Shibkovit
| Shibkovit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1997-018<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Sko<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Ringsilikate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/E.22-137<ref name="Lapis" /> 9.CM.05 63.02.01a.16 |
| Ähnliche Minerale | Quarz |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | hexagonal<ref name="Sokolova 1999"/> |
| Kristallklasse; Symbol | dihexagonal-dipyramidal; 6/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P6/mcc (Nr. 192) |
| Gitterparameter | a = 10,502 Å; c = 14,184 Å<ref name="Sokolova 1999"/> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="Sokolova 1999"/> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5,5 bis 6<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,89 berechnet: 2,90<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/> |
| Spaltbarkeit | fehlt<ref name="Lapis" /> |
| Farbe | farblos<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/> |
| Strichfarbe | weiß<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/> |
| Transparenz | durchsichtig<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/> |
| Glanz | Glasglanz<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω 1,561<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Sokolova 1999"/> nε 1,563<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Sokolova 1999"/> |
| Doppelbrechung | δ = 0,002 |
| Optischer Charakter | einachsig positiv, manchmal schwach zweiachsig<ref name="Sokolova 1999"/><ref name="Jambor et al. 2000"/> |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | hellrote Fluoreszenz unter kurzwelligem UV-Licht<ref name="Jambor et al. 2000"/> |
Das Mineral Shibkovit ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der Endgliedzusammensetzung K(□ K)Ca2(Zn3Si12)O30<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Kalium-Calcium-Zink-Silikat.
Shibkovit kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt farblose, isometrische Körnchen von unter einem Millimeter Größe. Äußerlich kann es leicht mit Quarz verwechselt werden, mit dem es mitunter eng verwachsen ist.<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/>
Shibkovit bildet sich in alkalireichen, wasserarmen Pegmatiten bei niedrigem Druck (<2 kbar) und mittleren Temperaturen um 450–500 °C. Er ist bislang nur an seiner Typlokalität, den Moränen des Darai-Pioz-Gletschers im Alaigebirge in Tadschikistan, gefunden worden.<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/>
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Entdeckt wurde Shibkovit in den Moränen des Gletschers Dara-i-Pioz im Alaigebirge in Tadschikistan und 1998 von L. A. Pautov, A. A. Agakhanov, E. V Sokolova als neues Mineral der Milaritgruppe beschrieben. Sie benannten das Mineral nach den bekannten russischen Geologen Wiktor Sergejewitsch Schibkow (1926–1992) und Nikolai Wiktorowitsch Schibkow (1951–1991).<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/>
Klassifikation[Bearbeiten]
Da der Shibkovit erst 1997 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/E.22-137. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate“, wo Shibkovit zusammen mit Agakhanovit-(Y), Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Emeleusit, Faizievit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Lipuit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit, Yagiit und Yakovenchukit-(Y) die Gruppe „Doppelte Sechserringe [Si12O30]12− – Milarit-Osumilith-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/E.22 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Shibkovit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist. Darin gehört es mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit zur „Milaritgruppe“ mit der System-Nr. 9.CM.05.<ref name="IMA-Liste-2009" />
Die Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) wird von „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführt. Hier gehört Shibkovit in die Klasse „Silicate und Germanate“ und die Abteilung der „Ringsilikate“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silicatringe und Shibkovit wird in der Unterabteilung „sechser-Doppelringe“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) mit der Systemnummer 9.CM geführt, zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe, den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit sowie dem verwandten Mineral Faizievit.<ref name="Mindat-Classification" />
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Shibkovit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“ ein. Hier ist er in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.
Chemismus[Bearbeiten]
Shibkovit ist das K-Ca-Analog von Klöchit oder Dusmatovit bzw. das K-Zn-Analog von Milarit und die <ref name="IMA-Liste-2009" /> aus der Typlokalität ist
- [12]K [9](K1,20□0,80) [6](Ca1,26Mn0,40Na0,39Fe0,01) [4]Zn3,01 [4](Si12,01Al0,01)O30,
wobei in den eckigen Klammern die Koordinationszahl der jeweiligen Position in der Kristallstruktur angegeben ist.<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Jambor et al. 2000"/>
Die Untersuchung von hydrothermal synthetisch hergestellten Shibkovit mit der Zusammensetzung K (K1,67 0,33H2O) (Ca1,3Na0,7) Zn3 Si12O30 ergab, dass die Kristallisationsbedingungen wie Druck, Temperatur und Wassergehalt der fluiden Phase bestimmen, ob und wie viel Kristallwasser in Mineralen mit Milaritstruktur eingebaut wird.<ref name="Kiriukhina 2015"/>
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Shibkovit kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie der Raumgruppe P6/mcc (Raumgruppen-Nr. 192) und den Gitterparametern a = 9,970 Å und c = 14,130 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Pautov et al. 1998"/><ref name="Sokolova 1999"/>
Der schwache, optisch zweiachsige Charakter von Shibkovit deutet auf eine erniedrigte Symmetrie hin.
Shibkovit ist isotyp zu Milarit, d. h., es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium (K+). Die 9-fach koordinierte B-Position ist ebenfalls mit Kalium (K+) mehr als zur Hälfte besetzt. Kalzium (Ca2+), Mangan (Mn2+), Natrium (Na+) und Eisen (Fe2+) füllen die 6-fach koordinierte A-Position. Neben dem ebenfalls zu den Milariten gehörenden Eifelit ist es eines der wenigen Minerale, das signifikante Mengen Natrium in oktaedrisch koordinierten Positionen einbaut. Die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält ausschließlich Zink (Zn2+). Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).<ref name="Sokolova 1999"/>
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Shibkovit bildet sich in alkalireichen, H2O-untersättigten Pegmatiten bei niedrigem Druck (<2 kbar) und Temperaturen um 450–500 °C.<ref name="Darai-Pioz Glacier, mindat.org"/>
Das bislang einzige dokumentierte Vorkommen von Shibkovit ist seine Typlokalität (Stand 2024), der Gletscher Dara-i-Pioz im Alaigebirge in Tadschikistan,<ref name="Fundorte" /> wo es in pegmatitischen Gesteinen in den Moränen gefunden wird. Shibkovit tritt hier zusammen mit Quarz, den Feldsspäten Mikroklin und Albit, dem Natrium-Pyroxen Ägirin, dem Lithium-Glimmer Polylithionit, Reedmergnerit (ein Gerüstsilikat aus der Feldspatgruppe), dem Milaritgruppenmineral Sogdianit, Pyrochlor<ref name="Pautov et al. 1998"/> sowie Pektolith, Turkestanit, ein Thorium-4er-Doppelringsilikat und Sphalerit auf.<ref name="Sokolova 1999"/>
Dieser sehr mineralreiche Fundort ist die Typlokalität von 44 Mineralen (Stand 2024), davon allein 5 aus der Milaritgruppe: Berezanskit, Darapiosit, Dusmatovit, Shibkovit und Sogdianit. Weiterhin wurden hier die Milaritgruppenminerale Milarit, Osumilith, und Sugilith nachgewiesen.<ref name="Darai-Pioz Glacier, mindat.org"/>
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 714.
Weblinks[Bearbeiten]
- Shibkovit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Vorlage:Mindat
- Shibkovite Mineral Data. In: webmineral.com. David Barthelmy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- IMA Database of Mineral Properties – Shibkovite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Shibkovite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Shibkovite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Darai-Pioz Glacier, mindat.org"> Dara-i-Pioz Massif, Districts of Republican Subordination, Tajikistan. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 22. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Shibkovit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 1. November 2023. </ref> <ref name="Hawthorne 2002"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 1. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Jambor et al. 2000"> </ref> <ref name="Kiriukhina 2015"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Classification"> Classification of Shibkovite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), siehe auch Anker „Strunz-Mindat“). </ref> <ref name="Pautov et al. 1998"> </ref> <ref name="Sokolova 1999"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Shibkovit Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 20. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>