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Brannockit

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Brannockit
Datei:Brannockite.jpg
Farblose bis weiße Brannockitkristalle aus der Typlokalität Foote Mine bei Kings Mountain (North Carolina), USA
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1972-029<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Bra<ref name="Warr" />

Chemische Formel KSn4+2Li3Si12O30<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ringsilikate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/E.22-140<ref name="Lapis" />

9.CM.05
63.02.01a.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Armbruster & Oberänsli 1988"/>
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-dipyramidal; 6/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P6/mcc (Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Armbruster & Oberänsli 1988"/>
Gitterparameter a = 10,0167 Å; c = 14,2452 Å<ref name="White et al. 1973"/>
Formeleinheiten Z = 2<ref name="White et al. 1973"/>
Häufige Kristallflächen {001}, untergeordnet {100}, {110}, {114}<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>
Zwillingsbildung häufig, äußerlich nicht sichtbar<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/><ref name="Armbruster & Oberänsli 1988"/>
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte nicht bestimmt
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,98; berechnet: 3,08<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis"/>
Bruch; Tenazität spröde
Farbe farblos<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis"/>
Transparenz durchsichtig<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/> bis durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy"/>
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 1,567<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>
nε 1,566<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>
Doppelbrechung δ = 0,001
Optischer Charakter einachsig negativ<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale helle, bläulich weiße Fluoreszenz unter kurzwelligem UV-Licht<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>

Das Mineral Brannockit (IMA-Symbol Bra<ref name="Warr" />) ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Milaritgruppe innerhalb der Mineralklasse der Silikate und Germanate mit der Endgliedzusammensetzung K□2Sn4+2Li3Si12O30 (□: Leerstelle). Es kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt Aggregate farbloser, plattiger Kriställchen von wenigen Millimetern Größe.<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>

Brannockit findet sich in spät hydrothermalen Bereichen alkalireicher Pegmatite, in denen sich Lithium und Zinn angereichert haben. Neben seiner Typlokalität, der Foot Mine im Kings Mountain District, Cleveland County, North Carolina, USA, ist Brannockit bisher (Januar 2025) nur an zwei weiteren Lokalitäten in Washington, USA und in Tadschikistan gefunden worden.<ref name="Raschke et al. 2016"/><ref name="Agakhanov et al. 2016" />

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Entdeckt wurde Brannockit 1968 von C. Hudgins aus Marion, North Carolina, in der Foot Mine, einem Lithium-reichen Granit-Pegmatit bei Kings Mountain (North Carolina). Er spendete eine Probe dem National Museum of Natural History der Smithsonian Institution, wo sie von John S. White und seinen Mitarbeitern wissenschaftlich untersucht und als Li-Sn-Analog von Osumilith charakterisiert wurde. Sie benannten das Mineral nach dem Chemiker und Mineraliensammler Kent Combs Brannock (1923–1973)<ref name="Handbookofmineralogy"/> aus Kingsport, Tennessee, der wesentlich an der Beschreibung zahlreicher Minerale aus der Foot Mine beteiligt war.<ref name="White et al. 1973"/>

Publiziert wurde die Entdeckung fünf Jahre später im The Mineralogical Record, einer Zeitschrift, die John S. White 1970 selbst gegründet hatte.<ref name="mineralogicalrecord"/>

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz ist der Brannockit noch nicht verzeichnet. Einzig im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/E.22-140. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate“, wo Brannockit zusammen mit Agakhanovit-(Y), Almarudit, Armenit, Berezanskit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Emeleusit, Faizievit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Lipuit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit, Yagiit und Yakovenchukit-(Y) die „Milarit-Osumilith-Gruppe“ (VIII/E.22) bildet (Stand 2018).<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Brannockit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist. Darin gehört es mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit zur „Milaritgruppe“ mit der System-Nr. 9.CM.05.<ref name="IMA-Liste-2009" />

Die Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) wird von „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführt. Hier gehört Brannockit in die Klasse „Silicate und Germanate“ und die Abteilung der „Ringsilikate“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silicatringe und Brannockit wird in der Unterabteilung „sechser-Doppelringe“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) mit der Systemnummer 9.CM geführt, zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe, den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit sowie dem verwandten Mineral Faizievit.<ref name="Mindat-Classification" />

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Brannockit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“ ein. Hier ist er in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.

Chemismus[Bearbeiten]

Brannockit hat die Endgliedzusammensetzung K□2Sn4+2Li3Si12O30 und ist das Lithium-Zinn-Analog von Osumilith. Die empirische Zusammensetzung aus der Typlokalität ist [12]K [6]Sn2 [4]Li3 [4]Si12O30, wobei in den eckigen Klammern die Koordinationszahl der jeweiligen Position in der Kristallstruktur angegeben ist.<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Fleischer 1973"/>

Brannockit bildet Mischkristalle mit Berezanskit, Sogdianit und in geringem Maße Sugilith, was sich im Ersatz von Sn4+ durch Ti4+, Zr4+ und Hf4+ sowie dem gekoppelten Einbau von [6]Fe/Al3+ und [9]Na+ äußert.<ref name="Raschke et al. 2016"/>

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Brannockit kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie der Raumgruppe P6/mcc (Raumgruppen-Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192 und den Gitterparametern a = 10.0167 Å und c = 14.2452 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Armbruster & Oberänsli 1988"/>

Brannockit ist isotyp zu Milarit, d. h., es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium (K+) und die 9-fach koordinierte B-Position ist unbesetzt. Zinn (Sn4+) besetzt die 6-fach koordinierte A-Position. Die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält ausschließlich Lithium (Li+). Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).<ref name="White et al. 1973"/><ref name="Armbruster & Oberänsli 1988"/>

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Brannockit bildet sich in der späten hydrothermalen Phase alkalireicher Pegmatite.

Weltweit ist Brannockit nur an drei Fundorten dokumentiert worden (Stand Januar 2025).

An seiner Typlokalität, der Foot Mine im Kings Mountain District, Cleveland Co., North Carolina, USA, findet sich Brannokit in Miarolen und Rissen. Er tritt hier zusammen mit Quarz, Albit, dem Mehrfach-Kettensilikat Bavenit, Pyrit, dem Hydroxid Tetrawickmanit und Titanit auf.<ref name="White et al. 1973"/>

Dieser sehr mineralreiche Fundort ist die Typlokalität von 16 Mineralen (Stand Januar 2025). Brannockit ist dort das einzige Mineral der Milaritgruppe.<ref name="Foote Mine, mindat.org"/>

Der zweite dokumentierte Fundort ist ein alkalireicher Granit des Golden Horn Batholithen bei Liberty Bell/Washington Pass im Okanogan County, Washington, USA. Brannockit tritt hier mit dem Li-Zr-Osumilith Sogdianit und den Li-Na-Zr-6er-Doppelkettensilikat Zektzerit auf, das hier zuerst beschrieben worden ist.<ref name="Raschke et al. 2016"/><ref name="Washington Pass, mindat.org"/>

In den Moränen des Dara-i-Pioz Massifs in Tadschikistan wurde Brannockit als sekundärmineral zusammen mit Sogdianit in Amphibol-Quarz-Feldspat-Blöcken gefunden. Weitere Minerale in dieen Blöcken sind Bulgakit, Mikroklin, Bafertisit, Aegirin, Calcybeborosilit-(Y), Thorit und Fluorit.<ref name="Agakhanov et al. 2016" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Brannockite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Agakhanov et al. 2016"> Atali A. Agakhanov, Leonid A. Pautov, Elena Sokolova, Yassir A. Abdu, Vladimir Y. Karpenko: Two Astrophyllite-Supergroup Minerals: Bulgakite, A New Mineral From the Darai-Pioz Alkaline Massif, Tajikistan and Revision of the Crystal Structure and Chemical Formula of Nalivkinite. In: The Canadian Mineralogist. Band 54, 2016, S. 33–48, doi:10.3749/canmin.1500085 (rruff.info [PDF; 732 kB; abgerufen am 13. Januar 2025]). </ref> <ref name="Armbruster & Oberänsli 1988"> Thomas Armbruster, Roland Oberänsli: Crystal chemistry of double-ring silicates: Structures of sugilite and brannockite. In: The American Mineralogist. Band 73, 1988, S. 595–600 (rruff.info [PDF; 1,1 MB; abgerufen am 15. August 2024]). </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fleischer 1973"> Michael Fleischer: New Mineral Names. In: The American Mineralogist. Band 58, 1973, S. 1111–1115 (rruff.info [PDF; 572 kB; abgerufen am 15. August 2024] Brannockite, S. 1111). </ref> <ref name="Foote Mine, mindat.org"> Foote Lithium Co. Mine (Foote Mine), Kings Mountain District, Cleveland Co., North Carolina, USA. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Classification"> Classification of Brannockite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 13. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), siehe auch Anker „Strunz-Mindat“). </ref> <ref name="mineralogicalrecord"> Wendell E. Wilson: The Mineralogical Record: John S. White. Abgerufen am 15. August 2024. </ref> <ref name="Raschke et al. 2016"> M. B. Raschke, E. J. D. Anderson, J. Allaz, H. Friis, J. R. Smyth, R. Tschernich, R. Becker: Crystal chemistry of brannockite, KLi3Sn2Si12O30, from a new occurrence in the Golden Horn Batholith, Washington State, USA. In: European Journal of Mineralogy. Band 28, Nr. 1, März 2016, S. 153–161, doi:10.1127/ejm/2015/0027-2477 (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.colorado.edu (Memento vom 18. August 2022 im Internet Archive) [PDF; 519 kB; abgerufen am 15. August 2024]). </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Washington Pass, mindat.org"> Washington Pass, Golden Horn Batholith, Okanogan Co., Washington, USA. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Brannockite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 15. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="White et al. 1973"> J. S. White, J. E. Arem, J. A. Nelen, P. B. Leavens, R. W. Thomssen: Brannockite, a new tin mineral. In: The Mineralogical Record. Band 4, März 1973, S. 73–76 (rruff.info [PDF; 2,1 MB; abgerufen am 15. August 2024]). </ref> </references>