Eifelit
| Eifelit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1980-097<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Eif<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel | KNa2MgNaMg3Si12O30<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Ringsilikate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/E.22 VIII/E.22-030<ref name="Lapis" /> 9.CM.05 63.02.01a.04 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | hexagonal<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Kristallklasse; Symbol | dihexagonal-dipyramidal; 6/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P6/mcc (Nr. 192)<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Gitterparameter | a = 10,14 Å; c = 14,22 Å<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Häufige Kristallflächen | {1010}, {0001}, untergeordnet {1120}, {1012}<ref name="Dunn et al. 1984"/><ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | Bitte ergänzen |
| Dichte (g/cm3) | 2,67<ref name="Dunn et al. 1984"/><ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Spaltbarkeit | nicht beobachtet<ref name="Dunn et al. 1984"/> |
| Farbe | farblos<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Strichfarbe | weiß<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Transparenz | durchsichtig<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Glanz | Glasglanz<ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω 1,5458 bis 1,5443<ref name="Dunn et al. 1984"/><ref name="Abraham et al. 1983"/> nε 1,5445 bis 1,5430<ref name="Dunn et al. 1984"/><ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Doppelbrechung | δ 0,001<ref name="Dunn et al. 1984"/><ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Optischer Charakter | einachsig positiv<ref name="Dunn et al. 1984"/><ref name="Abraham et al. 1983"/> |
| Pleochroismus | – |
Das Mineral Eifelit ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Milaritgruppe und hat die Endgliedzusammensetzung K Na2 MgNa Mg3 Si12O30. Es kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt farblose, sechsseitige, plattige bis prismatische Kristalle.<ref name="Abraham et al. 1983" />
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Entdeckt wurde Eifelit 1983 in einem Gneis-Xenolith vom Ettringer Bellerberg in der Eifel, Deutschland und wurde von K. Abraham, W. Gebert, O. Medenbach, W. Schreyer und G. Hentschel nach seinem Fundort, der Eifel in Deutschland benannt.<ref name="Abraham et al. 1983" />
21 Jahre später, im Jahr 2004 sammelte die Raumsonde Stardust Staubproben im Schweif des Kometen 81P/Wild 2, in denen Eifelit nachgewiesen werden konnte.<ref name="Fulle et al. 2013"/><ref name="Zolensky et al. 2006"/>
Klassifikation[Bearbeiten]
Da der Eifelit erst 1980 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/E.22-030. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate“, wo Eifelit zusammen mit Agakhanovit-(Y), Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Emeleusit, Faizievit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Lipuit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit, Yagiit und Yakovenchukit-(Y) die Gruppe „Doppelte Sechserringe [Si12O30]12− – Milarit-Osumilith-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/E.22 bildet (Stand 2018).<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Eifelit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist. Darin gehört es mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit zur „Milaritgruppe“ mit der System-Nr. 9.CM.05.<ref name="IMA-Liste-2009" />
Die Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) wird von „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführt. Hier gehört Eifelit in die Klasse „Silicate und Germanate“ und die Abteilung der „Ringsilikate“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silicatringe und Eifelit wird in der Unterabteilung „sechser-Doppelringe“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) mit der Systemnummer 9.CM geführt, zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe, den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit sowie dem verwandten Mineral Faizievit.<ref name="Mindat-Classification" />
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Eifelit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“ ein. Hier ist er in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.<ref>New Dana Classification of Cyclosilicates Cyclosilicate Condensed Rings. In: webmineral.com. Abgerufen am 17. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Chemismus[Bearbeiten]
Eifelit ist das Na-reiche Endglied der lückenlosen Roedderit-Eifelit-Mischkristallreihe. Die empirische Zusammensetzung aus der Typlokalität ist
- [12](K0,92Na0,08) [9](Na1,82□0,18) [6](Mg1,20Na0,80) [4](Mg2,78Zn0,05Cu0,02Mn2+0,08Fe2+0,03Al0,04) [4](Si11,92Al0,08)O30,
wobei in den eckigen Klammern die Koordinationszahl der jeweiligen Position in der Kristallstruktur angegeben ist.<ref name="Abraham et al. 1983"/>
Eifelit bildet eine lückenlose Mischkristallreihe mit Roedderit (CK B(□ Na) AMg2 T2Mg3 T1Si12O30) gemäß der Austauschreaktion B□ + AMg = BNa + ANa.<ref name="Abraham et al. 1983"/>
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Eifelit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P6/mcc (Raumgruppen-Nr. 192) mit den Gitterparametern a = 10,14 Å und c = 14,22 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Abraham et al. 1983"/>
Eifelit ist isotyp zu Milarit, d. h., es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist fast voll besetzt mit Kalium (K+). Die 9-fach koordinierten B-Position ist ebenfalls voll besetzt mit Natrium (Na+). Magnesium (Mg2+) und Natrium füllen zu etwa gleichen Teilen die 6-fach koordinierte A-Position und die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält Magnesium (Mg2+) und geringe Mengen anderer zweiwertiger Kationen. Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silicium (Si4+). Eifelit ist eines der wenigen Silikate, in dem Natrium mit oktaedrischer Koordination eingebaut wird.<ref name="Abraham et al. 1983"/>
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Die beiden einzigen bislang (2024) dokumentierten terrestrische Vorkommen von Eifelit liegen in der Laacher See Region der Eifel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.<ref name="Fundorte" /> Die Typlokalität ist der Steinbruch der Firma A. Casper an Ettringer Bellerberg, 2 km nördlich von Mayen.<ref name="Abraham et al. 1983"/> Dieser sehr mineralreiche Fundort ist die Typlokalität von 13 Mineralen (Stand 2016), davon allein 4 aus der Milaritgruppe: Almarudit, Eifelit, Friedrichbeckeit und Osumilith-(Mg). Weiterhin wurden hier die Milaritgruppenminerale Chayesit, Merrihueit, Roedderit und Trattnerit nachgewiesen.<ref name="Caspar quarry, mindat.org"/>
Dort wurde das Mineral in Hohlräumen eines silikatreichen Gesteinseinschlusses (Xenolith) in Leuzit-Tephrit-Lava gefunden. Er tritt zusammen mit Quarz, Sanidin, Clinopyroxen, Amphibol, Tridymit, Hämatit und Pseudobrookit auf. Dieses Vorkommen entspricht denen der anderen Minerale aus der Milaritgruppe, die in der Vulkaneifel zuvor gefunden wurden: Almarudit, Roedderit, Osumilith und Osumilith-(Mg).<ref name="Abraham et al. 1983"/>
Weiterhin wurde Eifelit nur noch im Rothenberg-Steinbruch bei Bell nachgewiesen.<ref name="Fundorte" />
Eifelit bildet sich kontaktmetamorph bei hohen Temperaturen um 900 °C und niedrigen Druck. Es wird angenommen, dass er sich direkt aus einer alkalireichen, Silizium- und Magnesium-haltigen und aluminiumarmen Gasphase abscheidet.<ref name="Abraham et al. 1983" />
Bei der Untersuchung von Staubproben des Kometen 81P/Wild 2 konnte Eifelit extraterrestrischen Ursprungs nachgewiesen werden. Eifelit ist demnach ein Kondensat aus der Gasphase solarer Nebel und zusammen mit Kalifeldspat wesentlicher Träger von Kalium, das spektroskopisch im Schweif von Kometen nachgewiesen werden konnte.<ref name="Fulle et al. 2013"/><ref name="Zolensky et al. 2006" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Eifelite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 67 kB; abgerufen am 17. August 2017]).
Weblinks[Bearbeiten]
- Eifelit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Vorlage:Mindat
- Eifelite Mineral Data. In: webmineral.com. David Barthelmy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Eifelite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Abraham et al. 1983"> K. Abraham, W. Gebert, O. Medenbach, W. Schreyer, G. Hentschel: Eifelite, KNa3Mg4Si12O30, a new mineral of the osumilite group with octahedral sodium. In: Contributions to Mineralogy and Petrology. Band 82, 1983, S. 252–258, doi:10.1007/BF01166619, bibcode:1983Comp...82..252A. </ref> <ref name="Caspar quarry, mindat.org"> Caspar quarry, Bellerberg volcano, Ettringen, Mayen, Eifel, Rhineland-Palatinate, Germany. In: mindat.org. Abgerufen am 17. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Dunn et al. 1984"> P. J. Dunn, G. Y. Chao, J. D. Grice, J. A. Ferraiolo, M. Fleischer, A. Pabst, J. A. Zilczer: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 69, 1983, S. 565–569 (minsocam.org [PDF; 658 kB; abgerufen am 17. August 2017]). </ref> <ref name="Fulle et al. 2013"> M. Fulle, P. Molaro, L. Buzzi, and P. Valisa: Potassium detection and Lithium depletion in comets C/2011 L4 (Panstarrs) and C/1965 S1 (Ikeya-Seki). In: Astrophysical Journal Letters. Band 771, 2013 (iop.org [PDF; 371 kB; abgerufen am 17. August 2017]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Eifelit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 20. Oktober 2024. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 1. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Classification"> Classification of Eifelite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), siehe auch Anker „Strunz-Mindat“). </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> Eifelite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 17. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Zolensky et al. 2006"> M. E. Zolenskyet et al.: Mineralogy and Petrology of Comet 81P/Wild 2 Nucleus Samples. In: Science. Band 314, 2006, S. 1735, doi:10.1126/science.1135842, bibcode:2006Sci...314.1735Z. </ref> </references>