlottendorf-Ost, Wardenburg 1985, S. 97.</ref>

Am 30. Juni 1933 wurde der 57-jährige Gustav Kretzer zum Gemeindevorsteher von Wardenburg ernannt und löste damit Diedrich Dannemann ab. Im Zuge der Amtsübergabe wurden gegen Dannemann Vorwürfe der Veruntreuung von Geldern erhoben. Er wurde daraufhin in Untersuchungshaft genommen und nahm sich später das Leben.<ref name=":1" /><ref name=":4">Joachim Tautz, Mareike Witkowski: Ergebnisse der Untersuchung von Straßennamen (Wardenburg). Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg 9. Februar 2023, S. 1–10 (wardenburg.de [PDF]).</ref>

Im Zweiten Weltkrieg wurde auf Weideflächen in Charlottendorf Ost ein Scheinflughafen mit Flugzeugattrappen angelegt, um alliierte Bomberverbände zu täuschen. In der Folge wurde Charlottendorf nachts von Bombenangriffen getroffen, die ursprünglich Zielen in Städten wie Oldenburg, Wilhelmshaven oder Bremen gegolten haben sollen. Am 17. April 1943 kam es über Charlottendorf Ost zu Luftkämpfen. Mehrere abgestürzte US-amerikanische Piloten landeten mit Fallschirmen in Charlottendorf und Höven und gerieten anschließend in deutsche Kriegsgefangenschaft.<ref>Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 315–316.</ref>

In den letzten Kriegstagen verlief eine Hauptkampflinie durch Charlottendorf Ost. Ende April 1945 rückten kanadische Truppen in Richtung Wardenburg vor, die Kampfhandlungen dauerten etwa eine Woche. Dabei wurden insgesamt sechzehn Häuser zerstört. Zu den zerstörten Anwesen gehörten auch der Hof Kretzers, in dem sich kurz zuvor noch ein militärischer Befehlsstand befunden hatte sowie der Hof des NSDAP-Ortsgruppenleiters Hinrich Brunken.<ref name=":3" /><ref>Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 323–325.</ref>

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege (errichtet 1953)<ref>Erich Bruns: Charlottendorf-Ost: Geschichte einer Kolonie. Dorfgemeinschaft Charlottendorf-Ost, Wardenburg 1985, S. 173.</ref>
  • Brauchtumspflege Osterfeuer (ehrenamtlich von Dorfgemeinschaft organisiert)<ref>Osterfeiertage in Wardenburg: Hier brennen am Samstag und Sonntag die Feuer. In: NWZonline.de. 27. März 2024, abgerufen am 12. September 2026.</ref>
  • Staatsforst Tüdick

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Wardenburg">Einwohnerzahlen. Gemeinde Wardenburg, abgerufen am 2. November 2025.</ref> </references>

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