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Friedrichbeckeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Friedrichbeckeit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2008-019<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Fri<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • K(☐Na)Mg2(Be2Mg)Si12O30<ref name="IMA-Liste" />
  • KNa□Mg2Be3Si12O30<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ringsilikate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/E.22-020<ref name="Lapis" />

9.CM.05
63.02.01a.21
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-dipyramidal; 6/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P6/mcc (Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192
Gitterparameter a = 9,970 Å; c = 14.130 Å<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Formeleinheiten Z = 2<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Häufige Kristallflächen {0001}, untergeordnet {1010}, {1120}<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Dichte (g/cm3) 2,686 (berechnet)<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis" />
Bruch; Tenazität unregelmäßig<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Farbe farblos bis blass gelb<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Strichfarbe weiß<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Transparenz durchsichtig<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Glanz Glasglanz<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 1,552<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
nε 1,561<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Doppelbrechung δ = 0,009
Optischer Charakter einachsig positiv, manchmal leicht zweiachsig<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>
Pleochroismus deutlich: ω = gelb; ε = hellblau<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>

Das Mineral Friedrichbeckeit (IMA-Symbol Fri<ref name="Warr" />) ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Milaritgruppe und hat die Endgliedzusammensetzung KNa□Mg2Be3Si12O30. Es kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt farblose, sechsseitig plattige Kristalle von unter einem Millimeter Größe.<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>

Friedrichbeckeit bildet sich bei der Kontaktmetamorphose von silikatreichen Fremdgesteinseinschlüssen in alkalireichen tephritischen Magmen und ist bislang nur an seiner Typlokalität, dem Bellerberg-Vulkan in der Eifel, gefunden worden.<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Entdeckt wurde Friedrichbeckeit 2009 in einem Gneis-Xenolith vom Ettringer Bellerberg in der Eifel, Deutschland und wurde von C. L. Lengauer, N. Hrauda, Uwe Kolitsch, R. Krickl, and E. Tillmans nach dem österreichischen Mineralogen und Petrographen Friedrich Johann Karl Becke (1855–1931) benannt. Becke war Leiter des Mineralogisch-Petrographischen Instituts der Universität Wien und ist bekannt für die von ihm entwickelte Methode, unter dem Mikroskop den Brechungsindex von Mineralen durch Beobachtung der ebenfalls nach ihm benannten Beckeschen Linie abzuschätzen.<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>

Friedrichbeckeit ist bereits der zweite Anlauf, Friedrich Becke mit der Benennung eines Minerals zu ehren. Bereits im Jahre 1905 benannte J. Morozewicz das Kalzium-Lanthan-Silikat Beckelith nach Friedrich Becke.<ref name="Morozewecz 1905"/> Beckelith erwies sich als identisch mit Britholith-(Ce) und wurde im Jahr 2006 von der CNMMC der Internationalen Mineralogischen Vereinigung (IMA) als Mineral diskreditiert.<ref name="Burke 2006"/>

Klassifikation[Bearbeiten]

Da der Friedrichbeckeit erst 2009 entdeckt wurde, ist er in der zuletzt 1977 überarbeiteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/E.22-20. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate“, wo Friedrichbeckeit zusammen mit Agakhanovit-(Y), Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Emeleusit, Faizievit, Klöchit, Lipuit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit, Yagiit, Yakovenchukit-(Y) die „Milarit-Osumilith-Gruppe“ (mit doppelten Sechserringen [Si12O30]12−) mit der Systemnummer VIII/E.22 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Friedrichbeckeit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist. Darin gehört es mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg) (N), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit zur „Milaritgruppe“ mit der Systemnummer 9.CM.05.<ref name="IMA-Liste-2009" />

Die Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) wird von „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführt. Hier gehört Friedrichbeckeit in die Klasse „Silicate und Germanate“ und die Abteilung der „Ringsilikate“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silicatringe und Friedrichbeckeit wird in der Unterabteilung „sechser-Doppelringe“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) mit der Systemnummer 9.CM geführt, zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe, den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit sowie dem verwandten Mineral Faizievit.<ref name="Mindat-Classification" />

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat MineralName die System- und Mineralnummer 63.02.01a.21. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“, dort allerdings der bereits feiner unterteilten Abteilung „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“. Hier ist er in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der Systemnummer 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.

Chemismus[Bearbeiten]

Friedrichbeckeit hat die Endgliedzusammensetzung

  • K(Na□)Mg2Be3Si12O30

und ist das Mg-Analog von Almarudit, Milarit und Oftedalit bzw. das Be-Analog von Merrihueit und Roedderit.

Die empirische Zusammensetzung des Friedrichbeckeit aus der Typlokalität ist

  • [12](K0,87)[9](Na0,86□1,16)[6](Mg1,57Mn0,28Fe0,24)[4](Be1,83Mg1,17) [4]Si12,0O30,

wobei in den eckigen Klammern die Koordinationszahl der jeweiligen Position in der Kristallstruktur angegeben ist.<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>

Die ideale Endgliedzusammensetzung von Friedrichbeckeit enthält kein Magnesium auf der [4]T2-Position. Die Mg-Gehalte dieser Position gehen auf eine Mischkristallbildung mit Roedderit (hier ca. 30 Mol-%) zurück.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Friedrichbeckeit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P6/mcc (Raumgruppen-Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192 mit den Gitterparametern a = 9,970 Å und c = 14,130 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle. 

Friedrichbeckeit ist isotyp zu Milarit, d. h., es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist fast voll besetzt mit Kalium (K+). Die 9-fach koordinierte B-Position ist halb besetzt mit Natrium (Na+). Magnesium (Mg2+), Mangan (Mn2+) und Eisen (Fe2+) füllen die 6-fach koordinierte A-Position und die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält Beryllium (Be2+) und Magnesium (Mg2+). Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Friedrichbeckeit bildet sich kontaktmetamorph bei hohen Temperaturen um 900 °C und niedrigem Druck. Es wird angenommen, dass er sich wie Eifelit direkt aus einer alkalireichen, Silizium- und Magnesium-haltigen und Aluminium-armen Gasphase abscheidet.<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/>

Das bislang (Stand 2024) einzige dokumentierte Vorkommen von Friedrichbeckeit ist seine Typlokalität<ref name="Fundorte" />, der Steinbruch der Firma A. Casper am Ettringer Bellerberg, 2 km nördlich von Mayen, in der Laacher-See-Region der Eifel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/> Dieser sehr mineralreiche Fundort ist die Typlokalität von 17 Mineralen (Stand 2024), davon allein 4 aus der Milaritgruppe: Almarudit, Eifelit, Friedrichbeckeit und Osumilith-(Mg). Weiterhin wurden hier die Milaritgruppenminerale Chayesit, Merrihueit, Roedderit und Trattnerit nachgewiesen.<ref name="Mindat-Caspar-quarry"/>

Dort wurde das Mineral in Hohlräumen eines silikatreichen Gesteinseinschlusses (Xenolith) in Leucit-Tephrit-Lava gefunden. Er tritt zusammen mit Quarz, Sanidin, Tridymit, Augit, Magnesio-Hornblende, Enstatit, Almandin-Spessartin-reichem Granat, Fluorapatit, Biotit, Braunit, Hämatit und Roedderit auf.<ref name="Lengauer et al. 2009"/><ref name="Piilionen et al. 2009"/> Dieses Vorkommen entspricht denen der anderen Minerale aus der Milaritgruppe, die in der Vulkaneifel zuvor gefunden wurden: Almarudit, Roedderit, Osumilith und Osumilith-(Mg).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Burke 2006"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Friedrichbeckeit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 22. Oktober 2024. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Lengauer et al. 2009"> </ref> <ref name="Mindat-Caspar-quarry"> Caspar quarry, Bellerberg volcano, Ettringen, Mayen, Eifel, Rhineland-Palatinate, Germany. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 22. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Classification"> Classification of Friedrichbeckeite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), siehe auch Anker „Strunz-Mindat“). </ref> <ref name="Morozewecz 1905"> J. Morozewecz: Über Beckelith, ein Cero-Lanthano-Didymo-Silikat von Calcium. In: Tschemaks mineralogische und petrographische Mitteilungen. Band 24, 1905, S. 120–134 (online verfügbar bei archive.org – Internet Archive [abgerufen am 6. September 2022]). </ref> <ref name="Piilionen et al. 2009"> P. C. Piilionen, G. Poirier, K. T. Tait: New Mineral Names. Friedrichbeckeite. In: American Mineralogist. Band 94, 2009, S. 1495–1501 (minsocam.org [PDF; 638 kB; abgerufen am 6. September 2022]). </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Friedrichbeckeite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 6. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>